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Ein geheimnisvoller Freund

 

Im Flugzeug um die Welt

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Band 4

Ein geheimnisvoller Freund

 

Verlag moderner Lektüre G.m.b.H.

Berlin 26, Elisabeth-Ufer 44

 

Nachdruck verboten. – Alle Rechte, einschl. das Verfilmungsrecht, vorbehalten. Copyright 1924 by Verlag moderner Lektüre G. m. b. H., Berlin.

Druck P. Lehmann G. m. b. H., Berlin.

 

 

1. Kapitel

War das nur ein Laufen, Drängen, Hasten und Brüllen in den holprigen Felsenstraßen der Hauptstadt des afrikanischen Sultanats Tabur am Südwestrande der libyschen Wüste‥!!

Gerade an diesem bereits so glutheißen Maimorgen, wo heute wie an jedem Mittwoch der große Wochenmarkt in der Hauptstadt stattfand, hatte sich ja aus den umliegenden Dörfern und fern aus den Beduinenlagern der Wüste Hunderte und aber Hunderte hier eingefunden, und all diese Farbigen in ihren malerischen Trachten, all diese Schwarzen, Araber, levantinischen Juden, Fellachen und hellhäutigen Mauren stürmten jetzt, angelockt durch das blitzschnell sich verbreitende Gerücht von der Gefangennahme dreier deutscher Flieger, dem südlichen Stadtort der festungsähnlichen Residenz des schwarzen Sultans zu und breitete sich zu beiden Seiten der Straße dann außerhalb des Tores in breiten Linien aus, ein Spalier bildend, durch das die verhaßten Giaurs (Ungläubigen) hindurch mußten. –

Tabur, die Hauptstadt des gleichnamigen Sultanats, ist eine der ältesten und interessantesten Wüstenstädte.

Am Südrand der Tabur-Berge, und zwar an dem schmalen, engpaßähnlichen Ausgang eines sehr breiten, fruchtbaren Gebirgstales gelegen, stellt es mit seinen Felsenmauern, seinen Steinhäusern, seinen zum Teil ganz modernen Schutzforts, die auf den umliegenden Bergkuppen errichtet und mit allerbesten Kruppgeschützen bewaffnet sind, eine Zwingburg dar, an der selbst die französische und englische Ländergier sich verschiedentlich die Zähne ausgebissen hat. –

Vom Südtor aus bietet sich dem Beschauer ein Rundgemälde dar wie es wohl nur der schwarze Erdteil so abwechslungsreich gewährt, wo neben den verschiedenartigsten Formen der Sand-, Stein- und Felswüste breite Streifen fruchtbaren Gebietes, weite Buschbestände, tropische Wälder und die zarten Palmenwäldchen der Oase dicht beieinander vorkommen.

Gerade das Sultanat Tabur ist in dieser Beziehung reich begnadet und daher auch noch vor zwanzig Jahren, wie schon angedeutet, die Sehnsucht der kolonialen hungrigen Engländer und Franzosen gewesen. Viel Blut ist auf den Gefilden dieses Sultanats geflossen, dessen Herrscher die Grausamkeit der Barbaren mit dem diplomatischen Geschick europäischer Staatenlenker verbanden und sich die verhaßten Giaurs stets vom Leibe zu halten wußten.

Vom Südtor also, wo die Menge der Stadtbewohner und Marktbesucher nun Spalier bildete, zog sich der Hauptweg steil in die Ebene hinab, teilte sich hier in unzählige Karawanenstraßen, die auch heute von Kamelzügen, Lasteselscharen und Reitern belebt waren.

Und auf einen dieser in der endlosen Ferne sich verlierenden Karawanenwege war bereits deutlich ein Trupp von zweihundert uniformierten Reitern sichtbar, vor dem, durch Pferde gezogen, ein hellgrau gestrichenes großes Flugzeug, ein Eindecker von besonderer Form, auf seinen vier Pneumatikrädern die holprige Straße dahinschwankte…

Der Lärm der Zuschauer legte sich, je näher die Flugmaschine kam, auf deren abgeplattetem Gondeldeck mehrere Gestalten zu erkennen waren.

Nur noch einige Nachzügler, die soeben erst von dem aufregenden Ereignis erfahren hatten, ließen sich erzählen, weshalb der Sultan die drei Deutschen nach der Hauptstadt zu schleppen befohlen hatte.

Und hörten so, daß doch der große Elefantentransport für den Tierpark des Sultans weit im Süden infolge Ungeschicks der Begleiter plötzlich sich aufgelöst habe und daß die riesigen, kaum erst halb gezähmten Dickhäuter in jäh losbrechender Wut ihre Wärter größtenteils getötet und dann in dicht geschlossener Masse in die Buschwälder geflüchtet seien. Und von diesen Elefanten hätten nun die drei Deutschen, wie dem Sultan durch die Insassen eines anderen Eindeckers gemeldet worden, einige erlegt, um sich die prächtigen Stoßzähne aneignen zu können… –

Näher und näher rückte der Zug, näher und näher kam der graue Riesenvogel, an dessen Gondelspitze beiderseits in Goldbuchstaben der Name Libelle prangte…

Und vor den uniformierten Reitern, der Leibgarde des Sultans, ritt ein hühnenhafter Schwarzer mit krausem Vollbart, einer Adlernase und kühnen, blitzenden Augen: der Oberst Sadi Asmar, Kommandeur der Leibkavallerie!

Nun waren auch bereits die drei Deutschen zu erkennen, zwei Männer und ein schlanker Junge, die mit gebundenen Händen oben auf dem Gondeldeck saßen, bewacht von drei der Uniformierten…

Und jetzt – jetzt sagte dieser schlanke kleine Bursche mit den pfiffigen, lebhaften Augen zu seinem verehrten Herrn und Beschützer, dem Ingenieur Herbert Holk:

„Allerhand Achtung!! Da bereitet man uns ja einen festlichen Empfang mit Spalierbildung und Massenauftrieb, als ob wir…“

„Still, mein Junge!“ warnte Holk hastig. „Unsere Lage ist zu ernst, als daß du deine bekannten Witze darüber reißen dürftest. Der Sultan Abu Safar von Tabur, berüchtigt als einer der schlimmsten Christenhasser und als einer der grausamsten Herrscher eines halbzivilisierten Staates, wird mit uns fraglos nicht eben glimpflich verfahren, zumal er noch durch unsere Gegner, die sich hier nun abermals melden, aufgehetzt worden ist…“

Und Gustav Riedel fügte dann hinzu, während sein blonder, struppiger Schnurrbart sich noch mehr sträubte:

„Diese drei Schufte, die uns bei unserem in aller Stille begonnenen Weltrundflug nun schon dauernd belästigt haben, dürften diesmal vielleicht ihre Absicht erreichen und uns das wunderbare Fahrzeug, die Libelle, entführen. – Herr Holk, wenn wir nur nicht unseren gutem Herzen gefolgt wären und den Lord Seltor, der ja die Elefanten niedergeknallt hat, vor dem wütenden Elefantenbullen gerettet, sondern unsere Reise fortgesetzt hätten! – Ja, das hat man nun für seine Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft! Wir sitzen hier tief im ärgsten Schlamassel, und der Lord ist mit seiner Expedition unbehelligt abgezogen!“

Bert Holk schwieg dazu. Im stillen gab er seinem braven Mechaniker beinahe recht…

Seine Gedanken wurden jedoch ganz plötzlich auf anderes abgelenkt…

Die Libelle passierte gerade das breite Stadttor, als durch die Hauptstraße von dem Schloß des Sultans her ein anderer Zug nahte, voran berittene Leibgarde, dann zwei Reihen von Würdenträgern in ihrer phantastischen, goldstrotzenden Tracht, und zwischen diesen Reihen ein einzelner Reiter auf einem prachtvollen Berberhengst: der Sultan Abu Sarfar!

Unter dem weißen, von Diamanten sprühenden und mit Reiherfedern verzierten Turban des vielleicht vierzigjährigen, braunschwarzen Herrschers war ein Gesicht von abschreckender Magerkeit und kaltem, stolzem Ausdruck zu sehen, – ein Gesicht, dessen hochmütige Verschlossenheit durch ein grausames Lächeln noch unsympathischer und fast abstoßend wirkte.

Dieser Sultan Abu Sarfar, ein Mischling, trug die Wangen glatt rasiert und nur am Kinn einen spärlichen, glänzend schwarzen Bart. Sein weißer, von Goldborten eingefaßter Mantel war mit edlen Steinen wie besäht und ließ, an der Brust offenstehend, einen Rock von hellblauem Tuch mit goldener Stickerei erkennen, einen Uniformrock, auf dessen linker Brustseite eine Unzahl von Orden blitzte.

Alles in allem war dieser Herrscher eine imponierende Erscheinung, schlank, sehr groß, und dazu ein Reiter, wie es wenige in dem heißen Afrika geben mochte. In zwangloser Haltung, und doch stolz und selbstbewußt, ließ er seinen Berberhengst unter sich tänzeln, hielt die Rechte lose auf dem funkelnden Knauf seines europäischen Prachtdegens und schaute unverwandt geradeaus, als ob er die unterwürfigen Grüße seines Volkes gar nicht bemerkte.

Hinter ihm wieder folgte der Leibdiener Stannit mit seinen vier zahmen Löwen, die an goldenen Ketten, mit blitzenden Ledergeschirren und farbigen Seidendecken, diesen echt orientalisch bunten Aufzug in würdevollem Schritt beschlossen. –

Oberst Sadi Asmar sprengte jetzt seinem Herrn entgegen und meldete die Gefangennahme der drei Elefantenjäger.

Der Sultan nickte kurz und erklärte, indem er den Oberst im Weiterreiten hoheitsvoll neben sich winkte:

„Die drei anderen Giaurs, die heute früh hier mit ihrer Flugmaschine landeten, haben mir Wunderdinge von dem Flugzeug berichtet und sich erboten, mir diese seltsame Erfindung draußen vor der Stadt vorzuführen. Du, Oberst, wirst die Deutschen jetzt nach dem Verlies des Barrag-Berges bringen. Dann kehre zurück und schau mit an, was es mit diesem Wunderfahrzeug auf sich hat. Die drei Fremden, die es mir vorführen werden, bringe aus dem Schloß mit. Sie wollten den Deutschen nicht begegnen, die ihnen diese Flugmaschine gestohlen haben…“

Der Oberst Sadi Asmar verneigte sich tief. „Oh Sultan, ich habe deinen Befehl gehört und werde tun, was du anordnest. Nur erlaube deinem armseligen Diener, daß er dich, Beherrscher von Tabur, vor den drei Männern, die aus London zu kommen behaupten, warnt. Sie werden dir, oh Sultan, vielleicht die Ohren mit Lügen angefüllt haben, wie ich nun fast fürchte, nachdem ich mit dem deutschen Ingenieur Holk gesprochen habe. Er behauptet, er selbst habe diese Libelle erbaut, und die drei Fremden seien nur…“

Abu Sarfar hatte unter verächtlichem Auflachen eine gebieterische Handbewegung gemacht…

„Schweig, Oberst, schweig!“ meinte er scharfen Tones. „Was sind die Deutschen‥?! Kindermörder, Mordbrenner, – das waren sie im Krieg! Und jetzt zerfleischen sie sich untereinander, hassen sich gegenseitig! Sie haben kein Vaterland, sie sind elende Sklaven geworden… Und ein Sklave lügt‥!“

Oberst Sadi Asmar, dessen Gesicht, wenn es nicht so tief braunschwarz gewesen, in keiner Linie auch nur einen Tropfen Araberblut verraten hätte, wagte zu erwidern: „Oh Sultan, du hast über den Kriegsverlauf dich nur aus französischen und englischen Zeitungen unterrichten können! Dieser Ingenieur Holk macht nicht den Eindruck eines Lügners, oh Sultan, und er erklärte mir, er könnte den Beweis erbringen, daß er erstens nicht die Elefanten geschossen und zweitens auch diese Libelle nicht gestohlen habe, die vielleicht jetzt von den drei Fremden dir, oh Sultan, nur deshalb vorgeführt werden wird, damit diese Giaurs mit ihr auf und davon fliegen können.“

Ein höhnisches Lachen Abu Sarfars folgte.

„Glaubst du, ich werde nicht Vorsorge treffen, daß sie mir nicht entweichen können, Oberst?! – Die Libelle bleibt hier! Sie ist mein Eigentum!“

Inzwischen waren die beiden Züge sich ganz nah gekommen.

Holk erhob sich, da die Libelle nun haltmachte, und trat auf dem Gondeldeck bis nach vorn an den Propeller heran, während der Sultan seinen Berberhengst gleichfalls näher an das Flugzeug herandrängte.

Unter atemlosen Schweigen der Menschenmassen schauten sich nun der Beherrscher des Sultanats und der deutsche Ingenieur, dessen bartloses, sonnengebräuntes Gesicht ebensoviel Energie wie Offenheit und Geradheit verriet, sekundenlang prüfend an.

Die funkelnden, grausamen Augen des afrikanischen Despoten weiteten sich vor Zorn über den stolzen, freimütigen Blick, mit dem der Deutsche ihn so durchdringen zu mustern wagte…

„Dieb!“ rief er ihm in englischer Sprache zu, „in den Verließen des Barrag-Berges werden deine frechen Gebeine verfaulen! – Oberst Asmar – weg mit den dreien! Der Pesthauch ihrer Verbrecherseelen soll nicht länger die Straßen meiner Hauptstadt verseuchen!“

Und sofort stürzten sich da ein Dutzend der Leibgardisten auf Holk und seine Gefährten, zerrten sie von der Gondel der Libelle herab und banden sie auf drei Pferde. Im Galopp, umgeben von Soldaten, sprengte Oberst Asmar dann mit den Gefangenen zum Nordtor der Stadt hinaus – hinein in das weite fruchtbare Tal, bis zum Fuß eines einzelnen, seltsamen Felsgebildes von gut hundertachtzig Meter Höhe…

 

 

2. Kapitel

Daß dieser Felswürfel, den ein Spiel der Natur fast genau fünfeckig gestaltet hatte, besonderen Zwecken diente, bewies schon der Umstand, daß er von einer hohen Steinmauer umgeben war, an deren einzigem Tor eine Wache von zehn Soldaten vor einer Hütte saß und nun beim Nahen des Reitertrupps aufsprang, um dem Oberst Sadi Asmar eine militärische Ehrenbezeigung zu erweisen.

Dann öffneten sie das schwere Holztor und ließen die Gefangenen und ihre Begleiter ein.

In diesem runden, leeren Hof, der den Felswürfel umgab, wurden Holk und seine Gefährten die Fesseln abgenommen.

Dann führte man sie unter groben Püffen zur Nordseite des Barrag-Berges, wie dies Felsgebilde hier sehr poetisch genannt wurde, – denn Barrag bedeutet in der Sprache der Taburaner so viel wie Berg des Himmels, – wahrscheinlich, weil seine flache Spitze dem Himmel so nahe war.

Hier an der Nordseite, die genau so steil und glatt wie die anderen Flächen dieses Steinkolosses war, gab es eine breite, natürliche Spalte, die durch eine doppelte eiserne Gittertür, deren Stäbe armdick waren, fest versperrt und durch Riegel, Schlösser und Stangen so gut gesichert war, daß niemand diese Spalte passieren konnte, der nicht all diese Schutzvorrichtungen erst beseitigt hatte.

Einer der Leute der Torwache schloß die beiden Gitterpforten auf…

Und einige brutale Stöße beförderten dann die drei Deutschen in den dunklen Schlund dieser Felsspalte hinein. Hinter ihnen schlugen die Türen klirrend zu.

Fluchend erhob sich Gustav Riedel, der Mechaniker.

„Diese schwarze Bande!! Die Pest soll euch –“

Aber – ebenso jäh, wie er diese Worte hervorgestoßen, schwieg er auch wieder, da Willi Kröger, der kleine kräftige Bursche, hastig geflüstert hatte:

„Haben Sie es gehört, Herr Holk? Der Oberst mit der Hakennase, der mir den Puff in den Rücken versetzte und mich hier hineinschleuderte, raunte mir noch etwas zu. Leider habe ich es in meiner Aufregung nicht verstehen können… Aber ich wette, daß er deutsch gesprochen hat, dieser Oberst Sadi Asmar…“

Holk und Riedel, im Halbdunkel dieser Felsspalte neben dem Knaben stehend, warfen jetzt unwillkürlich einen Blick nach der nahen Gittertür – hinaus in den hellen, sonnendurchleuchteten Hof, wo – – als einziger nur noch … der Oberst Sadi Asmar zu sehen war.

Und der … der hob jetzt ein wenig die Hand, legte sie auf die Stelle des Herzens, nickte kurz und verschwand ebenfalls nach der Seite hin…

„Bei Gott, Willi kann sich nicht verhört haben,“ stieß da der Ingenieur Holk halblaute hervor. „Diese Handbewegung, dieses von einem freundlichen Kopfnicken begleitete Lächeln galt uns!“

„Na also!“ meinte Willi ganz stolz. „Wenn ich es auch nicht verstanden habe – deutsch war es!“

„Also ein Freund, der es gut mit uns –“

Auch diesen Satz konnte der stämmige Riedel nicht beenden…

Wieder war es der Knabe, der jetzt, wo seine Augen sich mehr an das Zwielicht hier gewöhnt hatten, mit einem leisen Schrei zurückprallte, bis an die Gittertür sprang, sich schreckensbleich mit dem Rücken dagegenlehnte und mit dem rechten, zitternden Arm tiefer in die Felsspalte hineindeutete…

Holk und Riedel wandten sich um.

Ihre Augen vergrößerten sich vor Grauen…

Denn dort – dort in einem Winkel der höhlenartig sich erweiternden Felskluft lagen – Skelette, menschliche Gebeine, Totenschädel, und – – ganz vorn ein halb verwester Mann – ein Schwarzer…

Und jetzt – jetzt spürten sie auch den ekelhaften Verwesungsgestank, der von jenem Haufen von Knochen dort herüberdrang…

Sie wichen gleichfalls zurück – schrittweise, bis zur Gittertür, wo der Ingenieur Holk dann tief Atem holend, seltsam gepreßt sagte:

„Der Weltreisende Lamborg hat in seinem Buch Afrikanische Geheimnisse dieses Staatsgefängnis des Sultans von Tabur erwähnt und es mit dem berüchtigten Hungerturm in Prag, der Daliborka, verglichen. – Wie ich ende, darauf kommt es ja nicht an,“ fügte er wehmütig hinzu. „Aber daß ihr beide Getreue so – so kläglich hier umkommen sollt, das – das…“

„Oho!!“ meinte der zuweilen etwas sehr vorlaute Willi da, seinen Gönner ohne weiteres unterbrechend. „Oho, – – entschuldigen Sie schon, Herr Holk… Aber es ist wichtig, dieses oho!! Denn – – sehen Sie mal – ja, sehen Sie mich nur an und diese beiden Gitterstäbe der Innentür!“

Und jetzt – jetzt glitt ein ganz anderer Ausdruck über ihre gebräunten Gesichter.

Jetzt – beobachteten sie ja, daß der Abstand dieser Stäbe voneinander wohl darauf berechnet gewesen, Erwachsene nicht durchzulassen.

Aber dieser schlanke, schmale Junge, – der konnte ohne weiteres Kopf und Brust durch die Stäbe schieben! Und – wenn ihm dies möglich war, mußte er auch vollends hindurchschlüpfen können, da die Stäbe der zweiten Tür genau denselben Abstand zu haben schienen.

„Ah – das nennt man Dusel haben!“ entfuhr es dem Mechaniker. „Wenn Willi erst einmal im Freien ist, bin ich um unser Schicksal nicht mehr bange! Da mag es auch hundert solche Bordelikas, Lidebarkas, oder wie der Hungerturm sonst hieß, geben!“

„Daliborka,“ lächelte der Ingenieur Holk, und dieses Lächeln bewies, daß er genau so wie Riedel dachte: War Willy erst kein Gefangener mehr, so würde der gerissene kleine Bursche schon Mittel und Wege finden, dem Sultan von Tabur zu beweisen, daß sein berüchtigter Barrag-Berg drei wackere Deutsche nicht festhalten könne!

Willi Kröger hatte Kopf und Brust rasch wieder zwischen den Stäben zurückgezogen, damit nicht etwa einer der Wächter merkte, daß dieses Gitter denn doch etwas zu weitmaschig war.

Ingenieur Holk meinte dann:

„Wir wollen uns immerhin hier zunächst etwas näher umsehen, denn vor Dunkelwerden können wir nichts unternehmen. Meine Schachtel Wachszündhölzer ist noch halb voll, und –“

„Ich habe meine Taschenlampe bei mir!“ fiel der muntere Willi ihm ins Wort und kramte in den dick ausgebeulten Taschen seiner Sportjacke herum, bis er unter allen möglichen Dingen, die er nach Knabenart dort hineingestopft hatte, glücklich die winzige Taschenlampe, Streichholzschachtelformat, herausgeholt hatte.

Holk nahm die Lampe und schritt in dem rasch wachsenden Dunkel langsam vorwärts, schaltete die Lampe aber erst ein, nachdem er und seine Begleiter den Knochenhaufen hinter sich hatten.

Die Höhle stieg hier allmählich an und wurde zu einem natürlichen Felsengang, der im Zickzack ganz unregelmäßig nach oben führte und dabei verschiedene größere Ausbuchtungen, also kleinere Grotten, bildete.

Fürwahr, die Natur hatte hier in der Tat inmitten dieses ungeheuren Felswürfels einen staunenswerten Weg zur flachen Spitze des Berges geschaffen, einen Weg, der als Felsspalte endete…

Nun standen die drei Gefährten oben auf der Plattform dieses gewaltigen Naturturmes und schauten mit verwunderten Augen bald hierhin, bald dorthin, genossen von diesem Aussichtspunkt ein Rundgemälde, wie es eigenartiger und phantastischer kaum sein konnte.

Nach Süden zu am Talausgang der Stadt Tabur mit ihren hohen Mauern, mit ihren flachen Dächern, mit dem düsteren Schloß des Sultans und den Zwiebelkuppeln zahlreicher Moscheen, deren Kupferbelag, offenbar stets von neuem blank gerieben, in der Sonne wie Rotgold funkelte…

Und jenseits der zwischen den Bergen eingekeilten Stadt die Wüste, bebautes Land, Wälder, Palmenhaine…

Und nach Osten und Westen zu kleine Forts auf den umliegenden Höhen, mit Geschützen gespickt – steile Berge, auf deren grünen Abhängen Ziegen, Schafe, Kamele und Esel weideten…

Und nach Norden wieder ein Wald, sanft in Terrassen aufsteigend… Nein, kein Wald, ein Park, der Park des Sultans mit seltsamen bunten Pavillons, mit sprudelnden Fontänen, mit großen Tiergehegen, in denen sich, selbst von hier zu erkennen, allerlei Arten von Vierfüßlern hin und her bewegten…

„Der Eindecker der Feinde!!“ schrie Willi Kröger da plötzlich. „Herr Holk – – dort, dort neben dem Haus am Parktor… Dort steht der Eindecker…“

Holk hatte die halb hinter Bäumen und Büschen verborgene Flugmaschine schon bemerkt.

„Ja – wenn es unsere Libelle wäre!“ meinte er grüblerisch. „Dann, dann könnten wir nachts auf und davon! Aber – – ohne die Libelle fliehe ich nicht! Ich nicht! Mit euch beiden, meine Freunde, ist das etwas anderes! Ihr – werdet fliehen, und ich will euch auch sofort angeben, wie dies geschehen kann…“

Den Blick nachdenklich immer auf den Eindecker seiner unbekannten Gegner gerichtet, sprach er weiter, dieser kühne, geniale Mann, der es unternommen, auf jeden Fall den Rekord der amerikanischen und englischen Welt wieder zu drücken.

„Willy wird nachts den hohlen Berg wieder verlassen und sich unschwer dort bis zu dem Flugzeug schleichen können… Er versteht mit derlei Fahrzeugen umzugehen. Das hat er ja schon wiederholt bewiesen, am besten wohl in jener Nacht, als wir Berlin halb unfreiwillig mit der Libelle den Rücken kehrten. Und dann, mein lieber Riedel, wird er mit dem Eindecker dicht über diese Bergkuppe hinwegstreichen und wird ein Tau auswerfen, das – – Sie mitnimmt! Sie sind gewandt genug, Riedel, das Tau zu packen und daran emporzuklimmen. Seid ihr beide dann frei, so seht zu, ob ihr…“

Er verstummte…

Willi hatte seinen Arm umklammert.

Rief … keuchte hervor:

„Unsere – unsere Libelle‥!! Dort – dort steigt sie auf – jenseits der Stadt‥!“

 

 

3. Kapitel

Die drei starrten hin…

Ja – es war die Libelle‥! – Holk ballte die Fäuste…

„Die Schurken – die Schurken!! Nun haben sie mir mein Werk doch gestohlen‥!!“

Sein Gesicht war aschfahl vor Aufregung geworden. Der starke Mann, der sich sonst rühmen durfte, keine Nerven zu besitzen, schien zu zittern…

Plötzlich trug der frische Südwind von jenseits der Stadt den Schall eines merkwürdigen Getöses herüber.

Es war ein Geräusch wie das wütende Brüllen und Durcheinanderschreien einer zahllosen Volksmenge…

Und dann … dann der Knall von Schüssen, ganze Salven…

Ein nicht endenwollendes Geknatter, in das sich doch stets wieder jenes Brausen, jene Wutschreie mengten.

„Man schießt auf die Schufte!“ flüsterte Gustav Riedel heiser und kaum verständlich. „Oh – daß die Halunken wie Siebe durchlöchert werden möchten!!“

„Einen Wunsch, der leider nicht mehr in Erfüllung gehen wird,“ sagte der Ingenieur Holk da mit starker, fester Stimme. „Ihr seht – unsere Libelle ist bereits so hochgestiegen, daß sie nur noch ein sehr schlechtes Ziel bietet! Und stetig geleitet sie weiter – gen Süden! Wir aber,“ – und seine Stimme schwoll an – „wir werden nun doch gemeinsam fliehen! Wenn diese drei hinterlistigen Gegner bisher uns gejagt haben, wenn sie bisher unsere Libelle haben wollten, so hat sich das Verhältnis zwischen uns und ihnen nun geändert. Wir werden die Verfolger sein, und wir werden … die Libelle zurück holen!“

„Bravo!“ rief Willi Kröger frohlockend. „Bravo, Herr Holk! Wenn Riedel und ich Sie auch niemals hier alleingelassen hätten, – besser ist es, wir drei bleiben…“

Jetzt aber wars der stämmige Mechaniker, der dem Knaben ins Wort fiel…

„Da – dort – – der Reiter‥!! Wenn das nicht der Oberst, unser Freund, ist, dann will ich nicht Gustav Riedel, sondern Jeremias Dreck heißen!“

„Ein feiner Name – – Jeremias Dreck!“ grinste Willi sorglos und übermütig wie stets. „Na – Sie können weiter Gustav Riedel getauft bleiben, denn – es ist der Oberst, und er jagt dahin wie der Teufel selbst! Donnerwetter – kann der Gaul rasen! So rennt keen Baliner Droschenjaul, nee – selbst in Hoppejarten kriegt man so wat nich zu sehn!“ – wenn er erregt wurde, verfiel er nur zu gern wieder in sein heimatliches Berlinsch, dieser kecke, abenteuerlustige Bursche. –

Der Oberst Sadi Asmar sprang vor der Mauerpforte dieses grauenvollen Gefängnisses aus dem Sattel und rief der Wache einen Befehl zu.

Dann trat er zurück, bog den Kopf nach hinten und blickte an dem Felswürfel empor, sah oben die drei Deutschen und – winkte, winkte immer wieder.

„Er will und sprechen,“ sagte Ingenieur Holk dann hastig zu Riedel und Willi. „Vielleicht ist es ihm gelungen, den Sultan von unserer Schuldlosigkeit zu überzeugen, vielleicht sollen wir nun die Diebe der Libelle verfolgen – – mit dem Eindecker! Kommt, eilen wir hinab, dem Oberst entgegen!“

Holk ahnte nicht, daß sich inzwischen vor der Stadt ganz andere Dinge abgespielt hatten, – Dinge, die sich die kühnste Phantasie kaum hätte ersinnen können, – ein Schurkenstreich, der den wahren Charakter der drei Gegner der Deutschen mit einem Schlage enthüllt hatte.

Oberst Asmar hatte kaum die beiden Gittertüren aufschließen lassen, als aus dem Dunkel der Felsspalte auch schon der Lichtkegel einer Taschenlampe aufblitzte, und Holk und seine Gefährten rasch den Hof betraten.

Niemand hinderte sie, den Ausgang des furchtbaren Gefängnisses zu passieren…

Im Gegenteil – der Oberst schien hocherfreut, daß die Deutschen seine Winke verstanden hatten, und erklärte nun überstürzt in englischer Sprache:

„Mister Holk, – denken Sie, die drei Fremden haben den – Sultan entführt…“

„Ah‥!“ machte selbst Holk vor Erstaunen.

Und Riedel rief: „Donnerwetter – die Bande!“

Und Willi ergänzte kopfschüttelnd: „Ei verflucht, da wird der Herr Sultan nu wohl janz bescheiden jeworden sein!“

Sadi Asmar sprach ebenso überstürzt weiter:

„Die drei taten, als wollten sie dem Sultan nur die Inneneinrichtung der Libelle zeigen. Der Fürst stieg mit ihnen in die Kajüte hinab – ganz allein. Und dann begann die Libelle plötzlich zu rollen, schwebte auch schon empor. Und die Schufte warfen noch eine Nachricht aus der Gondel. Ich ließ auf die Tragflächen schießen, Mister Holk… Ich hoffte, ich würde –“

„Und nun sollen wir die Libelle verfolgen?“ unterbrach Holk den Oberst – auf deutsch.

Sadi Asmar nickte eifrig, schien sich dann eines anderen zu besinnen und meinte sichtlich verlegen:

„Ich spreche Ihre Muttersprache nur sehr unvollkommen, Mister Holk. Ich habe Sie nicht verstanden. Bitte, wiederholen Sie mir Ihre Worte auf Englisch.“ Auch er benutzte wieder die englische Sprache zu dieser Erklärung, die bei Holk wenig Glauben fand.

Deshalb erwiderte dieser auch:

„Sie mögen jetzt Ihre Gründe dafür haben, die Kenntnis des Deutschen…“ – Doch – ein kaum merkliches warnendes Augenblinzeln des Oberst ließ ihn dem begonnenen Satz einen anderen Inhalt geben. „Ihre Kenntnis des Deutschen für eine Verständigung zwischen uns nicht für genügend zu halten. Ich willfahre daher ihrem Wunsch…“

Er wiederholte die Worte von vorhin auf Englisch, und Sadi Asmar verneigte sich höflich und meinte:

„Ganz recht, Mister Holk… Befreien Sie den Sultan aus der Gewalt dieser drei Fremden, und der Dank unseres Herrschers wird Ihnen gewiß sein. Er ist dankbar trotz all seiner Schwächen,“ fügte er leiser hinzu und reichte Holk den Zettel, der aus der Gondel der Libelle zu Boden geflattert war.

Auf dem Papier stand mit Bleistift:

England hat seit Jahren große Sehnsucht nach Sultan Abu Sarfar, der noch vor sieben Monaten zwei englischer Offiziere wegen angeblicher Spionage erschießen ließ. Wir werden den Sultan an England ausliefern, falls uns nicht aus der Schatzkammer des Schlosses die stark vergoldete Mumie des ägyptischen Königs Menetafares des Siebenten samt dem silbernen Sarg überlassen wird. Der Sarg mit der Mumie ist einem zahmen Elefanten aufzuladen, der, nur geführt von einem einzigen Wärter, morgen früh in der Oase Tomfra sich einfinden muß. Sollten irgendwelche Absichten der Bewohner von Tabur, den Sultan zu befreien, von uns bemerkt werden, so begeben wir uns mit der Libelle nach London, und der Sultan wird sein Land nie wiedersehen.

Dieser Zettel, englisch geschrieben, trug keinerlei Unterschrift.

„Es handelt sich also um eine ganz gemeine Erpressung,“ sagte der Ingenieur Holk, nachdem er die Zeilen überflogen hatte. „Freilich – diesen Leuten, die schon in Ungarn ein klägliches Erbbegräbnis bestohlen haben, traue ich noch weit Schlimmeres zu.“

Oberst Sadi Asmar erklärte darauf ein wenig unsicher: „Von einer Erpressung kann hier doch nicht so recht die Rede sein, Mister Holk. Ich will Ihnen hierüber später Aufschluß geben.“ Und abermals schaute er den Ingenieur dabei bedeutungsvoll an und machte eine unmerkliche Handbewegung nach rückwärts, wo ein paar Mann der Wache standen. „Um die Lage kurz zu prüfen,“ fuhr er fort, „so müssen wir uns darüber wohl im klaren sein, daß die drei Fremden, die sich hier Smith, Wallis und Robertson nannten und die natürlich ganz anders heißen dürften, tatsächlich leider ja die Möglichkeit haben, aus großer Höhe von dem Flugzeug aus zu beobachten, ob sich noch jemand außer dem Elefanten und seinem Führer der Oase nähert. Es ist mithin ausgeschlossen, ihnen irgendwie eine Falle zu stellen und den Sultan zu befreien, es sei denn, daß Sie, Mister Holk, mit dem Eindecker dieser Leute auf irgendeine Art –“

„Oh – auch das ist kaum möglich,“ fiel Holk ihm ins Wort. „Auch der Eindecker ist leicht zu bemerken, mag er auch noch so hoch emporsteigen und dann im Gleitflug herabsausen. Bedenken Sie außerdem, Oberst Asmar, daß meine Libelle, nachdem ich das wenig brauchbare Benzin filtriert habe, eine Geschwindigkeit entwickelt, die der des Eindeckers der Fremden weit überlegen ist.“ –

Willi Kröger, der kein Wort Englisch verstand, hatte sich inzwischen von Gustav Riegel alles nötige mitteilen lassen.

Als der Mechaniker den kostbaren Mumiensarg erwähnte, machte der Junge plötzlich einen sehr pfiffiges Gesicht und platzte dann heraus:

„Herr Holk, – ein Quark ist es, die drei Schufte gründlich anzuführen, ein Quark, sage ich!!“

„So?!“ Und Holk mußte lächeln. „So?! Dann schieß mal los, mein lieber Willi! Du scheinst ja irgendeinen Plan ersonnen zu haben, wie man –“

„Hm – ersonnenen hab ich gar nichts,“ meinte Willi achselzuckend. „Mir ist da nur was eingefallen, Herr Holk. – Bitte, treten Sie mit mir doch mal so ‘n bißchen abseits… Herr Riedel kann ja auch zuhören.“

Nun standen die drei Gefährten fünf Schritte weiter ab an der Hofmauer, und der Junge entwickelte mit lebhaften Handbewegungen und ebenso lebhaften, leisen Worten seine … höchst einfache Idee, wie er es nannte.

Ingenieur Holk war überrascht. Und auch Riedel rief kopfschüttelnd: „Weiß der Henker, ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn!“

Willi kollerte sofort ärgerlich heraus: „Wie – was?! Blindes Huhn?! Na – ich möchte doch sehr bitten!!“

„Kinder, vertragt euch!“ schmunzelte Holk. „Wir werden ja sehen, ob die Sache ausführbar ist. Ich werde unseren geheimnisvollen Freund, den Oberst, in alles einweihen, und dann muß er uns die Mumie zeigen.“

 

 

4. Kapitel

Gleich darauf wanderten Sadi Asmar und die drei Deutschen der nahen Stadt zu, wo ihnen bereits am Nordtor eine wild erregte Menge entgegenflutete.

Blitzschnell hatte sich die Nachricht verbreitet, daß der Oberst die drei weißen Gefangenen bitten würde, den Sultan zu befreien, und zwar mit Hilfe des Eindeckers der verräterischen Fremden, da ja hier in Tabur niemand eine solche Maschine zu lenken verstand.

Abermals schritten nun Ingenieur Holk und seine Gefährten durch ein Spalier von tausenden von Menschen in Begleitung Sadi Asmars durch die Straßen der Hauptstadt hin. Diesmal jedoch folgten den drei Deutschen nur ernste, fragende, bittende Blicke. Von ihnen erhofften die Taburaner einzig und allein Hilfe und Rettung für ihren gefangenen Sultan. –

Das Schloß Abu Sarfars lag auf einem Hügel inmitten der Stadt und war aus dunklen Granitblöcken erbaut, hatte an den Ecken schlanke Türme mit vergoldeten Dächern und war im Innern teilweise vollkommen europäisch eingerichtet.

Als Holk nun dem Oberschatzhüter des Sultans, einen greisen, weißbärtigen Schwarzen, den Plan der Deutschen entwickelte, schüttelte der hohe Würdenträger, der seit einem halben Jahrhundert der Vertraute der Sultansfamilie war, zunächst ablehnend den Kopf und erklärte, er dürfte ohne ausdrücklichen Befehl des Herrschers niemanden in die Schatzgewölbe einlassen.

Erst nachdem der Oberst dem alten Mann eindringlich vorgestellt hatte, daß es sich hier doch um Leben und Freiheit Abu Sarfars handle, willigte der Greis widerstrebend ein, holte die kunstvollen Gewölbeschlüssel und stieg mit den Deutschen und dem Oberst in die Keller hinab.

Willi Kröger hatte zwar in den Märchen von Tausendundeiner Nacht vieles über die fabelhaften Schätze orientalischer Despoten gelesen, aber nie geglaubt, daß derartiges auch in Wirklichkeit vorkäme.

Als nun der Schein der mitgenommenen Laternen hier in den tiefsten Kellergewölben auf all die eisernen Truhen fiel, die mit den kostbaren Erzeugnissen uralter Goldschmiedekunst gefüllt waren, – als er dann in einem besonderen Raum vor dem silbernen, schmalen Mumiensarg stand, da schien es ihm, als ob er all das nur träume.

Dieser Sarg, aus durchbrochenen Silberplatten hergestellt, deren Gravierungen Bilder aus der Lebensgeschichte des ägyptischen Königs Menetasares des Siebenten zeigten, bot, als der Deckel etwas beiseite geschoben wurde und so der Kopf und der Oberleib der vergoldeten Mumie sichtbar wurden, die um den Hals ganze Schnüre von Edelsteinen und auf dem Haupt eine spitze goldene Haube trug, deren Vorderteil von Brillanten augenblendend flimmerte, ein den Verstand lähmendes Bild.

Nach einer langen Pause des sprachlosen Staunens stieß Willi den Mechaniker Riegel sanft in die Seite und flüsterte stockend: „Herr Riedel – das hier is denn doch wat anderes – als so ‘n Juwelierschaufenster bei uns Untern Linden in Balin‥!“ –

Ingenieur Holk staunte gleichfalls mit angehaltenem Atem.

Er wußte zwar, daß man den Sultanen von Tabur ungeheure Reichtümer nachsagte. Doch der Anblick hier verwirrte selbst ihn.

Oberst Asmar, der erst fünf Jahre in Diensten des Sultans stand und bisher nie Gelegenheit gehabt hatte, die Schatzgewölbe zu betreten, zitterte am ganzen Leib und stierte unverwandt auf diese prächtige Mumie, die bisher nur eines einzigen Europäers Augen geschaut hatten, und das war der Entdecker der Mumie, ein Deutscher, gewesen, – zitterte und beachtete nicht Holks leise Worte, mit denen dieser nun erklärte, daß des Jungen Plan sich offenbar verwirklichen ließe.

So seltsam war Sadi Asmars Benehmen angesichts dieses wundervollen, kunstreichen Sarges und der darin liegenden Mumie, daß Mechaniker Riegel den Oberst heimlich immer wieder musterte…

Dann schien Asmar sich mit aller Gewalt von dem Anblick des toten, einbalsamierten und vergoldeten ägyptischen Herrschers loszureißen und wandte sich nun an den Oberschatzmeister, mit dem er genau vereinbarte, wann der Sarg mit der Mumie in aller Stille auf den Rücken des Elefanten festgebunden und nach der sechs Meilen entfernten Oase geschafft werden sollte. –

Am andern Morgen nach Sonnenaufgang schwebte die Libelle über der Oase Tomfra in etwa hundert Meter Höhe.

Im Kajütenfenster lehnte einer der Feinde des Ingenieurs Holk und beobachtete mit einem Fernglas die Wüste und den Horizont.

Weit und breit nichts als Sanddünen und blauer Himmel…

In der Oase, deren spärlicher Palmenwuchs kaum ein Versteck bot, befand sich gleichfalls keine lebende Seele, da durch die anhaltende Hitze der letzten Woche die Quelle dort völlig versiegt war.

Nur ein paar Hyänen und Schakale zankten sich unweit der Oase um den Kadaver eines verendeten Lastkamels, dessen Leib durch die Verwesungsgase aufgetrieben war, und vom Osten her nahte, für die drei Schurken in der Libelle deutlich erkennbar, ein einzelner Elefant, neben dem ein Schwarzer im hellen Mantel dahinschritt, während auf dem Rücken des riesigen Dickhäuters ein großer, länglicher Gegenstand, der in Decken gehüllt schien, festgebunden war.

Der Elefant schritt gemächlich durch den Wüstensand und kam der Oase langsam näher…

Plötzlich glitt das Flugzeug im Gleitflug herab und schwebte dicht über dem Elefanten hinweg, der, durch das Surren des Propellers scheu gemacht, sich plötzlich in Trab setzte, so daß der Mahut, der Elefantenführer, Mühe hatte, sich noch rasch an den Stricken festzuhalten und bis zum Nacken des Tieres hoch zu klettern.

So erreichten denn nun der Elefant und der Mahut recht schnell die ersten Palmen der Oase.

Der Mahut ließ hier den mächtigen Rüsselträger niederknien und entfernte die Decken von dem Mumiensarg.

Dieser Mahut war ein älterer Schwarzer mit starkem, dunklem Vollbart, offenbar aber kein reinblütiger, denn sein Gesicht zeigte in nichts die Merkmale der dunkelhäutigen Rasse. –

Inzwischen war die Libelle wiederholt über die Oase hinweggeflogen, und ihre Insassen schienen von Mißtrauen erfüllt noch immer nicht landen zu wollen.

Dann jedoch, nachdem der eine Fremde abermals Himmel und Wüste mit dem Fernglas abgesucht hatte, senkte sich das wunderbare Metallinsekt in eleganter Linie zum Boden, setzte auf und rollte bis etwa zehn Meter an den Elefanten heran.

Zwei der Europäer, Männer mit bartlosen, brutalen Gesichtern, entstiegen der Gondel und näherten sich, jeder eine Pistole in der Hand, den ersten Palmen.

Der Mahut lehnte faul am Rücken des Dickhäuters und rauchte seine langrohrige Pfeife, schaute den beiden gleichgültig entgegen und drückte nur seinen hellen Turban tiefer ins Gesicht.

Wie vorsichtig die Fremden waren, zeigte sich jetzt auch wieder daraus, daß sie dem Mahut zuriefen, er solle sich fünfzig Schritt entfernen.

Der Schwarze schüttelte den Kopf und machte den Fremden durch Gesten verständlich, daß er die englische Sprache nicht beherrsche. – Die beiden deuteten nun durch Handbewegungen an, was sie von dem Mahut forderten, worauf dieser sich dann auch gemächlich entfernte und dann unter einer Palme niederhockte.

Kaum hatte er jedoch den Fremden den Rücken zugekehrte gehabt, als der eine hastig flüsterte.

„Ah – – ahnte ich es doch! Eine Teufelei dieses Holk!!“

Und noch etwas flüsterte er, worauf sie ihre Pistolen einsteckten und den Sarg von dem breiten Kreuz des Elefanten herabzuheben versuchten.

Doch der war schwer, und so winkte denn der eine der Männer den Mahut herbei, machte ihm durch Zeichen klar, daß er ihnen behilflich sein solle.

Dieser kam, faul und lässig, und stand nun vor den beiden Fremden, von denen der größere jetzt so überraschend die moderne Repetierpistole wieder hervorriß, daß Mahut ein wenig zurückprallte…

Da rief der Fremde schon mit höhnischem Auflachen:

„Mister Holk, die Idee, hier den Mahut zu spielen, war leidlich. Nur hätten Sie sich besser maskieren sollen! Ich bin ein Mann, der gute, erprobte Augen hat‥!“

Holk, von der Pistole dauernd bedroht, erwiderte nichts, schaute die Schurken nur verächtlich an und wartete, was weiter geschehen würde.

„Binde ihn!“ befahl der lange Fremde seinem Gefährten. „Binde ihm die Hände und fessele ihn dort an die Palme!“ Und zu Holk: „Wagen Sie keinen Fluchtversuch! Ich drücke sofort ab!“

Holk wußte, daß der Gegner wirklich ernst machen würde.

Und er ergab sich in sein Schicksal…

Stand nun, wehrlos und ohnmächtig gegenüber diesen Verbrechern, die ihn mit ironischen Bemerkungen triumphierend überhäuften, an dem schlanken Palmenstamm…

Sah zu, wie die beiden sich abmühten, den Sarg vom Rücken des Elefanten herabzuheben und wie sie schließlich den dritten, der als Wache neben der Libelle sich draußen in der Wüste aufgestellt hatte, zuwinkten…

Und dieser Dritte lief nun eilends herbei und stemmte seine Schulter unter die eine Ecke des Mumiensarges, bewies ebenso viel Körperkraft wie Geschick und sorgte dafür, daß der Sarg unbeschädigt neben dem Elefanten in den Sand glitt.

„Sehen wir nach, ob die Mumie auch darin ist,“ meinte keuchend der Lange. „Helft mir! Schieben wir den Deckel beiseite!“

Sie taten es…

Taten es – und – fuhren entsetzt zurück…

Denn – – die Mumie hatte sich plötzlich aufgerichtet… Hob sich immer höher, bis … bis unter ihr Kopf und Schultern Willi Krögers sichtbar wurden, der nun blitzschnell sich aus seinem unheimlichen Versteck heraus schwankte und mit weiten Sätzen davonjagte – der Libelle zu‥!!

Schüsse knallten hinter ihm drein…

Die Fremden stürmten ihm nach…

Und als der kecke Junge jetzt atemlos zum Gondeldeck der Libelle emporkletterte, war der lange Fremde keine zehn Schritt mehr entfernt…

Willi glitt die Treppe in die Kajüte hinab, stieß die Tür zum Führerstand auf, packte den einen Hebel.

Und – – der Motor sprang an…

Der Propeller surrte, pfiff…

Die Libelle rollte … rollte schneller…

Schwankte jedoch verdächtig…

Und ein Blick durch die Fenster zeigte dem wackeren Jungen da, daß die drei Feinde sich an die Vorderkante der linken Tragfläche angeklammert hatten und sich die größte Mühe gaben, sich auf den Aluminiumflügel der Libelle hinaufzuschwingen…

Da kam plötzlich die Erinnerung an Berlin, an jene Gewitternacht, als die Libelle, von den Verfolgern eingekreist, sich doch den Weg in den freien Äther erkämpft hatte…

Und – – er machte es genau so, wie er es damals gemacht hatte. Um die drei Männer, die dort draußen an der Tragfläche hingen, abzuschütteln, griff er nach dem blanken seitlichem Hebel, durch dessen Bewegung die Flügel der Libelle sich rasch dicht an den Rumpf des vielseitigen Metallinsekts anschmiegen ließen…

Kaum begannen die Tragflächen nun nach rückwärts zu gleiten, kaum änderte sich dabei ihre bisher fast horizontale Stellung, als die drei Feinde auch schon den Halt verloren, in den Sand fielen und … zusehen mußten, wie die Libelle, jetzt mit eingezogenen Flügeln, zwischen den Bäumen hindurchschoß und erst vor Holks Palme anhielt…

 

 

5. Kapitel

Willi Kröger erschien auf dem abgeplatteten Deck, hörte die Kugeln der wieder heranjagenden Gegner um seine Ohren pfeifen, schnellte sich in langem Satz bis zu Holk hin, zerschnitt dessen Fesseln und kletterte wieder in die Gondel hinein.

Ingenieur Holk folgte…

Die Libelle, von neuem von der Kraft der sausenden Luftschraube gezogen, gewann die freie Wüste, obwohl drei – vier Kugeln ihren Rumpf durchschlugen und eines der Geschosse Holk den Ärmel zerfetzte… –

Holk in der Verkleidung des Mahut, – dieser geniale Erfinder und kühne Kämpfer für Deutschlands industriellen Ruhm, – Bert Holk stand auf dem Deck seiner Libelle, die er nun wieder zurückerobert hatte mit Hilfe seines kleinen treuen Freundes und Schützlings, stand da mit leuchtenden Augen und … zog ein rotes Tuch aus seinem hellen Mantel, schwenkte es in der Luft…

Die Libelle stand still…

Willi Kröger verließ die Führerkabine und begab sich gleichfalls an Deck.

Wortlos reichte Holk ihm die Hand, schaute den Jungen lange an…

Aus diesem Blick las Willi mehr heraus, als Worte auszudrücken vermocht hätten…

Dann meinte der flinke, kräftige Bursche:

„Na – hab ich es nicht gesagt – Ein Quark war das alles, wenns auch nich so janz programmmäßig verlief!“ – Er konnte es nun einmal nicht lassen, seinen Lieblingsausdruck auch jetzt zu verwenden. „Übrigens, Herr Holk, das Signal hat schon gewirkt! Dort erscheint der von Riedel gesteuerte Eindecker mit dem Oberst Sadi Asmar an Bord‥! Und – – da – – wahrhaftig!!– Da haben die drei Schufte den Elefanten bestiegen und reiten nach Süden zu davon – die Narren!! Als ob wir sie nicht jederzeit einholen könnten?!“

Holk nickte drohend. „Wir werden sie einholen! Und dann – dann werde ich nochmals Gericht halten, ein strengeres Gericht als das auf der Insel im Schilfsee!! – Sehen wir jetzt erst einmal nach dem Sultan… Die Schufte scheinen ihn hinten in den kleinen Maschinenraum eingesperrt zu haben…“

„Was ihm nichts schadet, dem … dem blutgierigen Köter!“ rief Willi empört…

„Köter?! Wie meinst du das?“ fragte Holk mit leisem Lächeln. „Wenn du noch Tiger oder Löwe gesagt hättest! Aber … Köter?!“

„Bitte sehr, Herr Holk. Bei uns in Berlin heißt doch jeder dritte Hofhund Sultan! Das is doch ‘n Hundename! Und blutgierig ist der Mister Abu Sarfar ebenfalls; denn wer Menschen in einem hohlen Bergwürfel verhungern läßt, der…“

„Schon gut, mein Junge! Bedenke, wir haben es hier mit einem halben Barbaren zu tun, der Herr über Leben und Tod seiner Untertanen zu sein glaubt!“

Und Holk klomm die Treppe hinab, fand die Tür zum kleinen Maschinenraum verschlossen, öffnete sie und erblickte nun den allmächtigen Sultan von Tabur mit gefesselten Händen auf einer Kiste sitzend…

Ingenieur Holk löste des Herrschers Fesseln und sagte mit eisiger Höflichkeit in englischer Sprache:

„Ich begrüße Sie nun als Gast an Bord meiner Libelle, Sultan Abu Sarfar. Wir Deutschen haben Sie befreit… So rächt sich ein … Kindermörder und Mordbrenner an dem, der ihm Böses tat!“

Abu Sarfar wares vielleicht bisher in seinem ganzen Leben noch nicht vorgekommen, daß jemand ihm in solcher Art entgegengetreten war – mit so stolzer Offenheit und so deutlich hervorgekehrter Verachtung gegenüber grundlosen Schmähungen.

Aber – – seltsam, der Tyrann von Tabur, der Schrecken seiner Feinde, dieser halbe Barbar und doch von Natur so schlaue, listige Diplomat, besaß doch etwas von jener wahren, seltenen Herrschergröße, die den Despoten dann erst zum echten Vater seines Volkes macht, er vertrug die Ehrlichkeit, ein offenes, ungeschminktes Wort!

Und, nachdem er an Holk und Willi worüber in die Wohnkajüte gegangen war, wandte er sich um und … reichte dem Ingenieur Holk mit einem liebenswürdigen, geradezu gewinnenden Lächeln die Hand.

„Mister Holk, ich danke Ihnen,“ sagte er schlicht. „Mehr noch, ich bitte Sie um Verzeihung…“

Und nach kurzer Pause, während er Holks Hand kräftig drückte: „Man nennt mich insgeheim den Tiger von Tabur. Ich weiß es. – Mister Holk, es ist sehr schwer, sich gegenüber der Ländergier der Europäer zu behaupten, die daheim unleidliche Phrasen über Völkerfreiheit im Munde führen und in den sogenannten unzivilisierten Erdteilen die Völker knechten und schamlos ausnutzen. Der Tiger von Tabur sorgt nur für eins – für die Unantastbarkeit der Freiheit seines Landes!“

In diesem Augenblick wirkte die ganze Erscheinung des Sultans wirklich hoheitsvoll und fürstlich.

Holk erwiderte daher auch ebenso kräftig den Händedruck Abu Sarfas und sagte, nach Willi Kröger hinschauend, der als neugieriger Zeuge dieser Versöhnungsszene beiwohnte:

„Sultan, danken Sie in der Hauptsache nicht mir, sondern jenem Knaben dort, meinen kleinen treuen Freund und Schützling. Von ihn rührt der Plan zu Ihrer Befreiung her…“

Er schilderte kurz das Vorgefallene, worauf Abu Sarfar auch Willi die Hand hinstreckte und zum Erstaunen der beiden Deutschen in freilich sehr gebrochenem Deutsch sagte:

„Kleiner Held sein… Sultan Abu Sarfar dir schenken diese Kette…“ Er löste eins der Brillantgeschmeide von seinem Hals. „Da – nur nehmen die Kette… Kleiner Held nun reich sein… Geld ist große Macht überall… Nur nehmen!“

Und – Willi zauderte nicht länger, dieses wahrhaft fürstliche Geschenk als sein eigen zu betrachten, stammelte Dankesworte und dachte im Stillen: Und den hab ich mit ‘nem Köter verglichen!! Das ist ja tatsächlich ‘n höchst anständiger Charakter! –

Inzwischen war der Eindecker der drei Gegner Holks, jetzt von Mechaniker Riedel gelenkt, neben der Libelle gelandet.

Riedel und der Oberst Sadi Asmar, der seltsamerweise eben den Sultan sehr förmlich und ohne jede Unterwürfigkeit begrüßt hatte, bestiegen sehr bald wieder den Eindecker, der den Namen Shallow an der Gondel aufgemalt trug, und beide Flugzeuge rollten nun durch die Kraft ihrer Propeller nach der Oase hin, wo der silberne Sarg mit der Mumie noch unberührt und ungeplündert stand.

Kaum hatten sich die vier Männer und der Knabe um den Mumiensarg versammelt, als Sadi Asmar etwas vortrat und mit erhobener Stimme erklärte:

„Mister Holk, im Vertrauen auf Ihre Gerechtigkeitsliebe und im Bewußtsein, daß ich hier dem Sultan allein Mann gegen Mann gegenüberstehe, will ich jetzt mein Geheimnis preisgeben…“

Der Herrscher des Landes horchte auf. Ein scharfer, fragender Blick traf den Oberst…

Der sprach weiter: „Ich bin … Deutscher. Meine Haut ist gefärbt. Ich bin der angeblich verschollene Forschungsreisende Doktor Siegurd Ramos, der vor sechs Jahren das Grab des Königs Menetafares in der Oase Siwah entdeckte und der dann von Sultan Abu Sarfar überfallen und … des Mumiensarges beraubt wurde. Um irgendwie diesen Sarg zurückzugewinnen, trat ich als Schwarzer in die Dienste des Sultans. Nun – nun erhebe ich hiermit feierlich Anspruch auf den Mumiensarg! Mister Holk – ich verlange Gerechtigkeit!“ – Er hatte sich nur deshalb des englischen bedient, damit der Sultan alles verstände.

Und der erklärte da – langsam, würdevoll und feierlich:

„Oberst Sadi Asmar, – nimm hin, was dein ist! Ziehe in Frieden in deine Heimat! Du hast mir treu gedient, und ich weiß Treue zu schätzen, selbst wenn sie den Hintergedanken hat, den du hegtest!“ –

Zwei Stunden später landeten die beiden Flugzeuge vor der Hauptstadt Tabur, stiegen aber sofort wieder auf, um die drei Gegner Holks zu verfolgen und endlich unschädlich zu machen. Der Abschied von dem Sultan war herzlich und freundschaftlich. Abu Sarfar schenkte Doktor Ramos noch den Elefanten, auf dem die drei geflohen waren, damit der Doktor später für den schweren Mumienbehälter, der jetzt auf dem Deck der Libelle stand, ein Transportmittel besäße.

So strebten denn die Libelle und die Shallow in windschnellem Flug der Oase Tomfra wieder zu, um von dort aus der Elefantenfährte und den drei Gegnern Holks nachzueilen… –