
Im Flugzeug um die Welt
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Band 6
Verlag moderner Lektüre G.m.b.H.
Berlin 26, Elisabeth-Ufer 44
Nachdruck verboten. – Alle Rechte, einschl. das Verfilmungsrecht, vorbehalten. Copyright 1924 by Verlag moderner Lektüre G. m. b. H., Berlin.
Druck P. Lehmann G. m. b. H., Berlin.
1. Kapitel
Das Fort Helmersberg.
Die ungeheueren Urwaldgebiete, die sich von der Nordwestgrenze der früheren deutschen Kolonie Ostafrika in den belgischen Kongo-Staat hinein erstrecken, sind auch heute noch zum größten Teil unerforscht und beherbergen in ihren undurchdringlichen Dickichten und weiten Lichtungen Tierarten und schwarze Völker, von denen man nur gerüchteweise Kenntnis hat.
Der englische Forschungsreisende Stuart Campell hat diese endlose Waldstrecke, die einen Flächenraum etwa von der Größe Bayerns bedeckt, nicht zu Unrecht als einen Erdteil für sich bezeichnet. Seine Versuche, den Urwaldgürtel zu durchqueren und festzustellen, was das Innere dieser Waldzone an merkwürdigen Dingen birgt, schlugen sämtlich fehl. Sumpfige Strecken, die abends verderbliche Fieberdünste ausatmen, dazu ein zähes Unterholz, das jedes Buschmesser nach kurzer Zeit stumpf und schartig macht, ferner ein Zwergenvolk, das in den Baumwipfeln am Rande dieses Waldgebietes haust und mit Giftpfeilen jedem Fremden heimtückisch auflauert, ließen Stuart Campells Expeditionen stets in kurzer Zeit bis auf wenige Träger zusammenschmelzen. Er selbst erlag 1920 dem Giftpfeil eines Dando-Mannes, und das dürftige Ergebnis seiner vier Expeditionen waren genauere Einzelheiten über jenes Dando-Zwergvolk, von dem man bisher kaum ein paar Männer und Weiber flüchtig zu Gesicht bekommen hatte.
Und doch war in diesem Urwalderdteil Innerafrikas ein kühner deutscher Farmer mit seiner Familie eingedrungen, da man ihn von seinem Wohnsitz am Tanganjika-See nach Eroberung der deutschen Kolonie durch die Engländer angeblich wegen politischer Umtriebe verjagt hatte.
Freilich wäre es ihm ohne die Hilfe eines Dando-Mannes, dessen Weib er aus den Krallen eines Leoparden befreit hatte, niemals gelungen, diese grünen Mauern der Urwälder zu durchbrechen.
Der Dando hatte ihm geholfen ein Floß zu zimmern, und auf diesem primitiven Fahrzeug war Farmer Helmer mit den Seinen auf einem verkrauteten Fluß nach unsäglichen Mühen endlich auf eine meilenweite Lichtung gelangt, in deren Mitte sich eine Reihe von Felsenhügeln erhob, deren höchster und steilster von Franz Helmer auf des Dandos Rat zu einem einfachen, aber starken Fort ausgebaut wurde.
Die aus fünf Köpfen bestehende Familie des deutschen Ansiedlers hatte einen solchen Schutz auf dieser Lichtung, die einer fruchtbaren Savanne glich, insofern sehr nötig, weil hier im Innern des Urwaldgürtels ein anderes Zwergenvolk hauste, dessen Heimtücke und Mordgier selbst von den Dandos gefürchtet wurde.
Erst nach blutigen Kämpfen mit den Umwaras, so nannten sich diese schwarzen Zwerge, hatte Helmer etwas Ruhe vor den kleinen flinken Gesellen, die als Hauptwaffe einen zwei Meter langes Blasrohr führten, dessen kurze gefiederte Dornenpfeile zumeist mit Leichengift getränkt waren. – –
Nach diesen einleitenden Bemerkungen wollen wir einmal zusehen, wie es am 29. Mai 1924 in und um Fort Helmersberg ausschaute…
Morgens sechs Uhr war es, als Walter Helmer, des Farmers ältester, achtzehnjähriger Sohn in Begleitung des Dando, der mit seinem Weib bisher treu bei den Deutschen ausgeharrt hatte, das von einem hohen Steinwall umgebene Wohnhaus verließ und mit ein paar großen Blechkannen, die Büchse über der Schulter, in die Savanne hinausschritt, um nach Trinkwasser in den entlegeneren Teilen der Steppe zu suchen.
Hatte doch eine bereits neun Wochen anhaltende Dürre, hier eine große Seltenheit, selbst die kleine Quelle neben dem Fort versiegen lassen und die sonst grüne, fruchtbare Lichtung in eine ausgedörrte, von fahlen Gräsern und abgestorbenen Büschen bedeckte Tenne verwandelt, auf die tagein tagaus die heiße Sonne Afrikas ihre Glutwellen unbarmherzig hinabsandte.
Nicht nur die Savanne jedoch, sondern auch breite Strecken des Urwaldes hatten unter der Dürre ihr Aussehen verändert. Die verschwundenen Sümpfe, der ausgetrocknete Waldboden spendeten den Urwaldriesen nicht mehr genügend Feuchtigkeit, so daß die meisten Baumkronen abgestorben und ihr Blätterschmuck, ja sogar die Zweige dürr wie Zunder waren.
Alles Wild, selbst die Vögel hatten sich vor dem Gluthauch dieser endlosen Wochen längst in andere Gegenden geflüchtet. Immer schwieriger wurde es daher für die Farmerfamilie, die nötige Fleischnahrung heranzuschaffen. Auch der kleine Viehbestand der Helmers war der sengenden Hitze zum Opfer gefallen.
Kein Wunder, daß auf Helmersberg eine geradezu verzweifelte Stimmung herrschte und daß Walter Helmer nun neben dem treuen Dando in dumpfem Brüten und oft vor Schwäche stolpernd einherschritt. Des jungen stattlichen Menschen forschende Gedanken weilten im Fort am Krankenlager des vierzehnjährigen lieblichen Schwesterleins, das seit gestern an heftigem Fieber daniederlag. Wenn er auch heute mit leeren Gefäßen heimkehrte, war das Schicksal der blonden kleinen Anni besiegelt. Das wußte Walter Helmer nur zu genau, und deshalb raffte er sich stets von neuem auf, wenn seine Sinne sich inmitten der über dem ausgedorrten Boden lagernden Hitzewelle verwirren wollten.
Der Dando, kaum halb so groß wie der junge Deutsche und nur mit einem Lendenschurz bekleidet, spähte unaufhörlich mißtrauisch umher und hielt seinen Karabiner, ein Geschenk Franz Helmers, schußbereit im Arm. Hatte er doch gestern abend in der Nähe der Farm im Sandauswurf der versiegten Quelle die Fährten einiger Umwaras entdeckt, dies jedoch den Deutschen verschwiegen, um sie nicht unnötig noch mehr zu ängstigen.
Jeden verdorrten Busch, jeden Stein, jedes Dornendickicht musterte der geradezu abstoßend häßliches Zwerg, in dessen durchbohrter Nasenscheidewand eine Kette von Leopardenzähnen hing, mit unruhigen Augen. Zuweilen blieb er auch stehen und schwang sich auf einen der hier und dort emporragenden Felsblöcke, blickte argwöhnisch in die Runde und benahm sich bei alledem so seltsam, daß sein Begleiter schließlich aufmerksam wurde und mit matter Stimme fragte:
„Was gibt es denn eigentlich, Orua? Befürchtest du einen Überfall durch die Umwaras?“
Der Dando schwieg erst, erwiderte dann zögernd: „Umwaras hier auf Steppe sein, junger Herr… Umwaras Schlangenfresser… Dort lagen Asche von Feuer und Schlangenknochen hinter Stein, junge Herr…“
Walter Helmar erschrak. Seit Monaten hatten die gefährlichen Nachbarn sich nicht mehr blicken lassen. Ihr Erscheinen hatte noch stets Aufregung und Ärger gebracht. Sie stahlen wie die Raben, überkletterten nachts mit Affengewandtheit den mit Lehm als Bindemittel aufgemauerten Steinwall des Forts und nahmen mit, was sie fanden, ließen dafür in der Erde, die Spitzen nach oben, fingerlange vergiftete Dornen zurück, durch die bereits eine ganze Anzahl Schafe und Jungvieh eingegangen waren. Freilich – Vieh gab es jetzt überhaupt nicht mehr auf Helmersberg‥! Auch nicht ein einziges Stück! Vorgestern war die letzte entkräftete Kuh verendet‥! –
Der Dando drängte jetzt seinen noch schweigsamer gewordenen Begleiter zu größerer Eile.
„Junge Herr, noch eine Stunde sein bis Waldrandquellen… Und Hitze werden immer größer… Junge Herr hier müssen kauen Rinde von Dabissa-Strauch. Das helfen besser als Wasser…“
„Ja – für kurze Zeit!“ meinte der blonde Farmersohn seufzend, nahm aber doch das Stück Rinde entgegen, das der treue Zwerg ihm reichte.
Und weiter wanderten die beiden, immer weiter, – dorthin, wo am nördlichen Horizont die Savanne durch einen dunklen Waldstrich begrenzt wurde.
Die bittere Dabissa-Rinde, die ähnlich wie die Kolanuß belebend und speichelbildend wirkt, half denn auch wirklich. Näher und näher rückte der ferne Waldrand, bis Walter Helmer endlich jene Felskuppe erkennen konnte, die baumbeschattet und dornenüberwuchert bisher eine kleine Quelle mit sanftem Murmeln hinab ins Waldesgrün geschickt hatte…
Am liebsten wäre der Farmersohn jetzt vorwärtsgestürmt, um endlich wieder einmal einen Trunk frischen Wassers über die Lippen zu bringen. Doch des Dando warnende Worte „Orua wird sehen, ob Quelle sicher“ ließen ihn zunächst in den Schatten eines einzeln stehenden Baumes treten, von wo aus er nun mit stets demselben halb neidischen Erstaunen die katzengleichen Bewegungen des Zwerges verfolgte, der im großen Bogen die Felsenquelle umschlich und dann plötzlich im Dickicht verschwand.
Der junge Helmer wandte jetzt den Blick zur Seite. Ein brausender Windstoß war soeben von Nordost über die Savanne gesaust und hatte trockene Blätter und Gräser durch seine Luftwirbel mit hochgerissen.
Und dort im Nordosten hing jetzt auch über dem Waldgebiet eine breite, schwarze Wolke, die seltsamerweise in ständigem Auf- und Abwallen ihre Form dauernd veränderte. Die unteren Ränder der Wolkenschicht aber glühten zuweilen rötlich auf, als ob sie von den Strahlen des scheidenden, rötlich leuchtenden Sonnenballs getroffen würden. Dabei war es doch erst acht Uhr morgens, und von einem Widerschein eines feurigem Sonnenuntergangs konnte keine Rede sein.
Woher also die sonderbare Beleuchtung der Wolke – woher wohl?!
Mit einer gewissen Unruhe starrte der Farmerssohn immer noch dorthin, wo die Wolkenwand unheimlich rasch an Ausdehnung zunahm.
So vertieft war er in den Anblick dieses ersten seit Monaten am Himmel wieder einmal auftauchenden Gewölks, daß der schrille, gellende Schrei aus der Richtung der Felsenquelle, der nun ganz unvermittelt sein Ohr traf, ihn erschrocken herumfahren ließ.
Rasch hatte er dann die Doppelbüchse von der Schulter gerissen, ebenso rasch hinter dem Baum Deckung genommen und den Schrei des treuen Dando durch einen lauten Jagdruf beantwortet, indem er auf Grund der Erfahrung so manchen gemeinsamen Jagdzuges vermutete, daß Orua ihn nur auf eine unmittelbare Gefahr habe aufmerksam machen wollen.
Tiefes Schweigen nun wieder ringsum…
Walter Helmers Blicke eilten hin und her, konnten jedoch nichts Verdächtiges bemerken…
Minuten vergingen so. Da kamen dem blonden kräftigen Jüngling doch allerlei Zweifel, ob der Schrei des Dando wirklich nur die Bedeutung einer ernsten Warnung gehabt hätte.
Schon wollte er sich näher an die Felsengruppe heranpirschen, als ein leises blechernes Knacken seine Augen seitwärts gleiten ließ – dort–hin, wo er die Blechkübel achtlos neben einen Stein gestellt hatte.
Und da erblickte er dicht vor sich den fingerlangen, gefiederten Blasrohrpfeil eines Umwara im Boden stecken.
Der Pfeil war, schlecht gezielt, gegen den Kübel geflogen und hatte so den leisen blechernen Ton hervorgerufen.
Walter Helmers tief gebräuntes Gesicht verriet jetzt deutlich, wie sehr er sich um den braven Orua sorgte. Andererseits aber wußte er nun auch, daß es für ihn sicheren Tod bedeutete, wenn er es wagen wollte, näher an die Felsenquelle heranzukriechen. Hinter jedem Dornenbusch, in jedem Baum konnte einer der hinterlistigen, erbarmungslosen kleinen Feinde stecken und ihm einen der tödlichen Pfeile zusenden, bevor er noch den Gegner bemerkt hatte.
Ratlos, voller Grimm und auch voller Angst um das Schicksal Oruas verharrte er regungslos, hatte nur den großen Schlapphut zum Schutz noch tiefer ins Gesicht gezogen und hielt den Zeigefinger halb um den Abzug seiner Büchse gekrümmt, jede Sekunde bereit, eine Kugel in das Dickicht zu jagen, sobald sich dort nur etwas Verdächtiges regte.
Dann brauste ein neuer Windstoß über Waldrand und Savanne hin…
Ein rascher Blick zur Seite zeigte ein völlig verändertes Bild jener finsteren Wolkenwand – zeigte dem jungen Deutschen mit erschreckender Klarheit das großartige Naturgemälde eines in der Ferne wütenden ungeheuren Waldbrandes…
Gleichzeitig fast stand wie aus dem Boden gewachsen die schwarze Zwergengestalt des Dando neben Walter Helmer…
Eine Hand berührte seinen Arm…
„Junge Herr – Quelle sein trocken… Wir zurück müssen nach Fort… Feuer uns hier vernichten… Savanne wird brennen…“
Walter Helmer stierte in Oruas häßliche Zwergenfratze…
Und der Dando fügte gleichmütig hinzu: „Drei Umwara dort im Busch… Orua den einen erstechen, Blasrohr wegnehmen und Pfeil nach Blechkannen schießen, andere Umwara fliehen… – Junge Herr jetzt kommen… Müssen laufen… Waldbrand große Winde bringen… Steppe bald in Flammen sein!“
Er ergriff die Kübel und eilte voran…
Walter Helmer folgte ihm stolpernd – halb betäubt von all den sorgenvollen Gedanken, die sein Hirn durchkreuzten…
Kein Wasser‥! Die kranke Schwester‥! Steppenbrand‥!
Sein Herz war schwer vor quälender Angst.
2. Kapitel
Willi Krögers Gefangener.
An diesem selben Morgen gegen fünf Uhr hatte an der der äußersten Nordostecke dieses Waldgebietes ein großer, hellgrau gestrichener Eindecker im Gleitflug sich auf eine mit kurzem Gras bestandene Lichtung niedergelassen. Der spindelförmigen, geschlossenen Gondel des Flugzeuges waren dann zwei Männer und ein schlanker Knabe entstiegen, alle drei gekleidet in praktische Sportanzüge von derbem Stoff. Einer der Männer blieb neben dem Eindecker stehen, während der andere, ein stämmiger, blondbärtiger Mensch, in Begleitung des Knaben drei Blechtonnen zu einer nahen Quelle rollte, die von den Insassen der Flugmaschine mit Hilfe ihrer Ferngläsern schon aus größerer Entfernung vor der Landung erspäht worden war.
Der neben dem Eindecker als Wache Zurückgebliebene war kein anderer als der Ingenieur Herbert Holk, der mit seiner Libelle, einem Wunderwerk eigener Erfindung, auf seinem Rundflug um die Welt nach den mannigfachen Gefahren und Zwischenfällen nunmehr hier zur Ergänzung der Wasservorräte gelandet war.
Sein Mechaniker Gustav Riedel und sein junger Schützling Willi Kröger füllten jetzt an der Quelle hastig die Zinkfässer und tauschten dabei allerlei Bemerkungen über ihr letztes Abenteuer aus, bei dem die Libelle sogar zu einer Löwentreibjagd verwendet worden war.
Bert Holk dagegen hatte eine Ölkanne aus dem Vorratsraum der Libelle geholt und versah die Schmierbuchsen der vier Pneumatikräder des Eindeckers mit frischem Öl, achtete jedoch während dieser Arbeit unausgesetzt auf die Umgebung, da ihm seine genauen Land- und Völkerkarte dieses Teiles des schwarzen Kontinents verraten hatte, daß man sich hier an der Grenze eines noch unerforschten und von räuberischen Zwergenstämmen bewohnten Waldgebietes befände.
Des Ingenieurs Wachsamkeit sollte denn auch sehr bald schlimmes Unheil verhüten.
Holk stellte gerade die Ölkanne auf das abgeplattete Gondeldeck zurück und wollte wieder die kurze Eisenleiter zum Erdboden hinabsteigen, als er drüben am Waldrand über den Spitzen der Gräser den Wollschädel und das fratzenhafte, durch Tätowierungen noch abstoßender wirkende Gesicht eines zwergenhaften Schwarzen erblickte…
Der Kopf verschwand blitzschnell…
Doch von derselben Stelle her erklang jetzt das laute Krächzen eines Hähers, jenes farbenprächtigen Vogels, der auch in deutschen Wäldern so häufig anzutreffen ist.
Ein Signal! dachte Holk, sprang flink von den Leiterstufen hinab und rief seinen beiden Gefährten zu: „Beeilt euch! Die Sache hier ist nicht ganz geheuer! Ich sah da soeben einen schwarzen Burschen, der nicht gerade vertrauensvoll wirkte.“
Mechaniker Riedel antwortete unbekümmert: „Wir sind schon beim letzten Faß, Herr Holk! Noch drei Minuten, und wir sind fertig!“
Holk zog zur Sicherheit die Mauserpistole aus der Tasche und schwang sich wieder auf das Gondeldeck hinauf, von wo aus er die Lichtung besser überschauen konnte. –
Willi Kröger rollte jetzt das eine Zinkfaß der Libelle zu und pfiff in seiner gewohnten sorglosen Keckheit einen Berliner Gassenhauer…
Plötzlich jedoch hörte er mitten im Lied auf…
Seine vorzüglichen Augen hatten ihm da an der Waldblöße, wo stellenweise meterhohes dürres Gras wucherte, einige verdächtige dünne Rauchwölkchen gezeigt, und ein argwöhnischer Blick in die Runde ließ ihn nun überall am Waldrand ähnliche gelbbraune Wölkchen wahrnehmen, die aus den fahlen Gräsern hochstiegen.
Sofort erkannte er, daß es sich hier fraglos um eine wohlüberlegte List der Schwarzen handele, um einen Versuch, die Europäer durch Feuer einzukreisen und in den Flammen zu ersticken.
Ein geringschätziges Lächeln umspielte da des unerschrockenen Knaben nicht gerade klein geratenen Mund. Schneller rollte er das Faß vorwärts, machte nun neben der Libelle halt und rief halblaut zum Gondeldeck empor:
„Herr Holk, haben Sie schon gesehen, daß die schwarze Brut uns schmoren will?! Solch eine dumme Bande!!“
Ingenieur Holk nickte Willi kurz zu. „Gewiß, mein Junge, – ich habe die Grasbrände ringsum sehr wohl bemerkt. Dort an vier Stellen schlagen schon Flammen hoch. – Hole nun das zweite Faß. Wir wollen doch besser diese Lichtung sofort verlassen. Es muß eine ganze Menge von den dunkelhäutigen Zwergen am Waldsaum stecken, und all diese afrikanischen Zwergvölker führen vergiftete Waffen, mit denen sie sogar Leoparden und anderes Großwild erlegen.“
Der Knabe lief wieder der Quelle zu, wo Gustav Riedel soeben das Spundloch des dritten Fasses mit dem dicken Schraubenpfropfen verschloß.
Auch der Mechaniker hatte längst die Grasbrände ringsum wahrgenommen und ihren Zweck gleichfalls richtig erkannt.
„Die kleinen Wollschädel ahnen natürlich nicht, daß unser Fahrzeug im Nu sich hochschwingen kann,“ meinte er mit seiner unerschütterlichen Ruhe. „Im übrigen ist ihr Plan gar nicht so töricht. Wenn auch nur der geringste Luftzug über die Lichtung striche, würde das dürre Gras wie Zunder auflohen und unsere Libelle in wenigen Sekunden in ein Flammenmeer einhüllen. Da – schau nur hin, Junge, – dort drüben hat sich schon eine förmliche Flammenwand gebildet.“
Er zuckte plötzlich leicht zusammen…
Bückte sich… Und rief laut und eindringlich: „Rasch, Willi, rasch‥!! Die Schufte schießen mit Pfeilen! Der Henker mag wissen, wo sie stecken, die schwarzen Knirpse!“
Und er versetzte dem einen Faß einen gewaltigen Stoß, daß es vorwärtsflog und fast den halben Weg bis zum Eindecker weiterrollte.
Dasselbe tat er mit dem zweiten, sprang dann hinterdrein und kümmerte sich nicht weiter um den Knaben, der, wie er annahm, ihm nun sofort folgen würde.
Willi Kröger aber hatte anderes im Sinn.
Er, der bereits während dieser ersten Tage des Weltrundfluges so manches Mal Gelegenheit gehabt hatte, seinen Mut und seine Geistesgegenwart zu beweisen, war durchaus nicht einverstanden damit, vor diesen schwarzen Zwergen fluchtartig das Feld zu räumen. Auch er hatte jetzt drei unweit der Quelle im feuchten Rasen steckende Rohrpfeile bemerkt und hatte aus deren schräger Stellung erkannt, daß die Pfeilschützen dort drüben in der Krone des einzelnen Baumes, eines gewaltigen, breitästigen Urwaldriesen, verborgen sein müßten.
Da neben der Quelle ein paar dichtbelaubte Büsche wuchsen, die ihn vollständig deckten, schlüpfte er schnell hinter diese Sträucher und holte nun aus der Jackentasche seine Mauserpistole hervor, die ihm sein Herr und Wohltäter als Anerkennung für seinen tapferes und kluges Verhalten bei den Kämpfen in der Oase Tomfra als Geschenk übergeben hatte.
Vorsichtig lugte er durch die Zweige zu der Krone des nahen Riesenbaumes empor und hoffte, hier wenigstens einem der schwarzen Bande einen kleinen Denkzettel in Gestalt eines Beinschusses verabfolgen zu können. –
Inzwischen hatten Holk und der Mechaniker eilends die drei Fässer im Vorratsraum der Gondel verstaut, eine Arbeit, die immerhin einige Minuten in Anspruch nahm.
Als sie nun wieder auf dem Deck der Libelle erschienen, schauten sie sich umsonst nach dem Knaben um, bemerkten hierbei aber zu ihrem gelinden Schreck, daß der Grasbrand der Libelle von der einen Seite, von Norden her, bereits bedenklich nahe gerückt war.
Gerade als Gustav Riedel nun durch einen Pfiff den Jungen schleunigst herbeirufen wollte, ertönte von der Quelle her der Knall eines Pistolenschusses…
„Der Bengel muß natürlich wieder auf eigene Faust Krieg führen!“ schimpfte Riedel ärgerlich, sprang vom Gondeldeck herab und rannte den Büschen neben der Quelle zu, blieb jedoch mit einem Mal stehen und beobachtete mit angehaltenem Atem, wie aus den tiefsten Ästen des großen Baumes ein menschlicher Körper schwerfällig in das hohe Gras hinabglitt, sah jetzt auch den Knaben, der mit langen Sätzen der Stelle zulief, wo der schwarze Zwerg im Gras verschwunden war.
„Zurück, Willi!! Vorsicht!!“ brüllte der Mechaniker warnend, schnellte aber gleichfalls vorwärts, indem er nun auch seine Mauser aus der Tasche riß. –
Willi Kröger kniete neben dem bewußtlosen Zwerg, dem die Kugel durch den linken Oberschenkel gegangen war…
Dem Jungen war jetzt keineswegs behaglich zu Mute. Er ahnte, daß Ingenieur Holk ihn für dieses vorwitzige, eigenmächtige Handeln gehörig abkanzeln würde…
Da erschien auch schon Riedel neben ihm…
„Hiebe verdienst du!“ keuchte der blondbärtige Mechaniker wütend. „Rasch – zur Libelle zurück! Der Grasbrand ist uns nur allzu dicht auf den Leib gerückt!“
„Der Schwarze wird hier elend zu Tode schmoren,“ meinte Willi etwas weinerlich. „Er ist nur bewußtlos! Tragen Sie ihn doch zur Libelle, Herr Riedel…“
Riedel zauderte keine Sekunde, lud sich die leichte Last auf die Schulter und trabte dem Eindecker zu. Und der Knabe blieb dich hinter ihm. –
Holk hatte bereits vorn in der Gondel im Führerstand auf dem Drehsitz Platz genommen, beobachtete, wie seine beiden Gefährten die Libelle erreichten, merkte an deren leisem Schwanken, daß sie die Gondel erstiegen, und ließ den Motor anspringenden…
Der Propeller begann sich zu drehen…
Mit hohlem Sausen durchschnitten die Flügel der großen Schraube die Luft…
Während dicht hinter dem Eindecker das Gras der Lichtung in hüpfenden Flämmchen in immer breiterem Streifen auflohte, während ein plötzlich von Nordost her wehender leichter Luftzug den Brand gewaltig anfachte, erhob sich die Libelle nach kurzem Anlauf in den freien Äther und schwebte über die Baumkronen hinweg, die auch hier durch die anhaltende Dürre gelb und fahl wie herbstliche Waldwipfel ausschauten.
In der Wohnkabine aber lag auf dem Bastteppich der zwergenhafte, verwundete Neger, um den sich nun Gustav Riedel als Arzt bemühte, die Ein- und Ausschußöffnung mit nassem Mull wusch und einen kunstgerechten Verband anlegte.
Holks scharfe Stimme hatte Willi in den Führerstand gerufen, wo der Junge nun mit hängendem Kopf ein kräftiges Donnerwetter schuldbewußt hinnahm. Erst als Holk zum Schluß dieses nicht gerade gelinden Anpfiffs freundlicheren Ton sagte: „Also – keine ähnlichen Dummheiten mehr, mein Junge, sonst sind wir geschiedene Leute!“, da erklärte Willi zaghaft:
„Herr Riedel meint, der Schwarze ist ein Häuptling oder dergleichen… Jedenfalls hat der dunkelhäutige Zwerg ein paar dicke goldene Ketten um den Hals und trägt auf dem Schädel eine Art Diadem aus Gold, Raubtierzähnen und bunten Federn. Im übrigen aber sieht er wie ‘n menschlicher Pavian aus, Herr Holk. Ich hätte nie geglaubt, daß es so winzige und so häßliche Menschen geben könnte! Wenn man den Kerl bei uns in Berlin in ‘n Affenkäfig einsperrt, würde kein Mensch merken, daß es kein Affe is!“
Holk unterdrückte nur mühsam ein Lächeln.
Diesem kecken Bengel ernstlich böse zu sein, war wirklich unmöglich…
3. Kapitel
Fest gerannt!
Leider sollte jedoch dieser Anpfiff, der für den Jungen so glimpflich endete, ein sehr böses Nachspiel haben.
Holk hatte während dieser Standpauke nicht sorgfältig genug durch das Bogenfenster des Führerstandes nach vorn beobachtet und wurde jetzt zu spät gewahr, daß die bis dahin völlig gleichmäßige Fläche der Baumwipfel infolge einer Bodenerhebung plötzlich eine starke Anhöhe bildete…
Zu spät riß er das Höhensteuer herum…
Schon bohrte sich der Eindecker mit lautem Krachen und Splittern in eine Baumkrone ein, rutschte dann nach unten ab und hing nun, sich auf seine Aluminiumflügel stützend, mitten im Gewirr der Zweige auf zwei starken Ästen… –
Holk hatte zum Glück noch rasch den Motor ausgeschaltet, erhob sich nun und meinte gelassen, wenn auch etwas bleich:
„An dieser Panne, die uns unzählige Stunden kosten kann, bin ich allein schuld. – Besichtigen wir den Schaden, mein Junge. Hoffentlich ist der Propeller nicht zersplittert, und hoffentlich gelingt es uns, die Libelle irgendwie wieder freizubekommen, sonst – wäre ja unsere Weltflug schon hier zu Ende!“ –
Der Eindecker hing etwas schief, das Heck nach unten, in der Baumkrone eines jener Urwaldgiganten, wie nur die heißen Gegenden sie hervorbringen.
Holk und der Knabe stiegen die Treppe empor an Deck. Riedel folgte ihnen sehr bald, da der Schwarze bereits erwacht war, aber noch matt und teilnahmslos dalag.
Schweigend prüfte der Ingenieur den Zustand seines genial erdachten Fahrzeugs. Sein Gesicht wurde dabei immer düsterer. Auch der Mechaniker erkannte nur zu bald, daß es wohl kaum möglich sein würde, die Libelle wieder aus diesem Astgewirr zu befreien, es sei denn, man montierte die Tragflächen ab und versuchte, die Gondel durch einen Flaschenzug auf den Waldboden hinabzulassen. Aber selbst dies mußte auf ungeheure Schwierigkeiten stoßen.
Weder Holk noch Riedel sprachen minutenlang auch nur ein einziges Wort.
Der Knabe war inzwischen nach vorn bis zur Spitze der Maschine geklettert und meldete nun freudig:
„Herr Holk, der Propeller ist unversehrt! Und von hier aus sieht man, daß sich seitwärts von diesem verflixten Baum eine breite Lücke in dem Wald befindet. Wenn wir vorsichtig alle hinderlichen Äste und Zweige weghauen und zuletzt auch gleichzeitig die beiden Äste durchsägen, auf denen die Libelle ruht, wird sie seitwärts in die Baumlücke abrutschen, wo wir sie dann leicht durch die Zugkraft des Propellers wieder vorwärts und ins Freie bringen‥!“
Bert Holk war schon hastig ebenfalls nach vorn gekrochen, schwang sich in die Baumkrone hinein und besichtigte kritisch, aber doch hoffnungsfroh die Umgebung dieses Waldriesen, fand des klugen Jungen Angaben voll bestätigt und rief seinem Mechaniker erleichtert zu: „Unser Willi hat wieder mal den Nagel auf den Kopf getroffen! Her mit den Handbeilen und Sägen, Riedel, – her damit! Es muß glücken!!“
Gustav Riedel aber starrte jetzt verstört und mit geradezu angstvoll weiten Augen dorthin, woher die Libelle soeben den Wald überflogen hatte…
Sah dort am Waldrand Qualm und Flammen aufsteigen, fühlte, daß ein immer kräftigerer Wind den durch das Grasfeuer der Lichtung in Brand geratenen Urwald mit lohendem Verderben bedrohte – ja, mehr noch – daß die ersten Bäume selbst bereits entflammt war‥!
Schrill und heiser erklang nun sein Ruf: „Herr Holk – Herr Holk, – der Wald steht in Flammen, und der Wind treibt das Feuer auf uns zu!“
Da erst wurde auch der Ingenieur auf den Rauch und die zügelnden Flammen aufmerksam…
Und behielt trotz der verzweifelten Lage, in der seine Gefährten, er selbst und seine Libelle sich befanden, seine Kaltblütigkeit und ruhige Überlegung, ermahnte Riedel und Willi zu schneller, zweckmäßiger Arbeit und stieg nun eilig in die Gondel hinab, kehrte mit dem nötigen Handwerkszeug zurück und gab so seinen Begleitern ein Beispiel planvollen Handelns, das hier einzig und allein Rettung verhieß…
Beilhiebe dröhnten… Sägen kreischten in feuchtem Holz… Schweißtriefend arbeiteten die Drei – schweigend, zielbewußt…
Und näher und näher kam die Glut, das Verderben… Rauchschwaden, Hitzewellen eilten dem Feuermeer voraus, das auch nach beiden Seiten immer mehr um sich griff…
Beilhiebe dröhnten… Sägen kreischten…
Willis Hände bedeckten sich mit Blasen. Gerade er strengte sich am meisten an, gerade er fühlte sich schuldig an diesem Unfall…
Dann ein kurzes Kommando Holks…
Die beiden dicken Äste, die Stützpunkte der Flügel des Eindeckers, knickten – brachen…
Flink sprangen Willi und Riedel nun ebenfalls an Deck der bereits abwärts gleitenden Libelle…
Holk war in den Führerstand gesprungen… Der Motor sprang an… Der Augenblick der Entscheidung war da… Wenn die Zugkraft des Propellers nicht genügte, den Eindecker vorwärtszureißen und zum Schweben zu bringen, mußte die Libelle haltlos hinabsausen auf den Urwaldboden – vierzig Meter tief, – würde dann dort unten nichts weiter sein als eine Masse verbogener, unbrauchbarer Aluminiumplatten.
Die Libelle glitt seitlich nach unten, streifte noch ein paar Äste und richtete sich dann langsam auf, glitt schwebend in der Baumlücke dahin…
„Hurra!!“ brüllte Willi, vor Aufregung zitternd.
Und „Gott sei Dank!“ murmelte Riedel, tief Atem holend. „Gott sei Dank – wir fliegen!“ –
Die Libelle schoß jetzt ins Freie hinaus… Aber die Libelle war flügellahm. Es war nicht mehr jenes Wunderwerk, das jedem Zug des Steuers tadellos gehorchte, das gleich einem Falter graziös und leicht seinen Weg durch die Lüfte nahm…
Der Sturz in die Baumkrone hatte den rechten Metallflügel beschädigt, verbogen. Und diese Beschädigung wurde jetzt von Minute zu Minute bedrohlicher, da die gelockerten Gelenke der rechten Tragfläche infolge des darauf lastenden Drucks immer mehr nachgaben, so daß die Libelle sehr bald nicht horizontal, sondern schräg dahinschwebte und häufig dem Höhensteuer überhaupt nicht mehr gehorchte.
Umsonst versuchte Riedel die Niete der Gelenke wieder fester zu hämmern. Es gelang nicht. Umsonst versuchte auch Holk durch allerlei Manöver, den Eindecker höher emporzubringen.
Taumelnd, unsicher und nur mit halber Geschwindigkeit flog die Libelle über die endlosen Urwälder dahin, während hinter ihr das Flammenmeer bereits den ganzen Horizont bedeckte und – – allmählich näherkam, vorwärtsgetrieben, angefacht durch den frischen Nordost, der mit ungleichen Stößen die flügellahme Libelle oft genug in wilden Sprüngen emporhob und wieder niederdrückte. –
Willi Kröger, der neben Riedel auf dem Deck lang ausgestreckt dalag, kroch jetzt plötzlich wortlos zum Gondelrand und weiter zur linken Tragfläche hin, schob sich vorsichtig auf diese hinauf, klammerte sich am Rand fest und erreichte so durch diese Belastung des unbeschädigten Flügels, daß der Eindecker wieder mehr in horizontale Lage kam.
Scharfe Zugluft umspielte den Knaben. In seinen Ohren pfiff der Wind, drangen die Luftwellen des Propellers ein…
Was machte all das dem braven Jungen aus?! Für seinen verehrten Herrn hätte er noch ganz anderes freudig ertragen!
Gustav Riedel nickte Willi anerkennen zu und stellte dann zu seiner Freude fest, daß die Libelle nun weit ruhiger und auch schneller dahinstrich.
Er begab sich nun in die Wohnkajüte hinab, um einmal nach dem schwarzen Zwerg zu sehen, fand diesen auf dem Bastteppich sitzend, in der Hand – ein dolchartiges Messer und auf dem breiten, tätowierten Gesicht einen Ausdruck so wilder, hinterlistiger Wut, daß er aus Vorsicht sofort die Pistole hervorholte und auf den kleinen grimmen Burschen anlegte.
Durch Gesten machte er ihm klar, daß jener das Messer weglegen solle. Er wußte, daß alle diese Naturvölker vorzügliche Messerwerfer sind und daß gerade die Zwerge Innerafrikas alle ihre Waffen zu vergiften pflegen.
Der kleine Schwarze gehorchte widerwillig.
Riedel nahm das Messer an sich und fesselte dann dem Pygmäen die Hände auf dem Rücken, drohte ihm nochmals mit der Pistole und betrat nun erst den Führerstand, um Holk hier abzulösen.
Der Ingenieur jedoch wollte in dieser kritischen Lage lieber persönlich seine Libelle lenken, stellte nur verschiedene Fragen und ersah nur zu bald aus Riedels Antworten, daß es nur eine Möglichkeit gäbe, dem Feuerwerk der brennenden Urwälder zu entrinnen – in gerader Linie weiterzufliegen, bis der Waldgürtel irgendwo ein Ende hatte und sich Gelegenheit zum Landen bot!
4. Kapitel
Das Flammenmeer.
Der Mechaniker kehrte an Deck zurück…
Sein erster Blick galt dem lohenden Flammengürtel hinter der Libelle. Und – da erblaßte Riedel einen Moment… Erblaßte, fühlte gleichzeitig die vom Wind vorwärtsgewehte Hitze, sah den Rauch in dicken Wolken die Libelle umgeben und vernahm deutlich das Knistern und Prasseln des von Wipfel zu Wipfel springenden Feuers…
Keine dreihundert Meter mehr entfernt zog die züngelnde Lohe hinter dem flüchtenden Eindecker drein.
Dort, wo einzelne Bäume über die Fläche der übrigen hinausragten, dort flammten diese ausgedörrten Waldriesen wie Fanale gen Himmel, wie freudige Fontänen… –
Der Mechaniker drehte sich um, schaute nach vorwärts. Nichts als Wald, Wald – nichts als fahlgelbe Hügel – die Wipfellandschaft des besonderen Erdteils… Nirgends auch nur die Andeutung einer Lichtung – nirgends!
Und Gustav Riedel preßte da die Lippen fester zusammen. Er hoffte nicht mehr – auf nichts! Er ahnte, daß der Weltflug der Libelle hier enden würde, daß die Insassen der Libelle hier elend umkommen würden und daß niemand je Kunde davon erhalten könnte, wie Ingenieur Holk und seine Begleiter gestorben, wo die Libelle geblieben… –
Willi Kröger hustete … hustete… Der Rauch, die Hitze reizten seine Kehle.
Armer Junge! dachte Riedel mitleidig. Auch du wirst hier auf dem Urwaldboden ein offenes Grab finden! Und schnell rief er dem Knaben nun zu, daß er ihn dort auf der Tragfläche ablösen würde.
Willi, bereits recht erschöpft, kroch denn auch langsam auf das Deck zurück, während der Mechaniker sich gleichzeitig an ihm vorüberschob und seinen bisherigen Platz einnahm, damit die Libelle nicht durch das Aussetzen der Gegenbelastung ins Schwanken geriet.
Willi reckte und streckte sich, warf einen prüfenden Blick auf das Glutmeer und eilte in die Wohnkajüte hinab, schob die Aluminiumtür über der kurzen Treppe halb zu, um den immer dichter werdenden Rauch abzusperren, und musterte nun zum ersten Mal den gefangenen Pygmäen so recht eingehend, bückte sich plötzlich und zog aus dem Ledergürtel des tätowierten Schwarzen ein kleines dreiteiliges Fernrohr aus Messing heraus…
Und auf dem Oberteil dieses Fernrohrs bemerkte er nun einen eingravierten Namen. Franz Helmer stand da deutlich zu lesen, und darunter, nur mit einem Messer eingeritzt Helmersberg, 18. 8. 1918. –
‚Franz Helmer – fraglos ein Landsmann!‘ dachte der Junge sinnend, bückte sich nochmals und befühlte die an dem Gürtel des Gefangenen angebrachten Ledersäckchen. Das eine enthielt fünf Blasrohrpfeile, das andere aber ein kleines Notizbuch mit braunledernem Einband und ein versilbertes Zigarettenetui mit einem Pferdekopf auf dem Vorderdeckel. Der Knabe schlug das Büchlein auf… Deutsche Schrift, von einer Kinderhand unbeholfen hingemalt:
Anni Helmer, geb. auf Helmersfarm am 3. 6. 1910.
Auf der nächsten Seite allerhand kindliche Eintragungen, aus denen Willi jedoch sehr bald ersah, daß die Familie Helmer sich hier in Afrika einen neuen Wohnsitz gesucht hatte und daß diese neue Niederlassung sich auf einer großen Lichtung inmitten der Urwälder befinden müsse, die man jetzt überflog und deren ausgedörrte Kronen weithin in Flammen standen. Die Eintragungen erschienen Willi doch so wichtig, daß er nun sofort zu Herrn Holk in den Führerstand eilte und ihm alles Nötige mitteilte. Holk überließ dem Knaben die Lenkung der Libelle, die jetzt infolge der Gegenbelastung weiter ruhiger ihre Bahn dahinzog.
Auch der Ingenieur entnahmen aus den kindlichen Eintragungen mit voller Gewißheit, daß diese deutschen Landsleute hier irgendwo in der Nähe wohnen müßten. Er versuchte auch, von dem Gefangenen, der das Fernrohr, das Büchlein und das Zigarettenetui den Helmers doch fraglos gestohlen hatte, einiges über die Niederlassung zu erfahren, indem er dem Zwerg durch Zeichen klarmachte, worauf es ihm ankäme. Er deutete auf das Fernrohr, wies dann in die Ferne und merkte auch, daß der Pygmäe ihn sehr wohl verstünde und nur so tat, als begriffe er diese Zeichen nicht. So mußte Holk denn diesen Versuch schließlich aufgeben, nahm sein eigenes Fernglas mit an Deck, nachdem er dem Knaben noch zugerufen hatte, die Libelle wenn irgend möglich etwas steigen zu lassen.
Als ihm nun aber oben auf dem Gondeldeck sofort die sengenden Hitzewellen entgegenschlugen, als er mit einem einzigen Blick das hinter dem Eindecker brandende Glutmeer überschaute und erkennen mußte, daß ein neues Verhängnis der Libelle unaufhaltsam sich näherte, da erging es ihm genau so wie vorhin dem wackeren Mechaniker, er wechselte die Farbe, und einen Moment lang überlief ein Zittern seine schlanke, nervige Gestalt. Ebenso schnell jedoch unterdrückte er diese Anwandlung von Schwäche wieder, wandte sich um und führte das Glas an die Augen…
Längst hatten die Rauchschwaden, windgetrieben dem Feuer vorauseilend, die Aussicht nach Südwest zu so gut wie völlig versperrt. Nur durch die Lücken in diesen Dunstschleiern konnte Holk zuweilen die endlose Landschaft der fahlen, hügelartigen Baumwipfel überschauen… Nirgends – nirgends ein Ende dieses Urwaldgürtels! Nirgends die Anzeichen einer Lichtung‥! –
Holk verzweifelte fast… Er ließ das Fernglas wieder sinken… Er sah, daß die Libelle, von dem braven, zuverlässigen Jungen gesteuert, verzweifelte Anstrengungen machte, sich höher über das Waldmeer zu erheben. Zuweilen schien es so, als ob der Eindecker sich auf seine Pflicht besinne, zuweilen stieg er einige Meter empor, sackte aber stets sofort wieder zurück, da die dünne Tropenluft, die Beschädigung der einen Tragfläche und, was am gefährlichsten war und noch immer gefährlicher wurde, die Gluthitze des Brandes mit ihren Veränderungen der Luftschichten dem hellen Riesenvogel jede Steigfähigkeit raubte.
Riedel rief seinem Chef jetzt zu: „Herr Holk, die Windstärke nimmt zu! Der Brand rückt uns immer näher. Ob wir nicht lieber mit der Libelle die Baumkronen zu durchbrechen und unten auf dem Waldboden zu landen versuchen?“
„Wir würden dort genau so elendiglich ersticken wie hier oben!“ antwortete der Ingenieur mit einer energischen Handbewegung. „Nein, lieber Riedel, unsere Rettung beruht einzig und allein auf…“
Er schwieg – taumelte nach vorwärts, konnte sich gerade noch am erhöhten Rand des Decks festklammern… Die Libelle war urplötzlich schräg nach vorn abwärts geschossen, streifte ein paar Baumkronen, schnellte dann aber wieder in die Höhe. Sie war in eines der von den Fliegern so sehr gefürchteten Luftlöcher geraten, dessen Ausdehnung zum Glück nicht so bedeutend gewesen, daß der Eindecker völlig abstürzte. Diese Luftlöcher sind gleichsam Hohlräume im Äther und enthalten so dünne Luft, daß jedes Flugzeug darin wie Blei wegsackt. Weitaus die meisten Fliegerunfälle sind auf diese Luftlöcher zurückzuführen.
Ingenieur Holk erkannte sofort, daß die Glutwellen des Waldbrandes die Bildung solcher Hohlräume hier derart begünstigten, daß man jeden Augenblick mit einem abermaligen Abgleiten des Eindeckers rechnen mußte. Rasch eilte er daher wieder in den Führerstand hinab und nahm seinen Platz auf dem Drehsitz wieder ein, um dem erneuten Gefahren eines Absturzes persönlich durch seine größere Gewandtheit und Sachkenntnis wirkungsvoll begegnen zu können.
Kaum hatte er die Hebel der Steuerung in den Händen und die Füße in die Schlaufen der Trittbretter gesteckt, als auch wirklich schon ein zweites derartiges Luftloch die Libelle abermals bis auf die Baumkronen hinabstieß. Nur Bert Holks überlegener Ruhe war es diesmal zu danken, daß der Eindecker von den Baumkronen mit knapper Not freikam. Und doch bedeutete dieser zweite Absturz einen Verlust an Vorsprung vor dem Flammenmeer, der nicht wieder einzubringen war.
Zu seinem Entsetzen bemerkte der jetzt auf der Gondelkabine stehende Knabe, daß die lohende Brandung bis auf etwa zweihundert Meter sich nähergedrängt hatte. Zu seinem Entsetzen fühlte er auch, daß es kaum mehr möglich war, diese überhitzte, raucherfüllte Luft zu atmen…
Dort lag der Mechaniker Riedel auf dem leicht gewölbten Aluminiumflügel, bereits rauchgeschwärzt, hustend, mit weit hervorquellenden Augen…
Unnatürlich heiser klang Riedels Stimme, als er nun dem Knaben zurief: „Wasser – Wasser, mein Junge!! Ich ersticke‥!!! Das Metall unter mir glüht‥!!“
Taumelnd stolperte Willi die Stufen hinab. Vor seinen Augen sprühten Funken…
Taumelnd stolperte er in die Vorratskammer, füllte eine große Blechkanne und eine kleinere aus dem einen Faß…
Laues Naß strömte dann über den erschöpften Mechaniker hin – ein Bad, das ihn wenigstens etwas erfrischte. Und laues Wasser schlürfte er mit gierigen, trockenen Lippen.
„Ich löse Sie jetzt ab,“ keuchte Willi. „Wenn Sie auch mich mit Wasser begießen, halte ich es schon eine Weile auf der Tragfläche aus!“
Riedel schüttelte nur energisch den Kopf.
Da kam dem wackeren Jungen ein besserer Gedanke… Wieder hinab in den Vorratsraum, vorüber an dem auf dem Teppich hockenden Zwerg, der rachsüchtig zu ihm aufschaute. Willy holte eine der länglichen Proviantkisten, die gut Dreiviertelzentner wog, schlang starke Stricke darum, trug sie nach oben…
„Herr Riedel – Herr Riedel, wenn wir die Kiste weiter nach dem Ende des Flügels zu befestigen, wird diese Belastung den selben Erfolg haben!“ rief er genau so heiser wie vorhin der Mechaniker.
Rauchfetzen umwehten ihn… Gluthauch umgab ihn… Und der rötliche Widerschein der näherkommenden Feuerwoge gab seinem schweißtriefenden Gesicht die Farbe blanken Kupfers… –
Riedel zog die Kiste mühsam auf die Tragfläche. Noch mühsamer war es, sie festzubinden.
Es gelang – – endlich…
Mit halb irren Blicken stierte Gustav Riedel nun auf das Glutmeer, folgte dann dem Knaben in die Wohnkabine hinab, schob hinter sich die Tür zu…
Und – – weiter flog die Libelle, – weiter floh sie vor dem nahenden Verderben, umdunkelt von dickem Qualm, oft hinabtaumelnd bis zu den Baumwipfeln, stets wieder hochgerissen durch Ingenieur Holks erprobtes Manövrieren…
Siedehitze jetzt auch hier im Führerstand…
Und Riedel und der Knabe nur noch damit beschäftigt, den Motor durch Wassergüsse zu kühlen…
Bis – bis Bert Holks scharfe Augen dort vorwärts einen hellen Strich erkannten, eine endlose Lichtung, bedeckt mit gelben, fahlen Gräsern…
„Die Rettung – – die Rettung!!“ brüllte er, und auch seine Stimme war brüchig und klanglos wie die eines Verschmachtenden…
5. Kapitel
Der Angriff auf Helmersberg.
Walter Helmer und der Dando Orua hatten das Fort erreicht, eilten den steilen Hügelpfad empor, eilten durch das Holztor der Mauer, das ihnen der jüngere Sohn des Farmers, Otto mit Vornamen, geöffnet hatte.
Noch brannte die Steppe nicht. Noch brandete das Feuer in unermeßlicher Ausdehnung über den Wäldern im Nordosten, hatte jedoch bereits auch nach Norden und Osten um sich gegriffen und umgab in einem Halbkreis die weite Lichtung… –
Farmer Helmer, ein graubärtiger, hagerer Riese, stand auf dem flachen, mit Steinplatten belegten Dach des Wohnhauses und spähte mit verzweifelter Miene nach den unheilvollen Fortschritten des Brandes aus.
Sein Ältester erklomm jetzt die Leiter zur Dachluke, trat neben den Vater.
„Unsere Felder – unsere Ernte ist dahin!“ sagte der Farmer dumpf. „Das Feuer wird auf die Savanne überspringen… Hunger, Durst werden uns zu Tode peinigen. Ich sah, daß du mit leeren Gefäßen heimkehrtest, mein Sohn…“
Der Dando tauchte vor ihnen auf – lautlos, hastig – reckte den Arm…
„Umwaras!“ stieß er hervor.
Und – – dort kamen sie wirklich heran in dichtem Haufen, die mordgierigen kleinen Gesellen, flink wie die Affen vorwärtshuschend, halb verborgen im Gras.
„Gewürm!!“ stieß der Farmer ingrimmig hervor. „Elendes Gewürm, daß jetzt vielleicht besseren Erfolg eines Angriffs erhofft! – Rasch, Junge, – die Büchsen hier nach oben – rasch‥!! Und Otto soll unten auf die Mauer achtgeben… – – Rasch!!“ –
Die Umwaras teilten sich, verschwanden, erschienen wie gleitende Schatten hier und dort, kreisten das Fort ein… –
Und dichter und dichter wurden die Rauchwolken, die vom brennenden Urwald her über die ausgedörrte Steppe dahinstrichen – wie Nebelgebilde, zerflatternd, sich wieder zusammenballend, aufsteigend bei jedem heftigen Windstoß und herabsinkend bis tief in die wogenden Gräser…
Und über diesen grauschwarzen Schleiern, über dem dunklen Band des Waldgebietes am fernen Horizont der Halbkreis der feurigen Lohe wie das seltsame Bild eines großartigen Sonnenuntergangs…
Für all das hatte Farmer Helmer nicht einen einzigen Blick… Jetzt stand er, die Büchse halb erhoben, auf dem flachen Dach, die Augen einbohrend in die gelbe Wand der Gräser, in die welken Büsche und Sträucher… Riß plötzlich seine Waffe hoch – drückte ab… Ein gellendes Hohngeschrei, ein Chor heller Satansstimmen war die Antwort…
„Der Durst – der Durst!!“ murmelte der hochgewachsene Mann. „Es flimmert mir vor den Augen. Die Hand zittert…“
Und neben ihm nun der Dando, warnend, mahnend: „Besser schießen – besser schießen‥!! Umwaras Astleitern haben… Werden Mauer erklettern!“
Walter Helmer, am anderen Ende des Daches postiert, feuerte … zweimal kurz hintereinander…
Wieder das Hohngebrüll der Zwergenbande…
Da lächelte der Farmer traurig, nickte dem Dando zu und meinte: „Helmersberg wird heute Tote beherbergen! Mein armes Weib, mein armes krankes Töchterchen!!“
Der Dando ließ seine Luchsaugen unaufhörlich umhergleiten…
Bemerkte so zuerst den Riesenvogel, der soeben weit nordwärts aus den Rauchschwaden hervorschoß, stierte hin, begriff nicht, welcher Art das Geschöpf dort oben in den Lüften wohl sein mochte, kreischte in abergläubischem Entsetzen: „Ein Vogel, ein sehr große Vogel – – da – über der Steppe‥!“
Franz Helmer blickte hin… Zuckte zusammen… Erkannte ein Flugzeug, das gerade landete, daß nun windesschnell über den Boden weiterrollte, das Gras vor sich niedermähte, – erkannte auf dem Deck drei Gestalten…
Drei Gestalten, von denen die kleinste jetzt etwas wie ein helles Tuch schwenkte – eine Flagge, die deutsche Marinefahne‥! –
Des Farmers Körper straffte sich plötzlich… Die Büchse flog an die Schulter… Zwei Schüsse, und zwei der schwarzen Brut, die soeben die Mauerkrone erklommen hatten, purzelten mit durchlöcherten Schädeln wieder nach unten… – –
Willi Kröger senkte die Flagge…
„Herr Holk – – Herr Holk, die Farm wird angegriffen!“ gellte sein erregter Ruf… „Da – überall schwarze Zwerge … überall!!“
Holk hatte die Situation bereits überschaut, eilte wieder in den Führerstand hinab, ließ die rollende Libelle herumschwenken – auf ein paar Büsche zu, hinter denen einige zwanzig Umwaras hockten…
Vor dem heranrasenden, ihnen völlig unbekannten Ungetüm stoben die mordlüsternen Wichte auseinander, verkrochen sich, flüchteten…
Und weiter umrundete der Eindecker das Fort, weiter verbreitete er panischen Schrecken, verscheuchte das schwarze Gesindel…
Schwenkte abermals, entfernte sich wieder…
Der Farmer sah deutlich, wie die Insassen des Flugzeugs nun dort drüben ein Gegenfeuer anzündeten, wie sie dem Glutmeer der brennenden Steppe einen zweiten Feuerball entgegentürmten, wie in kurzem ein breiter Streifen verbrannten Grases die nahende Lohe von den Feldern, von dem Fort trennte und der Savannenbrand zu beiden Seiten auswich.
Schon rollte die Libelle wieder herbei…
Und dann umklammerte Farmer Helmer vor dem Tor des Forts Ingenieur Holks Rechte‥
Sprechen konnte der starke Mann nicht…
Aber Walter Helmer dachte an das, was jetzt am nötigsten, fragte nach Trinkwasser, nach Medikamenten für das sieche Schwesterchen…
„Alles können sie haben, Landsmann,“ nickte Bert Holk freudig. „Und so ein wenig verstehe ich auch von Krankheitsbehandlung‥!“
Eine Viertelstunden später hatte die ungeheure Hitze des Waldbrandes über der Savanne pechschwarze Gewitterwolken zusammengezogen. Ein wolkenbruchartiger Regen kam hernieder, dauerte stundenlang an, tränkte den lechzenden Boden, löschte das Glutmeer. –
Der Dando Orua war es dann, der den Ingenieur Holk darauf aufmerksam machte, daß der gefangene Zwerg der Oberhäuptling der vereinigten Umwara-Stämme sei.
„Umwaras Schafe, Ziegen, Rinder haben,“ fügte der Dando schlau zu. „Umwaras viele Tiere geben für Oberhäuptling… Hier alles Vieh tot sein…“
Holk verstand. –
Und zwei Tage später war denn auch mit dem feindlichen Zwergenvolk ein förmlicher Friedensvertrag geschlossen worden, der den Bewohnern der Farm nicht nur Ersatz für ihren Viehbestand, sondern auch ein friedliches Dasein hier auf der zu neuem Leben erwachten Steppe sicherte.
In diesen zwei Tagen wurden auch die Beschädigungen der Libelle gründlich ausgebessert, so daß Holks Wunderwerk sich dann am Abend dieses zweiten Tages wieder graziös und leicht wie früher in die Lüfte emporschwingen und die Fahrt um die Erde fortsetzen konnte.
Auf dem Deck der Libelle sschwenkte Willi Kröger die deutsche Marineflagge… Und vor dem Tor von Helmersberg standen die Familie des Farmers und der Dando und winkten noch lange dem rasch entschwindenden Eindecker nach…