
Der Detektiv
Kriminalerzählungen
von
Walter Kabel.
Band 154:
Verlag moderner Lektüre G.m.b.H
Berlin 26, Elisabeth-Ufer 44
Nachdruck verboten - Alle Rechte einschl. das Verfilmungsrecht, vorbehalten. – Copyright 1925 by Verlag moderner Lektüre G. m. b. H., Berlin.
Druck: P. Lehmann G. m. b. H., Berlin
1. Kapitel.
Das Oval im Kaschmirteppich.
Dieser wundervolle Park und dieser ebenso wundervolle alte Palast mit seinen vielfachen indischen Kunstschätzen, der zwar äußerlich etwas düster wirkte, boten uns beiden, die wir als Gäste der Prinzessin Sadukala im Westflügel im ersten Stock drei Zimmer bewohnten, allerlei Anregungen. Harald besonders legte sich eine ganze Sammlung von Photographien kostbarer Elfenbeinschnitzereien an, und ich wieder durchstöberte die Bibliothek der indischen Prinzessin, fand so manches seltene Werk und vertiefte mich mit Eifer in die Familiengeschichte der Radschas von Bawalar.
Wer die Prinzessin Sadukala ist, auf welche ungewöhnliche Art wir nach der Residenz Bawalar am Nordrande der Thar-Wüste gelangten und was wir hier im Schara Schaka-Berge erlebt hatten, – all das kennt der Leser aus dem vorigen Band.
Drei friedliche, angenehme Tage verstrichen. Die gemeinsamen Mahlzeiten mit der Prinzessin, Ausflüge in die Umgebung und Besuche bei den Würdenträgern des kleinen Fürstentums füllten unsere Zeit auf das abwechslungsreichste aus.
Abends, wenn wir uns von der liebenswürdigen und feingebildeten Witwe (ihr Gatte war ja bekanntlich in Deutschland unter sehr geheimnisvollen Umständen ermordet worden) verabschiedet hatten, saßen wir dann noch eine Stunde auf dem Balkon unseres Wohnsalons im Dunkeln und lauschten dem Rauschen der alten Parkbäume, schauten hinüber zu den Lichtern der Stadt und sprachen leise über dies und jenes, was in den verflossenen Tagesstunden uns Anlaß zu behaglicher Erörterung geboten hatte.
Drei friedliche Tage ohne irgendeinen Gedanken an unsere berufliche Tätigkeit … Ferien von der Arbeit …
Dann aber – der vierte Abend … Wir wieder auf dem Balkon … Harald im Korbsessel dicht an der Brüstung, ich im Liegestuhl …
Harsts Zigarette glüht durch die Dunkelheit …
Und mit einem Male sagt er:
„Wenn Du Deine fetten Glieder nicht immer so niedrig im Liegestuhl hinstrecken würdest, mein Alter, dann … dann hättest Du schon dreimal dasselbe beobachten können.“
Ich nahm die Zigarre aus dem Munde …
„Hoffentlich nichts, was unsere Ferien unterbrechen wird,“ meinte ich nur …
„Vielleicht doch! – Erhebe Dich bitte einmal, Max Schraut … Es ist drei Minuten vor elf … Um elf kannst Du es sehen …“
„Was denn?!“
„Deine Faulheit ist unglaublich! Erhebe Dich! Es lohnt …!“
Ich tat es, trat an die Brüstung …
„Rechts von den äußersten Lichtern der Stadt,“ erklärte Harald nun, „kannst Du gegen den Nachthimmel etwas wie einen Strich erkennen … Es ist das Minarett der alten Moschee von Kastanar, der Vorstadt von Bawalar …“
„Allerdings …“
„Bitte – behalte den schlanken Turm scharf im Auge …“
Dann schwieg er …
Ich schaute hin … Meine Augen gewöhnten sich an das Dämmerlicht der sternklaren Nacht …
Da – plötzlich schoß rechts vom Minarett ein feuriger Streifen empor – zerstob zu roten leuchtenden Kugeln, deren Glanz jedoch sofort wieder erlosch …
„Eine rote kleine Rakete …,“ sagte ich enttäuscht …
„So … so … eine rote kleine Rakete …! Vielleicht lassen Knaben sie allnächtlich um elf Uhr zum Zeitvertreib aufsteigen! Gerade um elf – nur eine einzige Rakete!! – So – und jetzt blicke noch weiter nach rechts, wo die Uferberge des Ghara Flusses einen dunklen Strich am Horizont bilden … Warte noch drei Minuten … Denn genau fünf Minuten nach elf geschieht dort ebenfalls etwas …“
Haralds stark ironische Bemerkung über „Zeitvertreib von Knaben“ hatte doch erreicht, daß ich dieser Rakete nun größere Bedeutung beimaß. Er hatte recht: wenn an diesem Abend soeben wieder (und somit zum vierten Male) die Rakete neben dem Minarett abgeschossen worden war, und wenn dann fünf Minuten drauf in weit größerer Entfernung ebenso regelmäßig noch etwas zu sehen war, dann mußten diese beiden Dinge ohne Zweifel …
Da – zerriß mein Gedankenfaden …
Ich sah …
Sah, daß dort aus dem dunklen Strich der Uferberge ebenfalls eine Rakete aufstieg … ebenfalls mit roten, sofort wieder erlöschenden Leuchtkugeln …
„Genau fünf Minuten nach elf,“ sagte Harald, der seine Uhr in der Hand, deren Leuchtzifferblatt als kleine grüngelbe Scheibe matt erstrahlte … „Auf meine Uhr ist Verlaß, mein Alter … Und die Uhren der Leute, die diese Raketen benutzen, müssen ebenso tadellos sein …“
„Benutzen …! Wozu?!“
„Entschuldige schon: Kindliche Frage! – Wie soll ich das wohl wissen, wozu die Leute diese Zeichen geben?! Zeichen, Signale sind es … Den Zweck müssen wir erst feststellen … Und das werden wir – schon zu unserer eigenen Sicherheit …“
Ich drehte mich mit einem Ruck um …
„Zu unserer eigenen Sicherheit?! – Du meinst, wir …“
„Ich meinte, daß Mirza Sadur, der Mörder des Thronfolgers, hier in Bawalar genug heimliche Freunde gehabt hat und daß auch die anderen Inder, die sich nachher gleich ihm und Frau Sinclair im Gefängnis vergifteten, nicht ohne Anhang sein dürften … Ich meine weiter, wir befinden uns hier in Indien, wo denn doch ein wenig andere Zustände herrschen als daheim bei uns, wo die Rache zuweilen heilige Pflicht sein kann und wo wir als diejenigen, die die Mörder überführten, mithin allen Grund …“
In demselben Moment flog hinter uns etwas klatschend gegen die Mauer …
Ein feuchtes kaltes Band hatte meine Wange gestreift …
Im Nu flammte Haralds Taschenlampe auf … Im Nu waren wir zurückgesprungen …
Am Boden des Balkons lag eine hellgrüne meterlange Sapka-Schlange, die giftigste der Baumschlangen Indiens …
Im Nu hatte Harald mich auch durch die offenen Balkontüren ins Zimmer gezogen – die Flügeltür zugedrückt …
Da flog auch schon ein zweites Reptil gegen die Türscheiben …
„Also doch!“ sagte Harald nur …
Und das hieß: das erwartete Attentat war’s!
Wir standen im Dunkeln …
Ich starrte auf die Parkbäume draußen … Ich fieberte …
Das feuchte kalte Band, das meine Wange gestreift hatte, war eine Sapka gewesen …!!
Eine Sapka …!!
Wäre sie mir in den Nacken geflogen, hätte sie zugebissen: Max Schraut wäre nach zwei Stunden tot gewesen!
Angenehmer Gedanke!
Und Harald neben mir:
„Ziemlich rätselhaft, die Geschichte …“
„Weshalb?“
„Der nächste hohe Baum ist vom Balkon zwanzig Meter entfernt – zu weit für einen leidlich sicheren Wurf … Und dann: wie soll ein Mensch eine Sapka werfen?! Mit Handschuhen – gewiß … Aber die müßten so dick sein, daß der Mann sehr behindert worden wäre … Außerdem – die Baumkrone drüben ist so dicht … Jeder kleine Zweig hätte den Wurf vereitelt … Und doch – die Sapkas kamen aus der Richtung des Baumes … das ist gewiß … Also – rätselhaft – – rätselhaft …“
„Harald, Du … Du hast etwas Besonderes im Sinn? Du vermutest, daß …“
„… daß man sich einer schwarz angestrichenen Bambusstange bedient hat … Und oben auf der Stange vielleicht ein schräg angebrachter Korb … Bambus federt … Ein geschickter Mensch könnte nach einiger Übung in dieser Art des Schleuderns schon Geschicklichkeit erringen …“
Er gähnte …
„Im übrigen: gehen wir schlafen, mein Alter! Es war ein Zwischenfall, der uns gewarnt hat … Wir werden morgen früh weitersehen …“
Und er gähnte abermals … – Und ich:
„Ich finde, Du nimmst die Sache sehr kühl hin …!“
„Kühl?! – Es ist Nacht … Wir können nichts besseres tun, als uns ausschlafen … Was sollen wir sonst wohl?! Etwa in den Park hinab?! Das wäre zwecklos … – Morgen beginnen wir … morgen!“
Wir betraten unser gemeinsames Schlafzimmer … Schlossen uns ein … Das elektrische Licht beleuchtete den freundlichen Raum …
Und wir … suchten, suchten, ob nicht auch hier unser eine Überraschung wartete …
Fanden nichts … Sagten uns gute Nacht … Ließen die Nachtlämpchen brennen …
Aber – einschlafen?! Einschlafen?! Unmöglich!!
Ich lag da und starrte auf den gelbseidenen Schirm, unter dem die Lampe glühte …
Ich lauschte auf jedes Geräusch …
Ich lauschte auf Haralds tiefe Atemzüge und beneidete ihn … Er schlief …
Er schlief?!
Vielleicht hatte er von mir dasselbe angenommen …
Er … erhob sich lautlos …
Schaute nach meinem Bett hinüber … Ich drückte schnell die Augen zu …
Öffnete sie wieder …
Und Harst in seinem schwarzseidenen Schlafanzug kniete in der Mitte des Zimmers auf dem kostbarem Teppich, einem seidenen echten Kaschmir mit ovalem Mittelstück …
Harst hatte sein Taschenmesser in der Hand und schien am Rande dieses Mittelstückes eine Naht aufzutrennen … Und als er die Hälfte der Rundung so gelockert, klappte er diese Hälfte um und legte so die Marmorfliesen frei …
Ich ließ keinen Blick von ihm …
Ich schwitzte vor Aufregung …
Er befühlte die Fliesen …
Kniete, beugte sich tiefer …
Ich hörte ein Geräusch - ein Scharren, Kratzen …
Und da – flüsterte er:
„Komm mal her, mein Alter …“
Er wußte, daß ich wach war …
Ich war im Nu neben ihm …
Und sah unter dem halb zurückgeschlagenen Teppichoval ein Loch im Fliesenboden …
Bückte mich …
Sah noch mehr: acht der Fliesen bildeten eine Falltür … Diese war herabgeglitten, hing in zwei dicken Messingangeln …
Und – roch noch mehr …
Aus dem Loche stieg ein betäubender Verwesungsgeruch empor …
Betäubend …
Ich prallte zurück …
War blaß geworden …
„Harald, was bedeutet das?!“
„Gib mir meine Taschenlampe vom Nachttischchen …“
Dann legte er sich lang auf den Boden …
„So – nun suche aus dem Koffer eine Schnur hervor.“
Ich tat’s …
Er band die eingeschaltete Lampe daran fest …
Lampe und Schnur versanken … Die Schnur glitt durch Haralds Finger …
Ich hielt den Atem an …
Reckte der Kopf über das Loch …
Die Lampe sank …
Beleuchtete einen Schacht von vielleicht zwei Meter im Geviert …
Und – – unten auf den kahlen Steinen des Schachtes ein längliches dunkles Etwas …
Tiefer die Lampe …
Das etwas gewinnt Formen …
Eine … halb verweste Leiche …
Ein Weib – eine dunkelhaarige Frau in europäischem hellen Kleide … Neben ihr ein weißer Strohhut …
Harald zieht die Lampe wieder empor …
„Genug für jetzt, mein Alter …,“ und er hebt die Falltür nach oben … Ein Riegel schnappt ein …
Ich reiße die Fenster auf … Die Stabjalousien sind heruntergeklappt …
Und Harald hat Nadel und Zwirn aus dem Koffer geholt und näht das halbe Oval wieder sauber fest …
2. Kapitel.
Das Kofferschloß.
Morgens sieben Uhr – auf der Nordterrasse …
Soeben haben wir mit der Prinzessin gefrühstückt …
Harald nimmt eine Zigarette …
„Hoheit gestatten eine Frage,“ meint er, als der Diener die Tassen weggeräumt hat … „Besitzt dieser Palast geheime Gelasse?“
„Ja – gewiß … gewiß … Alle alten indischen Paläste haben ihre Geheimnisse … Wollen Sie einmal die Keller sehen, Mr. Harst?“
„Danke, Hoheit … Mich interessieren die Erdgeschoßräume … Schraut und ich wohnen im ersten Stock …“
Die Prinzessin wird aufmerksam …
„Erdgeschoß?!“ Sie schüttelt den Kopf … „Dort gibt es keine Geheimnisse … Nur im Keller sind …“
„Danke, Hoheit … – etwas anderes dann … – Ist hier in der Gegend in letzter Zeit eine Europäerin verschwunden?“
„Ja … ja …! – Wie aber kommen Sie gerade jetzt auf Miß Worrington?! Sie war die Erzieherin meines jüngsten Kindes … Sie ist vor drei Wochen … nein, nicht verschwunden, Mr. Harst … Das trifft nicht zu … Sie ist heimlich abgereist, ließ mir einen merkwürdigen Brief zurück …“
„Besitzen Sie den Brief noch, Hoheit?“
„Ja …“
„Und – dürfte ich ihn sehen?“
„Kommen Sie mit, meine Herren – mit in meinen kleinen Salon …“ – Sie stand auf … Ihre Augen ruhten auf Haralds Gesicht … „Mr. Harst, Sie … Sie wissen mehr über Miß Worrington als ich …! – Kommen Sie!“
Und wir schritten hinter ihr her …
Und es war, als ob neben uns ein Gespenst herginge …
Unsichtbar …
Und – mir war, als spürte ich den Verwesungsgeruch wieder in der Nase … –
Dann lasen wir die wenigen Zeilen …
Eine dünne, charakterlose Schrift …
Hoheit,
bestimmte Umstände zwingen mich, Bawalar zu verlassen. Ich danke Eurer Hoheit für all die Freundlichkeit, die ich hier in diesem Palast seit einem Jahre von Eurer Hoheit erfahren habe.
Helene Worrington.
Harald schaute auf …
„Ist dies bestimmt Miß Worringtons Handschrift, Hoheit?“
„Bestimmt! – Glauben Sie etwa, daß …“
„Verzeihung – – ich halte den Brief für gefälscht …“
„Unmöglich, Mr. Harst …! Ich habe hier im Schreibtisch noch andere Briefe Helene Worringtons … Sie hatte einmal einen Monat Urlaub … Damals schrieb sie mir drei Briefe … – Bitte, hier sind die Briefe, Mr. Harst …“
Wir beide verglichen die Schrift … Verglichen mit aller Gewissenhaftigkeit …
Harald erklärte schließlich:
„Dieser Abschiedsbrief ist nicht gefälscht, Hoheit … Und weil er nicht gefälscht ist, möchte ich Sie fragen, ob hier im Palast noch genau dieselbe Dienerschaft vorhanden ist … Dieselbe wie damals, als Miß Worrington heimlich … abreiste … Wann war das, Prinzessin?“
„Vor – vor drei Wochen, Mr. Harst … – Und die Dienerschaft hat nicht gewechselt … Nein, es sind noch genau dieselben Leute … Nicht einer fehlt …“
„Und alle sind zuverlässig, Hoheit?“
„Unbedingt, Mr. Harst … – jetzt erklären Sie aber bitte, wie Sie …“
„Verzeihung, Hoheit …“ – seine Stimme sank zum Flüsterton herab … „Hoheit, wir haben Miß Worrington gefunden – zufällig … Sie … ist tot … – Man schleuderte uns gestern abend zwei Sapkas auf den Balkon … Und als wir dann unser Schlafzimmer absuchten, da merkte ich, Hoheit, daß das Mittelstück des Teppichs herausgetrennt und wieder festgemacht war … Da … fanden wir die Leiche – in einem Schacht unter unserem Schlafzimmer …“
„In … einem … Schacht?! Wo – – ein Schacht?! – Ich kenne den Palast seit vierzehn Jahren … Vierzehn Jahre habe ich hier glücklich gelebt … Mein Gatte war treu und gut … Nun bin ich … einsam geworden. Meine Kinder können mir meinen Mann nicht ersetzen … Ich habe unendlich gelitten – leide weiter bis an mein Lebensende … Ich trage das Dasein nur meiner Kinder wegen … nur deshalb … Und jetzt bürdet mir das Schicksal nach all den furchtbaren Prüfungen noch dieses Neue auf! Mr. Harst, ich bin eine tapfere Frau … Aber – – wie soll ich dies nun wieder überwinden?! Begreifen Sie: man mordete mir den Gatten, man verdächtigte mich, die Tat angestiftet zu haben, und vielleicht wird man jetzt …“
Harald hatte energisch den Kopf geschüttelt …
„Hoheit, niemand wird Gelegenheit finden, irgendwelche Gerüchte auszusprechen(1) … denn wir werden Miß Worringtons Tod eben so lange geheim halten, bis Schraut und ich alles, was damit zusammenhängt, aufgeklärt haben. Sie dürfen sich daher der Dienerschaft gegenüber auch nicht das Geringste anmerken lassen, Hoheit … Zum mindesten ist einer Ihrer Leute ein Schurke …“
Die Prinzessin erwiderte jedoch:
„Mr. Harst, das ist ausgeschlossen … Mein Gatte war in der Wahl seiner Dienerschaft sehr vorsichtig …“
„Hoheit, es muß doch jemand hier aus dem Palast gewesen sein, der das Oval aus dem Teppich herausschnitt und dann wieder festheftete, um leichter an die Falltür heranzukommen … Der Teppich ist eben so groß, daß die Möbelstücke darauf stehen … Und die Möbel anzuheben und den Teppich zusammenzurollen, war dem Betreffenden zu umständlich. – Eine andere Frage übrigens: Haben Sie persönlich bestimmt, daß die drei Zimmer im ersten Stock des Westflügels uns zugewiesen wurden, Hoheit?“
„Ja … Ich besprach dies mit dem alten Hausmeister Sadik …“
„Und wie stellte sich Sadik dazu?“
„Zuerst war er nicht einverstanden …“ Sie stutzte plötzlich … wurde verlegen … „Mir fällt soeben ein, daß Sadik darauf drang, Ihnen zum mindesten ein anderes Schlafzimmer zu geben … Und – und … er wurde ganz erregt, als ich schließlich kurz befahl, daß Sie beide so untergebracht würden, wie ich es für richtig hielt …“
Harald nickte der Prinzessin zu … „Gestehen Sie nun ein, Hoheit, daß Sadiks Benehmen Ihnen jetzt verdächtig erscheint …?“
„Allerdings … – Aber dennoch: Sadik ist bereits von Jugend an Palastbeamter, Mr. Harst, – der Treueste der Treuen …! Alles in mir sträubt sich dagegen, den braven Alten zu beargwöhnen … Er ist …“
„Hoheit, – was er ist und wie er ist, wird sich jetzt erst zeigen … Denken Sie an Ihren Schwager Mirza Sadur, den Brudermörder! Sadur hat viele Jahre seinen wahren Charakter zu verbergen gewußt … – Das, was in der vergangenen Nacht hier geschehen, verlangt restlose Aufklärung … Dieses Attentat gegen uns kann vielleicht mit Miß Worringtons Tod irgendwie zusammenhängen … Vielleicht wollte man uns von hier verscheuchen … – ist denn Miß Worringtons ganzes Gepäck mit verschwunden, Hoheit?“
„Ja – alles … Sie hatte zwei große Koffer mitgebracht … Und die nahm sie mit … Das heißt, – sie hat sie ja nicht mitnehmen können … Sie ist ja tot … Wo die Koffer nebst Inhalt geblieben sind, weiß ich nicht …“
Die arme Prinzessin war jetzt wirklich sehr verstört … Harald beruhigte sie … Und dann trennten wir uns. Wir beide schritten dem Westflügel zu …
Als wir den langen Flur im Erdgeschoß hinabgingen, um die hintere Treppe zu benutzen, flüsterte Harald plötzlich:
„Achtung – hier rechts – dies sind die Zimmer, die unter den unsrigen liegen …“
Im selben Moment öffnete sich eine der Türen und der hochgewachsene, weißbärtige Hausmeister stand vor uns …
Eine ehrwürdige Erscheinung, dieser alte Inder … Ein Charakterkopf, ein edles, vornehmes Gesicht …
Er verneigte sich …
„Die Herren haben hoffentlich gut geschlafen …“
Es war sein üblicher Morgengruß …
Harald erwiderte: „Nicht ganz so gut wie bisher, Sadik … – Wenn Sie mit uns nach oben kommen wollen in unsere Zimmer … Ich hätte etwas mit Ihnen zu besprechen …“
Die dunkeln klaren Augen des Greises verrieten leichte Unruhe …
Wieder verneigte er sich …
„Bitte, Mr. Harst …“
Dann waren wir drei in unserem Wohnsalon. Die Balkontüren standen offen …
Harald ging ins Schlafzimmer und kehrte mit einem Pappkarton zurück …
Öffnete ihn …
In dem Karton lagen die beiden Sapkas, die wir morgens auf dem Balkon noch vorgefunden und getötet hatten.
Sadik starrte auf die Giftschlangen … Unverhohlenes Erstaunen verriet sein Gesicht – weiter nichts …
Und ebenso fragte er:
„Was ist’s mit den Sapkas, Mr. Harst …?! – Sie sind sehr gefährlich … auch im Tode noch … Fliegen oder Mücken können das Gift weiter tragen und …“
„Die beiden Sapkas wurden uns gestern abend kurz nach elf Uhr auf den Ballon geschleudert …!“
Der Greis trat entsetzt einen Schritt zurück …
„Geschleudert?! Das … das ist doch unmöglich! Wer sollte …“
„Es ist so, Sadik … – Etwas anderes … Weshalb waren Sie so sehr dagegen, daß wir diese Zimmer erhielten?“
Das wirkte …
Jetzt wurde der Hausmeister merklich verlegen …
Und Harald – leise, eindringlich:
„Etwa – des Teppichs wegen, Sadik, – des Teppichs im Schlafzimmer wegen?!“
Der Greis blickte Harald fest und offen an …
„Mr. Harst, Sie haben es also entdeckt?“ flüsterte er scheu …
„Ja … Und …“
„Weiß die Prinzessin davon?“
„Ich mußte es ihr wohl mitteilen …“
„Oh – wenn ich das geahnt hätte, Mr. Harst! Dann hätte ich Sie lieber gleich ins Vertrauen gezogen! Gerade das wollte ich ja verhüten, Mr. Harst!“
„Setzen Sie sich, Sadik …! Erzählen Sie …!“
Und der alte Mann berichtete:
„Die plötzliche Abreise der Erzieherin Miß Worrington war mir genau wie der Prinzessin völlig überraschend gekommen … Freilich hatten wir alle damals infolge der Ermordung unseres Herrn an anderes zu denken. Ich nahm an, daß Miß Worrington, die sehr nervös und ängstlich war, durch den Mord sich selbst irgendwie bedroht fühlte. Sie war eben etwas hysterisch, Mr. Harst. Völlig unklar blieb mir jedoch, wie sie es fertig gebracht hatte, mit ihren Koffern nachts unbemerkt den Palast zu verlassen. Ich fragte die Diener und die Wachen aus, – niemand hatte sie gesehen. – Acht Tage später dann spürte ich in meinem Wohngemach, das unter Ihrem Schlafzimmer liegt, einen eigentümlichen Geruch, der selbst durch ständiges Lüften nicht zu beseitigen war. Eines Abends, als ich die Rechnungen ordnete, war dieser Geruch so stark, daß mir plötzlich der Gedanke kam, es könnte vielleicht in dem Schacht, der neben meinem Arbeitszimmer emporgeht, ein Tier verwesen. Dieser Schacht, von dessen Vorhandensein nur der Thronfolger, mein Herr, und ich Kenntnis hatten, besitzt zwei Zugänge, eine Falltür vom Keller aus und …“
„… und die zweite in unserem Schlafzimmer …“
„Ja, Mr. Harst … – Ich stieg also in den Keller hinab und …“
„… so fanden Sie die Leiche Miß Worringtons …“
„Und noch etwas: eine dritte Tür im Wandgetäfel meines Zimmers … Durch die Ritzen dieser Geheimtür waren die Verwesungsgerüche in mein Arbeitsgemach gedrungen …“
„Fanden Sie an der Leiche Verletzungen?“
„Ja, Mr. Harst … Die Engländerin ist erstochen worden … – Ich wollte meinen Fund geheim halten, um die Prinzessin zu schonen, die …“
„Verstehe, Sadik … – Und die beiden Koffer der Toten?“
„Darüber kann ich nichts angeben, Mr. Harst …“
„Haben Sie irgendeine Vermutung, wer die Erzieherin ermordet haben kann?“
„Nicht die geringste … Am meisten setzt mich in Erstaunen, daß der Mörder den Schacht kennt … Ich betonte schon, daß lediglich mein Herr und ich …“
„Schon gut, Sadik … – Halten Sie es für ausgeschlossen, daß etwa einer der Diener die Koffer heimlich weggeschafft hat?“
„Vollkommen ausgeschlossen, Mr. Harst … Sie wissen ja selbst, daß der Palast tags und nachts durch Militärposten bewacht wird. Besonders nach der Ermordung meines Herrn waren diese Wachen verdoppelt worden.“
„So müßten die Koffer noch im Hause sein …“
„Auch das nicht, Mr. Harst … Ich habe nach den Koffern gesucht, und ich kann mit Recht behaupten: hier im Palast und in den Nebengebäuden sind sie nicht! Gerade ich als Hausmeister habe überall Zutritt und …“
„Danke, Sadik. – Haben Sie das Oval aus dem Teppich herausgetrennt?“
„Oval – – herausgetrennt?! – Nein, Mr. Harst … Ich …“
„… ich merke, Sie sprechen die Wahrheit, Sadik … – Gibt es hier im Palast einen größeren Ofen außer in den Küchen?“
„Nur in der Waschküche im Keller des Ostflügels, Mr. Harst …“
„Dann – hat man die Koffer dort verbrannt … – und so beseitigt. Ich bitte Sie: durchsuchen Sie gleich einmal den Ofen in der Waschküche … Aber recht sorgfältig … Bringen Sie uns dann Bescheid …“ –
Eine halbe Stunde später hatte Sadik uns ein schmales, durch Feuer geschwärztes Kofferschloß überreicht, das sich zwischen den Stäben des Ofenrostes festgeklemmt hatte …
Sadik erklärte dann, daß in der Waschküche drei Diener beschäftigt würden, stets dieselben. (Weibliches Personal kennt man ja in Indien so gut wie gar nicht.) – Und auf Haralds weitere Fragen teilte der Hausmeister uns mit, daß von diesen drei Dienern einer sehr alt und schon zwanzig Jahre im Palaste sei. Der Mann war Mohammedaner, hieß Mahmud und sollte ein stiller, verschlossener Mensch sein. –
Als Sadik dann gegangen, meinte Harald: „So – jetzt werden wir uns einschließen, und ich werde in den Schacht hinabklettern …“
Es geschah …
Es geschah mit dem Ergebnis, daß wir feststellten: Helene Worringtons Leiche war verschwunden! Der Boden des Schachtes war vollkommen leer!
3. Kapitel.
Der gerollte Teppich.
Eine Stunde später …
Nach Rücksprache mit der Prinzessin war jetzt die Polizei verständigt worden.
Der Polizeichef von Bawalar, ein Irländer namens O’Neil, erschien persönlich mit zehn Beamten …
Mahmud und die beiden anderen Wäscher wurden vernommen. Leugneten … Mahmud besonders war sehr aufgebracht darüber, daß man gegen ihn Verdacht hegte.
Dann wurde der Palast durchsucht. Wir beide halfen dabei.
Bis fünf Uhr nachmittags wurde jeder Raum durchstöbert – nur mit dem Erfolg, daß im Dienerhause in einer Gerätekammer eine schwarz lackierte Bambusstange gefunden wurde, die aus fünf zusammensteckbaren Teilen bestand und so eine Länge von etwa neun Meter hatte. An der Spitze der Stange waren zwei Drahtschlingen befestigt.
Harald war überzeugt, daß diese Stange dazu gedient hatte, die Sapkas auf unseren Balkon zu werfen.
Die Stange gehörte einem der Parkgärtner, der sie zum Pflücken von Früchten benutzte. Der Mann betonte, daß die Stange bis vor kurzem weder schwarz lackiert gewesen sei noch die Drahtschlingen besessen habe.
Die Leiche Miß Worringtons aber blieb verschwunden.
Harst bekannte O’Neil gegenüber, daß wir beide weiter nach der Toten suchen würden, daß es aber ausgeschlossen sei, daß die Dienerschaft an diesen letzten Vorgängen unbeteiligt sein könnte. Trotzdem bat er, nicht etwa die drei in der Waschküche beschäftigten Leute nicht zu überwachen.
„Wir werden diese Dinge nur aufklären, Mr. O’Neil, wenn wir mit äußerster Vorsicht vorgehen … Rufen Sie die Angestellten des Palastes nochmals zusammen und geben Sie dabei unauffällig eine Art Ehrenerklärung für Mahmud ab …“
Der Polizeichef war mit allem einverstanden. Einem Manne wie Harald gegenüber, der hier in Bawalar bei der Bevölkerung infolge seines Eintretens für die Prinzessin so beliebt war, durfte er sich schon ohne weiteres unterordnen. –
So kam denn der Abend heran.
Im Palaste herrschte wieder die frühere vornehme Ruhe und Stille …
Gegen neun Uhr speisten wir mit der Prinzessin zur Nacht. Anwesend waren noch ein paar hohe Würdenträger der Residenz und der heute von einem längeren Urlaub zurückgekehrte Leibarzt der Prinzessin, Mr. James Morton, ein älterer freundlicher Herr, der einen überaus sympathischen Eindruck machte.
Ich muß noch bemerken, daß Harald die roten Raketen bisher nicht erwähnt und auch mir verboten hatte, darüber irgendwie zu sprechen.
Die Unterhaltung bei Tisch drehte sich notwendig um Helene Worrington. Die Prinzessin hatte sich wieder vollkommen gefaßt und vermied es in keiner Weise, auf dieses rätselhafte Thema einzugehen.
Doktor Morton verhielt sich zunächst schweigsam. Dann meinte er in seiner vorsichtigen Art, um ja niemandem Unrecht zu tun:
„Miß Worrington hat sich von mir wiederholt Morphium verschreiben lassen … Sie war zuletzt mit den Nerven völlig herunter, litt an Gesichtsschmerzen und sogar an Wahnvorstellungen. Ich hatte das Empfinden, als ob irgend etwas sie seelisch bedrückte …“
Harald, der links neben der Prinzessin saß, wartete, bis der servierende Diner den kleinen Speisesaal wieder verlassen hatte, und fragte dann den Leibarzt:
„Worin äußerten sich diese Wahnvorstellungen?“
Morton blickte auf seinen Teller …
„Hm – ich weiß nicht recht, ob ich nicht die ärztliche Schweigepflicht verletzen würde, wenn ich …“
„Bitte, es handelt sich um eine Tote und um einen Kriminalfall, Mr. Morton,“ fiel Harald ihm höflich ins Wort … „Immerhin, vorläufig wäre eine Auskunft Ihrerseits auch kaum wichtig. Ich glaube, meine Herren“ – und nun wandte er sich an die gesamte Tischrunde, „wir reden besser über andere Dinge … Ihre Hoheit, die Prinzessin, dürfte durch dieses Thema kaum angenehm berührt werden …“
Und in leichtem Plauderton:
„Mein Interesse für alte Bauwerke drängt mir eine Frage auf … Es handelt sich um die Moschee auf dem Mohammedaner-Friedhof, von der nur noch das eine Minarett vorhanden ist … Ob man die Moschee besichtigen kann?“
Morton erwiderte achselzuckend:
„Mr. Harst, es handelt sich lediglich um eine Ruine, in die man kaum noch hineingelangt, da alles völlig mit Unkraut überwuchert ist … Nur das Minarett können Sie besteigen … Die Treppen sind noch vorhanden und sicher …“
Er schaute Harald dabei ganz seltsam an …
Und der meinte nun: „Die Mühe will ich mir denn doch sparen, Mr. Morton … Es könnte sich bei dem Minarett ja nur um die Aussicht handeln …“
Als wir dann nach aufgehobener Tafel uns verabschiedeten, weil die Prinzessin sich sofort zurückziehen wollte, flüsterte James Morton uns hastig zu …:
„Ich komme um halb elf zu Ihnen nach oben …“
Und Punkt halb elf klopfte es denn auch leise an unsere Salontür …
Der Doktor trat schnell ein …
„Licht aus!“ bat er …
Harald drehte den Schalter …
Morton – ganz leise: „Es ist besser, daß mich niemand hier sieht … Der Mondschein gibt uns genug Beleuchtung … Setzen wir uns dicht zusammen. Ich habe mancherlei mit Ihnen zu besprechen …“
Wir rückten drei Korbsessel eng aneinander …
Und der Doktor begann:
„Mr. Harst, Ihre Frage nach der Moschee hat mich auf eine besondere Vermutung gebracht …“
„Und Ihr Blick mich gleichfalls auf eine ähnliche Vermutung, Mr. Morton … – Sie haben die Raketen ebenfalls gesehen?“
„Ja – ja! Das heißt: eine Rakete, Mr. Harst! Die neben dem Minarett …“
„Und – sollten Miß Worringtons Wahnvorstellungen vielleicht mit der Rakete zusammenhängen?“
„Ja, Mr. Harst … – Ich will Ihnen beiden nun über diesen Punkt reinen Wein einschenken … – Helene Worrington und ich standen eines Abends auf dem Balkon der großen Bibliothek … Man kann von dort aus bis zu dem Mohammedanerfriedhof hinüberschauen. Es war gegen elf Uhr … Mit einem Male erblickte ich in der Ferne neben dem Minarett eine Rakete, die rote Leuchtkugeln ausstreute. Ich wunderte mich darüber, denn hier in Bawalar wird selten Feuerwerk abgebrannt. Ich hatte Miß Helene auf die Rakete aufmerksam gemacht. Und da meinte sie, indem sie sich in einem Anfall von Schwäche an mich lehnte, ich müsse mich getäuscht haben … Das sei gar keine Rakete gewesen … Sie jedenfalls habe nichts Derartiges gesehen … – Und im Anschluß hieran teilte sie mir in unbegreiflicher Aufregung mit, daß sie an allerlei Gehör- und Gesichtstäuschungen leide … Ich hatte das ganz bestimmte Empfinden, daß sie mir dadurch einreden wollte, auch ich hätte soeben eine Rakete nur zu sehen geglaubt. – Bisher hatte ich dieser kleinen Szene keinerlei Bedeutung beigemessen. Jetzt verhält es sich hiermit anders …“
„Allerdings …“ nickte Harald. „Haben Sie die Rakete noch häufiger um dieselbe Zeit erblickt, Mr. Morton?“
„Ja … Ich ging dann auf Urlaub … Unsereiner bewertet derartiges nicht so ernst wie Sie, Mr. Harst …“
„Wie oft sahen Sie die Rakete?“
„Vielleicht fünf Mal … – Wird sie denn noch immer abgebrannt?“
„Ja … Wenigstens gestern nacht war sie noch deutlich zu sehen … Und wie es in dieser Nacht sein wird, können wir in kurzem feststellen. Bleibt die Rakete diese Nacht aus, nachdem ich sie vier Nächte hintereinander beobachtet habe, dann … dann … ist das ein böser Beweis gegen Mahmud …“ –
Und als wir drei dann um elf am Fenster standen, als wir mit unseren Ferngläsern das Minarett im Mondlicht recht klar erkannt, da … warteten wir umsonst.
Die Rakete … blieb aus …
Um ein Viertel zwölf schlich der Doktor in seine Zimmer in den Hauptflügel zurück … –
Wir beide aber verwandelten uns in kurzem in bärtige ärmere Inder und begaben uns ebenso heimlich zu dem alten Sadik, der uns dann in die Keller begleitete und uns die eine Geheimtür öffnete, durch die wir in einen gemauerten Gang und in einen zerfallenen Pavillon an der Parkmauer gelangten …
Um zwölf hatten wir uns in der Nähe dieses Pavillons verborgen …
Harald hatte nämlich Sadik und mir erklärt:
„Wenn Mahmud in dieser Nacht dunkle Wege zu wandeln gedenkt, kann er nur diesen Ausgang benutzen – der Wachen wegen …!“
Eine halbe Stunde verstrich …
Wir konnten die Steintreppe des Pavillons bequem übersehen …
Wir hatten Geduld …
Noch eine Viertelstunde …
Dann … im Eingang des Pavillons eine vermummte Frauengestalt …
Sie steht regungslos …
Minutenlang …
Verschwindet wieder –
Und erscheint von neuem – in den Armen einen zusammengerollten großen Teppich …
Die Last muß schwer sein …
Die Frau keucht …
Und schreitet zur nahen Mauer … Ahmt tadellos den schrillen Ruf des indischen Nachtkäuzchens dreimal nach …
Über die Mauer schwingen sich zwei Männer …
Nehmen dem Weibe wortlos die Teppichrolle ab …
Klettern zurück über die Mauer … mit dem Teppich.
Das Weib ist längst wieder in der dunklen Pavillonruine untergetaucht …
Und wir warten …
Dann – auch wir über die Mauer …
Gerade noch zur rechten Zeit …
Im Mondlicht auf diesem stillen Wege ein zweirädriger Karren und die beiden Inder – schon weit entfernt …
Wir bleiben hinter ihnen – unsichtbar … Und auf einsamen Feldwegen nähern wir uns so dem Mohammedanerfriedhof …
Sehen das schlanke Minarett immer deutlicher …
An der Friedhofsmauer hält der Karren …
Die Inder eilen durch eine kleine offene Pforte auf den Friedhof … Wir sind schon neben dem Karren …
Verwesungsgeruch entströmt der dicken Teppichrolle … Nur schwach gemildert durch Karbol …
Und wir gleiten zurück ins Gebüsch … Gleich darauf wieder die beiden Inder … Sie tragen den gerollten Teppich mit seinem unheimlichen Inhalt davon …
4. Kapitel.
Die schöne Saßtala.
Es war vielleicht Haralds feinster Trick, daß er sich hütete, diese beiden Inder irgendwie zu stören. Wir begnügten uns damit zu beobachten, wie die beiden den Teppich in eine Gruft legten, nachdem sie deren Deckel, eine schwere Steinplatte, emporgehoben hatten. Die Platte legten sie dann wieder über das ausgemauerte alte Grab, das im verwildertsten Teile des Friedhofs sich befand, und schlichen davon.
Der Kleidung nach waren es ärmere Leute, beide schwarzbärtig und sehr groß. Den Karren brachten sie nun nach einem kleinen Grundstück vor der Stadt und ließen ihn hier auf dem Hofe stehen. Sie selbst wanderten weiter und gelangten – wir stets hinter ihnen – an die Mauer eines größeren Gartens, über die hinweg sie verschwanden. Hier verloren wir ihre Spur.
Der Park war tadellos gepflegt. Nach ein paar Minuten standen wir im Baumschatten vor einem modernen Bungalow, fraglos einer Europäerwohnung.
Alle Fenster waren dunkel …
Wir warteten eine Viertelstunde und umschlichen mehrmals das elegante Haus. Keins der Fenster wurde hell.
Da gaben wir es auf und wandten uns der Vorderseite des Gartens zu. Kletterten wieder über die Mauer und waren nun in einer der Hauptstraßen des Europäerviertels am Bahnhof.
Es hätte keinen Zweck gehabt, in dieser Nacht noch mehr zu unternehmen. Nach einer Stunde mußte es hell werden …
Wir beeilten uns, auf demselben Wege in den Palast der Prinzessin zurückzukehren – durch den Pavillon und die geräumigen Keller.
In dem gemauerten Gang aber, der den Pavillon mit der Geheimtür in den Kellern verband, hatte der Hausmeister Sadik auf Haralds Geheiß gleich nachdem wir uns von ihm getrennt hatten stellenweise feinste schwarzgraue Ofenasche ausgeschüttet – in ganz dünner Schicht, so daß an diesen Stellen sich jede Fußspur klar abzeichnen mußte.
Das, was Harst hiermit bezweckt, ergab ein überraschendes Resultat: Wir fanden die Fährte von zierlichen Frauenschuhen und … nicht die Mahmuds, wie wir vermutet hatten!
Harald war überrascht …
Nochmals musterte er die Spuren im Lichte seiner Taschenlampe …
Es waren zweifellos die Abdrücke von Frauenschuhen, und es erschien gänzlich ausgeschlossen, daß etwa Mahmud aus Vorsicht diese zierlichen Pantöffelchen übergestreift haben könnte.
Nachdem wir dann noch die verräterischen Stellen sämtlich mit einem Tuche geglättet und die Asche weggefegt hatten, erreichten wir unbemerkt unsere Zimmer und gingen sofort zu Bett …
Der Morgen graute bereits, als ich endlich einschlief. Noch vor dem Zubettgehen hatte Harald mir versichert, daß ihm dieses Problem „Rote Rakete“ genau so unklar sei wie mir …
„Die Dinge sind außerordentlich verzwickt, mein Alter. Wir müssen mit Geduld und Achtsamkeit diesem Rätsel auf den Leib rücken, sonst können wir uns böse dabei die Finger verbrennen.“
Nur eins gab er zu: daß er der Überzeugung gewesen, Mahmud habe die Leute, die die Raketensignale austauschten, gewarnt, und daß nunmehr die Frage zu lösen sei, ob Mahmud etwa mit einer der drei Dienerinnen der Prinzessin (mehr weibliche Angestellte gab es hier nicht) unter einer Decke stecke.
Ich schlief ein …
Und noch im Traum beschäftigte mein Hirn sich mit dem größten Rätsel: Wo war Helene Worringtons Leiche hier im Palast verborgen gewesen?! –
Um halb sieben bereits weckte Harald mich wieder …
Um sieben saßen wir mit der Prinzessin und Doktor Morton auf der kühlen Nordterrasse beim Frühstück.
Nun wurde, als der aufwartende Diener verschwunden, von Harald alles berichtet, was wir nachts erlebt hatten …
„Hoheit,“ erklärte Harst dann, „Sie kennen Ihre Dienerinnen am besten … Welche von den dreien hat die kleinsten Füße … Die indischen Pantoffeln der betreffenden Person maßen genau fünfundzwanzig Zentimeter …“
Prinzessin Sadukala seufzte schmerzlich …
„Immer mehr stürmt auf mich ein,“ meinte sie leise. „Nicht genug, daß mir der Gatte genommen wurde: jetzt muß ich auch noch an der Treue derer zweifeln, die jahrelang um mich waren … – Nur meine Dienerin Saßtala kommt hier in Frage … Nur sie …! – Sie haben Saßtala so und so oft gesehen, Mr. Harst … Vor vier Jahren kam sie als halbes Kind zu mir … Sie ist schön und anmutig, ist meines Stammes, Priwaresin … – Was soll nun geschehen?!“
„Vorläufig nichts … – Ich möchte bemerken, Hoheit, daß Ihre Privaträume gestern nicht durchsucht worden sind, weil wir dies als überflüssig erachteten. Gibt es ein Zimmer, das Sie selten betreten?“
Die Prinzessin überlegte …
„Ja … Das Schrankzimmer neben meinem Bad … Und auch die anderen beiden Dienerinnen haben dort keinen Zutritt. Saßtala hat die Aufsicht über meine Garderobe, ist nach europäischen Begriffen eben meine Kammerzofe …“
„Und Sie waren gestern nicht in diesem Schrankzimmer, Hoheit?“
„Nein, seit Tagen nicht … – Glauben Sie etwa, daß …“
Sie führte den Satz nicht zu Ende, wurde bleich …
Es war zu verstehen, daß der Gedanke, die Tote könnte in einem der Schränke verborgen gewesen sein, sie erschauern ließ. –
Harald schob die Teetasse zurück, nahm eine Zigarette und erklärte ebenso leise:
„Hoheit, ich bitte Sie, Saßtala mit irgend einem Auftrag zur Stadt zu schicken … – Und – noch etwas: Haben Sie gemerkt, daß Saßtala mit Mahmud besonders vertraut steht?“
„Lieber Mr. Harst: Saßtala ist … seine Enkelin – – leider! – Leider, denn ich muß …“
„Hoheit, Verzeihung: man soll nie vorschnell verurteilen, nie vorschnell ein Urteil über einen Menschen fällen! Wir müssen erst prüfen … Vielleicht liegen die Dinge so, daß Saßtala doch nicht in dem Maße schuldig ist, wie es scheint …“
Und dann zu Doktor Morton:
„Doktor, Sie dürften das Europäerviertel am Bahnhof besser als die Prinzessin kennen … Ich will Ihnen nun den Bungalow genauer beschreiben, zu dem die beiden langen Inder wahrscheinlich gehörten – als Diener …“
Morton wußte sehr bald Bescheid …
„Das kann nur der Besitz des Polizeichefs O’Neil sein,“ sagte er sehr bestimmt, „O’Neil …“
Er schwieg, denn Harald hatte plötzlich die Stirn mit der Linken umspannt und den Kopf tief gesenkt: ein Bild so intensiven Nachdenkens, daß Morton von selbst verstummte.
„Wie lange ist O’Neil in Bawalar?“ fragte Harald dann, ohne sich zu regen …
„Zwei Jahre …“
„Und Helene Worrington kam ebenfalls vor zwei Jahren hierher…“ nickte Harst und ließ die Hand sinken …
Morton rief leise:
„Wollen Sie etwa O’Neil verdächtigen?“
„Ich will nur fragen, Doktor, ob O’Neil einwandfrei ist … woher kam er?“
Die Prinzessin antwortete anstelle Mortons:
„Er bewarb sich um die Stelle von England aus … Seine Zeugnisse waren tadellos. Mein Schwiegervater, der verstorbene Radscha, wählte gerade O’Neil aus und war stets mit ihm sehr zufrieden …“
„Wer wohnt noch in O’Neils Bungalow?“ fragte Harald trocken.
Morton jetzt:
„Sein Sohn Patrick O’Neil, der beim Residenten einen Büroposten bekleidet …“
„Und dieser Patrick hat dieselbe Größe wie sein Vater?“
„Ja … ja … allerdings …“ stotterte Morton verwirrt. „Mein Gott, wäre es denn möglich, daß …“
„… daß die beiden Inder, die die Leiche in dem Teppich auf dem Karren wegschafften, etwa die beiden O’Neils gewesen sind?! – Ja, Doktor, das ist sogar sehr wahrscheinlich …!“
Und nach kurzem Nachsinnen:
„Hoheit, ist Ihnen Patrick O’Neil persönlich bekannt?“
„Ja … Er hat in England moderne Sprachen studiert, aber kein Examen gemacht … Ich hatte bei ihm ein halbes Jahr englischen und französischen Unterricht …“
„Und – Saßtala?!“
Die Prinzessin seufzte wieder …
„Mr. Harst, Sie denken auch an alles … Ja – Saßtala hat auf meinen Befehl bei ihm englischen Unterricht genommen …“
„Hoheit, dann … ist wieder ein Glied der Kette geschmiedet …! Saßtala und Patrick mögen durch diese englischen Stunden miteinander sehr vertraut geworden sein … vielleicht …“
Er rauchte hastig ein paar Züge …
Sein Gesicht war versonnen …
Und unvermittelt dann zu Morton:
„Doktor, ob etwa Helene Worrington Patrick geliebt hat? – Helene war nicht mehr jung … Aber die Liebe eines alternden Mädchens ist leidenschaftlicher und rücksichtsloser …“
Der brave Doktor betupfte sich die Stirn mit dem Taschentuch …
„Mir … mir wird heiß und kalt, Mr. Harst … Sie stoßen mich auf Dinge, die mir bisher gleichgültig waren und die jetzt durch Sie eine schreckhafte Bedeutung gewinnen. – Ja, Helene Worrington war trotz ihrer vierzig Jahre in den um zwölf Jahre jüngeren Patrick derart verschossen, daß man darüber hier in der kleinen Europäerkolonie weidlich spottete … – Nehmen Sie nun etwa an, daß Saßtala die Worrington … verschwinden ließ?“
„Doktor, ich nehme dies und anderes an … Annahmen sind jedoch keine Tatsachen. Vermutungen wollen bewiesen werden, dann erst sind sie für mich Tatsachen …“ – Und zu der Prinzessin: „Wenn Hoheit jetzt so liebenswürdig sein wollten, Saßtala mit einem Briefe zu O’Neil zu schicken … Der Brief soll etwa lauten: Harst hat Neues ermittelt, das wir insgeheim miteinander besprechen wollen … – Das würde genügen, Hoheit …“
Und eine Viertelstunde drauf hatten wir das Schrankzimmer besichtigt. Es roch hier so stark nach Parfüm, daß nur Haralds feine Nase in einem leeren Schranke, dessen Türen weit offenstanden, unten am Boden noch schwachen Verwesungsgeruch feststellte, obwohl die Bodenbretter mit Parfüm förmlich durchtränkt waren.
Wir beide, allein in diesem Gemach, nickten uns zu … Und Harst meinte: „Die übliche Verbrecherdummheit! Das Parfüm und die offenen Türen – zum Auslüften – besagen genug!“
Die Prinzessin und Morton erwarteten uns im Salon.
„Hoheit, so leid es mir tut,“ erklärte Harst flüsternd. „Saßtala ist schuldig, wie weit sie schuldig ist, wird die Zukunft lehren … – Ich bitte Sie nun, bei der bevorstehenden Aussprache mit O’Neil mir alles zu überlassen und keinerlei Erstaunen zu verraten, wenn ich Dinge vorbringe, die … glatt erfunden sind. Es ist nicht angenehm, daß mein Beruf mich zwingt, krumme Wege zu wandeln … Es muß sein … – Sie können überzeugt sein, Hoheit, daß wir hier einem Verbrechen und Verbrechern auf der Spur sind, wie man dies nicht häufig erlebt. Selbst in meiner Praxis ist mir noch kein Fall vorgekommen, dessen Endziel in so undurchdringliches Dunkel gehüllt ist wie dieser. Aber gerade dieses Geheimnisvolle deutet unfehlbar auf große Ziele der Beteiligten hin … Was bei alledem schließlich herauskommen wird, vermag ich beim besten Willen mir nicht einmal vorzustellen.“
5. Kapitel.
Der Skorpion.
O’Neil fuhr in seinem Auto vor …
Der lange Irländer, dessen fuchsiges Haupthaar bereits ergraut war, verbeugte sich respektvoll vor der Prinzessin und nahm dann mit am Salontische Platz.
„Bitte, Mr. Harst,“ sagte die Prinzessin nur …
Harald, Morton und ich hatten dem Polizeichef kräftig die Hand gedrückt … Das mußten wir tun. O’Neil durfte nicht ahnen, daß er eingekreist werden sollte …
Und Harst begann:
„Mr. O’Neil, wir, Schraut und ich, haben Miß Worrington gefunden …“
Das war ein scharfer Hieb …
Aber O’Neils Brust war gut gepanzert. Er besaß Kaltblütigkeit und keine Nerven.
„Nicht möglich! Wirklich?!“ rief er nur …
Harald fuhr fort – und vielleicht merkte nur ich ihm die leichte Enttäuschung an …
„Verzeihen Sie, ich habe mich unrichtig ausgedrückt, Mr. O’Neil … Wir, Schraut und ich, haben den Schrank entdeckt, in dem man die Leiche versteckt gehabt hat, nachdem sie aus dem Schacht entfernt worden war …“
„Schrank?! – Ich denke, wir haben gestern jeden Winkel durchsucht, Mr. Harst … – Und – nun ist die Leiche wieder verschwunden?! Woher wissen Sie denn, daß in dem Schrank …“
„… in dem Schrank ist zu viel Parfüm zwecklos vergeudet worden … Der Schrank steht im Garderobenzimmer Ihrer Hoheit … Vorhin kam ich auf den Gedanken, auch Ihrer Hoheit Räume einmal gründlich zu besichtigen … Am Boden jenes Schrankes spürt man noch den Leichengeruch, Mr. O’Neil … Und da nun nach Angabe Ihrer Hoheit zu jenem Gemach nur die Dienerin Saßtala Zutritt hat, würde es vielleicht angebracht sein, die junge Inderin zu verhören …“
„Allerdings, – wenn die Sachen so liegen!! Natürlich werden wir Saßtala ins Gebet nehmen …“
Weiß Gott: O’Neil war nicht aus der Ruhe zu bringen.
Mir stiegen bereits Zweifel auf, ob Harald sich nicht vielleicht doch getäuscht hätte …
Aber – eins gab jetzt plötzlich zu denken …
Denn O’Neil fügte in einem Atem hinzu:
„Wenn Hoheit gestatten, hole ich Saßtala persönlich hierher … Es ist nicht ausgeschlossen, daß sie Verdacht schöpft, wenn ein Diener sie herbeiruft …“
Und ohne eine Antwort abzuwarten, war er hinaus …
Wir vier Zurückbleibenden blickten uns an … Morton schüttelte den Kopf … Die Prinzessin seufzte … Und Harald?!
Der trat an das Seitentischchen, auf das er vorhin jenen Pappkarton gestellt hatte, in dem gestern noch die beiden toten Sapkas gelegen hatten … – Was der Karton jetzt enthielt, wußte ich selbst nicht …
Harald nahm sein Taschenmesser, schnitt in den Deckel, der durch Bindfaden fest verschnürt war, eine Klappe, durch die man gerade mit der Hand hineingreifen konnte, und setzte den Karton beiseite …
Es dauerte eine geraume Weile, bis O’Neil und Saßtala eintraten …
Die Prinzessin beachtete sie kaum …
Dann schon O’Neil mit seiner tiefen Stimme:
„Saßtala, was … hast Du in dem einen Schrank zum Garderobenzimmer verborgen gehabt?!“
Das Mädchen schaute O’Neil harmlos erstaunt an …
„Verborgen?! Nichts …! – Ich habe nichts zu verbergen: … In meinem Zimmer steht auch nur ein einziger Schrank, Mr. O’Neil …“
Da fauchte der Polizeichef sie an:
„Um den Schrank handelt es sich nicht! Vielmehr um den leeren Schrank im Garderobenzimmer der Prinzessin … Du hast in den Schrank Parfüm gegossen … Weshalb?!“
Das Mädchen wurde verlegen …
„Mr. O’Neil, ich … ich will alles eingestehen … Ich gebe zu, daß ich sehr nachlässig gewesen bin … Wir haben viele Kapscharas im Palast … Sadik hat Gift ausgelegt … und vorgestern fand ich in dem leeren Schranke zwei tote braune Ratten … Der ganze Schrank war verpestet …“
Wir alle (vielleicht bis auf O’Neil) waren verdutzt … verblüfft …
Kapscharas – Hausratten …!! Und – vergiftet und verwest …!! Daher also der Gestank auf den Bodenbrettern!!
Harald hatte sich einen Moment auf die Lippen gebissen …
Dann erhob er sich rasch …
Nahm den Karton …
„Saßtala, Du lügst …!!“
Vor dieser messerscharfen Stimme fuhr Saßtala zurück …
O’Neil stand gleichfalls auf …
„Mr. Harst, wir …“
„Lassen Sie nur, Mr. O’Neil … Ich habe meine eigenen Methoden! – Saßtala, Du hast gelogen … Wenn Du nicht gelogen hast, darfst Du ohne Furcht die Hand hier durch dieses Loch in den Karton stecken … – Tu es …!“
Er trat auf das Mädchen zu …
Und sie … sie wich noch weiter zurück … Ihre Wangen waren erdfahl … Ihre verängstigten Augen glitten wie hilfesuchend zu O’Neil hinüber …
Der mischte sich abermals ein …
„Mr. Harst, befragen wir doch zunächst Sadik, ob er wirklich Gift ausgelegt hat …“
„Nachher,“ erwiderte Harald kurz und winkte mir …
„Halte Saßtala fest …! Man sieht ihr ja das böse Gewissen an …“
Und abermals da O’Neil …: „Mr. Harst, das geht zu weit …! – Was befindet sich in dem Karton?“
„Ein Gelok-Skorpion … Sie wissen wohl, daß man dem Gelok nachsagt, daß er niemals Schuldlose steche … Hier wie bei den Volksstämmen der Thar-Wüste ist der Gelok heilig … Schon in alten Zeiten benutzte man ihn zu einer Art Gottesurteil … Es ist Tatsache, daß der Gelok noch nie ein harmloses Kind oder einen Menschen mit reinem Gewissen verletzt hat … Und wenn Saßtala nicht gelogen hat, wird sie sich nicht scheuen, diese Ehrlichkeitsprobe abzulegen …! Mein Gewissen ist rein! Bitte!!“
Und er schob die Hand durch die Klappe im Deckel, bewegte sie im Innern des Kartons hin und her und meinte:
„Da – soeben habe ich den Skorpion berührt …!“
Und er zog die Hand wieder hervor … –
Ich möchte hier einfügen, daß der Gelok oder Sandskorpion etwa zehn Zentimeter lang wird … Der Stich seines scharfen Stachels ist zumeist tödlich … –
Zog die Hand heraus …
Ich hatte jetzt Saßtalas linken Arm gepackt …
Aber – wiederum da O’Neil … sehr energisch:
„Mr. Harst, ich stehe hier als Beamter, der nur dem Residenten von Bawalar jetzt zu gehorchen hat …! Ich verbiete diesen … Unfug! Ein solches Tun hat nichts mit geordneter Rechtspflege zu tun!“
Harald blieb durchaus höflich …
„Das stimmt, Mr. O’Neil … Trotzdem: Saßtala kann hier sofort ihre Schuldlosigkeit beweisen! Hat sie Furcht, so hat sie gelogen! – Also, Saßtala, – greife hinein in die Schachtel …“
Und – er ergriff ihre rechte Hand …
Da schrie das Mädchen gellend auf …
Riß sich los …
Stürmte aus dem Salon – wie gehetzt …
Harald lächelte …
O’Neil wollte hinter ihr drein …
„Bemühen Sie sich nicht,“ meinte Harst … „Ich habe mit Sadik alles verabredet … Da – hören Sie: Saßtala schreit, – – Sadik hat sie fest …!“
Die Tür wurde aufgestoßen …
Der alte Hausmeister und zwei Diener zerrten das Mädchen herein …
Und Harst … Harst löste nun die Schnüre von dem Karton …
Öffnete den Deckel …
Selbst die Prinzessin trat hinzu …
Aller Augen hingen an dem Karton …
Der … war leer …!
Keine Spur von Skorpion …
O’Neil brauste auf …
„Mr. Harst, diese lächerliche Komödie …“
„… ist der beste Beweis, daß die Leiche Miß Worringtons in dem Schranke gelegen hat …! Verhaften Sie Saßtala, Mr. O’Neil!“
Der Polizeichef zögerte …
Nur einen Moment …
Dann legte er Saßtala die Hand leicht auf die Schulter …
„Du bist verhaftet …!!“
Saßtala zitterte … weinte … warf sich der Prinzessin zu Füßen …
Die Prinzessin hatte sich abgewandt …
Die Diener rissen das Mädchen empor …
Und gleich darauf fuhr O’Neil mit der Verhafteten davon …
Wir vier waren wieder allein im Salon …
Harald sagte nur:
„So, nun wird O’Neil eine weitere Dummheit begehen … Er wird dem Mädchen zur Flucht verhelfen … Und dann wird Saßtala vielleicht sich dorthin wenden, wo in den Uferbergen des Ghara-Flusses die zweite Rakete aufleuchtete … Das wollte ich …! Ich werde dafür sorgen, daß Saßtala nicht allein entflieht …!“
Der andere Skorpion.
1. Kapitel.
Es kommt nicht so …
Nein – es kam nicht so …
Denn – er kam! Er!!
Und dieser „Er“ ist der Mittelpunkt des ganzen Geheimnisses …
Nachmittags traf er ein … Und am Vormittag um elf Uhr war Saßtala in unserer Gegenwart von O’Neil verhört worden, wobei sie hartnäckig bei dem Märchen von den Ratten blieb …
Und vier Stunden drauf: Er!!
Das war ein Typ für sich, dieser Professor John Longfellow …
Das war ein knochiger Herr in den Vierzigern mit schwarzer Hornbrille und einem Gesicht, das nur aus Falten bestand … Das war ein Gelehrter, der seit längerer Zeit Indien bereiste und die geheimsten Geheimnisse des Wunderlandes erforschte …
John Longfellow machte der Prinzessin seine Aufwartung und überreichte ihr ein Empfehlungsschreiben des Vizekönigs von Indien, so daß Sadukala nicht gut anders konnte, als den großen Gelehrten als Gast im Palaste aufzunehmen …
Als wir bei der Abendtafel Longfellow vorgestellt wurden, tat der dürre Herr genau so, als ob er in seinem ganzen Leben die Namen Harst und Schraut noch nicht gehört hätte …
Und ebenso unverfroren fragte er uns, ob wir … Angestellte eines Detektivinstituts seien …
Das war beabsichtigte Unverschämtheit.
Auch Doktor Morton behandelte er mit einer gewissen Herablassung, die nicht minder verletzend war als seine Art des Benehmens uns gegenüber.
Zum Glück zog er sich sofort nach Tisch in seine Zimmer im Ostflügel zurück, angeblich, weil die Reise ihn ermüdet hatte. So waren wir denn mit der Prinzessin und dem Leibarzt noch eine halbe Stunde allein.
Zuerst wollte eine Unterhaltung nicht recht in Fluß kommen. Die Prinzessin entschuldigte sich bei uns der Taktlosigkeiten ihres Gastes wegen …
„Ich mußte ihn hier im Palast aufnehmen. Es ist dies so Brauch gegenüber Engländern, die mit einem Empfehlungsschreiben des Vizekönigs versehen sind …“
Der freundliche Doktor wandte sich dann an Harald …
„Mr. Harst, Sie besitzen doch so einige Menschenkenntnis … Was halten Sie von Longfellow?“
„Darüber möchte ich mich heute noch nicht äußern, möchte nur vorschlagen, daß auch Sie, Hoheit, diesem Manne gegenüber mit Äußerungen sehr vorsichtig sein sollen … Seine Unverschämtheit und Taktlosigkeit erschien mir gemacht … Wir wollen abwarten.“
Morton schaute Harst prüfend an …
„Ja,“ nickte er, „es war ein Zuviel dabei … Man könnte fast auf den Gedanken kommen, daß dieser Professor ein … Schwindler ist und …“
„Halt, Doktor!“ Und Harald schüttelte energisch den Kopf. „Das ist wohl ausgeschlossen … Wie dürfte er es wagen, sich einen Namen und Titel zuzulegen, die aus der Luft gegriffen sind?! – Nein, so einfach ist diese Persönlichkeit nicht abzutun …“
Dann blickte er nach der Uhr … Fügte leise hinzu: „Halb elf … Es wird Zeit für uns … Ich habe mit Sadik bereits alles vereinbart … Schraut und ich werden …“ – er flüsterte nur noch – „wieder den unterirdischen Gang nach dem Pavillon benutzen … Sie wollten ja auch mit von der Partie sein, Doktor … Um die Ausgänge des Polizeigefängnisses zu überwachen, brauchen wir mindestens drei Personen … – Hoheit entschuldigen uns also …“ –
Und um dreiviertel elf hatten Morton und wir beide uns zweckentsprechend als Inder kostümiert. Zur selben Zeit erschien auch der alte Hausmeister bei uns und meldete, daß im Palast nun Ruhe herrsche. Wir könnten jetzt unbemerkt in die Keller hinab. Mahmud sei bereits im Dienerhaus zu Bett gegangen.
Mahmud fürchteten wir als Spion am allermeisten. Bisher war ihm nichts nachzuweisen gewesen, und wir mußten es der Zukunft überlassen, daß auch dieser fragwürdige alte Bursche irgendwie entlarvt würde.
Sadik begleitete uns bis an die Geheimtür im Keller. Er hatte wieder ein Säckchen Asche bei sich und sollte den Gang, nachdem wir verschwunden waren, wieder in derselben Weise präparieren.
Doktor Morton machte dieses Abenteuer offenbar viel Spaß. – Gegen halb zwölf hatten wir drei dann getrennt unsere Beobachtungsposten bezogen. Das Polizeigefängnis lag im Europäerviertel und war von einer hohen Mauer umgeben. Im Vordergebäude befanden sich die Büros der Polizeiverwaltung. Der ganze Häuserblock bildete ein von Straßen umgebenes Viereck. An der Ostseite zog sich ein öffentlicher Park hin. Bis zur Westseite reichten die Bahnhofsanlagen.
Mich hatte Harald derart postiert, daß ich die Vorderseite und die Ostseite gleichzeitig beobachten konnte. Ich war auf einen der Alleebäume geklettert und hatte ein Fernglas mit.
Eine Stunde verging … Ich hatte übergenug Zeit, mir unsere letzten Erlebnisse hier gründlich zu überlegen. Auch für mich stand es fest, daß Mr. O’Neil und sein Sohn mit der roten Rakete etwas zu tun hatten – genau wie Helene Worrington und die hübsche Saßtala.
Ungelöste Rätsel das alles …
Nirgends auch nur der geringste Fingerzeig, was diese Gemeinschaft von dunklen Ehrenmännern beabsichtigte, was die Raketen dabei für eine Rolle spielten.
Und genau so fest war ich überzeugt, daß Harald diesen heute aufgetauchten Professor für einen Verbündeten O’Neils hielt …
Ich rief mir das ins Gedächtnis zurück, was ich über Longfellow wußte …
Er war im Auto von Multan her eingetroffen. Das Auto hatte ihm der dortige Gouverneur zur Verfügung gestellt. Drei Riesenkoffer begleiteten Longfellow – und jenes Empfehlungsschreiben des Vizekönigs, das ihm alle Türen öffnete.
Ein berühmter Gelehrter … Seit acht Monaten in Indien … Studienreise mit Staatsunterstützung …
Ob Longfellow wirklich anrüchig war?!
Und da – wurde meine Aufmerksamkeit abgelenkt …
Meine Gedanken waren anderswo gewesen. Meine Augen hatten gewacht …
Gerade an der Nordostecke der Mauer schwang sich jetzt eine Gestalt über die Mauerkrone, nachdem sie sich vorsichtig umgeschaut hatte …
Ein schlanker Inder mit mit mächtigem Turban …
Im Nu hatte hatte ich mein Glas eingestellt.
Die Verkleidung war gut.
Nur ein Fehler: Saßtala hatte die indischen Pantoffeln anbehalten, dieses Mittelding zwischen Sandale und Schuh …
Sprang nun geschickt auf den Fußgängerweg … War im Nu im Gebüsch des Parkes verschwunden …
Doch nicht minder fix war auch ich …
Und ich hatte Glück … konnte Saßtala bis zum Pavillon folgen …
Verschwand im Pavillon, wollte also den Gang benutzen …!
Ich eilte zur Vorderfront des Palastes und verständigte den Offizier der Wache … Die Wache war im Erdgeschoß untergebracht. Der Palast wurde umstellt, und der Pavillon ebenso gesperrt. Unmöglich konnte Saßtala bereits ins Dienerhaus vielleicht zu Mahmud gelangt sein.
Dann lief ich, zumeist im Trab, zum Polizeigebäude zurück und holte Harst und Morton.
Harald war mit dem, was ich inzwischen angeordnet hatte, wenig einverstanden …
„Du hättest die Wache nicht benachrichtigen sollen, mein Alter … – Nun, wir müssen diesen Fehler auszugleichen versuchen … – Vorwärts – zu O’Neils Bungalow …!“
Wir mußten lange an der Gartenpforte läuten, bevor ein Diener uns einließ.
O’Neil erschien dann auf der Veranda, wo wir Platz genommen hatten. Er war völlig verschlafen und tat so, als ob er die Geschehnisse zunächst gar nicht recht begriffe.
„So – Sie drei haben also das Polizeigebäude bewacht …,“ meinte er schließlich. „Ich verstehe … Ich bin im Augenblick angezogen …“ –
Wir haben dann damals die Zelle Saßtalas besichtigt. Das Fenstergitter war sauber herausgesägt. Ein Strick war an den Resten der Stäbe befestigt …
Mehr ließ sich nicht feststellen.
Wir fuhren in O’Neils Dienstauto dann um halb zwei Uhr morgens zum Palast. Uns folgten zehn Beamte.
Der Palast wurde durchsucht. Saßtala war nicht zu finden … Den unterirdischen Gang betraten wir beide allein. Harald wußte das schon so einzurichten.
Und – in der feinen Aschenschicht bemerkten wir da zwei Spuren: die der jungen Inderin und die eines Mannes, der Stiefel getragen hatte – sehr große Stiefel …
Harald nahm die Maße …
Dann stäubten wir die Asche wieder beiseite, und als O’Neil nun im Gang erschien, war von Spuren nichts mehr vorhanden …
Es war abermals eine aufregende Nacht … Erst beim Morgengrauen zog das Polizeiaufgebot davon. O’Neil drückte uns die Hand …
„Ich bin für Saßtalas Flucht nicht verantwortlich,“ meinte er in scheinbarer Wut … „Ich werde die Gefängniswärter ablösen lassen …“
Dann fuhr auch er heim. Die Militärposten hielten den Palast weiter umstellt …
Und nun waren Harald und ich in unseren Zimmern …
Harst gähnte, meinte:
„Also erst mal hier alles absuchen – alles … Wir haben jetzt einen Gegner in nächster Nähe … Longfellow! – Hast Du Dir seine Stiefelgröße angesehen? – Der Professor ist im unterirdischen Gang gewesen … Er hat dort Saßtala erwartet und dann … versteckt …“
„Versteckt …?!“
„Ja … – Morgens beim Frühstück Fortsetzung!“
Wir konnten getrost zu Bett gehen … Es war nichts Verdächtiges oder Gefährliches in unseren Zimmern … –
Um neun Uhr saßen wir wieder mit der Prinzessin und Morton auf der Terrasse …
Longfellow hatte sich entschuldigen lassen … Er habe dringende Briefe zu schreiben …
So wurde ihm denn das Frühstück auf seine Zimmer geschickt. Und Harald hatte Sadik gebeten, das Frühstück recht reichlich zu bemessen, was auch geschah. Nachher erzählte Sadik uns, daß der Professor alles restlos vertilgt habe – alles!!
2. Kapitel.
Jacksons Plantage.
Harald und ich schlenderten gegen zehn Uhr vormittags durch den Park …
„Die Geschichte kommt nicht vom Fleck …“ meinte ich unzufrieden …
„Irrtum, mein Alter!“ lächelte Harst. „Wir sind sogar recht nett im Zuge … Longfellows Frühstück war für mindestens drei Personen ausreichend … Saßtala hat mitgeholfen. Sie steckt in einem der Koffer des Professors …“
Ich blieb stehen …
„Donnerwetter!! Deshalb also aß er auf seinen Zimmern!“
„Ja – deshalb!! Und er ist hierher gekommen, weil O’Neil ihn herbeordert hat … Und er wird bald abreisen und Saßtala mit sich nehmen … Ein feiner, sicherer Plan! – Wir wollen mal zum Postamt wandern …“
Harald verlangte den Postmeister zu sprechen. Das war ein älterer, gebildeter Bawalese, dem man schon trauen durfte.
Harst weihte ihn in alles ein. Der Postmeister war merkwürdiger Weise gar nicht so sehr überrascht, als Harald über O’Neil sprach …
„Mr. Harst,“ sagte der Bawalese achselzuckend, „ich habe O’Neil nie recht getraut, denn er hat stets so häufig Chiffredepeschen aufgegeben, angeblich dienstlicher Art, und mich zu strengster Verschwiegenheit verpflichtet …“
„Wohin?“
„Zumeist nach Multan, manchmal nach Lahore …“
„Auch gestern?“
„Ja … Nach Multan … Vormittags elf Uhr …“
„Also doch! – Ist die Depesche in Abschrift noch vorhanden?“
„Nein … O’Neil verlangte stets, daß die Depeschenentwürfe sofort vernichtet würden … Das heißt – ich könnte ja einmal nachfragen. Vielleicht ist die Depesche auch noch da …“
Und – sie war noch vorhanden …
Lautete:
Multan, postlagernd
A R Z
Dann folgten Zahlen – nur Zahlen, drei Reihen ohne jeden Zwischenraum …
Wir nahmen die Depesche mit.
Auf unseren Zimmern im Palast hatte Harald nach zehn Minuten den Schlüssel zu der Chiffreschrift gefunden. Der Schlüssel waren die drei Buchstaben A. R. Z.
Es würde hier zu weit führen, wollte ich auf die Entzifferung näher eingehen. – Das Telegramm lautete:
„Sofort hierher kommen. Gefahr. Der Deutsche an der Arbeit. Auf keinen Fall irgendwie Verdacht erregen. Brauche Dich. Sache muß beendet werden. Komme allein.“
Harald meinte hierzu:
„Es stimmt also … Saßtalas Verhaftung, die wir erzwangen, hat O’Neil böse geängstigt … – Der „Deutsche“ bin ich natürlich. Und „Komme allein“ beweist, daß Longfellow in Multan noch Helfershelfer hatte. – „Sache muß beendet werden“ – das ist der einzige dunkle Punkt … – Welche Sache?! Woran arbeitet diese Bande nun bereits monatelang, eben seit die Raketen aufstiegen, und das sind etwa acht Monate her, meint Morton … Acht Monate ist der Professor in Indien …“
Harst sprang auf, ging hin und her … Blieb vor mir stehen …
„Mein Alter, ich habe eine Idee … Ich werde die Prinzessin um etwas bitten …“
„Und das wäre?“
„Komm’ nur mit … Wir lassen uns bei ihr anmelden …“
Unten im Flur begegneten wir Sadik …
Harald zog den Alten in eine Ecke …
„Sagen Sie mal, Hausmeister, ob man hier in Bawalar Raketen zu kaufen bekommt?“
„Nein … ausgeschlossen …“
„Aber in Multan?“
„Natürlich …“
Sadik meldete uns der Prinzessin …
Und diese stellte uns dann eines ihrer Autos zur Verfügung – zu einer Spazierfahrt – – vielleicht bis zum Ghara-Fluß.
Bevor wir aufbrachen, nahm Harst noch Doktor Morton beiseite …
„Doktor, damit Sie es wissen: Saßtala steckt in einem der Koffer des Professors! Geben Sie also ein wenig auf den Gelehrten acht …!“
Morton lächelte diskret …
„Ein fauler Fisch, dieser Longfellow! Ich wußte es … – Sie können sich auf mich verlassen, lieber Harst.“
Dann glitt das offene Auto mit uns die Straße gen Norden entlang …
Vier Stunden später waren wir in Multan …
Nun ging’s hier auf die Suche nach einem Geschäft, das auch Feuerwerkskörper führte …
Ein Bettler, dem Harald ein reichliches Trinkgeld gab, wies uns nach einer Drogerie, die einem Chinesen gehörte …
Wir betraten den Laden in unseren Staubmänteln – mit den Autobrillen vor den Augen …
Der Chinese war ein altes Männchen …
Sehr stolz erklärte er, daß er die Feuerwerkskörper persönlich herstelle …
Die Chinesen sind ja Künstler auf diesem Gebiet …
Ja – Raketen habe er ebenfalls … Zwei Sorten … Kleine mit farbigen Leuchtkugeln und große …
Gewiß … auch kleine mit roten Leuchtkugeln … Die seien besonders angefertigt worden für Mr. Jackson, der unten am Ghara-Fluß die Plantage habe … Mr. Jackson sei jedoch ausgeblieben … Er wollte die neuen sechs Raketen schon vorgestern abholen …
„Wir brauchen sie für ein Gartenfest …“ meinte Harald und ließ sich eine Menge anderer Feuerwerkskörper mit einpacken … –
Unser Auto erwartete uns am Bahnhof. Harald erkundigte sich hier nach Jacksons Plantage … Dann fuhren wir zum Postamt … Und hier etwa dasselbe Spiel wie in Bawalar, – auch ein würdiger älterer Inder als Postvorsteher … Auch hier lüftete Harald Teile des Geheimnisses, bat um strengste Verschwiegenheit und Hilfe …
Der Postmeister, einer jener pflichttreuen Beamten, die sich um alles kümmern, nannte uns sofort den Namen des Mannes, der die aus Bawalar eingetroffenen Chiffredepeschen erhalten: Mr. Jackson, ein Engländer, der vor einem Jahr die völlig heruntergewirtschaftete Zuckerrohrplantage Greela House am Ghara für einen Spottpreis gekauft habe und jetzt dort Dromedarzüchter spielte … – ein Mensch, der ganz für sich lebe, dem man aber nichts nachsagen könne …
Wir dankten für die freundliche Auskunft und gingen …
Multan ist eine Handelsstadt von etwa 150 000 Einwohnern. Der Polizeichef, ein Engländer, dem wir uns vorsichtshalber unter anderen Namen melden ließen, war sehr überrascht und ebenso interessiert, als Harst nun auch ihm von den Vorgängen in Bawalar Mitteilung machte …
Er betonte, daß er O’Neil persönlch sehr gut kenne, denn sein Kollege aus Bawalar käme häufig hierher …
Doch – daß der lange Irländer unzuverlässig sein sollte, das wollte ihm zunächst gar nicht in den Kopf … Allmählich mußte er dann doch einsehen, wie stark die Ereignisse O’Neil belasteten …
„Wie kann ich Ihnen helfen, meine Herren? Ich bin Ihnen in jeder Weise zu Diensten …“
„Wir bitten nur um die nötigen Mittel, uns verkleiden zu können …“ erwiderte Harald … „Wir werden der Prinzessin sofort telegraphisch Bescheid geben, daß eine Autopanne uns hier zurückhält … Und dann wollen wir Mr. Jackson besuchen … Wenn er Dromedarzüchter ist, wird er zwei Händlern kaum mißtrauen … Am besten ist, wir spielen uns als Perser auf … Drüben in Lahore haben eingewanderte Perser allerlei kaufmännische Unternehmungen … Also kommen wir aus Lahore …“ –
In Nordwestindien gibt es in jeder Stadt, jedem Städtchen persische Kaufleute. Sie sind sämtlich fleißig, ehrlich, schlau und zumeist bei der Bevölkerung beliebt.
Und zwei solcher Händler fuhren gegen Abend im Auto bis in die Nähe der Greela House-Plantage, ließen das Auto in einem Dorfe zurück und schritten mit ihren kleinen Bündeln zu Fuß den sandigen, steinigen, erbärmlichen Weg weiter entlang …
Dann vor uns der verwahrloste Bungalow, das Wohnhaus, – auf einer Anhöhe des Nordufers … Es dunkelte bereits … Die Abenddämmerung mußte in kurzem durch die Nacht abgelöst werden.
Weit und breit war kein Mensch zu sehen … Wir riefen … Wir trommelten mit Fäusten gegen die Türen … Dann wandten wir uns den Ställen zu … Endlich hier ein verschlafener alter Inder, ein Kerl, der vor Schmutz starrte und dementsprechend stank …
Mr. Jackson?! Oh – der habe heute vormittag alle Dromedare verkauft und auch die Plantage … In Multan sei alles bei einem Anwalt abgeschlossen worden, der Käufer sei ein Mann aus Lahore … „Ich bin hier als Wächter eingesetzt … Ich war Dromedarpfleger bei Mr. Jackson …“
Harald gab dem Schmierfink eine Goldmünze …
Ob wir nicht die Nacht im Bungalow schlafen könnten … Zur Rückkehr nach Multan sei es doch zu spät …
Gewiß könnten wir das … – Und der alte Kerl kam mit uns … schloß das Wohnhaus auf und zündete in Mr. Jacksons Arbeitszimmer eine Petroleumlampe an …
Ein elendes Loch, dieses Zimmer … Elendes Gerümpel als Möbel …
Nebenan das ebenso ärmliche Schlafzimmer … Die übrigen Zimmer leer … Die Dielen halb verfault …
Harald fragte den Schmierfink, wohin Mr. Jackson gereist …
„Nach Bombay, sagte er …“
Eine zweite Münze macht den Alten redselig …
Harst deutet zum Fenster hinaus über den Fluß, wo am Südufer die Berge sich hoch emportürmen …
„Dort muß es Wild geben … Hat Mr. Jackson zuweilen auf Bergschafe gejagt?“
„Ja – er war jeden Abend draußen … Jeden Abend ruderte er über den Fluß …“
„Und kam spät zurück …“
„Das weiß ich nicht … Und auch sein Diener sprach nie darüber … Der schlief bei uns in den Ställen …“
„Ob Jackson wohl mal Besuch empfing?“
„Ja … Immer denselben, Sahib, der sehr lang und dürr war …“
Also Longfellow – natürlich! –
Dann schickten wir den Alten weg …
Und schlossen die Tür hinter ihm ab, verriegelten die Türen der beiden Zimmer, ließen die Stabjalousien herab und zogen die Vorhänge zu …
Dann setzen wir uns an den länglichen Tisch im Arbeitszimmer und packten unsere Eßwaren aus …
„Eine unheimliche Bude!“ meinte ich, und – das kam mir aus der Seele …
Harald nickte … öffnete eine Büchse Sardinen … drehte den Schlüssel, und mit leisem Kreischen zerriß das Blech …
Urplötzlich hielt er inne …
Ein unbestimmbarer Ton war durch die Räume bis zu uns gedrungen …
Mir strömte alles Blut zum Herzen …
Ich fühlte, daß ich blaß wurde …
Diese Töne, die sich kaum irgendwie schildern ließen, waren grauenvoll …
Harald schob die Sardinenbüchse weg und nahm die Taschenlampe, steckte die entsicherte Pistole in die rechte Außentasche …
„Komm’, mein Alter …!“
3. Kapitel.
Der Stachel des Skorpions.
Ich behielt die Clement in der Hand … In der Linken trug ich die Petroleumlampe …
Und – im dritten Vorderzimmer nach dem Flusse zu … fanden wir den Schmierfink – in einer Schlinge mitten im Zimmer an einem Haken des Deckenbalkens hängend … Der Mann hatte in seiner Todesangst mit der Rechten den Strick über seinem Kopfe umklammert …
Sein schrilles, halb ersticktes Angstgeschrei trieb mir den kalten Schweiß auf die Stirn …
Harst schnitt ihn los …
Trug ihn ins Arbeitszimmer …
Trug – nur noch einen Toten …
Denn als wir den alten Mann nun genauer untersuchten, fanden wir in seiner Brust einen Dorn der sogenannten Mestaza stecken, einer Dornenart, deren Stacheln zuweilen handlang werden und hart wie Eisen sind …
Der Alte war tot …
Harald meinte nur:
„Jackson ist nicht abgereist!“
Das sagte genug …
Wir brachten die Leiche nebenan ins Schlafzimmer. Dann riegelten wir uns wieder ein und durchsuchten diese beiden Zimmer …
Nichts … Wir durften uns sicher führen …
Saßen wieder am Tisch und … tranken das Kognakfläschchen leer.
Nur flüsternd unterhielten wir uns …
„Wir sitzen hier böse in der Patsche, mein Alter … Ich möchte fast annehmen, daß …“
Seltsam – seine Stimme klang immer entfernter …
Sein Gesicht verschwamm, als ob sich Nebelmassen davor zusammenballten …
Und – mein Kopf sank vornüber …
Ein letzter klarer Gedanke:
„Kognak – – Schlaftrunk – – dergleichen …!!“
Dann nichts mehr …
Stundenlang …
Bis ein stechender Schmerz an den Handgelenken mich weckte …
Mein umflorter(2) Blick glitt matt umher …
Tisch – Petroleumlampe … Unsere Eßwaren …
Harald genau wie ich an den schäbigen Rohrsessel mit dünnem Draht gefesselt –
Uns gegenüber saß ein Fremder, ein Europäer … Rauchte … Grinste …
Worte erreichten mein Ohr …
Haralds Stimme …
„Sie sind Jackson!!“
„Wer ist Jackson, Mr. Harst?“ höhnte der Kerl mit dem schwarzen Spitzbart und dem pechschwarzen Scheitel … „Jackson ist ein Name, der sehr häufig ist … – Doch – lassen wir das … Auch Schraut ist nun wieder munter geworden … Das Tränklein, das ich in Ihren Kognak tat, während Sie den alten Kerl holten, war schwach … sollte schwach sein … – Sie haben eine Dummheit gemacht, Mr. Harst … Heute bei dem Chinesen in Multan … Ich war kurz nach Ihnen dort … Und so kam ich Ihnen auf die Spur. Sie haben den Chinesen zu viel gefragt, viel zu viel … Besonders die roten Raketen!! Und dann waren Sie bei dem Postmeister … – Ja, Sie sind gefährlich … Jetzt aber nicht mehr, Mr. Harst … Der Ghara-Fluß wimmelt von Krokodilen … Und die Stacheln der Mestaza sind besser als ein Dolch … Ein Dolch verrät manches … die Stacheln nichts …“
Und er griff in die Tasche seiner Leinenjacke und holte eine lange runde Büchse hervor, öffnete sie …
Nahm vorsichtig zwei Stacheln heraus, legte sie auf den Tisch …
Begann wieder:
„Bei Ihnen liegt die Entscheidung, Mr. Harst … was wissen Sie und was vermuten Sie?! – Wenn Sie auch nur in einem Punkte die Unwahrheit sprechen, sind Sie beide verloren!“
„Das sind wir wohl in jedem Falle, Mr. Jackson … oder wie Sie sonst heißen mögen … Sie werden uns doch nicht einreden wollen, daß Sie uns schonen werden, wenn ich aufrichtig bin … Im Gegenteil: Wäre ich es, so hätten Sie noch mehr Grund, mich zu beseitigen – uns beide! Also – keine Redensarten!“
Jackson beugte sich vor …
Der Mensch hatte das reine Mephistogesicht … Unter den dicken schwarzen Brauen glühten ein Paar unheimliche Augen …
„Ganz recht, Mr. Harst, – keine Redensarten!! Ich war unangenehm überrascht, als ich entfuhr, daß Sie selbst von den roten Raketen etwas wissen … Und den Kamelwärter, den ich nun stumm gemacht habe, fragten Sie nach meinem Besucher …“
„Ja – Longfellow …!!“
Jackson lehnte sich rasch zurück … Ihm war das Blut zu Kopfe gestiegen …
„Vielleicht werden Sie reden, wenn Sie sehen, daß ich nicht scherze, Mr. Harst … Man hat nur ein Leben zu verlieren … Und ich verspreche Ihnen auf mein Ehrenwort, daß …“
Harald lachte ironisch …
„Ehrenwort?! Sie?!“
Da schnellte Jackson empor …
Blaß – sinnlos vor Wut …
Griff nach einer der langen Stacheln …
War im Moment vor mir …
Setzte mir die Spitze auf den dünnen Stoff …
Auf das Herz …
Ich … schloß die Augen …
Was ich in jener Sekunde empfand, als ich bestimmt fürchtete, der Unhold würde mich kaltblütig abschlachten, ist mit Worten kaum wiederzugeben …
Haralds Stimme …
Und – in dieser Stimme klang die Angst um mein Leben zitternd mit …
„Halt!! Fragen Sie!!“
Dann – vom linken Fenster her ein Klirren …
Ein Schuß …
Jackson stand noch über mich gebeugt da …
Und fiel nun schwer zur Seite …
Schlug dumpf auf die Dielen auf …
Sein Arme und Beine zuckten …
Dann … lag er still …
Harald und ich stierten zum Fenster hin …
Die Stäbe der Jalousie zersplitterten … Scheiben klirrten von neuem … Und herein schwang sich der junge Chauffeur mit den pfiffigen Augen … Unser Chauffeur, jetzt unser Retter … –
Wir waren frei …
Jacksons Leiche (die Kugel hatte den Kopf glatt durchschlagen) wurde ins Schlafzimmer gebracht und neben den Inder auf die Dielen gelegt …
Unser Retter erzählte:
„Ich stand neben der Straße im Gebüsch unweit des Dorfes, wo ich das Auto untergestellt hatte … Ich wollte mir noch ein wenig Bewegung machen … Da sah ich den Schwarzbärtigen auf einem Rade von Multan auf dem Fußsteg daherkommen … Er stieg ab und umging das Dorf, schleppte sein Rad durch den Wald. Das machte mich argwöhnisch … Ich folgte ihm … Er gewann Vorsprung, und erst in der Dunkelheit langte ich hier an … Der Bungalow war finster … Ich umschlich ihn … Und als ich dort vor den Fenstern stand, hörte ich sprechen, konnte auch durch die Stäbe und durch die nicht fest schließenden Vorhänge hineinschauen … – Mr. Harst, die Polizei wird mich doch nicht etwa verhaften, weil ich …“
„Nein – keine Sorge …! Im Gegenteil: Du wirst eine Belohnung erhalten! Jackson hätte meinen Freund unfehlbar getötet … – Wir müssen nach Bawalar zurück … Sofort … Nur eins will ich noch tun: Jacksons Anzug durchsuchen!“
All das, was Jackson in den Taschen hatte, war bedeutungslos …
Harst befühlte jetzt die Nähte, auch die Mütze … Schließlich zog er dem Toten sogar die Schuhe aus …
Und – hier unter einer Einlegesohle des rechten Stiefels fand er etwas – etwas sehr Merkwürdiges: eins jener hellgrauen großen Blätter des sogenannten Mastixstrauches, dessen Blattschmuck genau so aussieht, als ob die Blätter aus grauem fleckigen Papier geschnitten sind … – –
Ich will fünf Stunden überspringen …
Wir langten um sechs Uhr morgens in Bawalar an. Alles kam jetzt darauf an, daß wir urplötzlich den großen Schlag gegen die Verbrecher führten …
Wir weckten Doktor Morton … In seinem Schlafzimmer berichteten wir ihm das Erlebte …
„Und jetzt, Doktor,“ bat Harald, „müssen Sie zum Residenten Sir Loringstone … Der Resident als Vertreter der indischen Regierung wird uns die nötigen Beamten zur Verfügung stellen … Um neun Uhr vormittags sollen O’Neil, sein Sohn, Longfellow und Mahmud gleichzeitig verhaftet werden …“ –
Dann gingen wir in unsere Zimmer in den Westflügel und setzten uns in die Korbsessel im Salon, um angekleidet noch zwei Stunden zu schlafen – wenigstens zwei Stunden …
Harald hatte bisher über das Blatt des indischen Mastixstrauches kein Wort verloren …
Ich … schlief ein …
Träumte …
Von Jackson, dem anderen Skorpion …
Fuhr in neuer Todesangst empor …
Und … sah Harald mir gegenüber am Tische sitzen … Er hatte aus einem Fernglas die untere Linse herausgeschraubt und benutzte sie als Vergrößerungsglas und prüfte so das unscheinbare Blatt …
Merkte gar nicht, daß ich wach geworden …
„Harald!!“
Er schaute auf …
Seine Augen strahlten …
„Endlich, mein Alter!!“
„Inwiefern endlich?!“
Ich stand auf und trat neben ihn …
„Bitte – nimm die Linse und das Blatt … Was siehst Du?!“
Ich ging zur Balkontür – in den Sonnenschein …
Prüfte …
Und – fand …
Da waren haarfeine Linien zu erkennen – offenbar mit einer Zeichenfeder mit schwärzlicher Tusche eingetragen.
Vierecke, Quadrate, Halbkreise – – ein unentwirrbares Zuviel von Linien …
Ich schüttelte den Kopf – zuckte die Achseln …
„Gib mir das Blatt,“ sagte Harald … „Ich hoffte, Du würdest von allein auf das Richtige kommen … Nun mußt Du eben warten … Jedenfalls weiß ich jetzt Bescheid …“
Es klopfte …
Schnell tat er das Blatt in seine Brieftasche.
„Herein …!“
Doktor Morton … sehr erregt …
„Meine Herren, alles ist bereit … Sir Loringstone wird die beiden O’Neils verhaften … Hier sollen wir handeln …“
„Ist Longfellow heute zum Frühstück erschienen, Doktor?“
„Nein … Er schläft noch …“
„Schläft noch?!“
Harald sah nach der Uhr …
„Schläft noch?! Und – fünf Minuten vor neun?! – Doktor, – los denn! Wo sind des Residenten Beamte …?“
„Im Park versteckt … Ich brauche nur vom Balkon zu winken … Major Effingham ist mit dabei, der Adjutant Sir Loringstones …“
„Winken Sie …!“
Und dann – in den Ostflügel – zu des Professors Zimmern …
Wir hinein in den Wohnsalon, hinein in das Schlafzimmer …
Leer …
Die drei großen Koffer dort …
Wir brechen sie auf …
Zwei mit Büchern und Kleidern und anderem gefüllt …
Der dritte – – nur eine Wolldecke … nur ein Kissen …
„Hier war Saßtala verborgen!“ meint Harald …
Dann hinter uns Stimmen …!
Sadik mit den anderen Beamten …
„Mr. Harst, Mahmud ist verschwunden …!!“
Harald nickt nur …
„Ja – wir sind eben zu spät gekommen …!“
Draußen Autogeräusch …
Seine Exzellenz der Resident …
Wir eilen in die Vorhalle … Sir Loringstone ruft uns entgegen:
„Die O’Neils sind vor zwei Stunden verschwunden … Die Diener sahen sie zuletzt im Garten des Bungalows …!“
Harald bleibt kalt …
„Depeschen nach allen Eisenbahnstationen, Sir Loringstone, – an alle Polizeiämter … Dann das Militär in Patrouillen in die Umgebung der Stadt …!“
Eine andere Stimme – schrill – in hellem Entsetzen – –: Sadik, der den Flur entlangrennt …
„Die Prinzessin … auch verschwunden …!! Um sieben Uhr nahm sie noch mit Doktor Morton das Frühstück ein … Sie hat den Palast bestimmt nicht verlassen … Ihre Gemächer habe ich schon durchsucht … Ich wollte Sir Loringstone anmelden … Auf dem Schreibtisch im Salon liegt ein angefangener Brief …“
Sadik zittert …
Wir alle sind starr …
Harst bleibt kalt … als einziger …
„Sir Loringstone, die ganze Polizei muß auf die Beine gebracht werden …! – Major Effingham, das Militär verteilen! – Vorwärts, meine Herren …!“
4. Kapitel.
Die Krone von Bawalar.
Morton, Sadik und wir beide stehen im Salon vor dem Schreibtisch …
Der Brief ist soeben erst begonnen, ist an den Vater der Prinzessin, den Radscha von Priwar, gerichtet …
Drei Zeilen …
Mitten im Wort hat die Prinzessin zu schreiben aufgehört …
Vom letzten Buchstaben zieht sich ein Tintenstrich quer über das Papier. Der Federhalter liegt auf dem Teppich vor dem Schreibtisch …
Harald nickt …
„Also während des Schreibens überfallen … ganz überraschend – von hinten umklammert – … und betäubt worden …“
Morton flüstert scheu:
„Aber … aber … wo hat man die Prinzessin gelassen?!“
„Suchen wir, Doktor … Sadik und Sie können mal in den unterirdischen Gang hinabsteigen … Schraut und ich werden uns hier genauer umsehen …“
Dann wir beide allein …
Harald setzt sich in den Schreibsessel …
Sein Blick gleitet durch den großen Salon …
Und ich:
„Harald, was bedeuten die Striche auf dem …“
Er schaut mich an – warnend, mahnend …
Und er:
„Du meinst die Striche hier auf dem kostbaren Mosaikboden …“
Er senkt den Kopf …
Ich sehe nichts von Strichen …
Weiß nun aber, daß ich von dem Blatt des Strauches nicht sprechen soll und daß Lauscher in der Nähe sind …
Dann steht Harst auf …
„Also suchen wir …“
Wir finden natürlich nichts … Ich durchstöbere das Schrankzimmer … Harald war eine Weile im Salon geblieben …
Dann kehren Sadik und Morton niedergeschlagen zurück … –
Inzwischen hat die Dienerschaft die übrigen Räume eifrigst durchforscht … All diese Inder hängen an ihrer Herrin. Die Prinzessin ist überall beliebt … –
Harald erscheint mir jetzt etwas nervös …
„Schließen Sie die Salontür ab, Sadik,“ sagt er zu dem Hausmeister. „Überhaupt alle Türen der Gemächer der Prinzessin …“
Sadik ist erstaunt, gehorcht aber schweigend.
Dann nimmt Harald ein Blatt Papier vom Schreibtisch der Prinzessin und zeichnet mit Bleistift einen sechszackigen Stern, dessen rundes Mittelstück ebenfalls einen solchen Stern enthält …
Erklärt nun: „Sehen Sie sich diesen Stern an … Wir müssen hier in den Gemächern der Prinzessin die Teppiche wegräumen und den Holzmosaikfußboden absuchen – nach solch einem Stern …“
Morton und Sadik schauen verständnislos drein.
Nur ich begreife: in der feinen, kaum sichtbaren Zeichnung auf dem Mastixblatt war ein solcher Stern in winzigen Abmessungen zu erkennen gewesen!
„Vorwärts!“ mahnt Harald … „Wir wollen nicht lange zögern … später erkläre ich alles …“
Wir beginnen …
Im Salon – nichts …
Dann links davon das kleine Speisezimmer …
Vor einem kostbaren Glasschrank an der Flurwand liegt ein seidener Gebetteppich …
Ein Zufall, daß gerade ich ihn aufhebe …
Ein Blick auf den Fußboden …
Und – da ist mitten in dem anderen Muster der Stern aus dunklerem Holz. Trotzdem fällt er nicht auf …
Ich rufe …
Wir stehen vor dem Glasschrank … Und Harald wendet sich an Sadik …
„Sie kennen alle Geheimnisse dieses alten Bauwerks, Sadik … Wissen Sie nichts von diesem Stern?“
Der Alte schüttelt den Kopf …
„Nein, Mr. Harst … Ich habe ihn nie beachtet, und auch der Thronfolger …“
Da schweigt er …
Fügt lebhafter hinzu:
„Doch – der Thronfolger muß etwas über diesen Stern gewußt haben … Ich besinne mich jetzt … In der Bibliothek meines ermordeten Herrn befand sich ein altes Buch mit der Familiengeschichte der Radschas von Bawalar … Ich habe dieses Buch häufiger in der Hand gehabt … Und da ist auf einer Seite genau solch ein Stern gezeichnet …“
Harald nickt …
„Gut – wir kommen dem Ziel immer näher …! – Eine andere Frage, Sadik … Bei dem großen indischen Aufstand 1852, – wie verhielt sich der damalige Radscha von Bawalar? Blieb er treu? Hatte er sich den Aufständigen angeschlossen?“
„Mr. Harst, er … wartete ab … Sie haben ja selbst im Schara-Schaka-Berg das Waffenlager gesehen … (Vergleiche hierzu den vorigen Band „Der Geisterberg Schara Schaka“.) Der damalige Radscha war kein Freund der Engländer. Er hielt sich bereit, war jedoch vorsichtig … Er hätte dreitausend Mann bewaffnen können … Zum Glück wartete er ab. Die Anfangserfolge des Aufstandes waren ja nur von kurzer Dauer … Und überraschend rückte hier in Bawalar ein englisches Regiment ein, nachdem durch eine Abteilung von Radschputen aus der Thar-Wüste eine englische Patrouille am Schara Schaka niedergemetzelt war …“
Wieder nickte Harald …
„Sadik, ob damals der Radscha ebenfalls aus Vorsicht einen Teil seiner Schätze irgendwo verborgen haben mag …?“
„So ist es, Mr. Harst … Die Fürsten von Bawalar besaßen eine Krone, die aus Gold und achthundert Diamanten bestand … Diese Krone ist seit dem Herbst 1853 verschwunden … Der damalige Radscha starb plötzlich auf der Jagd. Ein Tiger zerriß ihn … Mein Herr, der Thronfolger, und dessen Vater haben stets vermutet, daß die Krone von Bawalar irgendwo verborgen sein müsse … Nun sind darüber mehr denn siebzig Jahre verstrichen … Die Sache ist in Vergessenheit geraten …“
„Sie irren, Sadik … Diese Krone ist der Mittelpunkt all dessen, was sich jetzt hier abgespielt hat … Helene Worrington, Saßtala, Mahmud, die beiden O’Neils, Longfellow und Jackson haben es auf diese Krone abgesehen gehabt – bestimmt!“
Und er kniete nieder … Betastete das Holzmosaik des Fußbodens – den Stern … Drückte dann mit aller Kraft auf das Mittelstück des Sternes …
Plötzlich glitt ein quadratisches Stück des Fußbodens nach unten, klappte nach unten … – eine kleine Falltür …
Harald schob den Kopf über die dunkle Öffnung, lauschte hinab …
Wir erkannten die Sprossen einer kleinen neuen Leiter …
Dann winkte Harald mir, flüsterte:
„Nur Schraut und ich werden hinabsteigen … – Sollten wir nach einer Stunde nicht zurück sein, Doktor, so telephonieren Sie dem Residenten … Er soll dann in aller Eile den Mohammedanerfriedhof umzingeln lassen und uns folgen … – Sobald wir in den Schacht hinabgestiegen sind, heben Sie die Falltür wieder empor … Hier links ist der Schnappriegel … Alles frisch geölt …“
Er kletterte abwärts, schaltete die Taschenlampe ein.
Ich folgte … Über uns schnappte das Schloß der Falltür zu.
Die Leiter hatte dreißig Sprossen … Der Schacht war sehr eng … Moderduft schlug uns entgegen …
Dann ein nach Westen zu verlaufender gemauerter Gang …
Harald beleuchtet den Boden. In der Staubschicht zahllose Spuren …
Er schaltet die Lampe wieder aus … Flüstert: „Ohne Schuhe, mein Alter …!“
Ich streife die Schnürschuhe ab, binde die Senkel zusammen und werfe die Schuhe über die Schulter.
Um uns her Finsternis und Stille …
Harald geht voran … Ich halte seine linke Hand … bleibe möglichst weit zurück …
Lautlos eilen wir vorwärts … Der Gang senkt sich, behält dieselbe Breite, macht ein paar Biegungen …
Meine Linke streift dauernd über die linke Wand hinweg, während Haralds Rechte die andere Seite auf diese Weise prüft, ob auch nirgends ein anderer Gang abzweigt …
Eine Viertelstunde schleichen wir so unter der Erde dahin …
Dann – macht Harald halt …
Drückt meine Finger …
Raunt mir zu:
„Riechst Du’s?“
Ich … rieche …
Rieche denselben scheußlichen Verwesungsdunst, der uns vorgestern aus dem anderen Schacht entgegenquoll …
Harsts Lampe blitzt auf …
Vor uns feuchtes Mauerwerk … Eine kleine Tür aus Kupferplatten – uralt – grün schillernd …
Harald öffnet sie …
Und – wir prallen zurück …
Dort hinter der Tür eine gemauerte Gruft … Welkes Laub, welkes Gestrüpp … Und – die Leiche Helene Worringtons!
Harst drückt die Tür schnell wieder zu …
5. Kapitel.
Unsere Raketen…
Den Rückweg legen wir bei Licht zurück … Unsere Taschenlampen beleuchten die Wände … Harald sucht nach einer Geheimtür, die vielleicht in eine Abzweigung des Ganges führt …
Ebenso genau achtet er auf die vielfachen Spuren …
Aber diese Fährten bleiben überall in der Mitte des Ganges. –
Als wir im kleinen Speisezimmer wieder erscheinen, sind vierzig Minuten verstrichen …
Wir steigen auf der Leiter empor … – Morton und Sadik begrüßen uns mit strahlenden Gesichtern. Sie haben sich um uns geängstigt.
Harald berichtete: …
„… Also eine Enttäuschung eigentlich,“ meinte er zum Schluß. „Ich hoffte die Prinzessin zu finden, die man hier durch die Falltür weggeschleppt hat, weil diese Verbrecher hoffen, daß Sadukala ihnen das Versteck der Krone von Bawalar angeben könnte … – Der Gang endet in einer alten Gruft des Mohammedanerfriedhofs – in derselben Gruft, in die man die Leiche Helene Worringtons schaffte – man: die beiden O’Neils. – Doktor, Sadik: nichts von dem ausplaudern, was wir hier erlebten – nichts! Wir müssen die Nacht abwarten … Ich bin überzeugt, die Bande steckt irgendwo in der Ruine der Moschee! Wir wollen sie in Sicherheit wiegen … Nur so werden wir die Prinzessin befreien. Man wird ihr kein Leid antun, denn man will ja etwas aus ihr herauspressen, was sie … nicht weiß!“
Dann gingen wir, nachdem der Teppich wieder über den Stern gelegt war, in die Bibliothek des Thronfolgers …
Sadik suchte das in Leder gebundene dicke Buch heraus …
Das Papier war vergilbt … In der Mitte anderes, modernes Papier eingeheftet … Und nur indische Schriftzeichen. – Der Stern befand sich inmitten von Aufzeichnungen, die von dem Großvater des Thronfolgers herrührten …
Doktor Morton las uns die betreffende Stelle vor:
„Ich, Dama Denki, Radscha von Bawalar, habe heute am 3. Oktober 1853 nach europäischer Zeitrechnung in Sicherheit gebracht, was mir gefährdet schien. Ich weiß nicht, was die nächste Zukunft mir bringen wird. Die Engländer sind im Anzug. Der Stern, der in wildbewegten Zeiten schon häufiger meinem Geschlecht geholfen, wird auch das Symbol schützen …“
Dann folgte die Zeichnung des Sternes. Und darunter stand:
„Nun darf ich, Dama Denki, dem Kommenden getrost entgegensehen … Wenn die Zeiten ruhiger geworden, werden diese meine Eintragungen bedeutungslos sein …“
Harald reichte Sadik das Buch zurück …
„Wir sehen nun ziemlich klar,“ meinte er. „Helene Worrington hat diese Aufzeichnungen gelesen, hatte schon vorher davon gehört, daß die Krone von Bawalar verschwunden ist … Sie reimte sich richtig zusammen, daß der Radscha die Krone versteckt hatte. Sie fand Verbündete. Monatelang suchten die Verbrecher … Jetzt wurde ihnen Jacksons Tod irgendwie bekannt, und sie schritten zum äußersten: raubten die Prinzessin! – Einzelheiten bleiben noch aufzuklären. Die Hauptpunkte sind erledigt … Heute nacht wird der Friedhof in aller Stille umzingelt werden …“ –
Bis zum Abend ereignete sich nichts Neues. Die Polizei- und Militärpatrouillen fanden keine Spur der Gesuchten.
Abends neun Uhr hatten wir dann mit Sir Loringstone eine geheime Unterredung. Harst teilte dem Residenten jetzt alles mit.
Um zehn war der von Wald und Buschwerk umgebene Friedhof eingekreist. Der Resident hatte nur ausgewählte Leute ins Vertrauen gezogen. Im Palast bewachten Morton, Sadik und drei Diener die Falltür im kleinen Speisezimmer.
Harald und ich waren noch bevor die Sterne am Nachthimmel erschienen, durch eine Seitenpforte auf den Friedhof gelangt und hatten uns im Gebüsch unweit jener Gruft mit der großen Steinplatte verborgen …
Es wurde elf Uhr … wurde halb zwölf … Rechts von uns lag die Ruine der Moschee mit dem schlanken Minarett …
Und vor uns im Grase lagen zwei der Raketen, die wir in Multan gekauft hatten …
Die Sträucher und Bäume ringsum rauschten leise …
Nachtgetier meldete sich …
Es war eine harte Geduldsprobe …
Dann – soeben war der Mond aufgegangen, von der Moschee her ein gleitender Schatten …
Jetzt trat der Mann in den Mondschein hinaus …
Mahmud, der Wäscher …!!
Er war offenbar als Späher vorausgeschickt worden …
Kroch vorwärts …
Umrundete das Grab … kam rechts an uns vorüber …
Kehrte um – verschwand …
Und dann erschien Saßtala, O’Neil der Ältere, als Inder verkleidet, und Longfellow, der gleichfalls als Eingeborener maskiert war … Sie verteilten sich als Wachen um das Grab … wurden wieder unsichtbar …
Mahmud aber und Patrick O’Neil, der trotz Bart und Kulitracht durch seine Größe zu erkennen war, eilten auf die Grabplatte zu, trugen … die gefesselte Prinzessin …
Harald blies jetzt die bereits schwelende Lunte an …
Ich legte die Raketen vor uns auf einen Ast …
Und gerade als die beiden die Platte gelüftet und die Prinzessin wieder emporgehoben hatten, sprühte die erste Rakete auf und fuhr zischend in die Luft …
Die zweite folgte …
Harst war mit wenigen Sätzen bis zum Grabe … Seine Clement drohte … Rote Leuchtkugeln bestrahlten das abenteuerliche Bild …
Im Nu waren die Beamten zur Stelle … Im Gebüsch zwei Schüsse – ein gellender Schrei … Der Polizeichef und Longfellow hatten es vorgezogen, freiwillig aus dem Leben zu scheiden …
Patrick, Mahmud und Saßtala wurden nach dem Polizeigefängnis gebracht. Der Resident geleitete die völlig erschöpfte Prinzessin zum Palast … Die Unmenschen hatten sie neben die Leiche Helene Worringtons legen wollen, um sie so zu zwingen, vor Grauen das Versteck der Krone von Bawalar anzugeben. Unter Doktor Mortons treuer Pflege erholte die Ärmste sich schnell. –
Inzwischen hatte Patrick O’Neil, um zu retten, was noch zu retten war, als Kronzeuge folgendes zu Protokoll gegeben:
Helene Worrington, eine Schwester des angeblichen Jackson, hatte diesem nach England brieflich mitgeteilt, was sie aus dem alten Familienbuch herausgelesen hatte. Jacques Worrington, mit Longfellow und dem alten O’Neil befreundet, hatte diese ins Vertrauen gezogen. Da die Krone einen Wert von vielen Millionen haben mußte, hatte selbst Professor Longfellow der Versuchung nicht widerstehen können, sich an dem Komplott zu beteiligen. Patrick, der bereits Saßtala zu seiner Geliebten gemacht hatte, weihte auch diese und Mahmud ein. Man suchte fast jede Nacht in dem unterirdischen Gang, auf dem Friedhof und in der Moscheeruine. Die Raketen sollten Jackson-Worrington auf seiner Plantage lediglich davon Kenntnis geben, daß man bisher in Bawalar keinen Erfolg erzielt habe. – Saßtala war’s, die während einer Eifersuchtsszene Helene Worrington ermordete … Die Erzieherin hatte verlangt, daß Patrick sie heirate, falls man die Krone finde. – Das Schlangenattentat gegen uns war von den Verbrechern vorher genau beraten worden. Man hoffte, wir würden dadurch zum mindesten zu schleuniger Abreise veranlaßt werden. – –
Kein Wunder, daß die indischen Zeitungen damals die Vorgänge in Bawalar in aller Ausführlichkeit behandelten …
Kein Wunder, daß jetzt auch wir nach der kostbaren Krone drei Tage fast ununterbrochen suchten …
Wir fanden nichts …
Harald gab die Sache schließlich auf. – –
Daß die Krone trotzdem schließlich ans Tageslicht kam und wie dies geschah, werde ich im folgenden Band meinen Freunden und Lesern erzählen …
Nächster Band:
Anmerkungen:
(1) Im Original heisst es„ auszusprengen“ – in „auszusprechen“ geändert
(2) Definition „umflorter Blick“ – beschreibt einen Blick, der verschleiert, getrübt oder mit einem Schleier umgeben ist.