
von
M. E. Schugge
Verlag moderner Lektüre
G.m.b.H.
Berlin.S.O.26. Elisabethufer.44.
Nachdruck verboten. – Alle Rechte vorbehalten. Copyright 1921 by Verlag moderner Lektüre G. m. b. H.
Druck P. Lehmann G. m. b. H., Berlin SO. 26.
1. Kapitel
Der große Dalles.
So ‛n schöner Dalles
Geht über alles –
Sie besinnen sich, daß diese idiotenhaften Verse vor nicht langer Zeit in einer frisch aufgewichsten Posse von einer noch frischer aufgewichsten Soubrette von annähernd sechzig Lenzen auf einer Berliner Bühne vor einem Publikum gesungen wurde, welches sich darüber nur deshalb halb tot lachte, weil es eben keine Ahnung hatte, was ein sogenannter ‚schöner‛ Dalles in Wahrheit bedeutet.
Außer mir wissen dies heute im Deutschen Reich noch Unzählige.
Womit ich andeuten will, daß ich für meine Person den Dalles aus dem FF kenne. Auch dessen unglaubliche, vielseitige, charakterzerstörende Folgen.
Über diese Folgen muß ich mich in diesem ersten Teil unserer wahren Geschichte eingehender äußern. –
Sie gestatten zunächst, daß ich mich Ihnen, verehrteste Leserin, vorstelle. Den Lesern stelle ich mich nicht vor.
Nein – nur Damen stelle ich nach und – stelle ich mich deshalb auch vor.
Also:
Max Emil Schugge
Schriftsteller
Student der Tierheilkunde a.D.
Gefreiter d. L. a.D.
Ich bin heute genau neunundzwanzig Jahre, vier Monate, dreizehn Tage alt.
Mein Vater war Künstler, das heißt Malermeister in der pommerschen Großstadt Usedom. Er malte Häuser, Zimmer und so weiter, je nach Wunsch in rot, grün, gelb, blau oder sonst einer geschmackvollen Farbe.
Er war noch auf einem anderen Gebiet Künstler: als Erzeuger und Ernährer von vierzehn – lebenden – Kindern.
Bitte, lächeln Sie nicht, meine Da-, pardon, mein Herr! Sie denken: Kunststück – vierzehn Kinder?! Kann ich auch –!
Gewiß – warum nicht. Der bekannte Spruch lautet aber:
Vater werden, ist nicht schwer,
Vater sein, dagegen sehr!
Und dieses ‚Vater sein‛ – darauf kommt es an! Denn das bedeutet: als Vater für Nahrung, Kleidung, Erziehung der diversen Sprößlinge sorgen.
Aha – nun machen Sie schon ein anderes Gesicht!
Das Künstlerhafte einer Vaterschaft über vierzehn Jöhren liegt eben in diesem ‚Vater sein‛ –
Sehen Sie, nun nicken Sie! Sie erinnern sich eben an jenen peinlichen Moment, als Sie mal die Verpflichtung zur Zahlung von sogenannten Alimenten übernahmen. Diese Alimente waren stets das Damoklesschwert, das über verschwiegenen Liebesfreuden hing.
Heute, bei den teuren Zeiten, kann man schon gar nicht mehr von Damoklesschwert sprechen. Nein, da muß man schon Fallbeil, Dampframme, Guillotine oder dergleichen sagen, natürlich in Bezug auf diese von dem zahlenden Teil weniger denn je geschätzten Unterhaltungskosten für ein weniger denn je geschätztes Liebespfand. –
Werden Sie bitte nicht ungeduldig, verehrteste Leserin! Rufen Sie nicht:
Was quatscht dieser Mister M.E. Schugge nur alles zusammen?! Was soll das?! Ich will etwas über Gertis Sealmäntel lesen und nichts über Alimente, die für mich vorläufig gänzlich uninteressant sind!
Ich gebe Ihnen das kleine Ehrenwort, meine Gnädige: Auch die Sealmäntel kriegen Sie noch zu sehen! –
Jedes Wort, das ich hier schreibe, ist notwendig. Glauben Sie mir nur – ich beherzige stets das Wort: In der Kürze liegt die Würze! Und deshalb verrate ich Ihnen hier gleich, daß die Alimente mich mit Frau Gerti bekannt werden ließen. –
Grinsen Sie nicht, Sie – Sie Lebegreis! Ich weiß, wie Sie nun kombinieren!
Aber – Sie kombinieren falsch! Sie sind kein Sherlock Holmes und erst recht kein Harald Harst!
‚Harald Harst?‛ fragen Sie. –
Wie, sollten Sie wirklich noch nichts von diesem Genie gehört haben? Dann rate ich Ihnen dringend, Moritzplatz 10 225 anzurufen.
Also – wie gesagt: Frau Gerti und ich lernten uns kennen, weil ich nicht mehr imstande war, die Alimente weiterzuzahlen, deren Höhe in dieser schönen Papiergeldzeit zu meinen Einnahmen im Verhältnis von 95 zu 0 stand.
Bis zum 1. Februar 1921 hatte ich Borsigstraße 233 bei Frau Hebamme Klistier gewohnt und nicht durch Klavierspielen in dem nebenan befindlichen ‚Hotel Damenflor‛ sowie durch Verkauf von intimeren Ansichtskarten und Gummiartikeln so leidlich ernährt. Dann sollte ich mit einem Mal für das Liebespfand, an dessen Existenz ich wahrscheinlich unschuldig bin und für dessen Unterhalt eine Aktiengesellschaft aus den früheren Verehrern der Kindesmutter hätte gegründet werden müssen, – also ich sollte plötzlich statt fünfundvierzig bare fünfundneunzig Mark monatlich blechen.
Und das trieb mich in die Flucht!
Ich packte am 2. Februar meinen Pappkarton, reinigte den Stehkragen mit einem Radiergummi und war entschlossen, fortan die nördlichen Gefilde Berlin zu meiden und ganz vornehm zu werden.
Ich fand an diesem 2. Februar, mittags ein Uhr in dem Haus Neuenahrer Straße 111, 1. Stock, nach längerem Suchen eine möblierte Zimmer vermietende Dame, deren Äußeres und deren ganzes Benehmen sie für meinen geschärften Blick geeignet erscheinen ließen, hier einige Zeit umsonst wohnen zu können.
Diese Dame war Frau Gerti, geschiedene Kommissionsrat Vondahl.
Diese Dame, meine Damen, war die Dame mit den Sealmänteln –
Aha, Gnädigste seufzen erleichtert auf.
Mit Recht! Denn wir haben den Schauplatz dieser – wie ich nochmals betone – wahren Geschichte erreicht. –
Ich hatte meinen Pappkarton bei einem Zigarettenfritzen in der Nähe untergestellt. Meine Kluft war für harmlose Gemüter ganz elegant. Das Monokel riß alles raus und bedeckte die Löcher in den Lackstiefelsohlen mit dem Mantel der Liebe.
Frau Gerti hatte mir die Flurtür geöffnet.
Es war ein sehr feudales Haus: Fahrstuhl, Portier, Plüschläufer auf den Treppen. –
Sie zeigte mir das Zimmer. Die Einrichtung war beinahe elegant. Das Bett stand hinter einem japanischen Wandschirm.
Ich erwähne das Bett und den Wandschirm hier sofort, da beide später eine sehr bedeutungsvolle Rolle spielen. –
Frau Gerti Vondahl war Dame. Das merkte ich sofort. Und ich richtete mich danach.
„Das Zimmer gefällt mir, gnädige Frau,“ sagte ich.
Sie wies auf einen der Gobelinsessel.
Wir nahmen Platz. Ich stellte fest, daß Frau Gertis Morgenrock nicht mehr ganz tadellos war und daß sie lackierte Nägel und schiefgetretene Absätze hatte.
„Der äußerste Preis wäre einschließlich Beleuchtung, Heizung und Morgenkaffee sechshundert Mark,“ erklärte sie etwas zögernd.
Verflucht und zugenäht! Sechshundert Mark! Und mein Barvermögen betrug gerade vierundzwanzig Mark und drei Briefmarken zu vierzig Pfennig!
„So, so –“ meinte ich trotzdem kühl. „Also sechshundert Mark – nun, ich wollte eigentlich nur fünfhundert anlegen. Aber als – als Schriftsteller brauche ich ein behagliches Heim. –“
Schriftsteller! Weiß der Kuckuck, weshalb ich mir gerade diesen Beruf heraussuchte. Ich hatte bis dahin keine Zeile geschriftstellert.
Frau Gertis dunkle Nixenaugen musterten mich kritisch. Von Schriftstellern schien sie offenbar nicht viel zu halten.
Dann wurde sie in ganz entzückender Weise verlegen, schaute zu Boden und sagte:
„Herr Schugge, ich möchte Sie über eins nicht im Unklaren lassen. Ich bin von meinem Mann seit sechs Jahren geschieden und lebe in recht bedrängten Verhältnissen. Ich kann meine Zimmer nur an Herren abgeben, die pünktliche Zahler sind. Ich habe von den sechs Zimmern meiner Wohnung stets drei vermietet. – Ich bin darauf angewiesen –“
„Aber gnädige Frau – ich bin doch kein Hochstapler,“ lächelte ich. „Gewiß, bei uns Schriftstellern kommen sonnige und düstere Tage, das heißt, – mal sind wir im Dalles, mal schwimmen wir im Überfluß. Sie können jedoch überzeugt sein, daß ich diesen Überfluß stets redlich mit Ihnen teilen werde.“
Diese zu nichts verpflichtenden Redensarten wirkten.
„Herr Schugge,“ begann die schlanke, reizvolle Frau wieder, „dieses Zimmer war bis heute morgen bewohnt. Der betreffende Herr – hm ja – hatte mich gebeten, ihn polizeilich nicht zu melden. Er sagte, er wäre Reisender. Er hat hier vier Monate gewohnt. Er ist nun genötigt gewesen, plötzlich Berlin zu verlassen, und hat für Februar die Miete noch bezahlt. Sie sehen, ich bin ganz ehrlich. Ich würde Sie also, wenn Sie für längere Zeit fest mieten, den Februar für zweihundert Mark hier wohnen –“
Ich winkte ab.
„Gut, gut, gnädige Frau. Also – ich miete bis zum ersten Juli.“ –
So wurden wir handelseinig.
Wir – Frau Gerti mit dem Dalles, und ich, Max Emil Schugge, mit dem noch größeren Dalles.
Ich zahlte nichts an. Ich vergaß es. Ich ließ mir die Schlüssel geben und hielt um zwei Uhr nachmittags mit meinem Pappkarton den Einzug.
In diesem Karton befanden sich:
1 Smoking–Anzug,
1 weiße Frackweste,
1 Frackoberhemd,
15 Krawatten,
1 Paar Morgenschuhe,
1 Nachthemd, frisch gewaschen,
2 Paar seidene (zerrissene) Strümpfe
Als ich einzog, war Frau Gerti nicht daheim. Ich verstaute diese Schätze im Kleiderschrank und in der Kommode, schloß beide ab und steckte die Schlüssel zu mir, damit niemand merkte, wie schlecht es um meine Kleider- und Wäscheausstattung bestellt war.
Nun – ich besaß bare vierundzwanzig Mark – ich hatte ein Zimmer für sechshundert Mark gemietet – und hatte keinerlei Aussicht, irgendwie Geld zu verdienen –!
Ich saß im Gobelinsessel und dachte:
‚Der erste Schritt auf dem Weg zum Hochstaplertum!
Maxe, Maxe – wie soll das wohl enden?!‛
2. Kapitel
Der andere und die Annonce.
Mein Blick fiel auf den Bücherschrank rechts neben der Tür.
Was hatte es wohl für einen Zweck, sich mit derartigen Gedanken zu plagen?!
Am besten, ich suchte mir ein Buch heraus und lenkte mich ab. –
Ich stand auf. Die Bücher in dem Schrank waren sehr, sehr verschiedenartig.
Aus Langeweile sah ich sie der Reihe nach durch, soweit mir die Titel unbekannt waren.
Ah:
Das Liebesleben der Völker.
Ein sehr dicker Band – mit Bildern.
Daneben stand friedlich:
Das Bürgerliche Gesetzbuch.
Hm – das interessierte mich weniger. Ich wollte es schon übergehen. Aber – da fiel mir ein, daß ich längst mal nachlesen wollte, ob denn im Gesetz nichts über die Höhe der Alimente stände.
Also raus mit dem Schmöker aus der Reihe.
Donnerwetter – nette Überraschung!
Das war ja gar kein Buch. Das war nur eine Buchattrappe; das war nichts als ein Pappkarton.
Und – er war nicht leer! Er war gefüllt mit Schriftstücken. –
Hm – neugierig sein ist zuweilen ganz nützlich.
Ich riegelte also meine Feudal-Bude ab und machte mich über die Schriftstücke her.
Es waren zumeist Briefe. Der Inhalt blieb mir größtenteils unverständlich.
Nur das eine witterte ich: Diese Briefe handelten von Schiebergeschäften. Es fehlten Absenderort, Datum und Unterschrift. Es war viel die Rede von ‚Stearinkerzen‛, ‚Bonbons‛, ‚Strumpfbändern‛ und ähnlichen Artikeln geringen Umfangs.
Ganz unten aber lagen drei offenbar echte Urkunden, – erstens ein Geburtsschein auf den Namen Waldemar Kübel, ein Taufschein für denselben Kübel und ein polizeilicher Ausweis vom Jahr 1913 für den Forschungsreisenden Doktor juris Waldemar Kübel.
Hm – die Urkunden konnte man vielleicht mal brauchen. Ich schob sie also in die Brusttasche. Die Briefe warf ich, nachdem ich sie zerrissen hatte, in den Pappkarton. Ich hätte sie verbrannt, aber das Haus hatte Zentralheizung. Also stand mir kein Ofen zur Verfügung.
Ich nahm an, ein früherer Mieter habe diese Papiere hier vergessen. Jedenfalls machte ich mir keine Gewissensbisse darüber, daß ich hier so selbstherrlich über fremdes Eigentum verfügt hatte –
Rrrrrrr – rasselte draußen die Flurglocke zum dritten Mal.
Ich ging öffnen. Frau Gerti war ja nicht zu Hause. Und Bedienung hielt sie sich nicht.
Vor mir stand ein dicker, kleiner Mensch, der scheußlich nach Patschuli stank und im übrigen gut angezogen war.
Er stutzte, musterte mich argwöhnisch –
„Verzeihung, kann ich Frau Vondahl sprechen,“ murmelte er keuchend.
„Bedaure. Sie ist ausgegangen.“
„Mit wem habe ich das Vergnügen?“
„Schugge – Max Emil Schugge, Schriftsteller.“
Er musterte mich nochmals.
„Pardon, Herr Schugge, – ich – ich habe bis heute früh hier gewohnt. Mein Name ist Lebük.“
„Ah – dann bin ich Ihr Nachfolger, Herr Lebük. –
Bitte, treten Sie näher.“
Er trat nicht näher, sondern vielmehr einen Schritt zurück.
In seinen kleinen Schweinsäuglein lauerten Unruhe, Mißtrauen und Verschlagenheit.
Ich wußte nicht recht, was ich von seinem Benehmen halten sollte.
„Was wünschen Sie denn, Herr Lebük?“ fragte ich, als er mich immer noch so argwöhnisch fixierte.
Da – mit einem Mal kam mir die Erleuchtung!
Ich bin ja immer leidlich helle gewesen.
Lebük – Lebük!
Das hieß von hinten Kübel – Kübel!
Also die Papiere gehörten diesem Menschen!
Und dieser Mensch hatte Angst vor mir. Dieser Mensch war polizeilich nicht gemeldet gewesen, war vielleicht ein Schieber –
Und – vielleicht hielt er mich gar für jemand, der ihm nachstellte!
Mein Hirn arbeitete blitzartig –
Ein neuer Gedanke – nein, eine Idee, ein Plan, ein – Bluff –! –
Ich handelte ganz der Eingebung des Augenblicks folgend.
Ich war mit zwei schnellen Schritten neben diesem Patschuli-Kübel.
„Herr Lebük, ich muß Sie bitten, in mein Zimmer zu kommen,“ flüsterte ich energisch.
Er zuckte zusammen.
Dann senkte er den Kopf, brummte:
„Gut, gut, – wir werden uns einigen –“
Und er ging mir voran in die Feudal-Bude.
Ich drückte die Tür zu, riegelte ab.
„Herr Lebük, oder besser Herr Kübel,“ sagte ich dann, „ich habe das Buch gefunden –“
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Seine Augen fixierten und taxierten mich. Dann holte er eine Brieftasche raus, reichte mir fünf Tausendmarkscheine und flüsterte heiser:
„Lassen Sie mich laufen –“
Ich spielte meine Rolle tadellos. Er hielt mich tatsächlich für einen Kriminalbeamten oder dergleichen.
Ich lachte. „Aber bitte – von mir aus lege ich Ihnen kein Hindernis in den Weg.“
Er atmete auf.
„Wo sind die Briefe?“ fragte er hastig.
„Dort!“
„Wie – im Papierkorb?!“ –
Er eilte hin, nahm die Schnitzel heraus.
„Wahrhaftig!“ brummte er. „Sie sind’s –“
Dann starrte er mir unsicher ins Gesicht.
„Hm – wer sind Sie eigentlich?“ meinte er und stopfte die Schnitzel in die Tasche.
„Das sagte ich Ihnen ja schon,“ erklärte ich kühl. „Im übrigen muß ich Sie bitten, jetzt zu verschwinden.“
Er schüttelte den Kopf.
„Sie sind wirklich Schriftsteller, Herr Schugge?“
„Vielleicht – vielleicht auch nicht –“
Er ging zur Tür, die ich jetzt halb geöffnet hatte. Dicht vor mir blieb er stehen.
„Herr – Sie – Sie scheinen mich reingelegt zu haben,“ sagte er leise. „Herr, satteln Sie um. Sie sind brauchbar –“
Ich verbeugte mich nur.
Und Dr. Waldemar Kübel schmetterte die Flurtür zu. –
Ich war allein. Ich saß im Gobelinsessel und kniff mir ins Bein. Aber – es war alles Tatsache! Ich hatte fünftausend Mark in der Tasche und Papiere auf den Namen Kübel.
Fünftausend Mark! Geld, das ich verdient hatte – im Handumdrehen – durch eine geniale Idee! –
Eine halbe Stunde später saß ich in einem feudalen Restaurant in der Nähe meiner neuen Behausung und speiste zu Mittag.
Meine Zeche betrug einhundertzwei Mark.
Waldemar Kübel sei gepriesen –! –
Und um halb fünf Uhr war ich wieder daheim. Ich brachte einen eleganten kleinen Koffer mit, in dem allerlei lag, daß ich eingekauft hatte.
Frau Gerti klopfte und trat ein.
„Entschuldigen Sie, Herr Schugge, – ich hätte eine Bitte,“ begann sie wieder mit reizender Verlegenheit. „Meine Tochter kehrt erst um halb sechs Uhr aus dem ‚Kurfus‛ zurück, und ich muß sofort wieder ausgehen. Falls Sie zu Hause bleiben, würden Sie da vielleicht so liebenswürdig sein und –“
Sie wurde wieder in entzückender Weise rot und fuhr nach einer Weile fort:
„– und öffnen, sobald es klingelt?“
„Aber gewiß, gnädige Frau –“ – weshalb diese schämige Röte, wenn es sich nur um diese kleine Gefälligkeit handelt?! –
Ah – es kam noch mehr! Natürlich die Hauptsache! Wie in sogenannten Pumpbriefen: Die ersten drei Seiten traute Erinnerungen; auf der vierten erst wird der Pumpenschwengel bewegt –
„Herr Schugge, dann würden Sie wohl auch so lieb sein und –“ – bei dem ‚lieb sein‛ traf mich ein Blick – ein Blick! Mir wurde geradezu lauwarm! – „und Leuten, die sich nach den Sealmänteln erkundigen, diese zeigen.“
Frau Gerti hatte jetzt das Morgenröckchen abgelegt und war im Straßenkostüm, sah darin außerordentlich appetitlich aus. Ich schätzte sie auf etwa fünfunddreißig Jahre. Also eine Frau im vielversprechendsten Alter –
Sie saß im Sessel. Ich lehnte am Schreibtisch. Sie hatte zwanglos die Beine übereinandergeschlagen. Bei den heutigen kurzen Röcken ist diese Beinlage bei Damen meist ein Leichtsinn oder – Raffinement. Hier war es wohl das letztere. Ich bekam manches zu sehen, was früher keine Dame ohne weiteres gezeigt hätte: tadellos geformten Waden.
Jetzt findet kein Mensch mehr etwas dabei. Kein Herr schaut mehr hin. Man ist eben abgestumpft worden. Jedes Zuviel schadet –
Immerhin: So wie Frau Gerti im Sessel lehnte, war fraglos ein guter Teil dick aufgetragene Koketterie bei alledem!
Ich sagte: bei alledem!
Denn ich will ehrlich sein: Ich sah noch mehr als nur Waden. Auch so etwas zart Weißes, Durchbrochenes: Spitzen! – so in der Gegend des rechten Knies. –
Hm – hm, diese Frau Gerti – hm, etwas angefault, wie man zu sagen pflegt. Fallobst! Wurmstichig –
„Sealmäntel?“ fragte ich leicht erstaunt.
„Ja, Herr Schugge.“
Sie wurde wieder rot. Und – weiß der Himmel – gerade dieses Erröten weckte alle Teufel in mir.
Und schon fügte sie hinzu:
„Ich habe die Sealmäntel recht günstig gekauft und – und will etwas daran verdienen.“
‚Also Mäntelschieberin‛, dachte ich.
„Ich hoffte, daß auf meine Anzeige sich jemand melden würde,“ sagte sie weiter. „Ich habe in drei Kreiszeitungen in der Nähe von Berlin annonciert,“
„Sie rechnen auf Landkundschaft, gnädige Frau?“
„Ja, Herr Schugge. Hier in Berlin selbst findet man schwer Leute, die – die auf Gelegenheitskäufe aus sind.“
Sie meinte also: Findet man schwerer Dumme!
„Ganz recht, gnädige Frau –“ nickte ich.
„Darf ich die Mäntel hier in Ihr Zimmer legen, Herr Schugge – für alle Fälle?“
„Bitte sehr –“
Sie kam sehr bald mit den beiden Prachtstücken zurück, nannte mir den Preis – dreitausend Mark – und wies auf die Vorzüge der Mäntel hin, sagte mir auch, wie ich es anfangen solle, die Sachen heraus zu streichen.
Wir standen nebeneinander – vor meinem Bett. Auf diesem lagen die beiden Verkaufsobjekte. Der Wandschirm war etwas abgerückt worden.
Wir standen dicht nebeneinander. Frau Gerti gebrauchte Peau d’Espagne. Außerdem duftete ihr Haar geradezu berückend.
Peau d’Espagne! Erinnerungen –
Studentenzeit – als ‚Viehmuse‛, also als Student der Veterinärkunde – eine verheiratete Frau – und ich – und sie gebrauchte ebenfalls Peau d’Espagne.
Damals – damals –! So die erste tolle Leidenschaft –
Ich hörte gar nicht mehr hin, was Frau Gerti sprach. Ich sog nur den Weiberduft wie betäubt in mich ein.
„Ich – ich werde alles besorgen,“ stammelte ich schließlich.
Da merkte sie etwas; drehte sich mir zu, schaute mich an –
Und in den dunklen, ausdrucksvollen Augen war plötzlich ein Flirren und Gleißen wie nach zwei Flaschen Sekt –
Und um den Mund stahl sich ein Lächeln –
Oh – man kennt das doch! Man hat doch Erfahrungen –!
Ein solches Lächeln ist eine Offerte! Ist ein Wink mit dem Zaunpfahl! Ist eine stumme Einladung zum Frechwerden –
Mir wurde schwül – sehr schwül –
Ich nahm die Einladung an –
Das heißt: Ich lächelte, legte der süßen Gerti den Arm um die Taille und –
Ja, Verehrtester, jeder kann sich mal täuschen, jeder.
Und so erging es mir –
„Bitte!“ sagte Frau Gerti eisig. –
Aber – komisch! – sie lächelte dabei –
„Bitte, – ich hoffe, Sie sind Gentleman, Herr Schugge –“
Ich wollte schon herausplatzen: ‚Genau so ein Gentleman wie Sie ‚ladylike‛ sind –‛
Mein rechter Arm sank herab.
„Verzeihung!“ – sagte ich nur und trat hinter dem Wandschirm aus der gefährlichen Bettnähe hervor.
Mir fiel ein, daß ich Frau Gerti, falls sie wirklich so etwas eingeschnappt sein sollte, schnell versöhnenden könnte. Ich wollte also ein Päckchen Fünfzigmarkscheinen heraus und zählte davon zehn ab.
„Bitte, gnädige Frau, – hier sind fünfhundert Mark Miete für Februar und für den halben März –“ sagte ich in einem Ton, als wären fünfhundert Mark für mich ein Quark. „Ich darf wohl um eine Quittung bitten. In Geldsachen liebe ich die Ordnung.“
Frau Gerti lächelte noch holdseliger –
„Ich muß jetzt ausgehen, Herr Schugge. Die Quittung schreibe ich nachher. Dank für das Geld.“ –
Sie streckte mir die Hand hin –
„Auf Wiedersehen –“
Ah – da war es wieder, dieses Flimmern und Gleißen in den schönen Augen –
Ich hielt die schmale Hand in der meinen. Gertis Finger waren kühl: fast zu kühl –
Und – die Offerte verstärkte sich –
Dirnenlächeln –!
Verdammt – was war dies eigentlich?! War’s eine Dame, die nur so etwas kleine Abenteuer liebte?! War’s tatsächlich Fallobst –?!
Nun – ich wollte Gewißheit haben. Unklare Verhältnisse habe ich nie geliebt.
Ich packte Gertis anderer Hand. Der Griff war ziemlich brutal. Das schadet aber nichts. Frauen lieben Kraftäußerungen –
Und – ich wollte sie nun gerade an mich reißen, als –
3. Kapitel
– der Madonnenscheitel kam.
Das heißt: Er kam eigentlich nicht. Nur so halb. Und zwar insofern, als plötzlich die Tür aufgerissen wurde und ein junges Mädchen mit aschblondem Scheitel und sehr großen, blauen Augen sichtbar ward. –
Ich ließ Frau Gertis Hände los.
Die Blonde war flammend rot geworden, stotterte dann:
„Verzeihung, Frau Vondahl. Ich glaubte, Sie wären hier allein –“
Über Gertis leicht gepudertes Gesicht war blitzschnell ein Ausdruck ärgerlicher Enttäuschung geglitten.
„Wünschen Sie etwas, Lissichen?“ fragte sie trotzdem süßlich, um sofort hinzuzufügen:
„Hier – unser neuer Mieter, der Schriftsteller Schugge – Fräulein Lizzie Barg –“
Ich verbeugte mich.
„Der Speisekammerschlüssel ist wieder verschwunden, Frau Vondahl,“ sagte die Blonde nun, aber immer noch etwas unsicher. „Ich wollte mir –“
„Er liegt in der Butterdose,“ meinte Frau Gerti kurz.
„Danke, – entschuldigen Sie schon –“
Die Tür wurde geschlossen.
Frau Gerti schaute zu Boden. Jetzt war sie wieder etwas rot geworden.
Seltsam, die Damen hier hatten, schien’s mir, alle das Erröten in Erbpacht genommen. Das war doch eigentlich ganz unmodern. Wer errötet heutzutage noch –?! Lächerlich!
„Herr Schugge,“ flüsterte Gerti dann. „Ich möchte Sie bitten, mit Fräulein Barg nicht über die Sealmäntel zu sprechen. Sie – Sie ist so etwas rückständig in ihren Ansichten.“
Hm – diese Sätze waren mir nicht ganz klar. Ich lächelte daher nur diskret und nickte.
„Nicht wahr, Herr Schugge, wenn Käufer kommen, dann – dann tun Sie wohl so, als ob Sie die Mäntel zu verkaufen hätten,“ fügte Gerti noch hinzu.
„Gewiß – gern!“
Sie reichte mir wieder die Hand.
„Auf Wiedersehen, Herr Schugge –“
Ich küßte ihr die tadellos gepflegte Hand. Und abermals gab’s eine Offerte. Aber ich lehnte ab, blieb hundeschnäuzig und war gleich darauf allein.
Im Gobelinsessel dachte ich über das Erlebte nach.
Ohne Frage: Dieses Haus hier hatte es ‚in sich‛. Das wäre etwas für einen Schriftsteller gewesen. Schade – ich war nur Stud. med. vet. a.D. – diese Frau Gerti lohnte als Studienobjekt.
Hm – und diese Lizzie Barg?! –
Offenbar wohnte sie doch auch hier. Also beherbergte Frau Vondahl im ganzen vier Personen: ein Fräulein und drei Herren.
Da fiel mir ein: Ich hab hier draußen an der Flurtür nur das Messingschild mit dem Namen
Vondahl
bemerkt; keine Visitenkarte sonst. –
Sollten etwa die Mieter hier alle polizeilich nicht gemeldet sein wie mein Vorgänger, der Dr. Kübel?!
Ich hatte plötzlich das Gefühl: Hier stimmt etwas nicht! Mehr noch: diese Gerti Vondahl mußte in vieler Beziehung sehr weitherzig sein!
‚Na – wenn schon!‛ lächelte ich achselzuckend.
Ich paßte in dieses Milieu vorzüglich hinein. Ich würde bald wissen, wie hier der Hase lief.
Bald?! –
Nein – sofort! Ich war ja mit Lizzie Barg allein. Ich würde sie wohl in der Küche finden.
Ich ging also auf Entdeckungsreisen. Im Flur herrschte ein trauliches Halbdunkel und eine unglaubliche Unordnung. Nachdem ich mir an der Kante einer Bauerntruhe das linke Knie gestoßen hatte, gelangte ich in das Badezimmer.
Das war also die falsche Tür.
Dann öffnete ich die nächste. Diesmal war’s die rechte.
Die Aschblonde stand am Gasherd und bereitete sich zwei Setzeier zu. Sie hatte eine große Wirtschaftsschürze vorgebunden und sah einfach ‚lieblich‛ aus. Ich liebe sonst derartige Ausdrücke nicht. Aber hier traf wirklich nur ‚lieblich‛ zu.
„Verzeihen Sie, gnädiges Fräulein, – könnte ich ein Glas Wasser bekommen?“ fragte ich mit gewinnender Harmlosigkeit.
Sie wurde rot.
Natürlich! Das war hier Sitte –
„Ach, es wird wohl kein Glas sauber sein,“ meinte sie stockend. „Frau Vondahl hat – hat die Eigentümlichkeit, selten oder nie abzuwaschen.“
Ich trat an den Schrank heran.
„Hier ist ein sauberes Glas,“ lächelte ich. „Man muß eben Glück haben –“
Sie nahm die Pfanne vom Feuer. Ich sah, daß sie sich den Küchentisch mit einer Serviette halb bedeckt hatte. Sie wollte hier wohl ihre Mahlzeit einnehmen.
Ich ließ das Glas unter der Wasserleitung vollaufen.
Lizzie Barg setzte sich an den Tisch. Wir kamen ins Gespräch. Sie gab sich ganz natürlich. Ich erfuhr, daß sie in einem Geschäft Tippfräulein war und daß sie gewöhnlich erst um sechs Uhr heimkehrte.
„Wohnen Sie schon lange her, Fräulein Barg?“ fragte ich dann.
„Ein halbes Jahr. Frau Vondahl kennt meine Mutter. Ich bin in Pommern daheim.“
„Ah – Pommern! Dann sind wir Landsleute.“
Sie taute immer mehr auf. Ich forschte nach Frau Gertis Tochter. Zu meinem Erstaunen hörte ich, daß Ellen Vondahl bereits neunzehn Jahre alt war und eine Handelsschule besuchte.
Neunzehn Jahre! Frau Gerti war also doch älter, als ich dachte.
„Es lebt sich hier im Hause wohl sehr nett, Fräulein Barg?“ meinte ich nach einer Weile.
Hm – wieder wurde sie rot und schaute mich so seltsam an.
„Man – man gewöhnt sich,“ sagte sie und blickte auf den Teller.
Komische Antwort!
„Woran gewöhnt man sich?“ fragte ich, den Idioten spielend. Ich ahnte ja, was sie mit dieser Äußerung hatte andeuten wollen. Sie war eben an andere Verhältnisse gewöhnen, und dies hier war zum mindesten eine Boheme-Wirtschaft.
„An – an alles,“ meinte sie ausweichend. Dann fuhr sie lauter fort, so, als ob sie sich mir gegenüber rechtfertigen wollte, daß sie hier wohne:
„Ich werde sehr schlecht bezahlt, Herr Schugge, sehr schlecht. Ich bin Anfängerin. Und Mutter hat nur eine kleine Witwenpension. Ich muß froh sein, daß ich hier für vierhundert Mark monatlich wohnen darf. Ein eigenes Zimmer habe ich nicht. Ich schlafe im Salon auf dem Diwan.“
Armes Mädel! Nicht mal einen Raum für sich!
Mitleid –! Es war ein gefährliches Gefühl, wenn man’s für ein junges, hübsches Geschöpf wie diese Lady empfindet –
„Sie unterstützen Ihre Mutter, nicht wahr?“ fragte ich weich.
Sie nickte nur. –
Im selben Moment schrillte die Flurglocke.
Ich eilte hinaus und öffnete. Ein dickes Ehepaar stand vor mir: Agrarier! Das sah man auf den ersten Blick.
Aha – die Sealmäntel!
„Bitte – wollen die Herrschaften näher treten –“
Ich benahm mich wie ein gelernter Verkäufer.
Der Herr fragte nach dem Preis. Der eine Mantel paßte seiner Gattin wie ‚angegossen‛. Das heißt: was man so bei losen Mänteln ‚angegossen‛ nennt.
Da – ein Gedanke! –
Ich schlug fünfhundert Mark auf, verlangte dreitausendfünfhundert. Und Gerti hatte doch als Preis dreitausend genannt!
Die dicke Gutsbesitzerin wollte handeln.
Ich klemmte das Monokel fester.
„Gestatten, Gnädigste, – ich bin kein Galizier. Ich verkaufe die Mäntel aus Gefälligkeit.“
Kurz und gut: Die Sache klappte. Der Herr Gemahl bezahlte dreitausendfünfhundert Papiermark und nahm das Prachtstück über den Arm.
An der Tür sagte er dann vertraulich:
„Herr Schugge, ich werde Ihnen noch Bekannte schicken. Lassen Sie den anderen Mantel bis Sonnabend liegen. Die Sachen sind preiswert. Hühnermanns nehmen den anderen sicher.“
Ich versprach, den Mantel bis zum 7. Februar für Hühnermanns zurückzulegen.
Das dicke Ehepaar zog befriedigt ab. Ich blieb befriedigt zurück –
Verdammt: Das war hier ja die reine Glücksbude! Ich hatte schon wieder fünfhundert Mark verdient! Wenn das so weiter ging, würde ich hier Millionär werden –! –
Lissi war noch in der Küche und wusch jetzt die Teller ab.
Sie fragte, ob etwa jemand mit einer Rechnung da gewesen sei.
„Nein, ich hatte Besuch, – Bekannte vom Land.“
Das Lügen wurde mir schwer.
Lissi blickte mich so seltsam an.
„Vom Land?! Herr Dr. Kübel hatte ebenfalls viele Gutsbesitzer zu Freunden.“
Nein – so etwas! Jetzt war ich rot geworden!
Lissis Augen musterten mich weiter. Dann seufzte sie und trocknete den Teller fertig ab.
„Weshalb seufzend Sie?“ meinte ich scherzend. „In Ihren Jahren hat man doch kaum ernste Sorgen, Fräulein Barg.“
Sie erwiderte nichts, stellte den Teller in den Schrank und sagte nun erst, mit dem Rücken nach mir hin:
„Ich möchte nur wissen, wo die Frau Vondahl die billigen Mäntel bezieht –“
Diese Andeutung genügte mir. Lissi Barg wußte offenbar, daß ich für Frau Gerti geschäftlich tätig gewesen war und daß nicht Bekannte von mir, sondern Käufer die Besucher gewesen waren.
Ich schämte mich. Oft kam das bei mir nicht vor. Aber – weiß der Henker! – diesen klaren, ehrlichen blauen Augen gegenüber fühlte ich wahrhaftig Gewissensbisse.
Lissi war wieder an den Tisch gekommen und trocknete einen anderen Teller ab. Die elektrische Lampe hing tief. Ich konnte des Mädchens Gesicht ganz deutlich beobachten. Ein herber, bitterer Zug lag um den Mund. Ihre Augen mieden mich.
Was sollte ich tun?! Was sollte ich sagen?! Ich war doch sonst so schlagfertig.
Sie trug den Teller zum Schrank.
„Frau Vondahl glaubt, ich sei blind,“ sagte sie leise. „Oh – mich geht das alles nichts an. Nur – nur – Ich ersticke fast in dieser Umgebung!“
Das war wie ein unterdrückter Verzweiflungsruf.
Wieder quoll das Mitleid in mir hoch. Und doch: Ich fand keine Worte! –
Ich war wütend auf mich selbst. Ich benahm mich wirklich wie ein blöder Jüngling.
„Fräulein Barg,“ stieß ich hervor, „ich will nicht, daß Sie mich falsch beurteilen. Ich – ich bin einer, der am Rande jenes Abgrundes hier wandelt, den man –“
4. Kapitel
Ellen, das Kind, und die erste Nacht.
Es passierte jetzt dasselbe wie vorhin in meinem Zimmer, als ich Gertis Offerte anzunehmen bereit gewesen war und Lissi diese Absicht durchkreuzt hatte, freilich ohne es zu wollen.
Die Tür flog auf.
Da stand ein schlankes, dunkelhaariges, rassiges Mädel –
Ein Blick sagte mir: Ellen Vondahl!
Ich verbeugte mich. Sie kam auf mich zu, streckte mir die Hand hin –
„Der neue Mieter, gelt?“
„Ja – Max Emil Schugge, gnädiges Fräulein.“
„Quatsch – gnädiges! Sie gehören zum Haus, Herr Schugge. Ich bin für Sie Fräulein Ellen. Hier geht es zwanglos her. –
Ich war eben in Ihrem Zimmer und merkte, daß es wieder vermietet ist. –
Na, Lissi, wie geht’s? Du siehst ja so sauertöpfisch aus –?! Sei lieb und wärme mir Kaffee. Ich muß um sieben wieder weg; habe ein Billett zum Operettentheater geschenkt bekommen.“
Dann zwinkerte sie mir mit den Augen zu –
„Herr Schugge, haben Sie vielleicht eine Postkarte da?“
Ich begriff: Sie wollte mich gern allein sprechen.
„Werde nachsehen, Fräulein Ellen.“
Wir gingen in mein Zimmer.
Ich drehte das Licht an.
Ellen war mit einem Satz auf dem Schreibtisch.
„Haben Sie ‛ne Zigarette?“
„Bedaure –“
„Schade. – Mama hat Sie wohl gebeten, die Seal-Geschichte zu befingern, wie?! Ich sah auf Ihrem Bett nur noch den einen Mantel liegen.“
„Ich bin erfolgreich gewesen: Verkauft!“
Und dabei dachte ich weiter: ‚Donnerwetter, dieses Mädel hat’s in sich! –
War die nur tadellos gewachsen! Und diese Brüste! Und die Augen!‛
„Famos, Herr Schugge, sogar famöser!“ meinte sie.
„Es ist gerade die große Nummer gewesen, die so schwer verkäuflich war.“
Ich hatte mich an den Gobelinsessel gelehnt und fixierte Ellen durch mein Monokel von oben bis unten.
Sie lachte dazu –
„Sie scheinen ein Frechdachs zu sein, Herr Schugge –“
„Nee – bedaure. Ich bin ein riesiger Frechdachs –“
„Was sind Sie sonst?“
„Schriftsteller.“
„Wie –?! Schriftsteller?!“
Dann prustete sie los. „Wohl so einer wie Dr. Kübel – Ihr Vorgänger! Der nannte sich Forschungsreisender und Schriftsteller.“
Sie hopste herunter und trat dicht vor mich hin.
Parfümwellen dufteten mir entgegen. Kein übler Duft. Fraglos sündhaft teuer.
„Herr Schugge,“ flüsterte Ellen, „womit schieben Sie?“
Ich griente etwas.
„Mit Strumpfbändern.“ Ich hatte mich besonnen, daß dieser Artikel in Kübels Briefen eine Hauptrolle spielte.
Ellen zuckte die Achseln. „Faules Geschäft. Das lohnt ja nicht mehr –!“
Aha – sie wußte, was sich unter dem Decknamen ‚Strumpfbänder‛ verbarg.
„Kennen Sie Mama schon lange?“ fragte sie dann, indem sie wieder auf den Schreibtisch hopste.
„Nein –“
„So, so. Sie haben sie wohl bei Dollinger zuerst gesehen?“
Ich merkte: Sie vermutete zwischen Frau Gerti und mir engere Beziehungen.
„Nein,“ erwiderte ich kurz.
Und dachte: ‚Dies ist ja ein ganz merkwürdiges Dämchen! Sie scheinen zu wissen, daß Mamachen stark an Wurmstich leidet.‛
Ellen zog die Nase kraus.
„Weshalb antworten Sie nicht vernünftig,“ rief sie ärgerlich. „Wo haben Sie Mama also zum ersten Mal gesehen?!“
„Hier –“
„Wie – hier?! Dann sind Sie zufällig zu uns gekommen?“
„Ja – auf der Suche nach einer Bude.“
Sie musterte mich scharf.
„Ist das wahr?!“
„Mein Ehrenwort!“
Sie kniff die Augen zu.
„Ehrenwort – schon faul. Sogar oberfaul. – Mich brauchen Sie nicht zu belügen. Ich bin eingeweiht.“
Schwupp – hatte sie ein Bein über das andere geschlagen und wippte mir mit der oberen Fußspitze dicht vor der Brust herum.
‚Warte!‛ dachte ich. –
Ein Griff, und meine Hand umspannte ihre dünne Fessel.
„Au! Werden Sie mal loslassen!“ rief sie, aber – das war nicht ernst gemeint.
Ich ließ nicht los. Ich erlaubte mir sogar, den in einem braunen Spangenschuh steckenden Fuß zu streicheln.
„Lassen sie den Unsinn,“ sagte Ellen eisig. „Sie irren sich, Herr Schugge, – Sie irren sich sehr!“
Mit einem Ruck hatte Sie sich frei gemacht und fügte hinzu: „Bei Ihnen muß man ja noch vorsichtiger sein als bei Kübelchen –“
Sie sprang auf die Füße und ging zur Tür.
„Wiedersehen, Frechdachs –!“
Dann war sie hinaus. –
Ich sank in den Sessel und saß ganz still da. Ich hatte ja so manche Erfahrungen mit möblierten Zimmern und Vermieterinnen. Aber dies hier – dies hier! Das war wie ein toller Spuk. –
Und – dabei war’s die beste Gegend Berlins, dicht am Bayrischen Platz, – Berlin WW!
Ich war gespannt, wie die Geschichte sich hier weiter entwickeln würde. Die Aussichten auf allerhand Abenteuer waren glänzend.
Abermals bedauerte ich, daß ich nicht Schriftsteller war. –
Hm – Schriftsteller! –
Ich mußte doch wenigstens den Schein wahren! Ich mußte mal arbeiten, – schreiben – und dazu gehörten Papier, Tinte, Feder.
Ich sah nach der Uhr. –
Sechs! – Da konnte ich ja noch das Nötige einkaufen.
Als ich das Haus verließ, kam mir Frau Gerti entgegen. Sie schleppte einen Riesenkarton. Ich erzählte ihr, daß ich den einen Sealmantel glücklich für dreitausendfünfhundert Mark losgeschlagen hätte.
Wirklich – ich war ehrlich und verzichtete auf die fünfhundert Mark Verdienst. Mit einem Mal hatte mir nämlich Lissis frisches, reines Gesicht wir eine Vision vorgeschwebt.
Frau Gerti war selig.
„Oh – ich werde mich erkenntlich zeigen –“ meinte sie und errötete dabei.
Ah – nun hatte ich’s heraus: Sie konnte ganz nach Wunsch erröten!! Und – fraglos war gerade das die gefährlichste Waffe dieser überreifen Frau.
Wir standen unter einer Laterne. Ich sah, daß der Karton das mir bekannte Firmenzeichen eines ersten Warenhauses trug.
„Zur Zufriedenheit eingekauft?“ meinte ich und tippte mit dem Stock an den Karton.
„Seltsam: Frau Gertis Gesicht strahlte plötzlich vor überlegenem Hohn.
„Ja – sehr gut eingekauft! – Auf Wiedersehen, Herr Schugge –“
Sie eilte auf das Haus zu. Ich schaute ihr nach. Ein schickes Weib – selbst der Gang! Die erwachsene Tochter sah ihr niemand an.
Nachdem ich die Schriftstellerutensilien besorgt hatte, ging ich auch gleich Abendbrot essen.
Um acht Uhr war ich wieder zu Hause. Schon im Flur hörte ich Grammophonklänge. Sie kamen aus dem Salon. Ich vernahm auch Stimmengewirr und Lachen. Da mußten eine ganze Menge Leute versammelt sein.
Niemand hatte mein Kommen bemerkt. Ich öffnete leise meine Tür und schaltete das Licht ein, drückte die Tür wieder zu.
Da – was war das –?! Täuschten mich meine Augen –?! Nein – das Bild zerrann nicht; es war Wirklichkeit –
In der einen Sofaecke saß Lissi Barg mit tief auf die Brust herabgesunkenem Kopf und – schlief –
Ich stand ganz regungslos da.
Was tun?! Sie wecken?!
Nein – mir fiel etwas Besseres ein.
Ich tappte zum Schreibtisch und drehte die Stehlampe an, schaltete dann die Krone wieder aus, setzte mich an den Schreibtisch und packte Papier, Federn, Tinte und Löschblätter aus.
Die Stehlampe mit dem grünen Schirm ließ das Sofa völlig im Dunkeln. Lissi schlief weiter. Sie mußte völlig erschöpft sein.
Ich rauchte mir eine Zigarre an. Nach den ersten Zügen ein Gedanke: Ich wollte zu schriftstellern versuchen! Dabei würde mir die Zeit am schnellsten vergehen.
Vom Salon her ganz undeutlich der neueste französische Schmalzwalzer, – Lachen, Stimmen –
Und hier bei mir schlief Lissi Barg –!
Tolle Situation! Genau so toll, wie alles, was ich hier bisher erlebt hatte. –
Schriftstellern – gut gesagt –! –
Ich starrte den weißen Bogen an und tunkte zehnmal etwa die Feder ein.
Und dann kam die Erleuchtung: Ich wollte das niederschreiben, was mir heute begegnet war. –
Titel?! –
Nur einen Moment sann ich nach –
Gertis Sealmäntel
schrieb ich dann. –
Kapitel oder dergleichen mußte die Geschichte doch auch haben.
Also:
Erstes Kapitel
Der große Dalles
Und mir fielen die Verse ein:
So’n schöner Dalles
Geht über alles –
Was ich weiter schrieb, verehrteste Leserin, wissen Sie. Sie haben es bereits gelesen –
Und – Sapperment! – das Schriftstellern ging besser als ich gedacht hatte. Ich schrieb eben frisch von der Leber weg.
Und Lissi atmete hinter mir tief und seufzte bisweilen im Schlaf –
Alle fünf Minuten legte ich die Feder hin und lauschte diesen Atemzügen.
Ein junges, hübsches Mädchen in meinem Zimmer! –
Bitte, eine Frage:
Hätte Sie das nicht auch aufgeregt?!
Na also! Ich war doch erst neunundzwanzig Jahre alt. Und ich war recht frisch – körperlich und geistig –
Ich nahm die zweite Zigarre, gekauft von Dr. Kübels fünftausend Märkern – das heißt: Es waren nicht mehr fünftausend. Die Einkäufe hatten mehr als einen Braunen verschluckt.
Donner – die Gesellschaft da im Salon wurde ja immer lebhafter!
Neugier – wären Sie nicht auch neugierig geworden?! Hätten Sie nicht auch im Flur Ihren Hut und Mantel anders gehängt?
Nun, ich tat’s. Und da die Flurgarderobe dicht an der Salontür stand, hörte ich so einiges – ganz zufällig. –
Es schien dort drinnen jemand eine Rede zu halten.
„– uns gleichgültig sein, ob man uns Schieber nennt! Total gleichgültig! Wenn wir nur gut dabei leben, – nein, tadellos dabei leben und weiterhin so wie heute bei Sekt und Austern alle die belächeln, die mühsam ihre paar Kröten verdienen –“
Ich hatte genug gehört und kehrte um.
Also Schieber! Und dies hier war ein Schiebernest! Aber die Sealmäntel – woher stammten die?!
Ich öffnete leise meine Tür, prallte zurück. An meinem Schreibtisch saß Lissi Barg –
Sie drehte sich um, stand auf. Ich schloß schnell die Tür, ging auf sie zu. –
Kein Zweifel, sie hatte den Anfang meiner ersten Geschichte gelesen. –
Ein trockenes Schluchzen kam aus ihrer Kehle empor.
„Verzeihen Sie, daß ich –“ begann sie und fiel auch schon in den Schreibsessel zurück, schlug die Hände vors Gesicht und weinte. –
Ich zog ihr sanft die Hände weg.
„Beruhigen Sie sich doch, Fräulein Barg.“ sagte ich weich. „Hören Sie doch nur auf mich – ich begreife ja alles. Sie können wahrscheinlich nie rechtzeitig zu Bett gehen, weil der Salon meist Gäste beherbergt. Und Sie glaubten, ich würde erst spät heimkehren. Da wollten Sie hier ein wenig schlafen – Was ist denn dabei, Fräulein Lissi?! Ich bin Damen gegenüber immer Gentleman gewesen, immer! Mag ich auch noch so sehr im übrigen zu den Entgleisten zählen –“
Sie weinte nicht mehr.
„Oh – ich danke Ihnen,“ sagte sie leise. „Sie – Sie sind also wirklich nicht einer der Vertrauten Frau Vondahls. Und ich nahm dies ganz bestimmt an, weil – weil –“
Sie schwieg und machte dann ihre Hände aus den meinen los.
Ich schob mir den Sessel näher heran und setzte mich dicht neben sie.
„Fräulein Lissi, was geht hier eigentlich vor?“ fragte ich. „Wer ist diese Frau Vondahl? – Sprechen Sie, verheimlichen Sie mir nichts. Wir wollen gute Freunde sein, Kameraden, Fräulein Lissi –“
Ihr Gesicht, der Lampe abgekehrt, lag im Schatten.
Sie seufzte leise.
„Ich – ich wäre undankbar, wenn ich schlecht über Frau Vondahl reden würde, Herr Schugge,“ meinte sie widerwillig. „Sie hat ihre guten Seiten. Nur – sie ist so unglaublich putzsüchtig und scheut jede ernstere Arbeit. Sie war mit einem vermögenden Herrn verheiratet. Es war ein einfacher Mann, der für die luxuriösen Neigungen Gertis kein Verständnis hatte. Und – er war wohl auch in manchem zu sehr Plebejer geblieben trotz aller Herzensgüte. So mußte die Ehe in die Brüche gehen. Beide Teile wurden für schuldig erklärt, und Frau Gerti hatte dann nur das Unterhaltsgeld für Ellen. Davon mußte auch sie leben. – Oh – sie ist eine kluge, gewandte Frau; eine Dame, wenn sie es sein will. Sie ist weichherzig. Ich bin ihr recht unbequem, und doch behält sie mich.“
Lissi seufzte wieder.
„Wer sind die beiden anderen Mieter?“ fragte ich nach einer Weile.
„Der eine heißt Rosenstrauch und soll Stadtreisender für eine Margarinefabrik sein. Der andere, Bischitzki, ist wahrscheinlich Pole und will Filmschauspieler sein. Beide sind bescheiden und jung und haben stets viel Geld.“
„Also wohl Schieber?“
Lissi antwortete nicht. Das sagte genug.
Ich bot ihr jetzt eine Zigarette an. Sie lehnte nicht ab. Wir sprachen über Pommern, über die Seebäder, über allerlei.
Mit einem Mal fragte Lissi ganz ohne Zusammenhang mit unserem augenblicklichen Thema:
„Sind Sie wirklich Schriftsteller?“
Dabei tippte sie auf die beschriebenen Bogen.
Sie wartete meine Antwort nicht ab.
„Ja, ja – Sie müssen Schriftsteller von Berufs sein,“ meinte sie eifrig. „Ich war so indiskret, die drei ersten Seiten zu lesen. Sie schreiben Humoresken –?“
„Nein, – ich beschreibe seit heute das Leben,“ erklärte ich. „Ich schreibe, was ich durchmache. Seit heute erst, Fräulein Lissi. Bis gestern war ich Klavierspieler in einem sehr verrufenen Lokal, früher mal Student –“
Sie nickte zerstreut und flüsterte:
„Man merkt schon aus den ersten Seiten, daß Sie Erlebtes schildern –“
Und nach einer Pause:
„Ich bin nicht prüde, Herr Schugge, wirklich nicht. Ich weiß, was – was es auf sich hat, wenn man –“
Der Satz wurde trotz meiner Bitten nicht beendet. –
Ob Lissi – auf die Alimente hatte anspielen wollen? –
Ich schenkte ihr nun völlig reinen Wein ein, erzählte von den fünftausend Mark, die mir der Bluff eingebracht hatte, und von dem Sealmantel, den ich fünfhundert Mark teurer losgeworden war, als Frau Gerti gehofft hatte.
Lissi nahm eine neue Zigarette.
„Ihr Vorgänger in diesem Zimmer hieß niemals Dr. Kübel,“ sagte sie zögernd. „Er war ein – ein sehr lieber Mensch.“
Mehr war von ihr jedoch nicht zu erfahren, so sehr ich auch bohrte und fragte. Sie behauptete, sie wüßte nichts weiter.
Es war mittlerweile zwölf Uhr geworden. Ich merkte, wie müde Lissi war.
„Fräulein Lissi –“ ich nahm ihre Hände. „Sie sollen mir Vertrauen schenken –“
„Ich vertraue Ihnen,“ sagte sie schlicht.
„Gut – dann legen Sie sich bitte auf mein Bett und schlafen Sie – ich werde weiter arbeiten an dieser Geschichte von den Sealmänteln –“
Sie schaute mich lange an.
„Ja – ich – ich muß mich niederlegen, Herr Schugge. Ich schlafe sonst morgen im Geschäft ein –“ meinte sie traurig.
Gleich darauf verschwand sie hinter dem japanischen Wandschirm.
Ich hörte das leise Klirren der Sprungfedern, hörte das Rauschen der Kissen –
Dann Stille –
Lissi Barg schlief auf meinem Bett –
‚Welch ein Tag!‛ dachte ich. –
Und mit einem Mal kam’s wie erhöhte Arbeitsfreudigkeit über mich –
Schriftsteller! Vielleicht glückte es – vielleicht!
Und ich schrieb und schrieb –
Lissi atmete tief und ruhig.
Das war die erste Nacht im Schieber-Heim –
5. Kapitel
Das Geheimnis der Sealmäntel.
Zehn Uhr morgens –
Die Gäste Frau Gertis waren vor einer Stunde gegangen. Ich hatte aufgepaßt. Es waren zwei Damen und ein Herr gewesen.
Im Salon war es dann stiller geworden –
Da – ein ganz leises Pochen an der Tür.
Ich überlegte. Sollte ich öffnen?
Es pochte stärker. –
Ich schlich über den Teppich und öffnete nur fingerbreit, ließ mich aber nicht sehen.
„Wer ist da? – Ich arbeite –“
„Gerti –“
„Sie wünschen, gnädige Frau?“
„Oh – ich muß Ihnen doch noch danken für das glänzende Geschäfte. Lassen Sie mich nur ein. Ich weiß, daß Lissi bei Ihnen ist.“
Verdammt! Glaubte das Weib etwa, daß Lissi hier –
Da sagte Frau Gerti schon: „Ich kenne Lissi, Herr Schugge. Und wenn sie selbst in Ihrem Bett läge, würde ich nichts Arges annehmen.“
Ich ließ sie ein. Sie ging bis zum Wandschirm und schaute auf die Schlafende. Dann flüsterte sie:
„Kommen Sie in den Salon –“
Wir saßen in einer lauschigen Ecke. Ein kostbarer echter Samowar sang das Lied von dem Zaubertrank echt chinesischen Tees. Ich rauchte wundervolle Zigaretten; und staunte Frau Gertis Brillantringe an. –
Sie füllte mir die Teetasse – echt Japan.
Dann lachte sie girrend.
„Sie haben Kübelchen ja fein hineingelegt,“ meinte sie. „Er nimmt’s Ihnen nicht krumm. Er hat’s dazu. Wie wär’s, wenn Sie mitmachen würden?“
Sie blies ein paar Rauchringe.
„Den Seal haben Sie ebenfalls tadellos an den Mann gebracht, Meschuggechen –“
Sie lachte abermals girrend.
„Max Emil Schugge – Meschugge –, wie wär’s also mit dem Eintritt in unser Geschäft? –
Sie könnten dann morgen gleich nach Kopenhagen fahren. Bischitzki begleitet Sie. Das ist einer der beiden anderen Mieter. Sie sind sehr schlank und recht groß. Da fällt der Pappbauch nicht weiter auf. Rosenstrauch wird immer dicker. Der scheidet aus. Wir brauchen Ersatz.“
Pappbauch?! – Ich war platt –
War das noch dieselbe Gerti von vorhin?! Nein – das war jetzt nichts weiter als eine geschäftstüchtige Frau, die mich ködern wollte.
„Sie bekommen ein Achtel des Reingewinnes ab,“ fuhr sie fort. „Das macht für jede Reise etwa tausend Mark, also im Monat etwa viertausend, – ohne jede Mühe, Meschuggechen! Fein, was?!“
Sie blies mir den Rauch halb ins Gesicht.
„Sehr fein!“ sagte ich diplomatisch, was sie als Annahme ihrer Avance deutete.
„Na also! Dann wären wir ja einig. Diesmal haben wir nur fünfhundertzwanzig Markstücke und acht Barren zusammen. Der Bauch ist nicht halb voll davon, und das Gewicht wird Sie nicht weiter belästigen.“
Mir ging ein Licht auf. Die Bande verschob Gold außer Landes und schmuggelte auf der Rückfahrt Waren ein!
Gerti rückte näher.
„Wir verdienen an Sealmänteln jetzt am meisten, Meschuggechen,“ kicherte sie. „Aber die Saison ist bald zu Ende. Dann müssen wir einen anderen Artikel ausknobeln.“
Sie hatte fraglos einen Sektschwipps, lehnte sich jetzt an mich.
„Mäxchen, du gefällst mir,“ hauchte sie.
Die Sache wurde kritisch.
„Ich bin ein Pechvogel, Gerti,“ sagte ich seufzend. „Ich kann mich auf so was nicht einlassen. Ich falle sicher rein –“
„Bei mir nicht, Mäxchen,“ girrte sie.
Sie meinte etwas ganz anderes als ich.
Das verdammte Peau d’Espagne-Parfüm!
Ich hatte es nun so dicht unter der Nase. Ich fühlte, daß ich schwach zu werden begann. Bei der Liebe spielen Düfte ja eine so große Rolle.
Da – mit einem Mal wieder wie eine Vision Lissi Bargs feines Gesicht. –
Ich richtete mich auf. –
„Entschuldigen Sie, Frau Vondahl. Mein Tag war lang, ich muß zu Bett – und was meine Beteiligung angeht, so muß ich in Ihrem Interesse ablehnen. Ich eigne mich für so etwas nicht.“
Gerti machte plötzlich: „Pst – Pst!“
Ich lauschte. Im Flur knarrte eine Diele.
Dann – die Tür ging auf. Ein weißer Lichtkegel schoß in den Salon hinein.
„Im Namen des Gesetzes –“
Mehr hörte ich nicht. Neben mir ein heulender Aufschrei. Dann ein Klirren und Krachen. Frau Gerti hatte das Teegeschirr beim Umsinken vom Tisch gefegt. –
Kriminalpolizei war’s –
Ich konnte mich legitimieren. Der Wachtmeister hatte auch bereits von Rosenstrauch gehört, daß ich neu zugezogen war.
Außerdem kannte die Polizei die Mitglieder der Schiebergesellschaft ganz genau.
Man ließ mich also in mein Zimmer gehen.
Lissi schlief noch immer. –
Es tat mir so sehr leid, daß ich sie wecken mußte. Der Wachtmeister hatte aber bereits nach ihr gefragt. Sie war ja die einzige der Mieter Gertis, die polizeilich gemeldet war. Als ich dem Beamten erklärt hatte, Fräulein Barg sei in meinem Zimmer und habe mit den Schiebergeschäft genau so wenig zu schaffen wie ich, da hatte er gebrummt:
„Gut, gut. Anständjes Mädchen, Tippdame – alles in Ordnung.“ –
Ich rief Lissi leise an. Dann berührte ich ihre Hand. –
Jetzt fuhr sie empor –
Als sie mich erkannte, wurde sie flammend rot.
„Fräulein Lizzie, Frau Vondahl ist soeben verhaftet worden,“ sagte ich sanft. „Wir beide haben nichts zu befürchten – erschrecken Sie also nicht.“
Sie saß aufrecht auf dem Bettrand und starrte mich verständnislos an. Dann hatte sie begriffen, schluchzte auf und meinte:
„Oh – wir müssen wohl auch gleich die Wohnung räumen? Wo soll ich nur bleiben?“
„Warten wir erst einmal ab, Fräulein Lizzie. Kommen Sie, setzen Sie sich auf das Sofa.“
Verwirrt erhob sie sich. Doch sie verstand, daß die Beamten sie nicht gerade auf diesem Ruhelager finden sollten.
Ich hatte die Krone eingeschaltet und neben Lissi im Gobelinsessel Platz genommen.
Sie war ganz verstört. Sie bedauerte Gerti.
„Es ist ein so unglückseliger Charakter,“ meinte sie. „Der Frau hat ein energischer Mann gefehlt –“
Gleich darauf trat der Kriminalwachtmeister ein.
„Ich muß auch hier alles durchsuchen,“ sagt der höflich und halb entschuldigend. „Wissen Sie vielleicht, wo die Tochter Frau Vondahls ist?“
Richtig, da fiel mir ein: Ellen war doch nicht nach Hause gekommen! –
Ich erwiderte, Fräulein Vondahl sei ins Theater gegangen. Mehr könnten auch wir nicht angeben.
Die Durchsuchung war schnell beendet.
„Frau Vondahl und die beiden Freunde von ihr nehmen wir mit,“ meinte der Beamte dann. „Dieses Zimmer, den Salon, Küche und Badezimmer lassen wir offen. Die übrigen Räume werden versiegelt. Sie beide können hier also vorläufig bleiben.“
Dann ging er hinaus. Zehn Minuten drauf steckte er den Kopf nochmals durch die Tür, doch nur, um uns ein ‚Gute Nacht‛ zuzurufen.
Wir waren allein in den uns verbliebenen Räumen. Lissi saß noch immer in der Sofaecke, schaute mich hilflos an und fragte:
„Was nun?“
„Ehrlich: Ich für meine Person habe rechtschaffenen Hunger!“ meinte ich.
„So?! – Hm –“ Sie lächelte mit einem Mal. „Komisch, ich auch! Gehen wir also die Speisekammer revidieren.“
Das taten wir. Lissi kochte Kaffee. Ich schnitt Stullen und belegte sie mit Schmierwurst. Dann saßen wir in meinem Zimmer, aßen und tranken.
Lissi sorgte sich um Ellen. „Die ist noch nie über Nacht weggeblieben. Das arme Ding ist am meisten zu bedauern. Für die Schwächen, die sie von der Mutter geerbt hat, ist sie nicht verantwortlich zu machen. Es gibt Tage, Herr Schugge, an denen sie gleichsam erwacht. Dann packt sie das Grauen vor diesem Sumpf und vor sich selbst; dann flüchtet sie zu mir mit ihren Tränen. –“
„Still!“ flüsterte ich. „Da – die Flurtür knarrte.“
Ich war aufgesprungen und mit wenigen Schritten im Flur. Das Licht war eingeschaltet. –
Ellen hing ihren Ulster an die Garderobe. Sie war leichenblaß. Tiefe Schatten lagen um ihre Augen. Sie schaute mich an und sagte langsam:
„Ich bin durch Kübel gewarnt worden. Wir haben gewartet, bis die Polizei wieder weg war.“
Sie kam in mein Zimmer, fiel hier Lissi weinend um den Hals.
Eine Nacht war das – eine Nacht!
Gab mir dann einen Brief von dem angeblichen Dr. Kübel, den dieser vorhin in einer Toreinfahrt beim Schein einer Taschenlampe geschrieben hatte.
„Ich weiß nicht, was drin steht,“ meinte Ellen. „Kübel sagte nur, Sie wären ein Idiot, wenn Sie nicht annehmen würden.“
Ich atmete auf. Ellen war schon wieder leidlich gefaßt.
Ich riß den Umschlag auf. Da stand dann in einer seltsamen schmucklosen Schrift auf der Rückseite einer halben Speisekarte:
Mann, Sie haben Fähigkeiten, fraglos. Gehen Sie mit diesen Zeilen zu Direktor Winter von der Gesellschaft für Moderne Reklame, Friedrichstraße 699, Hof rechts. Er kann fixe Kerle brauchen. Ich selbst reise ins Ausland und heiße nicht
Dr. Kübel
Ich gab Lissi den Brief.
Ellen las ihn dann ebenfalls und meinte: „Ich habe keine Ahnung, wer er ist. Ich kenne ihn nur unter dem Namen Kübel.
Jedenfalls gehörte er nicht zu Mamas engsten Vertrauten. Er machte ganz für sich allein Geschäfte.“
„Sie wissen doch aber, was ‚Strumpfbänder‛ in seiner Korrespondenz bedeuten, Fräulein Ellen?“
„Ja, aber auch nur durch Zufall. Es sind seidene Florstrümpfe. Er bezog sie aus der Schweiz. Da – ich habe noch ein Paar davon an, die er mir geschenkt hat.“
Sie hob den Rock, zeigte die Stümpfchen.
Lissi wurde rot.
Gegen vier Uhr morgens gingen Ellen und Lissi zu Bett. Das heißt: Sie machten sich im Salon Lagerstätten zurecht.
Ich war allein. –
Schlafen?! –
Unmöglich!
Ich hatte fünf Tassen Kaffee getrunken. Ich spielte also wieder Schriftsteller, rauchte drei Zigarren und – schlief dann am Schreibtisch ein.
Es war heller Morgen, als ich fröstelnd erwachte. Die Knochen waren mir steif und schmerzten. In Zimmer roch’s nach Zigarettenqualm und Parfüm. Meine Uhr war stehen geblieben. Es mußte aber etwa neun sein, schätzte ich.
Bald hatte ich festgestellt, daß ich allein in der Wohnung war. Im Salon lag auf dem Mitteltisch ein Zettel.
Kaffee fertig in der Küche unter dem Wärmer. Gruß –
Lissi
Ah – das war nett von meiner blonden Freundin, sehr nett! Sie hatte an mich gedacht, mir ein Frühstück zurechtgestellt –! –
Ich freute mich. Nein, mehr noch, mein Herz war erfüllt mit linder Wärme, mit leise aufkeimender Zärtlichkeit für dieses blonde Mädel. –
Um elf Uhr war ich bei Direktor Winter von der Reklame-Gesellschaft.
Was soll ich Ihnen sagen: Ich fiel rein vom Stengel!
Denn dieser Winter glich auf ein Haar dem falschen Dr. Kübel. Diese Ähnlichkeit war einfach unheimlich.
Ich stierte Winter an.
Er runzelte die Stirn.
„Sitzt mein Binder schief?“ fragte er ärgerlich.
Donnerwetter: Auch die Stimme! Genau wie bei Kübel – genau!
Ich rieb mir die Augen und kniff mich ins Sitzfleisch. Ich glaubte, ich träumte vielleicht.
Nichts zu machen; alles Tatsache!
Ich zeigte Winter den Brief Kübels und sagte dabei mit einem verständnisvollen Lächeln:
„Sie kennen Dr. Kübel ja wohl sehr genau, Herr Direktor –“
Winter erwiderte nach einer Weile:
„Wenn Sie mir bis morgen die Idee für eine wirksame Reklame für ein neues Klosettpapier unterbreiten, engagiere ich Sie. – Auf Wiedersehen.“
Ich fuhr heim. Zu meinem Erstaunen war Lissi bereits da. Sie erzählte mir, daß sie aus Übermüdung ohnmächtig geworden sei, und daß der Chef sie nach Hause geschickt habe.
Lissi mußte dann mit mir in das Feudal-Restaurant essen kommen. Ich lud sie ein. Sie war verständig genug, nicht abzulehnen.
Es kam mir wirklich so vor, als würde ich Lissi bereits viele Monate kennen. So schnell wie wir beide sind wohl selten Mann und Weib miteinander vertraut geworden.
Nachmittags fuhren wir nach dem bekannten Grunewald-Cafée ‚Hubertus‛.
Zu Fuß gingen wir dann heim. In den stillen Straßen der Grunewald-Kolonie bei leichtem Flockengeriesel erlaubte ich mir, Lissi unterzufassen –
Ich weiß, Sie denken jetzt: ‚Himmel – so eine alltägliche Geschichte! Nun werden die beiden sich verloben, und der Max Emil Schugge wird durch die Klosettpapier-Reklame ein Millionär –‛
Sie irren, Verehrteste und Verehrtester! Sie irren gründlich! –
Gewiß, dieses Unterfassen sollte die Einleitung zu einer regelrechten Liebeserklärung sein. Aber Lissi kam mir zuvor.
„Lieber Freund,“ sagte sie schnell, „ich will Ihnen nicht länger verhehlen, daß ich heimlich verlobt bin, und zwar mit Ihrem Vorgänger, dem sogenannten Dr. Kübel –“
Ich blieb stehen. Die Arme sanken mir schlaff herab.
Lissi lächelte verträumt. „Mein Bräutigam wird nie mehr Schiebergeschäfte machen. Das hat er mir ehrenwörtlich versichert. Er betrieb sie auch nur im Nebenberuf. –
Ich bleibe noch bis zum 15. Februar hier. Dann reise ich nach Hause.“
Mir schwindelte der Kopf.
„Ich habe mich heute früh auf dem Weg zu meiner Firma verlobt,“ fuhr Lissi fort. „Ich liebe Georg. Gestern gab ich ihm freilich noch einen Korb. –
Doch heute habe ich eingesehen, daß er es ernst meint und daß seine Schieberlaufbahn beendet ist –“
Wir gingen langsam weiter. Lissi schwieg. Und ich fragte, um nur überhaupt etwas zu äußern:
„Wie heißt Kübel denn nun eigentlich in Wahrheit?“
„Das erfahren Sie später, Herr Schugge.“ –
Nun, dieser Liebestraum war also definitiv aus. –
Als wir gegen halb sieben heimkamen, fanden wir Frau Gerti im Salon vor – sehr vergnügt und munter! Sie war aus der Haft entlassen worden. Ihre Freunde Rosenstrauch und Bischitzki hatten alle Schuld auf sich genommen und Gerti als die Verführte hingestellt. –
*
Die gewünschte Klosettpapier-Reklame fiel mir ein – und wirklich – sie gefiel Winter, weil viel Witz dabei war, der das Feingefühl nicht verletzte. Winter engagierte mich mit eintausendfünfhundert Mark Gehalt.
Nebenbei schrieb ich diese Geschichte zu Ende und wurde sie auch bei einem Verlag los, wie Sie hier schwarz auf weiß sehen.
Ich blieb auch bei Gerti mit den Sealmänteln wohnen.
Aber das Verhältnis zwischen ihr, Ellen und mir war jetzt ein nordpolartig-kühles.
Lissi hatte am 15. Februar wirklich Berlin verlassen. Ich bekam drei Ansichtskarten von ihr und dann eine Verlobungsanzeige. Als ich letztere erhielt, war die Untersuchung gegen Gerti Vondahl und Genossen längst erledigt.
So erfuhr ich endlich auch den Namen dieses Glücklichen, der mir Lissi weggeschnappt hatte. Selbst Frau Gerti und Ellen hatten nichts geahnt. –
Der Glückliche hieß –
Bitte: Raten Sie mal! –
Richtig: Er hieß Georg Winter und war der Direktor der Reklame-Gesellschaft. –
Also waren der falsche Kübel und Winter doch ein und dieselbe Person. Und Lissi Barg war es gewesen, die einen Oberschieber auf den Pfad der Tugend zurückgeführt hatte. –
Die Dame mit den Sealmänteln? Fragen Sie.
Wie es der geht? –
Glänzend! Gestern hat sie den Legationsrat der jugoslawischen Gesandtschaft Dr. Iwan Gaunerow regulär geheiratet. Gaunerow besitzt viele Millionen.
Ich mußte mir aus diesem Grunde ein anderes Quartier suchen – eben der Heirat wegen.
Inzwischen hatte ich gemerkt, daß Ellen gar keine schlechte Lebensgefährtin für mich abgeben würde.
Als ich ihr das sagte, da hat sie – mir ins Gesicht gelacht. Sie ist durch ihre Mama auf den Appetit nach jugoslawischen Millionären gekommen.
Ich bin daher noch immer ledig. Sollten Sie, verehrteste Gnädige, Bedarf für einen tadellos erhaltenen Kavalier mit eintausendsechshundertundfünfzig Mark Gehalt und einem Monokel haben, dann bitte –
Hiermit sage ich Ihnen Lebewohl. Ich bedaure, daß meine Geschichte nicht mit meiner Millionen-Verlobung endet. Aber die Geschichte ist eben buchstäblich wahr. Sie können sich, falls Sie Zweifel hegen, bei Frau Gerti Gaunerow erkundigen, die übrigens, wie mir soeben Frau Direktor Lissi Winter mitteilt, bereits die Scheidungsklage gegen ihren Iwan eingeleitet hat, weil seine Millionen aus polnischem Papiergeld bestanden.
Ich fürchte daher, sie wird bald wieder reuevoll zum Sealmantel-Handel zurückkehren.
Also nochmals: Leben Sie wohl! –
Vielleicht teile ich Ihnen gelegentlich auf diesem Weg mit, wie es mir weiter ergangen ist. –
Küß die Hand, Gnädigste. Ihr Sie anbietender Max Emil Schugge.