
Im Flugzeug um die Welt
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Band 3
Verlag moderner Lektüre G.m.b.H.
Berlin 26, Elisabeth-Ufer 44
Nachdruck verboten. – Alle Rechte, einschl. das Verfilmungsrecht, vorbehalten. Copyright 1924 by Verlag moderner Lektüre G. m. b. H., Berlin.
Druck P. Lehmann G. m. b. H., Berlin.
1. Kapitel
Gegen neun Uhr vormittags war es, und der Touristenstrom zu den altehrwürdigen Denkmälern altägyptischer Baukunst, den Pyramiden, hatte an diesem Maitag des Jahres 1924 infolge eines kühlen Morgenwindes besonders stark eingesetzt, als sich jene Szenen am Fuße der Cheopspyramide abspielten, die sich wie ein Kesseltreiben auf ein gefährliches Wild ausnahmen uns sofort einen dichten Kreis von Neugierigen herbeigelockt hatten, die die drei Polizeiflugzeuge aus dem nahen Kairo und den Eindecker des Ingenieurs Holk sowie die Hauptpersonen dieser dramatischen Geschehens immer enger umdrängte…
Englische, amerikanische, italienische Touristen, braune Händler, Fremdenführer, Eseltreiber, Wagenlenker und Bettler starrten den schlanken Mann, den einer der Beamten soeben unter der Anschuldigung, den Eindecker gestohlen zu haben, verhaftet hatte, mit jenem Gemisch von Schadenfreude und Sensationslust an, das für die kritiklosen Zuschauer solcher Vorgänge so sehr bezeichnend ist.
Bert Holk, dessen in aller Stille begonnener Rundflug um die Erde hier nun abermals allem Anschein nach eine sehr unangenehme Unterbrechung erfahren sollte, wußte sofort, wem er diesen Überfall durch die Polizei sofort nach der Landung zu verdanken hatte: seinen unbekannten Gegnern, die er am vergangenen Abend auf jener Insel in dem Schilfsee Südungarns zurückgelassen hatte, wo die Grabkapelle des Grafengeschlechts der Montakgas der Schauplatz jener Ereignisse gewesen, die auf den vorigen Seiten geschildert wurden.
Dieser Bert Holk, dessen schmales, energisches Gesicht vor Unwillen über diese Hinterlist seiner Feinde für einen Moment sich drohend verfinsterte hatte, fragte nun den Polizeibeamten mit schnell wiedergewonnener Ruhe sehr höflich, auf wessen Veranlassung hin seine Verhaftung erfolgen solle.
Bevor der ägyptische Polizeibeamte dem Deutschen jedoch antworten konnte, hatten sich Holks Gefährten, der Mechaniker Gustav Riedel und der Lehrling Willi Kröger, gewaltsam einen Weg durch den Kreis der Neugierigen gebahnt, und der stämmige Riedel kam nun mit langen Sprüngen herbeigestürmt, trat neben seinen Herrn und rief atemlos:
„Herr Holk, da soll doch wirklich der Deibel dreinschlagen!! Das haben wir wieder den drei Schuften zu verdanken, die…“
Riedel schwieg, da ihn plötzlich zwei Beamte von hinten gepackt hatten und der Anführer dieses Polizeiaufgebot ihn nun in englischer Sprache anbrüllte:
„Auch Sie sind verhaftet! Sie haben bei dem Diebstahl des Eindeckers Beihilfe geleistet!“
Riedel, der als Kriegsgefangener in England diese Fremdsprache sich fließend angeeignet hatte, tat trotzdem, als ob er den Beamten nicht verstände, und meinte achselzuckend auf Deutsch:
„Männeken, dieses Beefsteak-Geschwabbel bleibt mir dem Inhalt nach dunkel!“
Und – beugte den Kopf vor, flüsterte Holk zu: „Rasch, die vier Kerle nehme ich in entsprechende Behandlung! Fliehen Sie! Wenn Sie erst in unserer Libelle sind, wird Ihnen diese Bande hier nachpfeifen können, und ich –“
Da erhielt er einen groben Stoß in den Rücken.
„Maul halten!“ brüllte einer der Beamten, die ihn gepackt hatten.
Oh – dieser Stoß kam Gustav Riedel sehr gelegen. Er taumelte absichtlich nach vorwärts, riß dabei seine beiden braunen Anhängsel mit zu Boden und versetzte gleichzeitig dem Anführer der Polizeigarde, der den Ingenieur Holk bewachte, mit seinem eisenfesten Schädel einen solchen Stoß vor den Magen, daß auch dieser braune Uniformierte in den Sand rollte.
Holk zögerte keine Sekunde, diese gute Gelegenheit zur Flucht auch wirklich zu benutzen. Er wußte, wenn er die Libelle erreichte, konnte ihn keine Macht der Welt hier mehr zurückhalten! – Und so jagte er denn, den vierten Beamten beiseite schiebend, mit weiten Sätzen zu seinem Wunderwerk von Flugzeug hin, auf dessen abgeplattetem Gondeldeck zwei weitere Beamte standen, um jedes Entweichen der Deutschen zu verhindern.
Diesen beiden Herren hier, zwei höhere Beamte, die mehr aus Sensationslust mit von Kairo auf den Doppeldeckern herübergekommen waren, hatten für alle Fälle Revolver zu sich gesteckt, da der Ingenieur Holk in der vor kurzem eingetroffenen Funkdepesche als äußerst gewalttätiger Mensch bezeichnet worden war.
Holk hätte wahrscheinlich nie seine Libelle zurückerobert, wenn nicht Willi Kröger, dieser stramme, schlaue kleine Bursche, den die Polizeibeamten als ungefährlich bisher gar nicht beachtet hatten, jetzt von hinten mit einer geradezu affenartigen Gewandtheit den Rumpf des großen Metallinsekts erklettert und durch zwei ebenso rasch geführte Faustschläge den Ägyptern die seinen Herrn und Wohltäter bedrohenden Waffen aus der Hand geschleudert hätte.
Holk, der vor den beiden auf ihn gerichteten Revolvern doch einen Moment gestutzt hatte, schwang sich nun mit einem lauten, freudigen „Bravo, mein Junge!“ gleichfalls auf das Deck der Gondel und glitt, ohne sich um die Zurufe der beiden Herren zu kümmern, die kurze Treppe zur Hauptkajüte hinab, riß die schmale Tür zum Führerstand auf und riegelte sie hinter sich ab, griff nach dem einen Hebel und warf den Motor an.
Während der große Propeller surrend sich zu drehen begann, – während Willi Kröger von den beiden ob seines frechen Eingreifens ergrimmten Herren gepackt und wütend geschüttelt wurde, – die neugierige Menge jetzt schreiend vor der langsamen über den Wüstensand rollenden Libelle auseinanderstob, – während Gustav Riedel seine vier menschlichen Kletten, die ihm jetzt die Arme zu fesseln versuchten, abzuschüttelnde trachtete und dazu eine Musterkollektion von Schmeichelnamen ihnen zubrüllte, – – war von Norden her am Horizont ein Riesenvogel erschienen, der jetzt, nachdem er die Stadt Kairo umkreist hatte, nilabwärts flog und sich den Pyramiden näherte.
In dem einen Gondelfenster dieses hell gestrichenen Eindeckers lehnte ein Mann, der ein Fernglas eifrig benutzte und jetzt einem zweiten, hinter ihm Stehenden zurief:
„Da ist wieder irgend etwas scheinbar nicht in Ordnung, John!! – Ah – die Libelle steigt empor!! Hölle und Teufel, sollte auch dieser Anschlag uns mißglücken?!“
Und im selben Augenblick sagte Willi Kröger zu den beiden Herren, die entsetzt den Jungen freigegeben hatten, da Bert Holks Wundermaschine bereits in der Luft schwebte: „Na – bitte sehr! Springen Sie doch ab! Noch ist es Zeit dazu!“
Mit dem Fuß stieß er die beiden Revolver von Deck in die Tiefe, und die Hand benutzte er dabei zu einer ironischen Bewegung, die den Sinn seiner Worte den des Deutschen unkundigen Herren erst verständlich machte. Dann stieg er lachend in die Hauptkajüte hinab und wollte in Führerstand betreten, um Holk zu melden, daß man noch zwei ungebetene Gäste an Bord habe.
Die Tür war jedoch versperrt. Er rief, klopfte, bis Holk sich in dem engen Raum zurückbeugte und den Riegel wegschob. Willi riß die Tür auf.
„Herr Holk, die beiden Schokoladengesichter sind noch oben an Deck!“ erklärte er hastig. „Und unseren Gustav haben wir im Stich lassen müssen. Was nun?“
Ingenieur Holk, der auf dem Drehsitz saß und durch die großen Fenster nach vorn beobachtete, erwiderte kurz: „Nimm mir die Mauserpistole aus der Schlüsseltasche der Beinkleider. Bitte die Herren höflich in die Kajüte hinab. Es sind fraglos höhere Beamte. Nur wenn sie irgendwie uns stören wollen, werde energisch. Ich sehe da von Kairo her einen Eindecker nahen, der mir sehr bekannt vorkommt. Sollte es die Shallow(1) (Schwalbe) unserer Feinde sein, so will ich den Herrschaften beweisen, daß eine Libelle auch einer Schwalbe mal gefährlich werden kann!“
Willi Kröger schmunzelte. „Fein wird das werden! Jagd in den Lüften – und als Zeugen die hohe Polizei an Bord! Sehr fein!!“
Und er zog Holk die Mauserpistole aus der Tasche und drückte die Tür wieder zu, drehte sich um.
Da kamen die beiden Ägypter bereits eiligst die Treppe herab, den die sausende Zugluft oben an Deck und der Blick in die Tiefe – die Libelle war bereits zweihundert Meter emporgestiegen – waren ihnen unheimlich geworden.
Der schlanke, kräftige Junge deutete mit der Linken auf zwei der Rohrsessel neben dem einen Fenster, mit der Rechten hielt er die schwarze Mauserpistole ganz harmlos tuend empor, verbeugte sich und sagte: „Bitte Platz zu nehmen, meine Herren!“
Die pfiffigen hellen Augen des Knaben verfolgten mißtrauisch jede Bewegung der Schokoladengesichter.
Aber sein Mißtrauen war hier überflüssig. Die Beamten hatten sich in ihr Schicksal ergeben, setzten sich und blickten sich neugierig um.
Inzwischen war der feindliche Eindecker rasch näher gekommen, dessen Insassen noch immer hofften, daß Ingenieur Holks Libelle bereits in der Gewalt der Polizei sei und von Beamten nach Kairo gesteuert würde.
Holk selbst, erfüllt von tiefem Groll gegen diese drei Gegner, deren Rücksichtslosigkeit und hinterlistiges Vorgehen ihn nun schon verschiedentlich in die gefahrvollsten Lagen gebracht hatte, gedachte diesmal mit dem feindlichen Eindecker weniger glimpflich umzugehen und den dreien die weitere Verfolgung in ebenso rücksichtsloser, brutaler Weise unmöglich zu machen.
Die beiden Flugzeuge hielten jetzt etwa dieselbe Höhe ein und näherten sich einander mit fast beängstigender Geschwindigkeit.
Dann aber bog die Shallow, deren Konstruktion sich wesentlich von der des vielseitigen Luftfahrzeugs des deutschen Ingenieurs unterschied, plötzlich nach rechts ab und stieg recht steil empor, wollte offenbar in das endlose Gebiet westlich des Nilstromes entweichen.
Diese Absicht hatten die drei Insassen der Shallow tatsächlich, da sie jetzt mit Hilfe ihrer tadellosen Ferngläser festgestellt hatten, daß eine Anzahl Motorradler und Automobile in wilder Jagd der Libelle gefolgt waren, was doch ohne Zweifel nur darauf hindeuten konnte, daß Holk in der Libelle entwischt sei. –
Kaum war diese Richtungsänderung von Holk bemerkt worden, als er auch schon das wunderbare Meisterwerk seiner genialen Erfindung abschwenken ließ und hinter der Shallow dreinschoß, die fraglos als Eindecker eine ungewöhnliche Schnelligkeit besaß.
Gewiß, Holk wäre es ein leichtes gewesen, die Feinde einzuholen, die jetzt einen geringen Vorsprungs gewonnen hatten und wohl hoffen mochten, in dem dort im Westen drohend lagernden schwarzen Wolken verschwinden zu können. Leider jedoch war der Brennstoff für den Motor, den er in Konstantinopel während der kurzen Zwischenlandung eingekauft hatte, von so schlechter Beschaffenheit, daß die Libelle wie ein flügellahmer Adler der mit besserem Benzin versehenen Shallow zunächst nicht näherrücken konnte.
2. Kapitel
Ingenieur Holk hatte erkannt, daß er vorläufig hier im Führerstand entbehrlich sei und daß Willi Kröger die Lenkung der Libelle übernehmen könne, rief den Jungen nun herbei und gab ihm ein paar kurze Anweisungen, nahm ihm die Waffe ab und betrat die Kajüte, wo er sich den beiden Ägyptern in aller Form vorstellte und dann wortlos eine englische illustrierte Zeitschrift ihnen hinhielt, deren eines Bild ihn selbst darstellte und dazu die Unterschrift trug:
Der deutsche Ingenieur Herbert Holk, Erfinder des Holk-Flugzeugmotors, dessen Patent er für eine halbe Million Dollar an eine amerikanisch deutsche Fabrik verkauft hat. Holk soll jetzt unsicheren Gerüchten nach an der Konstruktion eines Flugzeuges arbeiten, das sich gleichzeitig als Motorboot und Auto benutzen läßt und Tragflächen besitzen soll, die sich an die geschlossene Gondel anschmiegende lassen.
Die beiden Beamten wurden sichtlich verlegen, als Holk nun erklärte: „Diese Zeitschrift fand ich in der Gondel jenes Eindeckers, den ich jetzt verfolge. Sie, meine Herren, werden kaum bezweifeln können, daß ich tatsächlich dieser Ingenieur Herbert Holk bin. Die Ähnlichkeit des Bildes spricht für mich! Und – diese Libelle, in der Sie jetzt den drei Leuten mit mir als unfreiwillige Gäste an Bord meines Flugzeugs nachjagen, – diese Libelle ist mein Eigentum, meine Erfindung!“
Er sprach die letzten Worte mit erhobener, stolzer Stimme, richtete sich höher auf und zeigte den Ägyptern sein offenes, ehrliches Gesicht, in dem jeder Zug, jede Linie den Mann von untadeligem Charakter verriet.
Nassur Bey, Polizeiinspektor in Kairo, erhob sich und verneigte sich vor Herbert Holk.
„Mr. Holk,“ sagte er freimütig, „ich gebe zu, daß wir uns durch eine Funkdepesche gröblich haben irreführen lassen, zumal der Absender dieser Depesche sich auch auf Lord Seltor, den berühmten Löwenjäger und Forscher, berief, der heute früh erst mit einer neuen Expedition Kairo in südwestlicher Richtung verlassen hat, um die noch wenig bekannten Landstriche am Tarso-Gebirge zu durchqueren.“
„Wie nannte sich der Absender der Depesche?“ fragte Holk gespannt, der ja noch immer nicht wußte, wie seine geheimnisvollen Gegner hießen.
„Detektiv Stuart Smids,“ erwiderte Nassur Bey und reichte Holk das Telegramm.
Der Ingenieur überflog es. „Ah – ein feiner Streich!“ meinte er mit gerunzelter Stirn. „In der Tat – auf diese so schlau abgefaßte Depesche mußten Sie, meine Herren, Ihre Pflicht tun, was ich Ihnen keineswegs verarge.“
Und liebenswürdig lächelnd und all die drohenden Gedanken gegen seine Widersacher zurückdrängend, reichte er den Herren die Hand.
„Wir werden Ihnen und uns volle Genugtuung verschaffen,“ meinte der andere Ägypter da. „Ich als Oberrichter von Kairo werde dafür sorgen, Mr. Holk, daß zunächst Ihr Gehilfe Riedel sofort freigelassen wird, sobald wir wieder in Kairo sind.“
„Oh – das kann auch von hier aus geschehen,“ erklärte Ingenieur Holk mit einem kaum merklichen stolzen Aufleuchten seiner grauen, durchdringenden Augen. „Bitte – dort sehen die Herren ja die Apparate für drahtlose Telegraphie und Telephonie. Ich brauche nur den Antennenmast aus dem Deck der Libelle hochzuschrauben, und Sie, Effendi, sind dann in der Lage, die drahtlose Station in Kairo anzurufen, wo man Sie fraglos an der Stimme erkennen wird, denn mein Sender eigener Konstruktion gibt jede Klangfärbung der Stimme aufs genaueste wieder. Bitte, wollen Sie dann sogleich auch anordnen, daß eines der Polizeiflugzeuge meinen treuen Gefährten Riedel mir wieder zuträgt, da ich unmöglich nach Kairo zurückkehren kann. Ich – – habe es eilig!“ – Daß er auf einem Rundflug um die Erde begriffen war, verschwieg er, da er dies so mit seinen Freunden vom Deutschen Luftklub in Berlin verabredet hatte. Der deutsche Flug um die Welt sollte eine Rekordleistung ersten Ranges werden, und dazu noch eine Überraschung für die gesamte Öffentlichkeit! –
Gleich darauf hatte dann Ahmed Jussuf–Effendi mit Kairo Radio telephonische Verbindung, und gerade als Gustav Riedel in das Polizeigefängnis eingeliefert wurde, traf des Oberrichters Befehl ein, den deutschen Mechaniker mit einem der Doppeldecker unverzüglich in Richtung auf die Oase Sufra seinem Herrn nachzuschicken.
Holk nahm nun den Platz im Führerstand wieder ein, während Willi Kröger den beiden Gästen Erfrischungen vorsetzen mußte.
Der muntere Junge war über diese günstige Wendung der Dinge hocherfreut und suchte sich mit dem beiden Ägyptern durch Zeichensprache zu verständigen, was auf beiden Seiten zu manchem heiteren Irrtum führte.
Indessen jagten die beiden Eindecker in beträchtlicher Höhe unaufhaltsam dahin und hatten das Niltal und das bebaute Land längst hinter sich gelassen.
Unter der Libelle breitete sich in grauer Eintönigkeit das Sand- und Steinmeer der Libyschen Wüste aus. Nur selten konnten Willis neugierige Augen dort drunten ein paar Palmen und Beduinenzelte erspähen. Er war darum auch sehr enttäuscht, weil er sich Afrika so ganz anders vorgestellt hatte. Er hatte gehofft, hier doch wenigstens ein paar Löwen zu Gesicht zu bekommen, und ganz offen sagte er nun, dicht hinter Holk im Führerstand am Fenster lehnend, daß Afrika viel langweiliger sei als die Umgebung von Berlin. „Dort im Zoo gibts doch wenigstens Giraffen, Zebras und Löwen! Hier is nischt wie Sand und Felsen!!“
Holk schmunzelte. „Du denkst wohl, die Löwen laufen hier so herum wie in Berlin die Hunde ohne Steuermarke?! Aber warte nur ab! Dein abenteuerlicher Sinn wird schon zufrieden gestellt werden. Zunächst, fürchte ich, werden wir mal unsere Libelle im Gewittersturm erproben können, mein Junge! Die Wolken da vor uns mit den gelben Rändern erscheinen mir recht verdächtig!“
Und Ingenieur Holk behielt recht. Kaum drei Minuten später verschwand die verfolgte Shallow in dem blauschwarzen Gewölk, und ohne Zögern ließ nun auch Holk seine Libelle in die dunklen, feuchten Wolkenmassen eintauchen. Um keinen Preis durfte er ja die Shallow aus den Augen verlieren. Er mußte endlich mit diesen Gegnern gründlich abrechnen, die fraglos nichts anderes beabsichtigten, als den deutschen Weltflug zu verhindern und die Libelle ihrem Eigentümer zu rauben.
Holk winkte dem Knaben jetzt und setzte einen Kopfdoppelhörer auf, ließ von Willi den Horchapparat einstellen, damit er in diesem Nebelmeer wenigstens das Geräusch des feindlichen Propellers da vorn als sichere Fährte wahrnehmen konnte.
Kaum hatte er den Hörer dann übergestreift, als die Wolkenbildung so dicht wurde, daß die Shallow ihm plötzlich völlig entschwand. Jetzt hieß es, sich nach den Geräuschen im Telephonhörer einzig und allein richten, jetzt konnte er lediglich aus dem Schwächerwerden des Knatterns merken, wenn der Gegner den Kurs änderte.
Ein paar fahle Blitze, die von Wolke zu Wolke zuckten, und das wahnsinnige Krachen und Dröhnen des Donners, dazu noch Windstöße, die den Eindecker des deutschen Ingenieurs schwanken und taumeln machten, trieben den beiden Ägyptern das Blut vor Schreck aus den dunklen Gesichtern.
Willi Kröger hatte nun in der Gondel der Libelle überall das elektrische Licht eingeschaltet und ebenso die beiden Außenscheinwerfer der Libelle. Mit aschgrauen Wangen und angstvollen Augen hielten die beiden zugestiegenen Beamten sich auf ihren Rohrsesseln fest. Immer häufiger wurden die elektrischen Entladungen, immer tosender der rollende Donner, immer wilder bäumte sich die Libelle unter der grimmen Wut des Gewittersturmes auf und schien des öfteren sich überschlagen zu wollen. Doch dieses in all seinen Einzelheiten so tadellos konstruierte vielseitige Wunderfahrzeug spottete der Wut der Elemente, spottete des Wolkenbruchs, der nun wie aus Riesenfässern sprudelndes Wasser auf seine Aluminiumtragflächen um und seinen Leichtmetalleib herabprasselte.
In diesem Aufruhr der Elemente stand Willi Kröger, freilich etwas blaß und mit etwas starren Augen, hinter seinem Herrn und Beschützer in der Führerkabine und schaute durch die breiten, bis zum Boden sich in starker Wölbung hinziehenden dicken, regennassen Fenster in die von den Scheinwerfern grell beleuchteten Wolkengebilde hinaus.
Längst hatte Holk es aufgegeben, dem Feind auf den Fersen bleiben zu wollen. Die Lenkung der Libelle erforderte in diesem schauerlichen Gewittergraus seine ganze Aufmerksamkeit. Zum ersten Mal erlebte er es, daß sein Flugzeug eine so harte Probe bestehen mußte, da er ja in Berlin nur wenige Probeflüge unternommen hatte und durch den Überfall der drei brutalen Gegner auf seine einsame Erfinderwerkstatt zu schleunigster Abfahrt gezwungen worden war.
Und trotzdem schwellte freudiger Stolz sein deutsches Herz! Mit Recht durfte er ja stolz auf seine Libelle sein, die selbst in diesem Orkan, in dieser Hölle zuckender Blitze sich so trefflich bewährte!
Und – mit einem gewissen Mitleid dachte er andererseits an die Shallow seiner Gegner, an diesen Eindecker mit den wie bisher üblichen verspannten Tragflächen. Wie sollte die Shallow sich in diesem Tosen der Elemente in der Luft haben halten können?! – Vielleicht lag sie längst, zu unförmiger Masse zerschmettert, irgendwo im Wüstensand, und mitten in dem Gewirr zerbrochener Holz- und Metallteile drei – Leichen‥!
Vielleicht – vielleicht war es so! Es gab freilich auch eine andere Möglichkeit, die Holk erst jetzt einfiel. Wenn die Shallow, um dem Gewitter auszuweichen, noch höher gestiegen war, schwebte sie in ruhiger klarer Luft außerhalb der Gewitterwolken dahin…
Und – dieser Gedanke ließ den Ingenieur Holk jetzt zu einem raschen Entschluß gelangen.
Er griff nach dem Höhensteuer.
Und – die Libelle gehorchte augenblicklich der veränderten Stellung des Schwanzsteuers, schwang sich empor – arbeitete sich aus dem düsteren Gewölk heraus und – wurde urplötzlich von gleißendem Sonnenschein getroffen, glitt durch den Äther in stetigem, ruhigem Fluge.
Die beiden Beamten atmeten auf, als sie so der Gefahr entronnen waren…
Beobachteten mit stiller Freude den schlanken, fixen Jungen, der jetzt die Luke des Decks aufschob und auf Holks Befehl mit einem Fernglas bewaffnet den Himmel nach der Shallow absuchte.
Aber – von dem Eindecker der Feinde waren nirgends etwas zu bemerken… Nirgends!
Leer war der Horizont… Nur Vögelschwärme zogen in ruhiger Sicherheit wie schwarze Reihen von Punkten durch den strahlenden Sonnenglast…
Und unter der Libelle, anzuschaun wie ein phantastisches Gebirge, lagerten die schwarzen Gewitterwolken, entschwanden, gegen den Wind sich vorarbeitend, immer weiter gen Osten.
Willi stieg die Kajütentreppe hinab und meldete Holk, daß die Shallow nirgends zu entdecken sei. Da ließ der Ingenieur Holk, einem neuen Gedanken folgend, seine Libelle in kurzem Bogen herumschwenken und steuerte sie, allmählich tiefere Regionen aufsuchend, ebenfalls gen Osten – denselben Weg zurück, schickte den Knaben abermals nach oben auf das abgeplattete Deck und hieß ihn die bereits wieder sichtbare Wüste mit dem Fernglas durchforschen.
3. Kapitel
Willi Kröger legte sich jetzt lang auf das Deck nieder und stützte das Fernglas auf die niedere Gittereinfassung. Er war ehrgeizig, er wollte auf keinen Fall seinen von ihn so hochverehrten Gönner, der ihn als Waise zu sich genommen, enttäuschen. Mit größter Aufmerksamkeit musterte er die Sanddünen und Täler, zackigen Felsmassen und gleißenden, trügerischen Salzsümpfe, deren Ränder wie mit Schnee bestreut aussahen. Natron war es jedoch, was hier den Schnee vortäuschte, trocken gewordene Ausscheidungen dieser Natronseen, die in Nordafrika so häufig sind.
Des Knaben scharfe Augen, unterstützt von dem vortrefflichen Glas, bemerkten dann nach kaum zehn Minuten dort unten in dem grauweißen Gemälde einen größeren grünen Fleck, offenbar eine der wenigen Oasen der Libyschen Wüste.
Und näher und näher jagte die Libelle diesem grünen, freundlichen Palmenwald nun entgegen, nur noch in geringer Höhe sich haltend…
Schärfer und schärfer traten alle Einzelheiten dieses erquickenden Bildes von Pflanzenwuchs und Fruchtbarkeit hervor…
Bis – bis des frischen Jungen spähende Blicke unter den schlanken Palmen Tiere und Menschen, Zelte und – ein helles, längliches Viereck, aus dem ein ebenso heller Spindelrumpf herauswuchs, mit aller Deutlichkeit erkannte und er nun eilends den Ingenieur Holk melden konnte, daß dort in der Oase der Eindecker, die Shallow, wohlbehalten unter den Palmen stände… –
Die Libelle ging in steilem Gleitflug zur Erde hinab, setzte auf dem dürren Rasen dicht vor den ersten Palmen auf und rollte mit ihren vier Pneumatikrädern nur noch wenige Meter weiter.
Kaum aber hatte der Propeller seine letzten Kreise bei ausgeschaltetem Motor sausend beendet, als auch schon wie ein Heer von Teufeln schreiend und brüllend einige zwanzig braune Fellachen und schwarzbärtige Araber, sämtlich Kameltreiber der Expedition Lord Edward Seltors, auf Befehl ihres jetzigen Gebieters dahergestürmt kamen und im Nu mit Tauen und Stricken die Libelle fest an die nächsten Palmen banden.
So blitzschnell spielte sich dies ab, daß weder Holk noch die beiden Ägypter irgendwie eingreifen konnten, zumal der Höllenlärm der übereifrigen Farbigen die drohenden Zurufe des Ingenieurs Holk völlig übertönte.
Holk, die beiden Beamten und Willi Kröger standen auf dem Gondeldeck und sahen nun einen hochgewachsenen, graubärtigen Herrn, der einen praktischen Sportanzug trug, langsam auf die Libelle zukommen.
Die ganze Erscheinung dieses Mannes hatte etwas Vornehmes, Gebieterisches an sich.
Je mehr die vier auf dem Deck des Metallinsekts seine Gesichtszüge unterscheiden konnten, desto eindringlicher fühlten sie, es hier mit einer Persönlichkeit zu tun zu haben, die zu befehlen gewöhnt war und die mit hervorragenden Geistesgaben ausgestattet sein mußte.
Die Augen dieses Mannes, feurig und doch seltsam kühl und abwägend im Ausdruck, lagen ähnlich wie die Bert Holks unter starken, buschigen Brauen tief im Kopf. Die messerscharfe, große Nase, kühn in der Form wie die Adlernase der Wilderer auf den Gemälden Defreggers, verriet dieselbe kühne, rücksichtslose Tatkraft wie die vorgebaute bereite Kinnpartie.
Dieser Mann, der trotz seiner sechzig Jahre seinem gestählten Körper die jugendliche Elastizität eines Zwanzigjährigen bewahrt hatte, – diese gebieterische Erscheinung war Lord Edward Seltor, der berühmte Jäger und Forscher, ein Mann von unermeßlichem Reichtum, halb Abenteurer, halb Gelehrter, ein unruhiger Geist, der von Jugend an die Welt vom Südpol bis zum Nordpol, vom Stillen Ozean bis in die Felseinöden der Rocky Mountains durchstreift hatte.
Jetzt blieb er neben der Libelle stehen, während sich hinter ihm die unruhige Menge der Kameltreiber seiner Expedition neugierig und wohl auch auf Gewalttätigkeiten erpicht zusammendrängte, – alles Farbige, die den Lord bereits mehrmals in das tiefste Innere des schwarzen Erbteils begleitet hatten und gewöhnt waren, ihm blindlings zu gehorchen.
Der Lord, in der Linken nachlässig eine glimmende Zigarette haltend, in der Rechten aber nun eine Nilpferdpeitsche zu kurzen, peitschenden Hieben schwingend, musterte Holk jetzt mit verächtlichem Ausdruck vom Scheitel bis zur Sohle.
So offenkundige Verachtung und Geringschätzung lagen in diesem Blick, daß dem Ingenieur Holk vor Empörung das Blut ins Gesicht schoß, daß auch seine sprühenden Augen nun den Lord in gleicher Art drohend anblickten, bis die Blicke der beiden Männer sich sekundenlang in gegenseitigem Abwägen feindselig ineinanderfraßen, und Holk schließlich, dieses ihn albern dünkenden Auftritts müde, sich kurz umdrehte und Willi Kröger zurief:
„Zerschneide die Stricke! Und wehe dem, der dich daran zu hindern sucht!“
Noch lauter wiederholte er dieselben Worte in englischer Sprache, zog die Mauserpistole hervor und erklärte leise den beiden Ägyptern:
„Ich werde mit diesem Herrn schon fertig werden. Es ist Lord Seltor, der größte Deutschenfresser, den England besitzt! Mischen Sie sich bitte vorläufig –“
Da – eine harte, befehlende Stimme von der Stelle her, wo der Lord stand.
„Kommen Sie herab, Holk! Sofort!“
Der Ingenieur tat, als ob diese Worte gar nicht ihm gegolten hätten.
War es doch von Seiten Seltors eine unerhörte Anmaßung und Frechheit, Holk die Anrede Herr zu verweigern. Ganz abgesehen von diesem Befehle, der ganz den Eindruck machte, als hätte Seltor es hier mit irgendeinem Vagabunden zu tun.
Willi Kröger hatte bereits sein großes Taschenmesser hervorgeholt und turnte bis zum Propeller hin, um dessen Flügel hauptsächlich die Strickschlingen geschlungen worden waren, die das Metallinsekts an den Palmen festhielten.
Der wackere Junge, der sehr wohl gemerkt hatte, daß es hier bald zwischen seinem Herrn und dem hochgewachsenen Fremden zu stürmischen Auftritten kommen würde, ließ den Lord daher auch nicht aus den Augen, als er nun die große Klinge sägend durch den ersten Baststrick gleiten ließ. –
Seltor kümmerte sich den Teufel was um Holks Pistole. Er sah in diesem kühnen Benehmen eines Menschen, den er für einen Dieb hielt, nichts als eine bodenlose Frechheit.
Zunächst wollte er daher dem schlanken Knirps da oben am Propeller einen Denkzettel verabfolgen und sich dann erst den Ingenieur Holk vornehmen.
Mit einem Satz, der seiner Gewandtheit und Kraft alle Ehre machte, sprang er bis dicht an die Libelle heran, hob den Arm mit der Nilpferdpeitsche und – hätte dem Jungen ohne Frage einen Hieb versetzt, der die bloße Haut des Gesichts oder der Hände wie ein Messerschnitt durchschlagen haben würde, wenn nicht der Knall eines Schusses und ein Ruck in seinem erhobenen Arm ihm so überraschend gekommen wäre, daß er nun verblüfft auf die dicke Nilpferdpeitsche schaute, die wie eine geknickte Ähre, von einer Kugel zwei Handbreit über dem Griff durchlöchert, hin und her baumelte…
Und dem dergestalt Gewarnten rief der Ingenieur Holk, die Pistole weiter auf ihn richtend, drohen zu: „Mylord, geben Sie Ihrer farbigen Bande sofort den Befehl, die Stricke und Leinen wieder zu entfernen! Sofort!! Und wagen Sie es nicht mehr, auch nur einen Finger gegen mich oder den Jungen da zu rühren!“
Seltor hatte sich nur zu rasch von der ersten Verblüffung erholt. Seine Stirnadern unter der tief ins Genick gezogenen Mütze schwollen in beängstigender Weise an. Aber – er lächelte – – ein grausames, brutales Lächeln, sagte dazu eisigen Tones:
„Spitzbube, Gauner, – auspeitschen werde ich dich lassen, so wahr ich Seltor heiße!!“ Und – – brüllend zu den gierig lauschenden Kameltreibern: „Vorwärts, Boys, vorwärts! Holt mir die Burschen da von dem Flugzeug herab, das sie gestohlen haben!“
Holk ahnte, daß seine Ehre, sein Leben, sein stolzer, kühner Plan der Erdumrundung jetzt hier an einem Spinnwebfädchen hingen…
Was konnte es helfen, wenn er auch drei, vier von der farbigen Brut da unten niederknallte?!
Die übrigen würden das Gondeldeck erreichen, würden wie die Bestien über ihn herfallen…
Noch zögerten sie freilich…
Noch hielt die Pistole sie in Schach…
Aber – fraglos bedurfte es nur einer neuen Anfeuerung von Seiten Seltors, und die Kameltreiber, alles wahrhaft herkulisch gebaute Kerle, würden die Libelle stürmen… –
Ein Wink rief den Jungen neben Holk…
Ein paar Worte – leise geflüstert…
Und – Willi Kröger glitt hastig die Treppe abwärts, hinein in den Führerstand, nahm auf dem Drehschemel Platz, legte die Hände auf die Hebel, die Füße in die Schuhschlaufen der Seitensteuerung…
Wartete…
Beobachtete durch das Fenster…
Sah dort Lord Seltor stehen, dort zwei Schritt weiter den Haufen der Farbigen… –
Seltor spie jetzt die vordersten seiner Leute verächtlich an…
„Feige Kanaillen! Habe ich euch nicht für jede besondere Leistung stets glänzend bezahlt?!“ brüllte er mit noch schrillerer Stimme. „Glaubt ihr, daß der Gauner dort oben zu schießen wagen wird?! Seid ihr Weiber, die sich vor einem elenden Dieb verkriechen, nur weil er so ein armseliges Ding von Pistole euch entgegenhält?!“
Und – – um den Seinen ein gutes Beispiel zu geben, trat er nun seitwärts an den Rumpf der Libelle heran, griff nach den Handstützen, stellte den Fuß auf das unterste Trittbrett, schwang sich empor…
Mit einem wahnwitzigen Geheul schnellte sich nun auch die Horde dieser farbigen Teufel vorwärts…
Und – – prallte zurück vor dem jäh anspringenden, kreisenden Propeller…
Sah die Libelle unter dem Druck der Luftschraube sich in Bewegung setzen, wie des Lords Sportmütze von einer Kugel getroffen emporwirbelte, wie der Deutsche dem Zurücktaumelnden an die Kehle fuhr, wie die beiden Ägypter dem Flieger halfen, den Lord unter Deck zu ziehen…
Und – im selben Moment machte die Libelle, die bis dahin geradeaus auf die Palmen zugerast war, eine scharfe Wendung, schwenkte herum, raste – der offenen Wüste zu, bis – die ersten Stricke sich spannten – und wie klägliche Bindfäden rissen, – bis auch die letzte Leine, um den Propeller sich schlingend, mit hellem Ton wie die Saite einer Geige platzte…
4. Kapitel
Die Libelle sauste weiter, glitt über den lockeren Wüstensand hin – – und machte wieder halt.
Lord Seltor aber saß mit auf den Rücken gebundenen Händen, gelbweiß vor ohnmächtiger Wut, in der Hauptkajüte auf einem der Sessel und mußte notgedrungen mit anhören, wie der Polizeiinspektor Nassur Bey ihm klar machte, daß Ingenieur Holk niemals dieses Flugzeug gestohlen habe und daß vielmehr die drei Insassen des Eindeckers ganz gemeine, hinterlistige Schurken seien.
Seltor tat, als spräche Nassur Bey nicht zu ihm, sondern zu irgendeinem unsichtbaren Wesen.
Ingenieur Holk, der den Lord keines Wortes, keines Blickes würdigte, stand am anderen Fenster und hielt nach dem Polizeidoppeldeckern Ausschau, der, so glaubte er annehmen zu dürfen, nicht in das tobende Gewitter hineingeraten war und deshalb bei einiger Umsicht seines Führers hier das Lager der Expedition und die Libelle wohl bemerken müsste. –
Selbst als nun Nassur Bey dem Lord die Zeitschrift hinhielt, in der doch Holks Bild mit der vielsagenden Unterschrift stand, – selbst da rief der anmaßende Herr nur wegwerfenden Tones:
„Lassen Sie mich gefälligst in Ruhe! Ich kenne die Herren, die mit dem Eindecker den Gauner Holk verfolgen. Und dieser Herren Glaubwürdigkeit erscheint mir denn doch größer zu sein als die eines Menschen, der seine Kunstschützenfertigkeit an mir, Lord Edward Seltor, versucht hat!“
Da – – drehte der Ingenieur Holk sich langsam um…
Und Willi Kröger, der in der offenen Tür zum Führerstand lehnte und doch die Oase drüben und den Haufen der Farbigen ständig beobachtete, ahnte, daß nun sein geliebter Herr sich endlich persönlich gegen diese lächerliche Beschuldigung, die Libelle entführt zu haben, verteidigen würde.
Bert Holk sagte gelassen – in gleichgültigstem Ton:
„An Ihrer Meinung über mich liegt mir nichts, Lord Seltor. Sie sind in meinen Augen ein feiger Lump…“
Seltor fuhr hoch…
„Bleiben Sie nur sitzen,“ fügte Holk hinzu. „Wer wie Sie offenbar gestohlenen Schmuck trägt, sollte in seinen Äußerungen über andere doppelt vorsichtig sein…“
Seltor trat dicht vor den Ingenieur hin…
Aber ebenso kalt und verächtlich erklärter Holk weiter: „Ich sah da an Ihrer linken Hand einen altertümlichen Wappenring. Dasselbe Wappen fand ich auf einem kostbaren Metallsarg, den ich in einer Kapelle inmitten einer Insel auf einem Schilfsee in Südungarn entdeckte. Dieses Wappen ist das der gräflichen Familie Montakgas. Da nun die drei Schurken, die sich an meine Fersen geheftet hatten, ebenfalls auf jener Insel waren, kann ich nur vermuten, daß sie den Sarg erbrochen und – den Wappenring einer Leiche – geraubt haben.“
In Seltors Gesicht zeigte sich plötzlich der deutliche Ausdruck hilfloser Zweifel und einer Verlegenheit, die er vergebens zu verbergen suchte.
„Wahrscheinlich hat einer jener Halunken, Lord Seltor,“ so fuhr Holk ohne Pause fort, „Ihnen den Ring geschenkt. Wir Deutschen haben nun ein Sprichwort: Sage mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, wer du bist. Da Sie, Lord Seltor … Leichenräuber zu Freunden haben, sind Sie ebenfalls – ein Lump!“
Seltor verfärbte sich abermals.
Seine Augen glitten unstät umher.
„Sie werden jetzt die Libelle verlassen und so, wie Sie sind, mit gebundenen Händen, in das Lager Ihrer Expedition zurückkehren,“ befahl Holk mit energischer Handbewegung. „Das soll Ihre Strafe sein! Wenn Sie nicht gutwillig an Deck klettern und in den Wüstensand hinabspringen, werde ich Sie – hinauswerfen! Gehen Sie! Ich bin mit Ihnen fertig!“
Seltor biß sich die Lippen blutig. Sein Gesicht zuckte. Seine Stirn war mit Schweißperlen bedeckt. Aber – er hatte Holk fürchten gelernt. Er gehorchte, stieg wortlos die Treppe empor, sprang vom Deck hinab… –
„Willi – hoch mit unserer Libelle!“ rief Holk dem schlanken Jungen zu. „Wir müssen nach der Oase, bevor der Lord sie erreicht! Abrechnung will ich mit den dreien halten! – Vorwärts, wirft den Motor an!“
Und nun – nun, als der Propeller seine volle Umdrehungszahl leisten sollte, nun zeigte es sich, daß das harte polierte Holz doch durch die Rucke der Stricke Schaden genommen…
Gerade als Holk den Kopf über die Luke hob, flog mit hohlen Pfeifen ein Stück von dem geplatzten Propeller ab, traf die linke Tragfläche, prallte zurück, und – besinnungslos, mit klaffender Stirnwunde stürzte Bert Holk in die Kajüte hinab, während die Reste des einen Propellerflügels bei der rasenden Umdrehung immer mehr zerfaserten und in alle Winde flogen… –
Willi hatte sehr wohl bemerkt, daß mit dem Propeller irgendetwas nicht in Ordnung war, hatte jedoch erst, durch Nassur Beys Zuruf aufmerksam gemacht, sich umgeschaut und den Bewußtlosen neben der Treppe liegen sehen.
Er stellte den Motor ab… Wollte helfen, den verehrten Herrn zu verbinden, ihn wieder zu sich zu bringen…
Und – gewahrte plötzlich drüben vor der Oase den gerade aufsteigenden Eindecker der Feinde, gewahrte auch den jämmerlichen Propellerrest, der kaum mehr genügen würde, die Libelle rollend vom Platz zu ziehen…
Sprang empor, verständigte sich mit den beiden Ägyptern durch Zeichen und kehrte auf den Drehsitz zurück, niedergeschlagen, und doch erfüllt von einem Gefühl erhöhter Verantwortung…
Von ihm – von ihm allein hingen jetzt das Schicksal der Libelle ab! Ohne Zweifel hatten ja die drei Schurken, wohl ahnend, daß der Lord mit veränderter Ansicht über den deutschen Ingenieur die Libelle verlassen hatte, sich nun aus dem Staub gemacht und würden auch fraglos sehr bald feststellen, daß die Libelle – flügellahm geworden! Und dann – dann würden sie nicht flüchten, würden aus Verfolgten wieder Angreifer werden‥! –
Willi Kröger beobachtete den Eindecker…
Der stieg und stieg, strich nach Süden davon…
Schon – schon wagte der brave Junge zu hoffen, daß das Unheil glücklich hinwegziehen würde…
Zu früh gehofft! – Die drei, sehr erstaunt, daß die Libelle nicht sofort ihre Verfolgung aufgenommen hatte, prüften mit den Gläsern genau den Gegner, erblickten den Schaden am Propeller, machten kehrt…
Willi warf den Motor an…
Und – der halbe Propeller entwickelte wirklich noch so viel Kraft, daß die Libelle in Fahrt kam, davonrollte – nach Norden zu…
Um diese klägliche Fahrt wenigstens etwas zu beschleunigen, zog der Knabe die Metalltragflächen ein, die durch ein Gestänge sich eng an die Gondel schmiegen ließen…
Dann eilte er, nur einen flüchtigen, sorgenvollen Blick auf Holk werfend, dem die Ägypter gerade die Stirnwunde verbanden, in den kleineren Raum hinter der Hauptkajüte und schaltete hier den Motor ein, der im Notfall die Libelle als Auto vorwärtstreiben sollte.
Das flügellahme Metallinsekt schoß rascher dahin. Und doch, der tiefe, feine Wüstensand machte sehr bald auch die Kraft des Automotors nutzlos! Am Fuße einer Düne, vielleicht zwei Meilen nördlich der Oase, fuhr die Libelle sich im Treibsand fest, und über ihr in geringer Höhe schwebte nun der Eindecker, beschrieb immer engere Kreise, senkte sich tiefer und tiefer…
Der verzweifelte Knabe hetzte an Deck…
Und als der Gegner abermals über der Libelle hinwegstrich, da – da feuerte Willi Kröger sämtliche Schüsse aus seines Herrn Mauserpistole auf den hellen Riesenvogel ab…
Erkannte, daß auch das zwecklos gewesen…
Stierte bangen Herzens dorthin, wo nun der Eindecker glatt und sicher keine fünfzig Meter entfernt landete, – wo nun zwei Männer sich aus der Gondel schwangen…
Und – hörte plötzlich in der beängstigenden Stille der Wüstenlandschaft einen bekannten Ton…
Änderte die Richtung seiner Blicke … gen Himmel! Da, da kam – ein heller Fleck im blauen Äther – ein Doppeldecker von Osten heran…
Da brüllte Willi Kröger den beiden Männern, die jetzt heran stürmten, hohnlachend zu, indem er nach oben deutete: „Hilfe für uns in letzter Minute, Ihr Schurken!“
Und – die beiden machten eilends kehrt. Der Eindecker stieg – – floh… Und gleich darauf drückte Willy die schwielige Hand des Mechanikers Riegel, stammelte mit feuchten Augen: „Herr Holk ist schwer verletzt‥! Gott sei Dank, daß Sie wieder da sind, Herr Riedel!“ – –
Die Beamten benutzten das Polizeiflugzeug zur Rückkehr nach Kairo. Riedel und Willi aber schraubten denn Ersatzpropeller auf die Motorwelle und flogen um zwei Uhr nachmittags gen Süden davon. Holk war noch immer bewußtlos.
5. Kapitel
Als der Ingenieur Bert Holk endlich wieder zu sich kam, als er sich auf seinem weichen Krankenlager von Gras und Decken mühsam aufrichtete und einen erstaunten Blick in die Runde warf, da kehrte dieser Blick doch sofort zu dem müden und blassen Gesicht des neben dem Lager eingenickten Willi Kröger zurück, der eine zwischen Gesteine eingebaute Schüssel neben sich stehen hatte, in der im klaren Wasser, das wohl draußen aus der Quelle stammte, ein weißes Tuch lag – eine Kompresse für Bert Holks Stirn!
Und da die andere Kompresse, die Holks Kopf jetzt kühlen sollte, herabrutschte und dem Ingenieur in den Schoß fiel, begriff er sofort den Zweck der Schüssel und weißen Leinenbinden, erinnerte sich auch sofort an die letzten Vorgänge an Bord der Libelle, – wie das losgeplatzte Propellerende ihn niedergeworfen hatte.
Ein heißer Schreck durchzuckte ihn da…
Wo – wo war die Libelle? Was war nach seinem Unfall geschehen? War sein Wunderwerk etwa wirklich den Feinden oder dem brutalen Lord Seltor in die Hände geraten?
Und abermals wanderten Ingenieur Holks Augen umher – jetzt angstvoll, suchend…
Jetzt hatte er keinen Blick mehr für das romantische Plätzchen, an dem sein Krankenlager errichtet war. Jetzt beachtete er nicht die Felsgruppe dort rechts, aus der die klare Quelle wie ein Silberstreif im Sonnenlicht hervorsprang, nicht die tropischen Bäume und Büsche, die diesen Ort farbenfroh umschatteten, nicht das Bild der linken Hand sichtbaren weiten Grassteppe, nicht die dunkelgrauen mächtigen Tierleiber, die sich in dem stellenweise mannshohen Gras bewegten und das frische Laub von jungen Bäumen mit dem langen Rüssel abrupften…
Nein – nur ein Gedanke lebte in Bert Holks noch brennendem, schmerzendem Hirn. Wo war die Libelle?
Und da, als er sich umwandte, als er nun auch hinter sich blickte, da ging ein Ausdruck heller Freude über sein bleiches, eingefallenes Gesicht, dem das Wundfieber der vierzehn Stunden den traurigen Stempel schwerer körperlicher Qualen aufgedrückt hatte…
Seitwärts der Felsen gab es hier im Buschwerk eine langgestreckte Lichtung, und mitten in dieser Lichtung stand unversehrt, mit neuem Propeller das hellgraue Metallinsekt, die Libelle…
Nun erst war Ingenieur Holk völlig beruhigt, nun erst empfand er dankbar Freude über seine beginnende Genesung, die er doch einzig und allein der treuen Fürsorge seiner Gefährten zuzuschreiben hatte, von denen der eine wohl vor Übermüdung hier neben ihm eingeschlafen war, während er den anderen, den stämmigen Gustav Riedel, jetzt draußen am Rande der Steppe gewahrte, wo dieser soeben, ein Fernglas in der Hand, hinter einem Baum sichtbar geworden war, nun eilends tief gebückt herbeigelaufen kam und schon von weitem leise rief: „Oh – dem Himmel sei Dank, daß Sie das Schlimmste überstanden haben, Herr Holk! Die Expedition Lord Seltors ist soeben drüben in der Steppe erschienen, und allem Anschein nach will der Lord eine Elefantenjagd veranstalten… Sehen Sie dort die riesigen Dickhäuter, Herr Holk?“
Auch Willi war nun munter geworden, hatte erst schlaftrunken in die Morgensonne geblinzelt und war dann mit einem Jubelruf neben seinen geliebten Herrn getreten, dem nun Gustav Riedel und Willy abwechseln, beide vor Freude strahlend, die Hände drückten, bis Holk gerührt meinte:
„Kinder, ihr zerquetscht mir ja die Knochen! – Außerdem dürfte dieser Lagerplatz für uns nicht mehr sehr empfehlenswert sein, wo sich doch der grimme Seltor wieder mit seiner farbigen Garde in der Nähe befindet.“
„Allerdings nicht!“ nickte der Mechaniker ernst.
Und der Junge sagte im Brustton felsenfester Überzeugung: „Wenn wir in Seltors Gewalt jeraten, dann sind wir jeliefert, Herr Holk! Der einjebildete Grobsack macht uns ‘n Kopp kürzer!“
Holk schmunzelte. „So schlimm wirds nun ja nicht gleich werden! Aber ich möchte doch eine Begegnung mit Seltor vermeiden. Ohne eine Pistolenschießerei würde es dann kaum abgehen!“
Riedel wurde unruhig. „Herr Holk, wir müssen fort. – Da – die ersten Treiber erscheinen in der Steppe. Sie wollen die Elefanten wohl dem Lord zu scheuchen, der dort nördlich auf seinem Reitkamel kurze Zeit zu erkennen war…“ –
Bert Holk ließ sich von Willi dann eine Erfrischung reichen und erholte sich in kurzer Zeit so sehr, daß er dem Mechaniker nun erklärte, sie würden vorläufig doch noch hier auf der Lichtung bleiben, da es ihm widerstrebe, vor Seltor gleichsam zu flüchten.
Gustav Riedel, der soeben nochmals bis zum Steppenrand geschlichen war, schüttelte jedoch mißbilligend den Kopf.
„Herr Holk, ich habe da draußen fünfundzwanzig Elefanten gezählt, und es befinden sich drei Bullen von geradezu ungeheurer Größe darunter. Wenn diese Kolosse sich hierher in Bewegung setzen, wenn sie durch Schüsse gereizt sind, dann kann man nie wissen, ob diese Viecher ihre Wut nicht an unserer Libelle auslassen und mit ihren Stoßzähnen…“
Er schwieg – lauschte…
Auch Holk und Willi hatten den Klang der Schüsse vernommen…
„Die Jagd beginnt!“ rief der abenteuerlustige Knabe aufgeregt. „Oh – ich möchte zu gern dabei Zuschauer sein! Herr Holk, lassen Sie uns doch aufsteigen. Vom Deck der Libelle könnte ich fraglos auch wieder ‘n paar feine Aufnahmen machen! Und wie tadellos wär es, wenn wir später bei der Veröffentlichung unseres mit Originalaufnahmen versehenen Berichts auch ‘ne Elefantenjagd darunter hätten!“
Holk, der schon mit Behagen eine Zigarette rauchte, meinte nachdenklich: „Ich begreife nicht, wie es möglich ist, daß hier so weit nördlich eine Elefantenherde sich zeigt. Man findet diese Dickhäuter doch erst viel weiter südlich… Doch – es sei! Steigen wir auf! Auch mir ist es interessant, den Lord als Elefantenjäger beobachten zu können…“ –
Die Libelle wurde nun von Riedel und Willi bis an den Südrand der Lichtung gerollt, damit sie freies Anlaufgelände hätte. Holk saß im Führerstand, stolz und froh, nun wieder sein wundervolles Fahrzeug lenken zu können, das jetzt graziös und leicht unter fröhlichem Knattern sich in die Lüfte schwang und dicht über den Büschen und Bäumen hinweg der Steppe zuflog…
Hinter Holk stand in der Führerkabine der Mechaniker. Willi aber war mit seinem photographischen Apparat oben auf Deck, lag lang auf dem Bauch und sah nun mit gierigen Augen dort links die Elefantenherde davonstürmen, sah die Kadaver zweier erlegter Tiere wie graue Hügel im niedergetretenen Steppengras emporragend und … sah noch mehr … sah den Lord, der, von zwei Elefantenbullen verfolgt, auf seinem Reitkamel nach Norden zu davonjagte…
So wurden denn die drei Deutschen hier Zeugen von so wildbewegten Jagdszenen, wie man sie sonst nur in Büchern mit prickelnden Nerven überfliegen kann…
So beobachteten sie in atemloser Spannung, wie das Reitkamel des Lords, durch das mannshohen Gras schwer behindert, nicht schnell genug vorwärts kamen, um den nur scheinbar so regen Elefanten entgehen zu können…
Näher und näher rückten die wütenden Bullen, dicht nebeneinander dahinstürmend, dem flüchtenden Reiter… – Lord Seltor schaute sich wiederholt um… Hob nun die Büchse, als die enormen Dickhäuter das Reitdromedar fast erreicht hatten … schoß – – und fast augenblicklich überstürzte der eine Bulle sich, kollerte zur Seite…
Der andere aber, noch größer, noch gewaltiger als der soeben durch den Meisterschuß niedergestreckte, war schon neben dem Dromedar, hob den Rüssel, umschlang blitzschnell den menschlichen Feind und – schleuderte ihn in die Luft empor, um ihn dann auf dem Boden mit den dicken Füßen zertrampeln zu können…
Und – im selben Moment hatte auch Ingenieur Holk die Libelle, die keine zwanzig Meter entfernt war, noch tiefer hinabgehen lassen…
Und – im selben Moment fast konnte Willi Kröger den sieben, acht Meter hoch emporgeschleuderten Lord, den ein seltsamer Zufall auf die linke Tragfläche der Libelle fallen ließ, mit kräftigem Ruck auf das Deck ziehen… –
Als Seltor sich erholt hatte, also er nun Holk und dessen Gefährten danken wollte, da sagte der Ingenieur Holk mit eisiger Miene: „Lord Seltor, Sie haben mich so schwer beleidigt gehabt, daß nur Blut meine Ehre hätte wiederherstellen können. Nun aber – – sind wir quitt, Lord Seltor! – Dort weidet Ihr Dromedar. Leben Sie wohl…“
Seltor machte nochmals einen Versuch, Holk zu versöhnen. Als der sich jedoch abwandte, verließ der Lord die inzwischen gelandete Libelle, ritt beschämt von dannen, ließ seine Jagdbeute im Stich und marschierte mit seiner Expedition weiter nach Süden.
Kaum war der lange Zug drüben in der Ferne verschwunden, als vom Norden her ein Reitertrupp auftauchte…
Und – – diese zweihundert Schwarzen, die Leibwache des Sultans von Tabur, hatten dann die Libelle, deren Insassen nichts Arges ahnten, im Moment eingekreist, hatten eiserne Ketten um die Metallflügel, den Propeller, die Räder geschlungen…
Einer der uniformierten Schwarzen aber hatte in leidlichem Englisch den Deutschen zugebrüllt: „Ihr habt den Elefantentransport für den Sultan von Tabur überfallen! Ein anderes Flugzeug hat euch beobachtet! Ihr seid meine Gefangenen!“
Flinke Gestalten schwangen sich an Deck der Libelle. Holk, Riedel und Willi wurden niedergerungen, gefesselt… Und durch einen Vorspann von Pferden wurde die Libelle nach Nordwest – nach der Hauptstadt des Sultanats gezogen … –
Anmerkung:
(1) Walther Kabel übersetzte Shallow (= Untiefe) fälschlicherweise mit Schwalbe (= Swallow). Da die Hefte durchgehend Shallow nutzen wird es nicht geändert.