
Im Flugzeug um die Welt
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Band 8
Verlag moderner Lektüre G.m.b.H.
Berlin 26, Elisabeth-Ufer 44
Nachdruck verboten. – Alle Rechte, einschl. das Verfilmungsrecht, vorbehalten. Copyright 1924 by Verlag moderner Lektüre G. m. b. H., Berlin.
Druck P. Lehmann G. m. b. H., Berlin.
1. Kapitel
Willi Krögers Entdeckung.
Ein wundervoller klarer Sonnenaufgang, dazu eine leichte Ostbrise, die den indischen Ozean zu bescheidenen Wogen aufmuntere, das war der Beginn des Tages, an dem auf der flachen Spitze eines hohen Riff-Felsens drei Männer und ein schlanker Knabe neben einem hellgrau gestrichenen großen Eindecker standen und die letzten Worte vor der Trennung austauschten.
Ingenieur Holger Lundström, der jahrelang in den Höhlen dieses Felsens als Einsiedler gehaust hatte und dessen Haupthaar und Bart frühzeitig durch harte Schicksalsschläge gebleicht waren, streckte jetzt seinem alten Bekannten Herbert Holk die Hand hin und sagte wehmütig:
„So leben Sie denn wohl, lieber Holk. Meine Gedanken werden Sie stets bei Ihrem kühnen Unternehmen begleiten. Ich wünsche Ihnen und Ihren beiden Gefährten von ganzem Herzen, daß Sie durch Ihren Rekordflug um die Welt den Ruhm deutscher Technik wieder auffrischen und daß Sie mit dazu beitragen, diesen Dunst von Völkerhaß, der über der Erde noch immer schwebt, zu vertreiben! – Leben Sie wohl – und Gott mit Ihnen!“
„Glückliche Heimkehr!“ meinte Holk ebenso herzlich. „Und viel Erfolg mit Ihrer Erfindung, lieber Lundström!“
Der schwedische Ingenieur reichte nun auch Holks Mechaniker Gustav Riedel und dem allezeit munteren Willi Kröger die Hand.
Man merkte ihm an, wie schwer ihm der Abschied von den drei Deutschen wurde. Ihnen und dem wunderbaren Flugapparat Holks, der Libelle, verdankte er ja Leben und Freiheit. In der verflossenen Nacht war die Libelle gerade noch zur rechten Zeit hier auf dem Riff erschienen, um Lundströms Gegner, den Südamerikaner Alvaro, und dessen Spießgesellen zu verscheuchen. –
Die drei Deutschen bestiegen nun den Eindecker, Holk nahm im Führerstand der Gondel Platz, und mit verblüffender Leichtfertigkeit erhob die Libelle sich trotz der geringen Anlaufbahn, die das Riff bot, in die Lüfte und zog in stetigem Flug gen Südwest. Auf dem Deck der Gondel winkten Riedel und der kräftige Junge noch lange dem zurückbleibenden Lundström zu, der nun, als der Riesenvogel seinen Blicken entschwunden, sein eigenes großes Zinkboot abfahrbereit machte und dann nach einer knappen halben Stunde den zerklüfteten hohlen Felsen gleichfalls verließ, der ihn viele, viele Monate beherbergt und ihm als geheime Werkstatt gedient hatte. Die prall gefüllten Segel seines Bootes führten den Einsiedler des Riffs wieder der Zivilisation und den Menschen zu. Abends landete er wohlbehalten auf der Mahé-Insel, die zur Gruppe der Seychellen gehört. –
Kaum war das weiße Segel am nordwestlichen Horizont verschwunden, als seltsamerweise aus der entgegengesetzten Richtung die Libelle wieder auftauchte und im Gleitflug sicher und elegant auf der flachen Riffspitze niederging.
Bert Holk, der Weltenflieger, der Erfinder dieses Eindeckers, der mit seiner geschlossenen Aluminiumgondel, seinen beweglichen Tragflächen aus demselben Metall und seinen vier Pneumatikrädern gleichzeitig auch als Auto und Motorboot benutzt werden konnte, – Bert Holk kletterte jetzt als erster an der Außenleiter der Gondel auf den Felsen hinab und sagte dann zu seinen beiden treuen Gefährten, die ihm ebenso flink gefolgt waren:
„So – untersuchen wir jetzt schnell Willis Entdeckung, die er leider sowohl vor Lundström als auch vor Ihnen, lieber Riegel, und vor mir verschwiegen hat. Es wäre mir lieber gewesen, daß auch Lundström mit dabei gewesen, wenn wir…“ Er schwieg und fügte mit einer energischen Handbewegung hinzu: „Geschehenes ist nicht mehr zu ändern! Willi liebt nun einmal die Geheimniskrämerei! Vorwärts also!“
Und er kletterte gewandt in eine der Felsspalten hinein, die den mächtigen Riffblock durchzogen, schlüpfte in den Höhleneingang und befand sich nun hier in der kleineren Grotte, die dem schwedischen Ingenieur als Vorratsraum gedient hatte.
Hier hatte Holger Lundström alles von Schiffstrümmern aufgestapelt, was die Meeresströmungen ihm in den Jahren seines Einsiedlerdaseins zugeführt hatten. Hier nun leuchteten jetzt zwei Karbidlaternen auf, deren eine der schlanke Junge in der Linken hielt.
„Da ist der Balken, und ich meine,“ sagte Willi Kröger leicht erregt und deutete auf ein etwa vier Meter langes Stammstück eines außergewöhnlichen dicken Baumes. „Bitte, Herr Holk, – damit Sie nicht länger zweifeln, hier dieser vorstehende Astknorren war es, den ich heute in aller Frühe durch Zufall berührte. Ich merkte, daß er lose war, rüttelte daran und hatte plötzlich sowohl den Aststummel als auch ein breites Stück des ihn umgebenden Holzes in der Hand, das durch zwei Nägel mit dem Stamm verbunden gewesen, – also festgenagelt war, bis ich hinter dieses Geheimnis kam! Und unter diesem losen Stück,“ – er hatte es rasch wieder gelockert und herausgehoben – „entdeckte ich dasselbe, was Sie nun sehen, eine Aushöhlung im Stamm, und darin … einen Menschenschädel und eine Flasche!“
Holk hatte bereits, nun selbst erregt und begierig zu erfahren, was der seltsamen Fund wohl bedeuten mochte, in das Baumloch hineingegriffen, holte den Schädel hervor, reichte ihn nach kurzer Besichtigung dem stämmigen, blondbärtigen Mechaniker und griff nach der verkorkten dunkelgrünen Flasche, an der getrocknete kleine Muscheln und Seetangfäden in großer Menge klebten.
Mit dieser Flasche, deren Inhalt infolge der dem Glas anhaftenden Unreinlichkeiten nicht zu erkennen war, hielt er sich nicht lange auf, gab sie dem Knaben und leuchtete nun nochmals in das Loch hinein.
Es war leer.
Holk prüfte jetzt eingehend den Baumstamm.
„Kalifornische Harztanne,“ erklärte er kurz. „Kehren wir auf die Libelle zurück. Wir haben gestern schon genügend Zeit versäumt und müssen heute unbedingt bis in die Nähe der Nordküste Australiens gelangen – unbedingt! Flasche und Totenschädel können wir uns an Bord des Eindeckers genauer ansehen.“
„In der Flasche ist etwas Hartes!“ rief Willi da mit dem ganzen Übereifer seiner fünfzehn Jahre. „Schade – ich hatte eigentlich auf einen Zettel gehofft, der uns, ähnlich wie in Jules Vernes Roman Die Kinder des Kapitäns Grant veranlaßt hätte, ein paar arme Verschollene…“
„Genug der Phantastereien!“ fiel Holk ihm ins Wort. „Auf die Libelle! Alles weitere wird sich finden!“ –
Gleich darauf entschwebte der hellgraue Riesenvogel gen Südwest…
Falk saß wieder im Führerstand vor dem großen gebogenen Ausguckfenster, und Riedel und Willi standen dicht hinter ihm…
„Ein tadellos erhaltener Menschenschädel mit einem Schußloch in der Stirn,“ beschrieb der Mechaniker nun zunächst das eine Fundobjekt, indem er es in den Händen hin und her drehte.
Holk hörte angespannt zu und warf nur zuweilen einen Blick nach rückwärts auf seine beiden Getreuen.
„Ja – weiter wäre über den Schädel eigentlich nichts zu sagen,“ fügte Riedel achselzuckend hinzu. „Wenn der Inhalt der Flasche ebenso bedeutungsvoll ist, hätten wir wahrhaftig nicht umzukehren und nochmals auf dem Riff zu landen brauchen!“
„Oho!“ meldete sich da der sonnengebräunte Junge in seiner frischen Art. „Oho – die Zähne des Totenschädels sind zum Teil plombiert! Goldplomben, Herr Holk! Das darf man doch nicht übersehen!“
„Allerdings nicht!“ nickte der Ingenieur.
„Und dann – im Schädel klapperte etwas, Herr Holk!“ rief Willi abermals.
„Doch nur die Kugel, die den Menschen getötet hat, auf dessen Schultern einst der Schädel saß!“ warf Mechaniker Riedel geringschätzig hin und schüttelte den Schädel kräftig.
„Das ist nicht nur eine Kugel, sondern noch etwas anderes, das sind zwei Gegenstände!“ behauptete der Junge eifrig.
„Hm – nicht ausgeschlossen!“ brummte Riedel. „Man müßte gerade die Schädeldecke zerschlagen, um…“
„Aufsägen!“ befahl Holk. „Los doch! Zögert nicht! Die Sache interessiert mich.“
Riedel und Willi begaben sich in die Wohnkabine, und hier hatte der Mechaniker mit einer Stahlsäge im Nu ein flaches Stück der Schädeldecke losgetrennt.
Eine etwas abgeplattete Bleikugel und … ein verrostetes Federmesser mit Perlmutterschalen hielt Willi Kröger jetzt in der Hand.
Der Mechaniker machte ein langes Gesicht. „Hm – nur ein Messer, Willi‥! – Immerhin, es muß doch offenbar jemand dieses Messer durch das Schußloch in den Totenschädel hineingesteckt haben, da in einem Menschenkopf für gewöhnlich nur Hirnmasse sich befindet – – oder Heu und Dummheit, wie bei dir, mein Junge!!“ Und er lächelte Willi von der Seite halb ironisch an.
Willi wurde böse. „Die – die Dummheiten nehme ich hin, Herr Riedel!“ rief er. „Aber – – Heu?! Heu?! Wenn Sie wenigstens Grütze gesagt hätten, Herr Riedel!“
„Na – dann wärs ja eine Schmeichelei gewesen, Junge! Und dir noch schmeicheln, – das hieße ja dein vorlautes Mundwerk noch mehr anspornen.“
Willi hatte das Perlmuttermesser inzwischen am Ärmel etwas gesäubert…
„Ah – – hier – ein kleines Messingplättchen – und ein Name eingraviert…“
Er buchstabierte mühsam die unklaren Buchstaben.
„J ‥ a ‥ n ‥ e – Jane; C ‥ l ‥ i ‥ f ‥ f – Jane Cliff, – – eine Frau!! Einer Frau hat das Messer gehört!“
„Scheint so, mein Sohn‥! – Bringen wir es Herrn Holk!“
Ingenieur Holk beschaute das Messer sehr eingehend.
„So – nun könnt Ihr den Karton aus der Flasche ziehen,“ meinte er dann.
Riedel tat’s…
Und … schüttelte nun aus der muschelbedeckten Flasche einen länglichen flachen Stein in die Hand…
„Nur ein Stein!“ sagte er mißmutig…
Willi griff zu…
Hielt den Stein näher gegen das Fenster…
Jubelte dann:
„Hier – eingeritzte Worte – englische Worte! Herr Holk – da, bitte lesen Sie! Übersetzen Sie es uns!“
Holk las die tief in den schieferähnlichen Stein eingekerbten Worte laut vor:
„Ich bin die letzte Überlebende des Flosses der Toten. Seit einem halben Jahr auf einer einsamen Insel des Westteiles des Indischen Ozeans… Helft – rettet!
Jane Cliff.“
Ingenieur Holk starrte jetzt sinnend auf diese erschütternde Nachricht – auf diesen Stein, der hier eine so trostlose Sprache redete…
Und erhob sich plötzlich…
„Riedel, steuern Sie die Libelle! Ich will euch beiden sofort mehr über Jane Cliff mitteilen!“
Und er schritt hastig in die Wohnkabine hinüber, während der Mechaniker seinen Platz einnahm.
Willi folgte seinem verehrten Herrn und Beschützer in den größten Raum der Gondel und fieberte nun förmlich vor Ungeduld, als Ingenieur Holk aus einer Kiste ein Paket technischer Zeitschriften hervorsuchte und dabei zu ihm sagte:
„Mein braver Junge, wir unterschätzen dich noch immer! Auch diesmal glaubten wir, daß deine Entdeckung wertlos und unwichtig wäre‥!“ Er begann die Zeitschriften hastig zu durchblättern, rief dann erfreut: „Ah – da ist die betreffende Nummer schon! Und hier steht als Überschrift eines längeren Artikels: Die Flaschenpost des Flosses der Toten. – Komm, ich lese Riedel und ihr diesen Aufsatz vor, der bereits vor einem halben Jahr erschienen ist und an den mich jetzt wieder rechtzeitig erinnerte.“
2. Kapitel
Der Untergang der St. Louis.
Der Artikel lautete:
„Wir haben in unserer Zeitschrift bereits zweimal auf das traurige Schicksal eines Teils der Passagiere des Dampfers St. Louis hingewiesen. Da nun abermals eine der Flaschenposten der unglücklichen Floßfahrer aufgefischt und die Suche nach dem Floß mit erneutem Eifer aufgenommen worden ist, wollen wir unseren Lesern die erschütternden Ereignisse hier in Kürze wiederholen.
Am 2. Januar 1923 verließ der nach Rio de Janeiro bestimmte Dampfer St. Louis mit 118 Passagieren und großen Mengen von Frachtgütern San Franzisko. Er sollte am 3. Februar nach mehrfachen Zwischenlandungen in Rio de Janeiro eintreffen. Es wurde jedoch durch aufgefischt Wrackstücke bereits Mitte Januar festgestellt, daß die St. Louis einem Orkan zum Opfer gefallen sein mußte. Man gab das Schiff mit Mann und Maus für verloren.
Acht Tage vor dem Auslaufen der St. Louis hatte aber auch ein großes Holzfloß, von einem Schleppdampfer wie üblich gezogen, San Franzisko verlassen. Es war für eine Werft in Mexiko bestimmt gewesen. Der Schleppdampfer traf jedoch am 10. Januar in San Franzisko wieder ein, und der Kapitän gab vor dem Seeamt zu Protokoll, daß bei einem starken Oststurm die Schlepptaue gerissen seien und daß es nur noch gelang, die Besatzung des Flosses an Bord zu nehmen, während man das Floß dann sehr bald aus den Augen verlor. Da der Dampfer selbst ebenfalls Beschädigungen zeigte, war es dem Kapitän unmöglich, sich weiter um die kostbare Holzfracht, zumeist kalifornische Harztannen, zu kümmern. –
Dies ist gleichfalls die Vorgeschichte.
Am 25. Mai 1923 fischte dann ein Zollkutter aus Honolulu vor dem Hafen eine Flaschenpost auf, in der sich folgender Zettel, in englischer Sprache beschrieben, fand:
Einundzwanzig Passagiere des auf hoher See verbrannten, am 2. Januar 1923 von San Franzisko ausgelaufenen Dampfers St. Louis haben sich auf ein herrenloses Riesenfloß gerettet. Das Floß treibt mit uns seit dem 12. Januar im Stillen Ozean südwärts. Trinkwasser ist noch genügend vorhanden nur die Lebensmittel sind knapp. Wir haben heute zunächst fünf dieser Flaschenposten ins Meer geworfen. Wir bitten den, der eine solche Flasche findet, sofort die Behörden und besonders das nächste amerikanische Konsulat zu benachrichtigen. Hilfe tut not. Unsere Lebensmittel reichen nur noch für drei Tage. Wir sind zu Skeletten abgemagert. Da kein Seemann unter uns ist, können wir nicht angeben, wo unser Floß sich ungefähr befindet.
Jane Cliff, Professor Jones Maxwell, Doktor Percy Graham, – als von den übrigen gewähltes Ordnungskomitee.
Auf diesen Hilferuf wurden alle verfügbaren amerikanischen, englischen und japanischen Kreuzer ausgeschickt und suchten volle zwei Wochen unermüdlich nach dem Floß, ohne es jedoch zu finden. –
Am 5. Juli 1923 fischte dann eine Privatjacht unweit von Hongkong abermals eine Flaschenpost der Schiffbrüchigen auf.
Sechs Passagiere des Dampfers St. Louis, Heimathafen San Franzisko, treiben auf einem großen Baumfloß im Stillen Ozean umher. Von den ursprünglich 21 Passagieren, die sich auf das Floß retten konnten, sind fünf vor Hunger gestorben und acht wahnsinnig geworden. Sie töteten zwei von uns, und wir sechs, die hier am widerstandsfähigsten sind, haben uns in der einen der beiden Blockhütten auf dem Floß verschanzt. Wir dürften uns etwa auf der Höhe der Insel Formosa befinden. – Rettet uns! Wir leben nur noch von Baumrinde und dem rohen Fleisch von Seevögeln, die wir hin und wieder erlegen.
Jane Cliff als erwählte Führerin des Flosses.
Dieser in seiner Schlichtheit doppelt eindrucksvolle neue Hilferuf spornte die Hafenbehörden zu erneuten Anstrengungen an, die Unglücklichen zu retten. Abermals durchkreuzten alle irgend verfügbaren Kriegsschiffe und Jachten den Stillen Ozean bis hinab nach Australien. Abermals jedoch war auch diese Hilfsaktion erfolglos. Nach drei Wochen gab man wiederum die Suche nach dem Floß auf, da man annehmen mußte, daß die Ärmsten längst durch Hunger umgekommen seien.
Und doch war dies nicht der Fall.
Die dritte Flaschenpost des Flosses der Toten fischte man am 3. Oktober unweit der australischen Nordostküste auf.
Diese Flasche enthielt nur einen Fetzen Leinwand, auf dem mühsamen mit einem Gemisch von Holzkohle und Fett gemalt war:
Die beiden einzigen Überlebenden des Dampfers St. Louis, die noch immer auf dem Floß die Meere durchirren, flehen nochmals um Hilfe. Wo wir uns jetzt befinden, wissen wir nicht.
Jane Cliff, Edward Smith
Auch diesmal blieb der Hilferuf nicht umsonst.
Wiederum folgte ein Riesenaufgebot von Fahrzeugen aller Art. Alle seefahrenden Nationen setzten ihre Ehre darein, das Floß nun endlich aufzufinden. Englische und amerikanische Sportsleute schlossen Wetten ab. Privatjachten aus allen Gegenden des Erdrunds strömten im Südteil des Stillen Ozeans zusammen. Gelehrte, die mit den Strömungen dort vertraut waren, errechneten unter Berücksichtigung der Wetterverhältnisse, wo etwa man das Floß zu suchen hätte.
Dieser ganze Aufwand von menschlicher Intelligenz, Zähigkeit und Hilfsbereitschaft war abermals umsonst. Das Floß blieb verschwunden, und Ende November kehrten auch die letzte Privatjachten in ihre Heimathäfen zurück. Das Floß der Toten hatte niemand gesichtet.
Seitdem hat man von ihm nichts mehr gehört.
Um unseren Lesern nun auch zu erklären, weshalb gerade die Flaschenposten des Flosses stets an erster Stelle den Namen einer Frau trugen, sei hier über diese Jane Cliff, deren Namen jetzt eine Art internationale Berühmtheit erlangt hat, folgendes mitgeteilt:
Diese dreiundzwanzigjährige junge Dame ist das einzige Kind des verstorbenen amerikanischen Senators John Cliff und seiner gleichfalls verstorbenen Gattin Margrit Cliff, geb. Howardson. Die Eltern hinterließen ihrer Tochter ein beträchtliches Vermögen, so daß Miß Jane Cliff seit Jahren nur ihren sportlichen Neigungen leben kann. Sie ist eine der bekanntesten Schwimmerinnen und Tennisspielerinnen, ist eine ebenso sichere Reiterin wie Schützin und besaß auch eine Segeljacht, mit der sie ganz allein weite Fahrten unternahm. Sie wollte sich am 2. Januar 1923 nach Rio de Janeiro zum amerikanischen Schwimmturnier begeben. Sie reiste wie stets allein. Der in dem letzten Hilferuf mit erwähnte Edward Smith soll einer der glühendsten Verehrer der Sportlady gewesen sein. –
Sollten wir noch etwas über die letzten Schicksale Jane Cliffs und des Flosses der Toten in Erfahrung bringen, so werden wir dies unseren Lesern hier recht eingehend zur Kenntnis bringen, da das allgemeine Interesse an dem Floß der Toten bis dahin wohl kaum erloschen sein dürfte.“ – –
Kaum hatte Ingenieur Holk jetzt die Zeitschrift wieder zusammengefalltet, als Willi Kröger auch schon dem auf dem Führersitz hockenden Mechaniker triumphierend zurief:
„Sehen Sie, Herr Riedel, doch so was ähnliches wie Die Kinder des Kapitäns Grant! Und nun werden wir es sein, die Jane Cliff retten!“
„Mein lieber Junge,“ erwiderte da Bert Holk an Stelle des Mechanikers, „du vergißt, daß die Suche nach der einsamen Insel, auf der Miß Cliff sich befindet, für uns sehr zeitraubend werden dürfte. Und wir haben doch gewiß keine Stunde zu verlieren, wenn wir tatsächlich einen Rundflugrekord um die Welt aufstellen wollen.“
Da lächelte der kecke Knabe ein wenig und meinte:
„Herr Holk, Sie … Sie tun ja nur so, als ob Sie’s wirklich übers Herz brächten, Miß Cliff dort auf dem unbekannten Eiland sitzen zu lassen, und als ob Sie’s gar nicht reizte zu erfahren, was es mit dem Totenschädel auf sich hat! Ohne Grund wird Miß Cliff doch wahrlich nicht den Totenkopf dem Loch im Balken außer der verkorkten Flasche anvertraut haben! Der Balken stammt doch zweifellos von dem Floß, und Miß Cliff hat eben in Ermangelung…“
Holk lachte jetzt selbst, winkte dem Mechaniker zu, ihm wieder die Lenkung der Libelle zu überlassen und fiel dem Knaben ins Wort: „Du verstehst es, die letzten Bedenken zu zerstreuen, Junge! In der Tat, ich hatte die Absicht, die Libelle in recht große Höhe emporzuschrauben und unseren Kurs ein wenig zu ändern, da die unbekannte Insel nur dort liegen kann, wo im Nordwesten von Australien ein endloses Gebiet des Indischen Ozeans von keiner Dampferstraße durchkreuzt wird und wo die Seekarten ein paar Punkte und Fragezeichen daneben enthalten, das heißt, wo man Inseln vermutet, ohne ihre genaue Lage zu kennen. Nachmittags werden wir mit dem schärfsten unserer Ferngläser Ausguck halten und aus fünftausend Meter Höhe dann vielleicht irgend ein Eiland erspähen. – So – –,“ und er setzte sich auf den Drehsitz und griff nach den Hebeln – „so, nun soll die Libelle wieder mal beweisen, was sie leisten kann. Wir haben bisher anderthalb Tage durch allerlei Abenteuer eingebüßt. Die müssen nachgeholt werden, sonst … sonst triumphieren unsere englischen und amerikanischen Konkurrenten über uns und … wir sind die Blamierten!“
„Niemals!!“ rief Willi Kröger da, und seine helle Stimme klang wie Trompetenton. „Niemals wird das geschehen! Unsere Libelle braucht keine Konkurrenz zu fürchten. Wir werden siegen, Herr Holk, und mit unserem Sieg werden wir noch den Ruhm verbinden, Miß Jane Cliff gefunden zu haben! Bedenken Sie doch, Herr Holk, unsere drei hartnäckigen Gegner, die uns überall gleichsam Steine in den Weg wälzten, – diese drei von uns dem Namen nach unbekannten Auftraggebern ausgeschickten Feinde haben wir jetzt abgeschüttelt! Seit dem Abenteuer mit der Belagerung durch die Löwen dort mitten in Afrika sind die Kerle spurlos verduftet mit ihrem Eindecker, der Shallow, was auf Deutsch Schwalbe(1) heißt. Na – das wird ‘ne nette Schwalbe! Wie ‘n Droschkon dritter Jüte kroch das Ding durch die Luft, und…“
Jetzt aber rief der stämmige Riedel: „Junge, Junge, du übertreibst ja!! Die Shallow ist ein schnittiges Flugzeug. Freilich – unsere Libelle ist es nicht!“
Und Holk erklärte ablenkend: „Schließt die Schiebetür zum Deck. Und dann sorgt für das Mittag. Es ist besser, daß wir rechtzeitig unsere Hauptmahlzeit einnehmen. Man kann nie wissen, was später geschieht.“
Die letzten Sätze, die Ingenieur Holk nur so ohne besondere Gedanken aussprach, sollten denn auch wirklich durch die folgenden Ereignisse bestätigt werden.
3. Kapitel
Die unheimliche Insel.
Unsichtbar für jedes Menschenauge, das von der Erde aus den Äther absuchte, sauste die Libelle in windschneller Fahrt fünftausend Meter hoch den noch fernen Westküsten Australiens zu.
Es war jetzt fünf Uhr nachmittags. Oben auf dem flachen Gondeldeck, vor der scharfen Zugluft durch die leicht gewölbte Reling etwas geschützt, lag Willi Kröger und hatte das große Fernrohr der Libelle dauernd vor dem rechten Auge, sucht mit einem Eifer, als gälte es sein eigenes Wohl und Wehe, die im Sonnenschein glitzernde und von wießen Wogenkämmen punktierte endlose Oberfläche des Ozeans nach allen Seiten hin ab und konnte doch nichts erspähen, was einem Eiland, einem Inselchen glich.
Nicht erblickte er – nichts! Nur das ewig gleiche Bild des Meeres…
Kein Schiff, kein Segel, keine Rauchfahne eines Dampfers…
Die Libelle schwebte jetzt über jenem Teil des Indischen Ozeans, der vielleicht von allen Meeren der Erde selbst heute noch am wenigsten erforscht ist. –
Der Ingenieur stieg jetzt die Treppe zum Deck empor, kroch neben den Knaben, denn bei dieser Geschwindigkeit hätte ihn die über das Deck hinstreichende Zugluft niedergeworfen, und fragte, indem er die Worte dem Jungen in die Ohren brüllte:
„Noch nichts? – Ich habe soeben die Seekarten abermals geprüft. Wenn es hier überhaupt Inseln gibt, dann müssen wir sie bemerken. Wir steuern den richtigen Kurs, und das Sehfeld aus dieser Höhe ist so…“
Da – – Willis Stimme – schrill vor Aufregung:
„Eine Insel, Herr Holk‥!! Eine grüne Insel!! Dort – nach Osten zu‥! Nur eine Insel‥!!“
Holk griff nach dem Fernrohr – suchte – fand.
Ein winziges grünes Fleckchen dort unten, nur talergroß trotz des Fernrohrs, aber – – eine Insel!
Auch ihm hämmerte plötzlich das Herz schneller in der Brust.
„Junge, du hast recht! Auf deine Augen ist wirklich Verlaß! – Ich werde jetzt Riedel Bescheid sagen und bringe dir das Telephon, damit du Riedel die nötigen Anweisungen für die Fahrtrichtung geben kannst.“ –
Willi fieberte…
Willi ging es viel zu langsam mit dem Abstieg im Gleitflug…
„Mehr nach Osten!“ rief er in das Mikrophon so schrill hinein, daß Riedel, der den Kopfhörer aufgeklemmt hatte, ordentlich zusammenschrak…
Neben dem Jungen lag wieder Holk auf dem Gondeldeck, ein Prismenfernglas vor den Augen…
Immer größer wurde die Insel in den Linsen der scharfen Rohre. Immer mehr Einzelheiten waren zu erkennen…
„Rauch – – Rauch!!“ brüllte der Knabe, und fast wäre ihm das Fernrohr über Bord geglitten.
„Ja, eine Rauchsäule!“ bestätigte Holk. „Und – eine merkwürdige Insel‥! Fast kreisrund, kaum fünfhundert Meter Durchmesser, sandiger Strand, dann einen Kranz von Felsen wie der Rand einer Schüssel, und in der Mitte Baum an Baum, offenbar eine grüne, undurchdringliche Wildnis!“
Die Libelle landete zwei Minuten später dicht am Südufer des Inselchens, glitt noch ein paar Meter mit ihrer als Boot verwendbaren Gondel durch das recht ruhige Wasser und schaukelte dann mit abgestelltem Propeller träge hin und her.
Riedel kam nun ebenfalls schnell an Deck. Die drei Gefährten schauten voller Spannung über den hellen Strandstreifen hinweg auf die steilen, mauerartigen Felsen, die sich bis zu sieben Meter Höhe auftürmten und von dem grünen Blätterdach der Baumwildnis überragt wurden.
Und mitten aus diesem frischen Blättermeer stieg zuerst gerade, dann vom Ostwind zur Seite gedrückt eine dicke schwarze Rauchsäule auf. Der schwarze Qualm behielt seine Farbe und Dichte so unverändert bei, daß Holk nach einigen Minuten erklärte:
„Das ist niemals der Rauch eines von Menschenhand genährten Feuers, das ist kein Signal, wie man zunächst annehmen mußte! Nein – kein Notsignal Miß Jane Cliffs, sondern…“ Und da verstummte er, sann eine Weile nach und fuhr fort: „…sondern ein Qualm, der aus den Tiefen der Erde heraufsteigt, – vulkanischer Rauch!“
Kaum hatte er das letzte Wort ausgesprochen, als der Junge schon lebhaft rief und dabei auf den einen Felsen deutete: „Dort – dort – – eine helle Inschrift, Herr Holk! Zwei Reihen untereinander, armlange Buchstaben!“
Holk blickte scharf hin. „Ah – merkwürdig!!“ meinte er. „Das ist eine in englischer und französischer Sprache abgefaßte Warnung in demselben Wortlaut:
Hier nicht landen! Todesgefahr!!
„In der Tat – seltsam!“ fügte er kopfschüttelnd hinzu. „Das sieht wahrhaftig nicht so aus, als ob hier auf dieser Insel Jane Cliff sich befände‥!“
„Eine Seeräuberinsel!“ platzte Willi heraus.
Mechaniker Riedel lachte spöttisch. „Warum nicht gar! Seeräuber! Natürlich, du kecker Bengel denkst gleich an Piraten! Diese Herrschaften gibt es nur noch an den chinesischen Küsten. Man liest genügend darüber in den Zeitungen. Aber hier?!“
Ingenieur Holk wandte den Kopf. „Lieber Riedel, wir werden auf jeden Fall vorsichtig sein,“ sagte er sehr ernst. „Lassen Sie den Bootsmotor arbeiten und steuern Sie die Libelle dicht am Ufer entlang um die Insel herum. Ganz geheuer kommt mir die Geschichte hier nicht vor.“ Und er zog seine Mauserpistole aus der Tasche und schob die Sicherung zurück.
Riedel kletterte in die Gondel hinab. Er machte ein Gesicht, als ob ihm diese Vorsicht höchst überflüssig erschiene.
Willi aber hatte ebenfalls schon seine Mauser in der Hand. Er war auf diese Waffe, ein Geschenk Holks, sehr stolz, und wenn er hoffen konnte, Gelegenheit zu einem Schuß zu finden, sprühten seine Augen vor Abenteuerlust und Unternehmungsgeist.
Die Libelle zog jetzt ihre Aluminiumflügel eng an das Flugschiff heran und ebenso die vier Pneumatikräder des Gondelkörpers in die dafür bestimmten Einbuchtungen des Unterteils hinein. Dann glitt sie als Motorboot ruhig nach Westen zu, stets etwa zehn Meter von dem Land entfernt bleibend. –
Holk und der Knabe bemerkten sehr bald fast gleichzeitig eine zweite derartige an das grauschwarze Gestein gemalte Warnung, die von der ersten Inschrift keine vierzig Meter entfernt war. Der Wortlaut war genau derselbe.
Hier nicht landen! Todesgefahr!!
Und im ganzen fanden sie so beim Umrunden der Insel achtzehn dieser Inschriften, die sämtlich so angebracht waren, daß sie notwendig auffallen mußten. – Nicht genug hiermit, als die Libelle die Umkreisung der Insel fast vollendet hatte, als Willi soeben gerufen: „Dort – die achtzehnte Warnung!“ – da fügte Holk erregt hinzu: „Und dort, mein Junge, wo die Uferfelsen als Klippen bis ins Wasser hineinreichen, dort sehe ich ein Boot liegen, einen großen Kutter, halb zwischen den Klippen versteckt!“
Er bückte sich, nahm das Telephon vom Deck hoch und sprach für den Mechaniker hinein: „Riedel, in ganz langsamer Fahrt auf den zwischen den Klippen vertäuten Kutter zuhalten‥!“
Im selben Moment jedoch packte auch schon Willi Kröger seinen Arm:
„Halt – halt‥!! Herr Holk, – da – da links am Ufer – – auf dem flachen Stein hinter dem Seetangwall – – fünf Männer – – auf dem Bauch liegend!“
Holk rief sofort ins Mikrophon: „Riedel, Gegenbefehl!! Volle Fahrt rückwärts!!“
Auch er hatte die lauernden Gestalten bemerkt, dazu einen Gewehrlauf, der über die braungrüne Tangwand hinwegragte…
Die Libelle arbeitete sich rasch vom Ufer weg, bis Holk dem Mechaniker zu stoppen befahl.
Riedel eilte jetzt an Deck…
„Verdammt!“ brummte er, „auch ich sah die Kerle da! Die hätten uns schön zusammengeschossen, wenn wir noch zehn Meter näher gekommen wären!“
Und Willi meinte triumphierend: „Na, Herr Riedel, – – Seeräuber oder nicht?! Doch wohl eher ja wie nein, denke ich!“
Der blonde Mechaniker schwieg und … holte nun gleichfalls seine Mauser hervor, murmelte dabei undeutlich in seiner etwas phlegmatischen Art: „Eine unheimliche Insel!! Denn, Herr Holk, – Sie werden ja wohl auch das andere bemerkt haben!“
„Was – noch etwas?“ fragte Holk hastig.
„Ich meine bloß die drei menschlichen Gerippe dort oben auf dem Rand des Felsenkranzes gerade über den Klippen, – Gerippe, die dort auf dem Vorsprung zwischen dem Geröll sitzen‥!“
„Alle Wetter – – wirklich!“ entfuhr es dem Knaben. „Drei weißgelbe Knochenmänner! Die haben wir übersehen, Herr Holk!“
Ingenieur Holk steckte die Waffe ein, reckte sich höher. „Der Sache werden wir schon auf den Grund kommen!“ sprach er in jenem energischen Ton, der in stets eigen, wenn er zu einem Entschluß gelangt war. „Ihr beide bleibt hier oben, legt euch lang auf Deck und beobachtet. Ich werde die Libelle wieder aufsteigen lassen und mit ihr ein paarmal die Insel in geringerer Höhe überfliegen. Sollten wir beschossen werden, so erwidert ihr das Feuer. Zielt dann gut! Jane Cliff werden wir hier nicht finden, aber fraglos dafür manches andere, was ein paar Stunden Versäumnis verlohnt!“
4. Kapitel
Aufregende Minuten.
Die prachtvolle Libelle, dieses Wunderwerk Holkschen Erfindergeistes, breitete ihre Schwingen wieder aus, rollte im brausenden und schäumenden Wasser an und entstieg dem feuchten Element mit der graziösen Leichtigkeit eines Schwanes… –
Holk ließ den Eindecker im Bogen nach Norden zu über das Eiland hinwegstreichen.
Riedel und Willi kam es besonders darauf an, festzustellen, ob die Bewaffneten dort hinter dem Tangwall irgendetwas Feindseliges unternehmen würden.
Die Leute – es waren sechs Mann – rührten sich nicht.
„Ah – Sie haben nun doch Angst bekommen!“ meinte der Junge spöttisch. „Da – die Kerle blicken nicht mal zu uns empor !“
„Ja – weil sie tot sind, du Schlaukopf!“ knurrte der Mechaniker. „Scher dich zu Herrn Holk hinab und melde ihm, daß…“
Da – – verstummte er…
Die Libelle hatte den Uferstreifen hinter sich…
Und – drei – vier – fünf kurz hintereinander abgegebene Schüsse aus einer Baumkrone waren’s, die dem blonden Riedel das Wort von den Lippen verscheuchten…
Deutlich hörten die beiden auf Deck Liegenden, daß vorn die dicke Glasscheibe des Führerstandes zersplitterte…
Dann begann die Libelle plötzlich fast kerzengerade emporzusteigen – so steil, daß Riedel jählings in die Öffnung der Treppe hineinrutschte und hinab in die Wohnkabine fiel…
Da die Tür zum Führerstand offen war, zeigte ein einziger Blick dem Mechaniker, weshalb der Eindecker nach vorn überkippt war und jetzt wie in sausender Fahrt abwärtsschoß. Reglos lag Ingenieur Holk neben dem Drehsitz!!
Mit seltener Geistesgegenwart war Riedel im Führerstand, packte den Hebel des Höhensteuers und milderte den Absturz der Libelle kaum drei Meter über den Bäumen zu einem seitlichen sanften Gleitflug, ließ den Eindecker bis hin zum Meer schweben und setzte ihn dort sanft auf die Wasserfläche.
Da stolperte auch schon Willi die Treppe hinab…
Schrie entsetzt auf, als er seinen geliebten Herrn bleich und mit geschlossenen Augen daliegen sah, half Riedel, den offenbar durch eine der Kugeln schwer Verletzten in die Wohnkabine auf das Wandsofa tragen und jubelte vor Freude, da Holk, dem die Kugel nur durch einen Prellschuß gegen Uhr und Herz das Bewußtsein geraubt hatte, sehr bald wieder zu sich kam und nach weiteren zehn Minuten schon mit an Deck kletterte.
Abermals standen nun die drei Gefährten auf dem Deck ihrer Libelle und musterten mit Ferngläsern die etwa hundert Meter entfernte Insel, deren Nordküste jetzt wieder vor ihnen lag, die Nordküste mit den Klippen und dem vertäuten Kutter, den warnenden Inschriften, den drei Skeletten und den sechs Männern hinter dem Seetangwall…
„Auch die sechs sind tot!“ meinte Gustav Riedel mit allem Nachdruck. „So bestimmt tot, wie wir drei noch leben, Herr Holk! Ich werde jetzt die Libelle steuern, wenn Sie gestatten, werde etwas höher über die Insel hinfliegen.“
Holk war einverstanden. Er sah dann, daß die sechs Leute hinter den Tanganhäufungen tatsächlich tot sein mußten. Er sah, daß ihre Körper und Gliedmaßen seltsam verkrümmt waren. Das – waren Leichen, nichts als Leichen. Und unschädlich lagen neben den Toten drei Gewehre… –
Keine Kugel sauste diesmal dem Eindecker aus dem Baumgrün entgegen. Viermal strich die Libelle über das Inselchen hinweg. Nichts geschah. Und doch wußten ihre Insassen, daß dort unten in der grünen Wildnis Feinde lauerten, denen man kaum beikommen konnte, wenn man nicht das Leben geradezu aufs Spiel setzte, wenn man nicht die Gefahr auf sich nahm, aus dem Hinterhalt beschossen zu werden.
Nach diesem Erkundungsflug kehrte die Libelle zum Nordstrand zurück und ging wieder auf die Meeresoberfläche hinab, wurde achtzig Meter vom Ufer entfernt verankert und lag nun, geschaukelt von einer schwachen Dünung, wie ein riesiger Meeresvogel mit ausgebreiteten Fittichen still.
Holk und die Seinen hielten an Deck Kriegsrat. Er und Riedel waren der Meinung, daß man am klügsten täte, die Insel und all ihre Geheimnisse sich selbst zu überlassen und den Rundflug um die Erde fortzusetzen, da Miß Jane Cliff hier fraglos nicht weilte.
Aber Willi, dessen Mundwerk sehr wohl im Stande war, seine Meinung auch kräftig zu verteidigen, erklärte immer wieder, er sei überzeugt, daß Jane Cliff sich auf dem Schüsseleiland befände und daß die Bemannung des Kutters das junge Mädchen wahrscheinlich gefangen genommen habe. Zum Schluß seiner Ausführungen spielte er dann noch seinen letzten Trumpf aus: „Und der Kutter, Herr Holk, der kommt mir sehr bekannt vor! Der Kutter kann vielleicht jenes selbe Fahrzeug sein, das vorgestern Nacht das leuchtende Riff des Herrn Holger Lundström besucht hat und später entflohen ist. Daß dieser Kutter des schuftigen Alvaro einen starken Motor besaß, wissen wir ja. Mithin kann er ganz gut inzwischen hierhergelangt und –“
Holk unterbrach den eifrigen Willi. „Schon gut, mein Junge, schon gut! Du sprichst da nur etwas aus, was auch ich schon vermutet habe. Der Kutter mag derselbe sein. Aber – – Jane Cliff?! Nein – die finden wir hier nicht! Und deshalb…“
Da – – wie zum Hohn fast in diesem Augenblick von der Insel her ein gellender, heller Schrei…
Und – – für wenige Sekunden erschien oben am äußersten Rand des Felswalles eine weibliche Gestalt mit langem, blondem Haar, taumelte wieder, wie von einer unsichtbaren Hand zurückgerissen, abwärts und verschwand.
Willi war blaß geworden…
Auch Riedel hatte nach alter Gewohnheit die Stirn in dicke Falten gezogen. Das tat er immer, wenn er erregt war und sich gewaltsam zur Ruhe zwingen wollte.
Bert Holk aber warf plötzlich Rock, Weste und Schuhe ab…
„Ich schwimme hinüber!“ erklärte er kurz.
Der treue Riedel trat dicht vor ihn hin. „Herr Holk, das dulde ich nicht! Sie sind noch durch den Prellschuß geschwächt! Ich werde hinüberschwimmen! Und wehe den Halunken, die sich mir etwa in den Weg stellen!“
Sein sonnengebräuntes Gesicht war so drohend, daß Holk mit feinem Lächeln meinte: „Mein lieber Riedel, Sie würden da vielleicht ein zu großes Blutbad anrichten‥! Nein – es bleibt dabei, ich schwimme!“
Willi schaute seinen Herrn jetzt kopfschüttelnd an. „Herr Holk, – daß hieße doch geradezu tollkühn handeln! Haben wir denn das nötig?! Nein, Herr Holk! Miß Jane Cliff retten wir weit sicherer, denk ich mir in meinem Jungenhirn, wenn wir bis zum Abend warten und uns inzwischen des Kutters bemächtigen, so daß die Schurken da die Insel gar nicht verlassen können!“
Holk überlegte. So sehr es ihn auch drängte, die letzte Überlebende des Flosses der Toten sofort zu befreien, – er sah doch ein, daß der schlaue kleine Kerl wieder mal das Rechte getroffen.
So wurde denn der Anker wieder emporgezogen, und mit äußerster Vorsicht fuhr der Eindecker den Klippen zu, bis Riedel sich von der Spitze der Libelle mit langem Satz auf das Deck des Kutters hinüberschwingen, die Taue kappen und eine Kette am Bug befestigen konnte.
Kaum hatte die Libelle dann den Kutter etwa zehn Meter in die offene See hinausgeschleppt, als plötzlich vom Steilufer her Schüsse knallten…
Willi warf sich flink der Länge nach hin, und Gustav Riedel duckte sich auf dem Kutter hinter dem Kajütenaufbau zusammen…
Und doch konnte der Junge diesmal mit voller Sicherheit feststellen, daß die Schüsse … aus einer Repetierpistole abgegeben wurden und daß nur ein einzelner Mann hinter dem Felsgeröll der Schütze war.
Im übrigen richteten auch die Kugeln keinerlei Schaden an, klatschten weit neben der Libelle ins Wasser und konnten auf solche Entfernung auch kaum gefährlich werden. –
Als die Libelle dann neben dem Kutter verankert wurde, als die drei Weltenflieger jetzt den Kutter durchsuchten, fanden sie keine lebende Seele in dem großen, seetüchtigen Fahrzeug, dafür aber in der Kajüte allerhand Papiere, die zur Genüge bewiesen, daß der Kutter tatsächlich Eigentum jenes Diego Alvaro sei, den der schwedischer Ingenieur Lundström einst aus Todesnot gerettet und der diesem die aufopfernde Pflege mit schwärzestem Undank gelohnt hatte.
5. Kapitel
Der Tod eines Undankbaren.
Nachdem Bert Holk jetzt auch von Willi erfahren hatte, daß nur ein einzelner Mann mit einer Repetierpistole die Libelle beschossen habe, änderte er sogleich seinen Entschluß und bestimmte, daß der Knabe auf dem Kutter als Wache zurückbleiben solle, während die Libelle wieder aufsteigen und versuchen würde, den einen Feind unschädlich zu machen.
Der abenteuerlustige Junge war mit dieser Verteilung der Rollen sehr zufrieden. Er hatte schon vorhin in seinem lebhaften Kopf einen Plan entworfen, dessen Ausführung jetzt erst möglich wurde, wenn Holk und Riedel nicht mehr hindernd dazwischentreten konnten.
Kaum hatte der Eindecker sich nun in die Lüfte erhoben, kaum war er über den nördlichen Baumkronen im niedrigen Fluge entschwunden, als Willi auch schon dasselbe tat, was sein Herr vorhin getan, er zog in der Kajüte des Kutters Jacke, Weste und Schuhe aus, öffnete nun das dem Land abgekehrte Oberlichtfenster der Kajüte, kroch an Deck und ließ sich nach der Seeseite hin ins Wasser gleiten.
Da hier in der Nähe des Strandes ganze Tangballen im Wasser schwammen, war es Willi ein leichtes, eine dieser Tangmassen als Deckung für Kopf und Schultern zu benutzen. So trieb er denn, nur ganz schwache Schwimmbewegungen ausführend, dem Ufer zu, gelangte rechts von den Klippen, und gerade hier gab es auf weite Entfernung keine der an die Felsen gemalten Warnungen, an den Strand, schlüpfte rasch unter den triefenden Wasserpflanzen hervor und erkletterte an einer Stelle die schroffe Uferwand, wo eine breite schräge Spalte sich kaminartig nach oben zog.
Er hoffte bestimmt, daß er nicht bemerkt worden sei, und er nahm dies umso sicherer an, da die Aufmerksamkeit des fremden Pistolenschützen nun wohl ausschließlich der Libelle gelten würde.
Für einen so tollkühnen, anderseits aber auch wieder so schlauen und geistesgegenwärtigen Jungen, wie Willi Kröger es war, mußte ein Unterfangen wie dieses einen Anreiz bieten, der alle seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten gleichsam verdoppelte. Mit der Lautlosigkeit eines Indianers und der Vorsicht eines frühreifen Knaben, der sich der drohenden Gefahren sehr wohl bewußt ist, schob er sich nun, nachdem er die urwaldähnliche Wildnis erreicht hatte, auf allen Vieren durch das Gestrüpp. Sehr bald merkte er, daß die kleine Insel im Inneren mit Felsblöcken, deren Oberfläche wie glasiert erschien, vollkommen bedeckt war und daß zwischen diesen Blöcken auf einer Schicht verwitterten Gesteins und Vogeldüngers diese üppige Flora sich entwickelt hatte. Die dunkelglänzenden glatten Felsen waren es, die einzig und allein ein Eindringen in diese Wildnis ermöglichten, indem der Knabe sie gleichsam als erhöhten Pfad benutzte. Mit seinen derben, weichen Segeltuchschuhen übersprang er mühelos die Lücken zwischen den einzelnen Steinen und gelangte so, den unwegsamsten Stellen ausweichend, in etwa zehn Minuten bis dicht an eine von drei geradezu gigantischen Brotfruchtbäumen überschattete, im übrigen aber völlig kahle und steinige Lichtung, die sich nach der Mitte zu trichterartig senkte. Aus dem Loch da vor ihm stieg jener schwarze Qualm in die Höhe, den die Insassen der Libelle zuerst für ein Notsignal Jane Cliffs gehalten hatten. Diese Rauchsäule, mindestens von einem Durchmesser von zwei Metern, nahm ihren Weg durch eine Lücke in den Kronen der Riesenbäume und hatte deren Blattschmuck und sogar Zweige und Äste in nicht geringem Umkreis absterben lassen.
Jedenfalls gewährte diese Urwaldblöße von vielleicht fünfzig Schritt Durchmesser infolge der unabänderlich hochquellenden Qualmmasse einen so seltsamen Anblick, daß der Knabe minutenlang diese merkwürdige Naturerscheinung, diesen sichtbaren Beweis des in den Tiefen des Erdinneren lohendem Feuers regungslos anstarrte, jeden Moment erwartend, daß aus dem dunklen Schlund auch Flammen emporzüngeln müßten.
Dann aber, als er über sich die Libelle mit surrendem Propeller wiederum dahinschwebend hörte, waren seine Gedanken auch ebenso rasch völlig auf das eine Ziel gerichtet, daß er hier zu erreichen hoffte, auf die Befreiung der doch fraglos von dem fremden Pistolenschützen überwältigten Amerikanerin und auf die Festnahme dieses selben Unbekannten, der einer von des verräterischen Alvaro Leuten sein mußte.
Und nun erst gewahrte er drüben am Südrand der Lichtung hinter drei mächtigen, von erkälteter Lava überzogenen Blöcken eine Hütte aus Flechtwerk, die vom grünen Hintergrund der Wildnis sich so wenig abhob, daß man sie nur bei genauerem Hinsehen bemerken konnte.
Willi kroch weiter – übersprang ein paar Steine, kroch wieder ein Stück, hatte nun die Mauserpistole schußbereit in der Rechten und blieb schließlich lauschend vor dem durch ein Stück Segeltuch verhüllten Hütteneingang stehen…
Vernahm drinnen ein krampfhaftes Stöhnen, ein Rascheln und Scharren…
Zögerte nicht länger…
Schlug das Segel beiseite…
Und – sah dort, an einen Pfahl sitzend gebunden, dieselbe blonde Frau, die vorhin vom Felsrand der Nordküste so jäh wieder zurückgetaumelt war…
„Miß Cliff ?!“ entfuhr es fragend Willis Lippen.
Und – sie nickte nur…
Da kniete er schon neben ihr, entfernte die Schnur, die den Knebel im Mund festhielt, zerschnitt die fesselnden Baststricke, half der jungen Amerikanerin in die Höhe.
Miß Cliff, kaum auf den Füßen, eilte ins Freie, zog Willi an der Hand so ungestüm hinter sich drein, daß er stolperte und gegen den einen Felsblock prallte. Sein Schädel brummte gewaltig, und am liebsten hätte er der Miß Cliff über diese denn doch zu wilde Art, die Hütte zu verlassen, einige geharnischte Vorhaltungen gemacht. Doch die Amerikanerin kümmerte sich nicht um ihn, streifte hastig den linken Ärmel ihrer schadhaften Sportjacke hoch, blickte auf ihre goldene Armbanduhr und … packte Willi abermals beim linken Handgelenk, flüsterte dabei mit seltsam verzerrtem Gesicht ein paar englische Worte und … riß den Knaben vorwärts – schräg über die Lichtung hinweg auf eine Stelle zu, wo ein meterbreiter Pfad in das Unterholz geschlagen war.
‚Sie hat den Verstand verloren! Sie ist hier in der Einsamkeit verrückt geworden!‘ durchzuckte eine traurige Erkenntnis des mutigen Jungen reges Hirn.
Und weiter hastete Miß Cliff, drängte Willi in den schmalen Pfad hinein, rief abermals leise mit zuckenden Lippen einige Worte, die der Knabe nicht übersetzen konnte…
Willi schüttelte jetzt energisch den Kopf, wollte nicht weiter, wollte Jane Cliff durch Zeichen verständlich machen, daß er den Fremden suchen müsse…
Da … ein blitzschneller Fausthieb der Sportlady.
Willi ließ die Pistole aus der halb gelähmten Hand fallen…
Und im Nu hatte Miß Jane die Waffe aufgehoben, bedrohte ihren Retter, versetzte ihm einen Stoß, trieb ihn den Pfad entlang vor sich her – immer rascher, so daß der arme Junge kaum recht zur Besinnung kam…
Der steile Weg endete unweit der Stelle, wo Willi in das Dickicht eingedrungen war, also an der Nordküste.
Ein neuer Stoß der keuchenden Amerikanerin beförderte den Knaben über den Felsenrand hinweg. Halb kollernd, halb gleitend erreichte er den sandigen Vorstrand. Und dicht hinter ihm noch immer die Wahnsinnige, die jetzt jedoch, da gerade die Libelle wieder auftauchte und sich langsam zum Wasserspiegel herabsenkenkte, mit völlig verändertem Gesichtsausdruck die Hand Willis ergriff und freundlich in sehr gebrochenem Deutsch hervorstieß:
„Schnell – hinein ins Wasser, mein kleiner Retter! Die Eruption des Kraters hat bereits begonnen, und die giftigen Gase werden bei dieser Windrichtung hierher getrieben!“
Abermals zog sie den jetzt nicht mehr Widerstrebenden vorwärts, watete ins Wasser, der Libelle entgegen, die ihnen langsam entgegenkam.
Ingenieur Holk half Miß Cliff an Deck. Willi kletterte triefend hinterdrein…
Und sofort rief die Sportlady energisch: „Weiter vom Land ab – rasch!! Alle acht Stunden speit der Krater an Stelle der Rauchsäule eine halbe Stunde lang unsichtbare Gasmengen aus!“
Mechaniker Riedel flog schon die Treppe hinab in den Führerstand…
Ein letzter Blick nach der Insel hin hatte ihm gezeigt, daß die Rauchsäule verschwunden.
Während nun die Libelle in sausender Fahrt die See durchfurchte, während Holk oben an Deck Miß Cliff mit wenigen Worten mitteilte, wer er selbst und seine Gefährten seien, erschien am Steilrand der Nordküste ein schlanker Mann mit schwarzem Spitzbart, erhob drohend den Arm und … taumelte mit einem Mal – taumelte, stürzte zu Boden, rollte über die Felsen hinweg, blieb unten liegen, wollte sich wieder aufrichten, stürzte abermals nieder und … regte sich nicht mehr.
„Das Gas!!“ sagte Miß Cliff hart und ernst. „Das Gas hat den Elenden getötet, genauso wie es auch seine Gefährten hinmähte… – Mr. Holk, nach einer Stunde können wir wieder landen. Dann will ich Ihnen an Ort und Stelle erklären, wie ich dort auf der Insel gelebt habe…“
„Die an die Felsen gemalten Warnungen stammten von Ihnen?“ fragte Holk gespannt.
„Ja! Es ist ein Eiland des Verderbens, Mister Holk! – – Eine Frage, Sie haben den Baumstamm, den ich als Hilferuf den Wogen überließ, gefunden? – Sie müssen ihn gefunden haben! Mein kleiner Retter da bringt soeben mein Federmesser aus seiner Tasche zum Vorschein!“
„Der … Totenschädel,“ meinte Holk nun zögernd. „Was hat es eigentlich mit dem Totenschädel auf sich, der in der Stirn ein Schußloch und…“
Jane Cliffs Antlitz war jetzt wie von tiefem Schmerz beschattet. Sie fiel Holk ins Wort:
„Es ist der Kopf eines Mannes, der sich auf dem Floß erschoß, als er den Wahnsinn nahen fühlte… Es ist jenes Edward Smith Kopf, der der vorletzte Überlebende des Flosses war‥! – Oh, Mr. Holk, Sie ahnen auch nicht im entferntesten, was alles ich Ihnen über die Schrecken der Irrfahrt durch die Meere zu berichten habe! Daß ich noch meine gesunden Sinne mir bewahrt habe, ist ein Wunder!“ – –
Und eine Stunde später stellte Holk auf dem Eiland fest, daß der Fremde, der den Gasen am Ufer zum Opfer gefallen, kein anderer als Diego Alvaro selbst war! Die Naturgewalten hatten den Elenden gerichtet – –
Anmerkung:
(1) Hier irrt der Autor. Shallow heißt Untiefe. Schwalbe wäre Swallow.