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Ein geheimnisvoller Auftrag

 

Nic Pratt

Amerikas Meisterdetektiv

 

Heft 22:

 

Ein geheimnisvoller Auftrag.

 

Nachdruck verboten. – Alle Rechte, einschl. das Verfilmungsrecht, vorbehalten. – Copyright 1922

by Verlag moderner Lektüre G. m. b. H., Berlin.

 

Nic Pratt, Amerikas Meisterdetektiv.

Zu beziehen durch alle Buch- und Schreibwarenhandlungen, sowie vom
Verlag moderner Lektüre G. m. b. H., Berlin SO 26 Elisabeth-Ufer 44.
Druck: P. Lehmann G. m. b. H., Berlin

 

 

1. Kapitel.
Die Schatulle.

Am 28. Oktober morgens erhielt der berühmteste Detektiv der Riesenstadt Neuyork mit der Post folgenden mit Maschine geschriebenen Brief:

„Mr. Pratt! ‒ sie werden Ihre Hilfe einer Unglücklichen nicht verzagen. Mein Lebensglück steht auf dem Spiel ‒ mehr noch ‒ mein Leben selbst! Denn ohne meines Gatten Achtung und Liebe kann und will ich dieses Dasein nicht fortführen. Wer ich bin, muß auch Ihnen geheim bleiben. Ich flehe Sie an: Kommen Sie heute abend zu dem Maskenfest im Carlton-Hotel. Wählen Sie das Kostüm eines Mönches und befestigen Sie daran vor der Brust als besonderes Kennzeichen ein Buchsbaumsträußchen. Mein Gatte ist bereits argwöhnisch, und nur auf dem Maskenfest kann ich mich Ihnen anvertrauen. ‒ Sie werden mich nicht im Stiche lassen! Bedenken Sie, daß ich ein armes, schwaches Weib bin, daß jetzt für eine Jugendtorheit bitter büßen soll. ‒ E. W.“

Pratt legte den Brief beiseite und rief seine Haushälterin ins Zimmer.

„Frau Allison, Sie müssen mir für heute abend eine Mönchskutte, Sandalen und einen derben Spazierstock besorgen, außerdem ein Buchsbaumsträußchen. ‒ Lesen Sie mal diesen Brief ‒“

Er reichte seiner Vertrauten das Schreiben und fügte hinzu: „Was halten Sie von dem Brief?“

Mutter Allison besaß ein weiches Herz.

„Oh ‒ die arme Frau wird fraglos von Erpressern heimgesucht,“ meinte sie mitleidig. „Es ist recht von Ihnen, Mr. Patt, das Sie ihr helfen wollen. ‒ Wer die Frau wohl sein mag?“

„Sicherlich ist sie reich,“ erklärte Pratt, dessen schmales geistvolles Gesicht halb in die dicken Wolken seiner kurzen Pfeife eingehüllt war. „Erpresser machen sich an arme Leute nicht heran. Außerdem ist dieses Briefpapier das teuerste, das es zur Zeit gibt, und der zarte Parfümduft dieses Papiers verrät weiter, daß die betreffende Dame das ebenso seltene wie kostbare japanische Parfüm Atokatsa benutzt.“

Frau Allison nickte.

„Ja, ja ‒ sie wird wohl reich sein, die Ärmste. Und auch schön. ‒ Hm ‒ um was wird sie Sie wohl bitten, Mr. Pratt?“

Nic Pratt lächelte. „Sie sind sehr anspruchsvoll, Mutter Allison. Wie soll ich das wohl wissen?! Vielleicht hat sie als junges Ding eine Liebschaft gehabt, und dieser Liebhaber droht nun vielleicht, dem Gatten alles zu verraten.“

Frau Allison seufzte. „Ach Gott ‒ wenn Sie ihr doch nur helfen könnten! Sonst nimmt sie vielleicht Gift aus Verzweiflung!“

„So schlimm wird es nicht gleich werden!“ lächelte Pratt. „Nun bringen Sie mir aber den Morgenkaffee, Mutter Allison ‒ ‒“

Um halb zehn abends betrat ein dicker Mönch, der ein Buchsbaumsträußchen an der Kutte trug, die Festsäle des vornehmen Carlton-Hotels, wo heute die oberen Zehntausend von Neuyork zu wohltätigem Zweck sich in den prachtvollsten Maskenkostümen zusammengefunden hatten.

Der Mönch, der keine Seidenmaske vor dem Gesicht trug, sondern sich nur durch eine weise Perücke, einen weisen Bart und Schminke unkenntlich gemacht, außerdem auf der Nase eine riesige Hornbrille sitzen hatte wanderte mit seinem dicken Krückstock würdevoll durch die Säle und setzte sich schließlich in einen Korbsessel vor eine künstliche Laube, beobachtete das Maskentreiben und ‒ wartete auf die Unbekannte, die ihn hierher bestellt hatte.

Er brauchte nicht lange zu warten. Eine schlanke, blonde Frau in der Tracht einer Türkin näherte sich ihm und flüsterte dann:

„Ich danken Ihnen, Mr. Pratt, das Sie gekommen sind. Von ganzem Herzen danke ich Ihnen ‒ Folgen Sie mir nach einer Weile.“

Sie betrat die Laube und setzte sich so, daß sie vom Saale aus nicht gesehen werden konnte.

Pratt erhob sich jetzt gleichfalls und saß dann der blonden Türkin gegenüber, die sofort begann:

„Mr. Pratt, ich darf nicht lange hier bleiben. Mein Gatte würde mich sofort suchen. ‒ Hören Sie meine traurige Geschichte. Ich bin sehr jung Waise geworden und wurde bei Verwandten erzogen. Als ich siebzehn war, machte mir ein Mann den Hof, der heute zu den heuchlerischsten und verworfensten Menschen zu rechnen ist. Ich verlobte mich heimlich mit ihm und schrieb ihm in dem Glauben, ihn zu lieben, sehr zärtliche Briefe, schenkte ihm auch mein Bild in einem schweren Bronzerahmen und eine Haarlocke in einem goldenen Medaillon neben anderen Kleinigkeiten. Nach einem halben Jahre aber war es plötzlich mit dem heimlichen Liebestraum aus: der Elende hatte erfahren, daß mein Vermögen nicht so groß sei, wie er erwartet hatte, und erklärte mir kaltblütig, ich sei ihm gleichgültig geworden. Wir gingen also auseinander. Leider vergaß ich, meine Briefe und die Geschenke zurückzufordern. Ein Jahr darauf lernte ich meinen jetzigen Gatten kennen und lieben ‒“

Sie schluchzte leise, beruhigte sich wieder und fuhr fort.

„Ja ‒ nun erst wußte ich, was wahre Liebe ist, Mr. Pratt! Nun erst war ich wirklich glücklich. Wir heirateten sehr bald, und unsere Ehe war wie ewiger Sonnenschein. Ein Kind, ein süßes Mädelchen, erhöhte noch unser Glück. Da ‒ vor vier Wochen ‒ traf ich jenen Elenden wieder, der seiner Zeit nur auf mein Geld spekuliert hatte. Ich traf ihn, als ich im Zentralpark spazieren ging. Er sprach mich an, erzählte mir, daß es recht schlecht mit ihm stände, daß er nur nach außen hin noch als wohlhabender Mann auftrete und das ich ihm doch aus alter Freundschaft als nunmehrige Gattin eines vielfachen Millionärs zwanzigtausend Dollar leihen möchte. Er bettelte so inständig, das ich mich leider ‒ leider erweichen ließ und ihm einen Scheck ausfüllte ‒“

Wieder weinte sie leise in sich hinein.

Pratt wollte ihr jetzt diese Beichte erleichtern und sagte mitfühlend:

„Der Mann erpreßte dann immer größere Summen, indem er Ihnen drohte, Ihrem Gatten Ihre Briefe vorzulegen ‒“

„Ja ‒ ja! ‒ Nicht nur die Briefe ‒ auch das Bild mit meiner Widmung und das Medaillon mit meiner Haarlocke! ‒ Mr. Pratt ‒ mein Vermögen habe ich diesem Elenden bereits geopfert ‒ volle dreimalhunderttausend Dollar! Ich kann ja nicht gegen ihn vorgehen, so lange er noch die Briefe und die Geschenke besitzt. Meinem Gatten habe ich nie etwas von dieser heimlichen Verlobung erzählt. Er ist sehr eifersüchtig, und er würde ‒“

Pratt unterbrach sie zart.

„Wie kann ich Ihnen helfen?“

„Nur dadurch, daß Sie mir die Schatulle verschaffen, in der dieser Schurke die Briefe und alles übrige verwahrt hält!“

„Ich verstehe: ich soll die Schatulle ‒ stehlen! ‒ Das ist ein recht gefährlicher Auftrag!“

„Freilich ‒ gefährlich für jeden andern, nicht aber für einen Mann wie Sie! ‒ Ich weiß, das der Rechtsanwalt John Brocby die Schatulle in seinem Schlafzimmer verborgen hat. ‒ Ah ‒ nun ist mir bereits halb wider Willen sein Name entfahren, Mr. Patt ‒“

„Das schadet nichts. Sie hätten mir den Namen ja doch nennen müssen. Übrigens habe ich bereits mancherlei über Brocby gehört ‒ nicht viel Gutes: ein Schürzenjäger, ein Spieler! Aber ‒ er soll doch seht reich sein.“

„Soll ‒ soll! Nichts besitzt er, nichts! Würde er sonst so schändlich an mir gehandelt haben?! – Mr. Pratt ‒ ich habe vor ihm auf den Knien gelegen, ich habe ihn unter heißen Tränen angefleht, mich zu schonen, habe ihn an mein Kind erinnert, dem er die Mutter rauben würde, wenn er darauf bestände, daß ich ihm bis übermorgen fünfzigtausend Dollar beschaffen soll! Woher soll ich das Geld nehmen ‒ woher?! O mein Gott, ich bin ja bereits dem Wahnsinn nahe vor Angst!“

Pratt legte seine Hand begütigend auf den Arm der vor Erregung Zitternden.

„Können Sie mir John Brocbys Wohnuung beschreiben? Hält er Dienstboten, einen Hund?“

Da umklammerte die blonde Frau Pratts Hand.

„Wie ‒ Sie wollen mir also wirklich helfen?!“

„Ich will!“

„Und Sie hoffen, Erfolg zu haben?“

„Ja. ‒ Nun beantworten Sie meine Fragen bitte ‒“

„Brocby bewohnt in der Gladystraße Nr. 19 im Vorderhause im ersten Stock drei Zimmer. Das Haus ist alt, hat keinen Pförtner. Brocby hält sich keine feste Bedienung, hat auch keinen Hund. Er ist heute ebenfalls hier auf dem Maskenfest. Ich sollte ihm hier Bescheid geben, ob ich das Geld besorgen würde. Er trägt das Kostüm eines Indianerhäuptlings ‒“

Sie hatte Pratts Hand noch immer in ihren heißen zuckenden Händen. Durch die Augenlöcher ihrer Seidenmaske schimmerten die dunklen, tränenfeuchten Pupillen mitleiderregend und flehend wie die eines armen gehetzten Rehs.

Nic Pratt fragte nach kurzer Pause:

„Wie sieht die Schatulle aus? Wie groß ist sie?“

„Es ist ein mit Leder überzogener Blechkasten von etwa dreißig Zentimeter Länge, zwanzig Zentimeter Breite und acht Zentimeter Höhe. Oben befindet sich ein beweglicher Messinggriff. Die Schatulle hat ein kompliziertes Kunstschloß.“

„Und was soll mit ihr geschehen?“

Die blonde Frau überlegte.

„Bitte ‒ nehmen Sie sie bis morgen in Gewahrsam, Mr. Pratt. Oder so lange, bis ich Gelegenheit habe, sie von Ihnen abzuholen.“

„Gut. ‒ Gehen Sie jetzt. Ich will mein Bestes tun, Ihnen zu helfen. Ich werde sofort den Auftrag erledigen. Wie lange bleiben Sie hier auf dem Fest?“

„Mindestens wohl bis ein Uhr morgens, Mr. Pratt.“

„Dann werde ich hierher zurückkehren. Ist die Sache geglückt, trage ich das Buchsbaumsträußchen an der rechten Brustseite.“

Die Frau preßte nochmals in inniger Dankbarkeit Pratts Hände und hauchte tief bewegt:

„Sie retten meinem Kinde die Mutter!“

Dann verließ Sie die Laube und verschwand schnell im Maskengewühl.

 

2. Kapitel.
Pratt als Dieb.

Nic Pratt hatte in seinem reichbewegten Leben schon zu viel abgefeimte Heuchelei kennengelernt, um sich durch Tränen und flehende Blicke täuschen zu lassen. Er hätte daher auch niemals den ebenso gefährlichen wie geheimnisvollen Auftrag der Unbekannten übernommen, wenn ihm nicht sein Gefühl gesagt hätte, daß er es hier wirklich mit einer Dame der besten Gesellschaft und einer völlig Verzweifelten zu tun hatte. Außerdem kannte er ja auch den recht zweifelhaften Ruf des Rechtsanwalts John Brocby, von dem ebenso viel Skandalgeschichten die Runde machten wie man anderseits seine Fähigkeiten rühmte.

Pratt schritt jetzt, in einen langen Mantel gehüllt und einen Schlapphut tief ins Gesicht gedrückt, die Reihe der vor dem Carlton-Hotel aufgefahrenen Taxameterautos entlang und suchte einen Chauffeur, den er bereits kannte und der zuverlässig war. Er hatte unter den Chauffenren seine bestimmten Freunde, denen er häufig genug etwas zu verdienen gab.

Das vorletzte Auto war denn auch eins der gesuchten. Der dicke Chauffeur mit dem verschmitzten Clowngesicht schaute Pratt lange an, als dieser ihm kurz das Fahrziel nannte. Pratt trug noch die weiße Perücke und den weisen Bart, ebenso die Hornbrille und glich jetzt in Schlapphut und Mantel einem alten Künstler.

„Ihre Stimme kommt mir so bekannt vor, Master,“ meinte der Chauffeur nun, indem er die Tür des Kraftwagens öffnete.

„Pratt!“ flüsterte der Detektiv nur und stieg ein.

Der Chauffeur schmunzelte. Er wußte: heut gab es ein gutes Trinkgeld. ‒

Die Gladystraße gehört zu den ältesten Gassen am Zentralpark. Sie ist mit ihren bescheidenen Häuschen noch ein romantisches Überbleibsel aus alter Zeit.“

Das Auto hielt vor Nr. 19. Pratt sprang heraus und trat an den Chauffeur heran. Er hatte jetzt Mantel, Perücke, Mönchskutte und alles andere abgelegt und war in dem Anzug, den er unter der Kutte getragen hatte. Die tief ausgeschnittene Weste gab das blendend zarte Oberhemd frei, in dem zwei Perlen als Knöpfe matt schimmerten. Die Seidenaufschläge des Smokingjacketts glänzten mit den Laschuhen um die Wette. Ein dunkler Spitzbart, eine dunkle Scheitelperücke und ein Monokel hatten Pratts Gesicht derart verändert, das der Chauffeur kopfschüttelnd brummte: „Die reinste Hexerei ist‘s, Mr. Pratt, die Sie da im Wagen fertiggebracht haben.“

Pratt hielt den Schlapphut zusammengeknüllt unter dem Arm und sagte:

„Monlay, Sie fahren jetzt fünf Häuser weiter, halten dort, lassen den Motor aber weiter leer laufen und geben sofort Vollgas, wenn ich in den Wagen springe.“

„Wird gemacht ‒ wird gemacht, Mr. Pratt,“ nickte Monlay. „Wir beide haben doch schon öfters zusammengearbeitet.“

„Allerdings. ‒ sollten wir verfolgt werden, so bringen sie mich nach der Bloornstraße Nr. 16.“

„Sie können sich auf mich verlassen, Mr. Pratt. Selbst der Teufel soll uns nicht einholen.“

Pratt wandte sich um und schritt auf die Haustür von Nr. 19 zu. Er hielt den Patentdietrich schon bereit, schloß auf, trat ein und schloß wieder ab.

Dann schaltete er seinen Leuchtstab ein und ging durch den Hausflur festen Schrittes der Treppe zu, stieg sie empor und schaute sich nun auf dem Treppenabsatz des ersten Stockwerks um.

Drei Flurtüren gab es hier. An der linken hing Brocbys Schild.

Pratt besichtigte die Tür. Sie hatte zwei Sicherheitsschlösser, amerikanisches Patent. Da war mit dem Dietrich nichts auszurichten.

Pratt schaltete den Leuchtstab aus und horchte.

Im Hause war es völlig ruhig. Nur ganz oben spielte jemand Klavier.

Pratt öffnete jetzt das Flurfenster, das nach dem Hofe hinausging, und prüfte draußen die Hauswand. Da war gleichrechter Hand ein Fenstersims. Der geschmeidige Detektiv schwang sich hinaus, zog das Fenster zu und wagte ohne Besinnen den langen Schritt bis zu dem Sims.

Dieses einflügelige Fenster mußte zu des Advokaten Wohnung gehören. Pratt horchte wieder, drückte dann den Schlapphut gegen die obere Scheibe und schlug mit der flachen Rechten auf den Hut. Splitternd fiel das Glas nach innen. Pratt langte hindurch, öffnete den Riegel und kletterte hinein, “

Er blieb auf dem Fensterbrett noch eine Weile stehen und lauschte.

Alles blieb still. Das Klirren war nicht gehört worden.

Der Leuchtstab blitzte auf.

Ein Badezimmer mit Kachelwanne war‘s, in dem Pratt sich befand.

Dann schlüpfe er in den Wohnungsflur, durchschlich die beiden Vorderzimmer, bewunderte die ebenso kostbare wie geschmackvolle Einrichtung und betrat nun das Schlafzimmer, zog die Fenstervorhänge zu und schaltete die Deckenlampe ein.

Dieses Schlafgemach verriet in seiner Einrichtung nur zu deutlich John Brocbys Neigungen. Das Bett mit den seidenen Bezügen, die Bilder an der Wand, der süßliche Parfümgeruch und der mit Fläschchen und Büchschen dicht bestellte Frisiertisch ‒ alles deutete auf den verwöhnten Liebling schöner und wenig tugendsamer Frauen hin. ‒

Pratt riegelte die Tür ab und begann die Schatulle zu suchen.

Er suchte mit jenem durchdachten Zielbewußtsein, das ein Detektiv sich sehr bald aneignet.

Aber eine Stunde verstrich, und doch hatte er die Schatulle noch nicht gefunden.

Ungeduldig und leicht nervös geworden, stand er jetzt in der Mitte des großen Raumes und ließ nochmals seine Augen von Gegenstand zu Gegenstand gleiten. Das Bett hatte er durchwühlt, die Schränke, ‒ den Fußboden hatte er geprüft; die Wände, den Ofen ‒ nur die Zimmerdecke noch nicht.

Und seine Blicke hingen nun unverwandt an der Stuckrosette in der Mitte der Decke.

Dann schlich er hinaus in die Küche, fand hier auch eine Trittleiter und stellte sie unter die Rosette dicht an das Bett, stieg nach oben und untersuchte die Rosette.

Sie hatte gut ein Meter Durchmesser.

Pratt lächelte zufrieden. Er sah, daß durch die Rosette sich ein feiner Riß im Bogen hindurchzog und das hier am Rande der Rosette ein krummer weißlackierter Nagel saß. Als er den Nagel etwas drehte, klappte ein kreisförmiges Stück der Gipsrosette langsam herab.

Pratt leuchtete jetzt in die Höhlung über der Rosette hinein und ‒ zog dann die Schatulle heraus.

Nachdem er die Rosette wieder in Ordnung gebracht hatte, trug er die Leiter in die Küche zurück.

Da ‒ von der Treppe her Stimmen ‒ Schritte.

Pratt stand im Flur, im Dunkeln, lauschte.

Jetzt wurde ein Schlüssel in das Schloß gesteckt.

Pratt eilte ins Schlafzimmer, schaltete das Licht aus, nahm die Schatulle und wollte im Badezimmer verschwinden.

Zu spät.

Die Flurtür ging auf.

Mit einem Satz war er wieder im Schlafzimmer, drückte die Tür lautlos zu und stellte sich hinter die Portieren des einen Fensters, indem er gleichzeitig die Fensterriegel öffnete, um sofort durch das Fenster weiterflüchten zu können.

Nun betraten auch bereits mehrere Personen das Zimmer.

Eine tiefe Stimme sagte:

„Legen sie ihn hier auf den Diwan ‒“

Dann eine andere Stimme:

„Er hätte sich lieber in ein Krankenhaus bringen
lassen sollen ‒“

Pratt schob die Portiere etwas beiseite.

Zwei Polizeibeamte hatten einen Mann, der in ein phantastisches Indianerkostüm gekleidet war, soeben auf den Diwan gebettet. Ein dritter Beamter stand an der Tür, und ein älterer Herr, offenbar ein Arzt, sagte nun wieder:

„Helfen sie mir, ihn zu entkleiden ‒“ ‒

Pratt konnte dann aus den Reden der vier entnehmen, das Brocby in einer Loge eines der Festsäle des Carlton‒Hotels mit einer Stichwunde dicht über dem Herzen vor einer halben Stunde aufgefunden und auf seinen Wunsch nach Hause geschafft worden war.

Ein glücklicher Zufall fügte es jetzt, daß die Beamten und der Arzt für kurze Zeit in die Küche gingen. Pratt benutzte diese Gelegenheit und schwang sich rasch zum Fenster hinaus, drückte den Fensterflügel wieder zu, gewann mit langem Schritt das Sims der Badestube und weiter das des Flurfensters.

Die Schatulle unter den Arm geklemmt schlich er hastig die Treppe hinab, schloß die Haustür auf und lief nach rechts dem Auto zu.

„Los!“ befahl er dem Chauffeur im Hineinspringen, ‒ und wurde auch schon im gleichen Moment wieder hinausgestoßen, während man ihm die Schatulle entriß.

Undeutlich erkannte er noch zwei Männer, die sich im Innern des Kraftwagens befanden.

Er schlug hart auf die Steinplatten des Bürgersteiges auf, schnellte wieder hoch und jagte dem davongleitenden Auto nach.

Viel fehlte nicht, und er hätte es auch eingeholt, da das Auto immerhin einige Zeit brauchte, bevor es seine Hauptgeschwindigkeit erreicht hatte und da Nic Pratt anderseits Sprünge machte, die jeden Windhund geehrt hätten.

Schon streckte er die Hand nach dem Drücker der rechten Tür aus, als diese mit aller Gewalt aufgeschleudert wurde und Pratts Hand beiseite schlug.

Gleichzeitig flog ihm ein Kleiderbündel über den Kopf.

Mönchskutte, der lange Mantel hingen ihm hindernd vor den Füßen. Er stolperte, schlug abermals lang hin.

Vor Ingrimm suchte er sich blindlings von den ihn blendenden Kleidungsstücken zu befreien, hatte endlich den Kopf frei und ‒ starrte verblüfft in das nicht minder erstaunte Gesicht seines Freundes Stuart Grablay.

Detektivinspektor Grablay lachte dann laut auf.

„Teufel, Nic, ‒ was machen Sie denn hier?!“ rief er und half Pratt auf die Beine.

Pratt war keineswegs in der Laune, Grablays Heiterkeit angenehm zu empfinden.

Wortlos raffte er die Kutte, den Mantel und seinen Hut auf und sagte kurz:

„Welche Richtung schlug das Auto ein?“

„Auto?! Ich sehe nur eins, Nic, und das hält dort an der Bordschwelle.“

Pratt begann zu laufen.

Nun stand er neben dem Auto.

Ja ‒ es war dasselbe Taxameterauto! ‒ Aber ‒ der Chauffeursitz war leer.

Da riß Pratt die Tür auf:

Innen im Wagen lehnte in einer Ecke der betäubte Monlay. ‒ Später stellte sich heraus, daß zwei gut gekleidete Männer an das wartende Auto herangetreten waren, Monlay in ein Gespräch verwickelt und dann blitzschnell überwältigt und mit Chloroform betäubt hatten. ‒

Grablay war Pratt gefolgt.

„Nic, was geht hier eigentlich vor?“ fragte er unwillig. „Sie sind ja gereizt wie ein ‒“

„Mit Recht!“ fiel Pratt ihm ins Wort.

Im Fluge erzählte er dem Inspektor dann sein heutiges Abenteuer und sagte zum Schluß mit unheimlicher Ruhe:

„Die blonde Türkin hat mich also hineingelegt, Grablay. Sie war mit den beiden Kerlen, die mir die Schatulle raubten, im Bunde. Sie hat mir sehr fein einen Bären aufgebunden, hat auf mein Mitgefühl spekuliert und alles so raffiniert angefangen, daß ich für sie bereitwilligst den Einbrecher spielte. Natürlich hat die Schatulle ganz andere Dinge als Liebesbriefe und ein Bild mit Bronzerahmen enthalten! Sie war recht schwer. ‒ Ich bin das Opfer einer Gaunerbande geworden, die Brocby bestehlen wollte und mich ‒ mich, Nic Pratt, dann als Dieb hinschickte! Begreifen Sie, Grablay, was mir widerfahren ist?!“

Pratt hatte sich in eine gewaltige Erregung hineingeredet, die sich mit jedem Wort gesteigert hatte, denn immer klarer sah er jetzt, wie unglaublich schlau diese Leute es angefangen hatten, ihn als Dieb zu benutzen, und welche unangenehmen Folgen dieses Erlebnis für ihn haben mußte.

Nach kurzer Pause fuhr er fort:

„Ich bin auch überzeugt, daß der Mordanschlag auf John Brocby gleichfalls mit dieser Sache zusammmenhängt! Ganz fest bin ich davon überzeugt.“

Grablay nickte. „Ich war auf dem Wege zu Brocby. Wollen sie mitkommen?“

„Nein, Stuart. Ich muß ins Carlton zurück. Aber ich werde mich im Hausflur Brocbys wieder in den Mönch verwandeln, falls meine Requisiten noch in den Manteltaschen stecken.“

Er befühlte die Taschen. „Ja ‒ sie sind noch da. ‒ Gehen wir.“

Sie schritten zurück nach Nr. 19. Ein des Weges kommender Polizeibeamter wurde von Grablay angewiesen, bei dem Chauffeur Monlay zu bleiben, der bereits Zeichen des zurückkehrenden Bewußtseins gab.

„Hoffen Sie etwa die blonde Türkin noch im Carlton anzutreffen, Nic?“ fragte der Inspektor, als Pratt mit dem Patentdietrich die Haustür öffnete.

„Vielleicht,“ erwiderte Pratt. „Ich gebe ja zu, daß ich dies kaum zu hoffen wage. Aber ‒ es muß versucht werden. Vielleicht hat die Frau mit ihren beiden Verbündeten verabredet, daß diese ihr ins Carlton Nachricht bringen sollten, ob der Streich geglückt ist. Vielleicht komme ich den Männern dort zuvor, wenn ich mich sehr beeile. Das Weib wird ja, falls es ihren Helfershelfern nicht gelungen sein sollte mir die Schatulle zu rauben, oder falls ich diese nicht gefunden hätte, mit mir in Verbindung bleiben wollen, um mich weiter für ihre Pläne ausnutzen zu können.“

Sie standen jetzt im Hausflur. Grablay half Pratt, rasch die Maske des Mönchs wieder anzulegen. Das nahm nur wenige Minuten in Anspruch.

„Sobald Sie Brocby vernommen haben, folgen Sie mir ins Carlton,“ sagte Pratt beim Abschied und verließ den Hausflur. An der nächsten Straßenkreuzung traf er ein leeres Auto und fuhr nach dem Hotel.

 

3. Kapitel.
Die arme Frau Lincoln.

Als er die Festsäle nun zum zweiten Mal am heutigen Abend betrat, war es kurz vor halb zwölf.

Er hatte sich das Buchsbaumsträußchen an die linke Brustseite der Kutte angesteckt. Dies war das Zeichen für die Blonde: der Diebstahl ist mißlungen!

Mit unauffällig spähenden Blicken wanderte er umher. Seinen geübten Augen war es ein Leichtes, diese Menschenmenge prüfend zu mustern und eine bestimmte Person herauszufinden. Außerdem war die blonde Türkin auch eine Erscheinung, die man kaum übersehen konnte.

Umsonst durchquerte er jedoch zweimal die Festsäle, schaute umsonst in jede Laube hinein.

Nun blieben nur noch die Nebenräume übrig, die Weinzimmer und der Palmengarten.

Und ‒ hier hatte er Glück, hier bemerkte er sehr bald das blonde Weib. Sie saß mit einer größeren Gesellschaft anderer Masken an einer langen Tafel. sie löste gerade mit den zierlichen Händen mit Hilfe des Austernmessers eine Auster aus der Schale, träufelte jetzt etwas Zitronensaft auf das Muscheltier und wandte dann wie zufällig den Kopf nach links.

Ihr Blick fiel auf den Mönch, der langsam an dem Tische vorüberschritt.

Da legte sie die Auster rasch auf den Teller zurück und machte eine unauffällige Handbewegung nach der nahen Flügeltür des Palmengartens hin.

Pratt verstand: er sollte sie dort erwarten!

Aber ‒ Pratt war keineswegs erfreut darüber, daß er sie nun wirklich hier noch angetroffen hatte.

Das Weib war eine Verbrecherin. Wie kam sie dort in den großen Kreis von Damen und Herren?! Hier bei diesem Wohltätigkeitsfest hatten sich nur die ersten Neuyorker Kreise ein Stelldichein gegeben. Da konnten sich wohl einzelne zweifelhafte Elemente mit eindrängen. Aber wie hatte diese blonde Frau so schnell Anschluß gefunden, wo die hiesige Geldaristokratie Fremden gegenüber doch so sehr zurückhaltend war und wo selbst auf einem Maskenfest Bekannte sich schnell gegenseitig zu erkennen gaben und ihre bestimmten Zirkel bildeten?!

Mit einem gewissen Gefühl des Unbehagens betrat Pratt daher die große Palmenhalle.

Die feuchtwarme Luft, das gedämpfte Licht, das Plätschern der Springbrunnen und das Kreischen der auf ihren Stangen hockenden Papageien, die den Eindruck eines tropischen Palmenhains noch verstärken sollten, wirkten auf ihn noch niederdrückender.

Die Bambusbänke und Korbsessel waren fast sämtlich besetzt. Und doch entdeckte er noch in einer Ecke eine leere Bank.

Nun saß er voller Erwartung da und rief sich nochmals alle Einzelheiten dieses Abends ins Gedächtnis zurück. Er wollte feststellen, ob er nicht vielleicht doch zu einer anderen Beurteilung dieses Abenteuers käme.

Etwas, das sah er jetzt ein, paßte in dem raffinierten Streich dieser Frau nicht hinein: der Mordanschlag auf den Rechtsanwalt!

Wenn Brocby wirklich von diesen drei Leuten überfallen, also von einem der drei in der Loge meuchlings niedergestoßen worden war, wie durfte diese Frau es dann noch wagen, hier in den Festsälen zu bleiben, da sie doch befürchten müßte, Pratt könnte von dem Attentat gehört und so ihre Person damit in Zusammenhang gebracht haben?!

Zu weiterem Grübeln blieb ihm keine Zeit.

Die blonde Türkin kam eilends den Kiesweg entlang.

Pratt stutzte.

Das war nicht dieselbe Stimme! Die Frau hatte freilich dasselbe prachtvolle Blondhaar wie die geheimnisvolle Auftraggeberin, aber ‒ es war nicht dieselbe Person. Die Stimme hatte eine ganz andere Klangfarbe, war heller, jugendlicher.

Pratt hütete sich, irgendwie zu verraten, was in ihm vorging.

„Ich danke Ihnen, Mr. Pratt,“ flüsterte die Blonde weiter. „Sie haben sehr lange auf sich warten lassen. Trotzdem freue ich mich, das sie Überhaupt noch gekommen sind!“

Pratt deutete auf die Bambusbank.

„Nehmen wir Platz, Mistreß ‒“

Sie nickte und setzte sich.

Pratt sah nun auch, daß ihr Kostüm bis in die kleinste Einzelheit dem der anderen glich.

Er saß neben ihr, und blitzschnell kam ihm die Frage: „Was werde ich nun wohl hören?!“

„Sie haben meinen Brief also erhalten, Mr. Pratt,“ begann die Blonde dann, und ihre Stimme vibrierte leicht vor Erregung.

Diese eine Bemerkung der Frau genügte dem Detektiv: hier lag eine schändliche Intrige vor, hier hatte ein anderes Weib, das von den Seelennöten der Briefschreiberin sich irgendwie Kenntnis verschafft hatte und auch in den Inhalt des Briefes eingeweiht gewesen war, den Maskenball in demselben Kostüm besucht und war der Briefschreiberin zuvorgekommen, hatte Pratt zuerst angesprochen und ihn durch eine glänzend gespielte Komödie umgarnt! ‒

„Ich will Ihnen meine traurige Geschichte anvertrauen,“ fuhr die Blonde fort, indem sie sich dichter zu Pratt hinneigte.

Was Pratt vorausgesehen, geschah nun: Wort für Wort fast erzählte sie ihm genau dasselbe, was er bereits von der anderen gehört hatte! ‒

Pratt hatte schon manches an verwickelten Tatumständen eines Verbrechens kennengelernt! Zumeist hatte er sich selbst den dunkelsten Geschehnissen gegenüber bald eine bestimmte Theorie gebildet, hatte mit seiner regen Phantasie scheinbar zusammenhanglose Ereignisse geschickt miteinander verknüpft und so stets nach einem für ihn feststehenden Programm seine Arbeit begonnen.

Hier aber versagte er. Hier begriff er nicht, was die andere Frau dazu bestimmt haben könnte, die Rolle der Briefschreiberin zu spielen!

Als die blonde Türkin neben ihm nun mit von Schluchzen halb erstickter Stimme ihre Bitte wiederholte, Pratt solle doch für sie die Schatulle aus Brocbys Wohnung holen, da erwiderte er, indem er die schmale Hand des armen hintergangenen Weibes in die seine nahm:

„Mistreß, Sie müssen ganz offen zu mir sein! Sie müssen mir Ihren Namen nennen! Sie müssen! Denn ‒ ich habe die Schatulle bereits im Auftrag einer anderen blonden Frau, die Ihre Rolle mir gegenüber spielte, gestohlen, und die Schatulle ist mir dann entrissen worden.“

Mit einem dumpfen Ächzen, das Pratt tief ins Herz schnitt, sank die Frau neben ihm haltlos zusammen. Er stützte sie, er sprach der mit einer Ohnmacht kämpfenden Mut zu.

Seine eindringlichen Worte, seine feste Zusage, alles seinerseits zu tun, die Schatulle wieder herbeizuschaffen, gaben dem bedauernswerten Weibe die Hoffnung, daß noch nicht alles verloren sei.

Sie löste jetzt die schwarze Seidenmaske von ihrem Gesicht und enthüllte ein schmales Antlitz von unendlichem Liebreiz.

Pratt kannte diese stadtbekannte Schönheit von Ansehen: es war die Gattin Edward Lincolns, des Direktors der Manhattan-Bank!

Wieder nahm er ihre Hand.

„Mistreß Lincoln, ich werde Sie jetzt allerlei fragen müssen,“ sagte er weich.

„Fragen Sie! Ich habe kein Geheimnis mehr vor Ihnen.“

Pratt suchte nun zu ergründen, ob Daisy Lincolns an ihn gerichteter Brief vielleicht irgendwie von jemand in ihrem Hause geöffnet worden sein könnte, ob ferner Frau Lincoln eine Feindin hätte, schließlich ob sie sich auf jemand besänne, der Kenntnis von ihrer damaligen heimlichen Verlobung mit Brocby besäße.

Ihre Antworten befriedigten ihn nur zum Teil. Dann fragte er, ob sie wüßte, das Brocby hier im Carlton heute das Opfer eines Attentats geworden.

Nein ‒ sie hatte davon noch keine Ahnung. ‒ Um das Fest nicht zu stören, war das Attentat also streng geheim gehalten worden.

Immerhin: Nic Pratt hatte durch seine Fragen wenigstens das erreicht, daß er jetzt Frau Daisy erklären konnte:

„Seien sie nicht mutlos, Mistreß! Vielleicht werden sie rascher von all Ihren Sorgen befreit sein, als der Beginn unserer Unterredung erwarten ließ. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die Person Ihren Brief heimlich öffnete oder öffnen ließ, nichts anderes beabsichtigt als nun selbst an Ihnen Erpressungen zu versuchen, daß diese Person anderseits aber auch gegen Brocby einen tiefen Haß hegte, der sie dazu trieb, ihn durch ihre Helfershelfer beseitigen zu lassen. Geldgier und Rachsucht sind die Motive dieser beiden Verbrechen, nämlich des Diebstahls, den man mich ausführen ließ, und des Mordversuchs.“

Frau Lincoln hatte Pratt mit tränenverschleierten Augen angeblickt.

„Oh ‒ wenn Sie die Schatulle nur erst hätten!“ rief sie leise. „Wie wollen Sie aber diese beiden Leute finden, die doch in der Gladystraße spurlos verschwunden sind, nachdem sie das Auto rasch verlassen hatten?“

Pratt drückte ihre Hand.

„Sehen Sie, Mistreß, gerade dieses schnelle Verschwinden gibt mir einen Fingerzeig, wo ich zu suchen habe. Die Gladystraße macht an der Stelle, wo die beiden Männer aus dem Auto sprangen, eine Biegung. Mein Freund Grablay kam gerade um diese Ecke herum, als ich mich noch von den mir über den Kopf geworfenen Kleidungsstücken zu befreien suchte. Grablay sah die Männer nicht mehr. ‒ Nicht zwei Männer übrigens, sondern drei Personen müssen es gewesen sein, da ja die eine das Auto gesteuert haben muß. Wahrscheinlich war dies die Frau, die mich so raffiniert getäuscht hat. Und ‒ weil Grablay sie nicht mehr sah, obwohl doch nur Sekunden vergangen sein können, müssen die drei in ein Haus der Gladystraße geflüchtet sein, zu dem sie ‒ den Hausschlüssel besaßen.“

Frau Lincolns Augen glänzten hoffnungsfroh.

„Vielleicht wohnen die drei dort, Mr. Pratt –“

„Das werden wir schon feststellen.“ Er erhob sich. „Ich muß jetzt gehen. Grablay wollte ebenfalls hier nach dem Carlton kommen. Dann werden wir beide die Schatulle den Leuten abjagen. – Auf Wiedersehen, Mistreß Lincoln. Rufen Sie mich morgen vormittag gegen elf Uhr an.“ –

Die liebreizende Frau war allein. Sie hatte unwillkürlich die Hände gefaltet. Ihre Gedanken waren wie ein Gebet, daß Pratt bei seinem Vorhaben vom Glück begünstigt sein möchte.

 

4. Kapitel.
Die Kammerzofe.

Pratt ging in die Garderobe und fragte, ob ein Herr sich einen Domino geliehen hätte ‒ ein großer, breitschultriger, bartloser Herr.

Die Antwort lautete verneinend. Grablay war also noch nicht hier gewesen.

„Wenn dieser Herr kommt und einen Domino verlangt, so bestellen Sie ihm, er möchte „den Mönch“ in der Warrenstraße aufsuchen,“ sagte Pratt zu den Garderobenfrauen und spendete zehn Dollar für sie.

Dann zog er seinen langen Mantel über und trat auf die Straße hinaus.

Die riesige Uhr vor dem Hotel mit ihren grell erleuchteten Zifferblättern zeigte genau Mitternacht an.

Noch. immer stand eine endlose Reihe von Autos dicht am Bürgersteig. Pratt schlenderte an ihnen entlang und bestieg den letzten Kraftwagen der Reihe, ein Taxameterauto. Dem Chauffeur nannte er als Fahrtziel Gladystraße Nr. 19, also Brocbys Haus.

Unterwegs legte er die Maske des Mönches wieder ab und klebte sich den Spitzbart vor, den er schon vorhin benutzt hatte. Er ließ das Auto dann bereits am Anfang, der Gladystraße halten, bezahlte den über die Verwandlung seines Fahrgastes nicht weiter erstaunten Chauffeur, der ja wußte, das im Carlton ein Maskenfest gegeben wurde, und ging zu Fuß, die Mönchskutte überm Arm, bis zu jener Krümmung der Straße, wo Monlays Auto von den Verbrechern verlassen worden war.

Das Auto war jetzt nicht mehr da, die Straße völlig menschenleer.

Pratt blieb vor dem Hause stehen, in das die Verbrecher seiner Meinung nach geflüchtet sein mußten. Gewiß, auch die Nachbarhäuser kamen in Betracht, aber Pratt wollte mit seinen Nachforschungen doch zunächst hier in Nummer 41 beginnen.

Die Haustür war verschlossen. Der Patentdietrich bewährte sich auch hier. Im Hausflur fand Pratt an der Wand eine große Tafel mit den Namen sämtlicher Bewohner. Der Portier wohnte im Erdgeschoß des Hofgebäudes. Pratt läutete ihn heraus, zeigte dem Manne seinen Ausweis als Detektiv und fragte, ob hier im Hause sich Mieter befänden, denen der Portier nicht so recht traute ‒ zweifelhafte Existenzen eben. ‒ Der Hauswart verneinte. Die Mieter wohnten hier sämtlich schon mehrere Jahre und seien hochachtbare Bürger.

Ob denn jemand hier möblierte Zimmer abgebe, fragte Pratt weiter.

Auch dies sei nicht der Fall, erklärte der gefällige Portier, den zehn Dollar für den gestörten Nachtschlaf entschädigten.

Dann fügte er aber hinzu: „Nebenan in Nr. 40 gibt es ein Fremdenheim, Mr. Pratt. Die Inhaberin steht mit der Polizei auf etwas gespanntem Fuße. Sie nimmt Leute bei sich auf, die anderswo kein Unterkommen finden, besonders weibliche Personen.“

Pratt verabschiedete sich. Als er wieder in der Gladystraße stand und die Haustür abschloß, kam aus der Richtung von Nr. 19 ein einzelner Herr daher, dessen Bewegungen Pratt recht bekannt erschienen.

Es war Stuart Grablay.

„Ah, Nic, schon wieder hier?“ meinte der Inspektor erstaunt. „Das trifft sich ja sehr gut. ‒ Denken Sie, Brocby ist der Stichverletzung erlegen, ist innerlich verblutet. Er konnte mir nur noch kaum verständlich zuflüstern, das Frau Daisy Lincoln, die bekannte Schönheit, seine Mörderin sei. Ich bin gerade auf dem Wege zum Carlton, um sie in aller Stille zu verhaften.“

„Damit warten Sie besser noch eine Weile, Stuart,“ erklärte Pratt ernst. „Nämlich so lange, bis ich Ihnen bewiesen haben werde, daß Frau Lincoln mit alledem nur insofern etwas zu tun hat, als sie es war, die von diesem elenden Brocby aufs gemeinste ausgesogen wurde.“

Und nun berichtete er kurz, was er soeben im Carlton erlebt und erfahren hatte.

Grablay war sprachlos. An die Möglichkeit, daß es zwei blonde Türkinnen geben könnte, hatte er gar nicht gedacht.

„Wer aber kann sich nur von dem Inhalt des an Sie gerichteten Briefes Kenntnis verschafft haben?“ meinte er kopfschüttelnd. „Frau Lincoln wird mit diesem Brief doch fraglos sehr vorsichtig umgegangen sein.“

„Die Kammerzofe Ellen Grany tat‘s,“ erwiderte Pratt. „All die Fragen, die ich Frau Lincoln stellte, sollten mich über das Personal des Hauses Lincoln aufklären. So hörte ich denn, wie Frau Lincoln ihre Zofe über Gebühr lobte. Ellen Grany soll eine Perle sein. Aber ich hörte auch, daß sie für diese Nacht und für morgen sich hat beurlauben lassen, um mit ihrem auf der Durchreise befindlichen Bruder zusammensein zu können. Frau Lincoln merkte nicht, daß diese Ellen mir verdächtig vorkam. Ich hütete mich auch, ihr davon etwas zu sagen. Die Sache dürfte so sein: Brocby hat sich an die Zofe herangemacht, wohl gar eine Liebelei mit ihr angefangen. so wurde sie seine Helfershelferin, so erfuhr sie von den Briefen und der Schatulle. Aber Brocby ward ihrer bald überdrüssig. Deshalb kam Ellen mit zwei guten Freunden überein, die Schatulle Brocby zu stehlen. Möglich, daß die Leute bereits vorher bei Brocby eingedrungen sind und die Schatulle nicht fanden. Dann schrieb Frau Lincoln den Brief an mich, den Ellen irgendwie heimlich lesen konnte. Nun entwarfen die Verbrecher den Plan, auf Grund des Briefes mich zum Diebstahl der Schatulle zu verleiten. Gleichzeitig mag Ellen den Entschluß gefaßt haben, den ungetreuen Geliebten zu töten. ‒ Ich denke, diese Theorie wird stimmen.“

Grablay nickte. „Das glaube ich auch. ‒ Sie hoffen nun, die drei in Nr. 40 in dem Pensionat zu finden?“

„Vielleicht. Jedenfalls in einem dieser Häuser hier, wo Ellens Verbündete sich eingemietet haben dürften, um Brocby und der Schatulle nahe zu sein.“

„Gut ‒ also dann Nr. 40!“ meinte der Detektivinspektor energisch.

„Halt, Stuart! Jetzt, wo ich Sie getroffen habe, wollen wir keine Vorsichtsmaßregel außer acht lassen, die uns zur Verfügung steht. Lassen Sie die Gladystraße durch Geheimpolizei sperren. Ich warte hier. Gehen Sie zur nächsten Polizeiwache und leiten Sie alles in die Wege.“

Grablay war einverstanden und entfernte sich. Eine Viertelstunde später erschienen in der Gladystraße fünf Männer, die sich gegenüber von Nr. 40 in den Haustürnischen verbargen.

 

5. Kapitel.
Um Daisy Lincolns Glück.

Frau Tuckson, die Inhaberin des Fremdenheims in der zweiten und dritten Etage von Nr. 40, war eine hagere Frau mit scharfen Gesichtszügen und einem Anflug von Schnurrbart unter der Nase. ‒ Diese Mutter Tuckson hatte viel in ihrem Leben durchgemacht, so auch in jüngeren Jahren einige Zeit in Sing-Sing (Zuchthaus bei Neuyork) geweilt.

Als sie jetzt in dieser Nacht gegen ein Uhr morgens ‒ sie hatte ihre Privatzimmer im zweiten Stock ‒ herausgeklingelt wurde, war sie noch nicht zur Ruhe gegangen. Sie öffnete die Flurtür und sah sich zwei Herren gegenüber, von denen sie den einen von Ansehen nur zu gut kannte, nämlich den gefürchteten Detektivinspektor Stuart Grablay. Sie wurde jedoch nicht im geringsten verlegen, denn ausnahmsweise hatte sie ein ganz reines Gewissen. Sie führte Pratt und Grablay in ihr Empfangszimmer und fragte mit kühler. Höflichkeit, womit sie der Polizei dienen könne, indem sie so andeutete, das Grablay ihr kein Fremder sei.

Auf des Inspektors Frage nach zwei Männern, die vielleicht unlängst hier bei ihr gemietet hätten und die gegen ein Viertel zwölf in dieser Nacht in Begleitung eines dritten Mannes nach Hause gekommen sein müßten – falls es eben die Gesuchten wären –, holte Frau Tuckson ihre Mieterliste und zeigte Grablay die letzten Namen. Da waren vermerkt:

Ingenieur Allan Duncam auss Illinois, Kaufmann Howard Timmal aus Chikago, Musiker Chester Gryps aus Atlanta.

Alle drei waren seit vorgestern Mutter Tuksons Gäste. Die übrigen Mieter wohnten hier schon sämtlich über einen Monat. Duncam hatte ein Zimmer im zweiten Stock, Timmal und Gryps zwei nebeneinander liegende im dritten, und zwar die Nummern 9 und 10.

Jetzt mischte sich Pratt ein, da Frau Tuckson über diese drei Leute nichts- angeben konnte und da sie auch nicht wußte, wann sie heimgekehrt seien.

„Timmal und Gryps kennen sich also scheinbar nicht,“ meinte er. „Hatten Sie, Frau Tuckson, den Eindruck, daß die beiden beim Mieten Zimmer wählen wollten, die aneinander stießen?“

„Ja. – Timmal kam eine Stunde vor Gryps. Er nahm Nr. 9, nachdem er mich gefragt hatte, ob Nr. 10 unbesetzt sei.“

Pratt nickte befriedigt.

„Ich bin Nic Pratt,“ erklärte er dann. „Führen Sie uns jetzt leise in den dritten Stock, Frau Tuckson. Dann lassen Sie uns dort oben allein" –

Gleich darauf standen Grablay und Pratt im dunklen Flur vor der Tür von Nr. 9. Pratt schaute durch das Schlüſſelloch.

„Dunkel!“ flüſterte er.

Aber – Nr. 10 war erleuchtet, und die beiden Freunde hörten drinnen sprechen.

Pratt schlüpfte zur Tür von Nr. 9 zurück. Der Schlüssel steckte von innen. Der Bart des Schlüssels stand schräg. Pratt holte die kleine Zange hervor, und der Schlüssel drehte sich zweimal herum. Nun war die Tür offen.

Grablay trat ein. Pratt blieb im Flur, nachdem der dünne Lichtkegel seines Leuchtstabes ihm gezeigt hatte, daß die Verbindungstür der beiden Zimmer, vor der ein jetzt zur Seite gerückter Schrank stand, nur angelehnt war. Um die Tür von Nr. 10 zu versperren, lehnte er jetzt leise einen leeren Koffer dagegen, so daß die Kofferkante sich gegen den Vorsprung der Füllung lehnte. Da die Tür nach außen schlug, mußte diese Stütze das Öffnen der Tür verhindern. Dann schlich er wieder in das Zimmer zurück, wo Grablay inzwischen die Verbindungstür bereits geräuschlos weiter aufgezogen hatte.

Die in Nr. 10 befindlichen Personen, jetzt nur noch durch einen Vorhang von den Lauschern getrennt, sprachen mit stark gedämpften Stimmen, aber doch offenbar sehr erregt. Man unterschied zwei Männer- und eine Frauenstimme.

Die Unterhaltung drehte sich um – Brocby!

Die beiden Männer machten der Frau Vorwürfe, weil sie aus „lächerlicher“ Eifersucht Brocby niedergestoßen hatte.

Dann. wurde auch der Vorname der Frau genannt: Ellen! –

Grablay stieß Pratt vielsagend an.

Kein Wunder, daß Nic Pratt triumphierte: seine Theorie war richtig gewesen! –

Die drei Personen redeten sich untereinander mit „Du“ an. – Jetzt sagte die Zofe etwas lauter:

„Du solltest doch besser schweigen, Howard! Wer hat denn den ganzen Plan ausgeheckt, daß ich mir eine blonde Perücke beschaffen und als Türkin das Fest besuchen sollte – doch nur Du! Ein Zufall führte mir dann Brocby in den Weg. Ich wußte, daß er als Indianerhäuptling maskiert war. Die Empörung darüber, daß er mich nur für seine Erpresserzwecke ausgenutzt hatte, raubte mir die klare Überlegung.“

Pratt griff jetzt in die Tasche und nahm den Revolver heraus, hauchte Grablay ins Ohr:

„Machen wir Schluß!“

Der Inspektor schob rasch den Vorhang zur Seite und trat ein.

Die drei, die da um den Tisch herumsaßen, schnellten hoch.

Pratt war dicht hinter Grablay.

„Keine Dummheiten!“ warnte er. sein Revolver hielt die drei in Schach.

Grablay ging und öffnete das eine Fenster, rief seinen Leuten zu, heraufzukommen.

„Wo ist die Schatulle?“ fragte er dann Ellen Grany, die leichenblaß in ihren Stuhl zurückgesunken war.

Die beiden gutgekleideten Männer, deren bartlose intelligente Gesichter sich nur wenig verfärbt hatten, schauten Pratt mit versteckter Wut an, denn ihm allein, daß wußten sie, hatten sie ihre Überrumpelung zuzuschreiben.

„Suchen Sie doch!“ rief der eine. „Suchen Sie nur die Schatulle! Verhaften sie uns! Dann wird Frau Lincolns Liebesgeschichte morgen in allen Zeitungen stehen!“

Ellen Grany, die ein schlichtes dunkles Kleid trug, während ihr Maskenkostüm und die blonde Perücke auf dem Diwan lagen, schluchzte jetzht in ehrlicher Reue:

„An allem ist John Brocby schuld ‒ an allem! Mich hat er nur umgarnt, damit er eine Spionin im Hause Lincoln hätte. Oh ‒ wie undankbar bin ich gegenüber meiner Herrin gewesen! Wie gut hat sie mich stets behandelt, wie sehr hat sie mir vertraut! Brocby war der elendeste Schurke, den die Erde je getragen hat. ‒ Howard, ich beschwöre Dich: schone Frau Lincoln! Weshalb soll sie noch unglücklich werden! Ich werde nichts verraten, werde nur zugeben, daß ich Brocbhy mit dem Dolchmesser, das zu seinem Kostüm gehörte, niederstieß. Und Mr. Pratt wird ebenfalls schweigen! ‒ Ich will gern meine Strafe auf mich nehmen!“

Grablay trat rasch an Pratt heran. „Es wäre am besten, wenn man die Schatulle samt Inhalt verbrennen würde und wenn Sie den Diebstahl der Schatulle und die Begleitumstände verheimlichten. Dann blieb nur das Attentat auf Brocby übrig. Anders ist Frau Lincolns Eheglück nicht zu reiten.“ ‒

Er hatte es überhastet geflüstert, denn draußen im Flur hörte man schon die Schritte der Beamten.

Pratt drückte dem Freunde dankbar die Hand.

„Sie sind ein anständiger Kerl, Stuart! Nicht jeder hätte als Beamter so viel Herz bewiesen wie Sie! Ich konnte Sie nicht gut darum bitten, die Hälfte der Ereignisse zu unterschlagen.“ ‒

Grablays Leute traten ein. Er ließ Ellen Grany dann abführen. Nun waren er und Pratt mit den beiden Männern wieder allein.

„Sie sehen, ich schone Sie,“ sagte Grablay kurz. „Wo ist die Kassette?“

Howard Timmal deutete auf eine große Vase. „Dort in der Vase. ‒ Wir danken Ihnen, Mr. Grablay, daß Sie uns auf freiem Fuße beließen. Ich heiße in Wahrheit Howard Grany und bin Ellens Bruder. Chester Gryps ist mein Jugendfreund. Uns ging es in letzter Zeit sehr schlecht. Wir waren stellenlos, und aus Not kommt man leicht auf böse Gedanken. Wir versprechen Ihnen, das wir von der Schatulle nichts erwähnen werden ‒ unter keinen Umständen.“ ‒

Als Frau Daisy Lincoln am Vormittag Pratt anrief, erklärte er ihr, daß jede Gefahr endgültig beseitigt sei.

„‒ Die Schatulle existiert nicht mehr. Ich habe sie selbst vernichtet, ohne sie zu öffnen. Der Auftrag ist damit erledigt, Mistireß Lincoln. Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft.“ ‒

Ellen Grany kam mit drei Jahren Gefängnis davon, weil die Geschworenen sich durch die Tränen des von dem stadtbekannten Schürzenjäger John Brocby betrogenen Mädchens rühren ließen. In der Verhandlung wurde die Schatulle überhaupt nicht erwähnt. Pratt war nicht einmal als Zeuge geladen. Er hatte zur selben Zeit auch einen Fall in Arbeit, der ihn zwang, volle acht Tage für tot zu gelten. Diesen Kriminalfall bringt der folgende Band.

 

Nächster Band:
Eine rätselhafte Fabrik.