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Das Gespenst

 

Männe und Max

lustige Bubengeschichten

 

3. Band

 

Das Gespenst

 

von

Walther Neuschub

Mit Bildern von

R. Hansche

 

Verlag moderner Lektüre, G.m.b.H.
Berlin SO 16, Michaelkirchstraße 23a.

 

Nachdruck verboten. – Alle Rechte einschließlich das Verfilmungsrecht vorbehalten. – Copyright 1930 by Verlag moderner Lektüre G. m. b. H., Berlin SO 16.

Druck: Buchdruckerei P. Lehmann G. m. b. H., Berlin.

 

 

 

 

In dem kleinen Schlafgemache
Schwuren Max und Männe Rache,
Denn die böse Tante Jette
Schickte sie stets früh zu Bette.
Wenig konnten diese beiden
Gerade diese Tante leiden,
Die vorübergehend nur
Hier im Hause war zur Kur.

 

 

Und in Eile und in Hast
Ward der Buben Plan gefaßt:
Tante Jette, warte nur!
Bob der Hund ist Hauptfigur!
Nun bei einer Kerze Schein
Schnell in Jettes Kämmerlein,
Und ganz leise, sachte, sacht
Die Kommode aufgemacht.

 

Bob schmückt bald der Hut, der große,
Und zwei Bänder werden lose
Um den Hals dem Hund gewunden,
Vorn zur Schleife hübsch gebunden.

 

 

Nun noch fix zwei weiße Decken
Sich um Bobchens Körper strecken.
„So nun kusch’ Dich unters Bette,
Denn schon hört man Tante Jette.“

 

Männe hinten, Max voran,
Treten sie den Rückzug an.
Bald mit tiefen Atemzügen
Beide im den Federn liegen.
Tante Jette unterdessen
Hatte ziemlich spät gegessen,
Weil der Lehrer Piependreier
Vorsprach noch bei Knödelmayer.

 

 

Was recht häufig jetzt geschah
Und die Tante gerne sah,
Die trotz reichlich vierzig Jahr
Noch bis dahin ledig war.
Nun begibt sich Tante Jette
In ihr kleines Kabinette,
Legt das Haar, die Zähne weg
Unters Bett in ein Versteck.

 

 

Mit zufriedenem Gesicht
Löscht sie bald der Kerze Licht;
Dann mit wonnigem Gefühl
Sinkt sie in den Federpfühl.
Und des Mondes blasser Schimmer
Matt erleuchtet nun das Zimmer,
Trifft den Haarschopf, das Gebiß
Durch des Bettvorlegers Riß.

 

 

Bob, der Hund, vor Langeweile
Nimmt des Schopfes längste Teile,
Und mit großem Wohlbehagen
Fängt er an sie zu zernagen.
Ungefähr um Mitternacht
Ist die Tante aufgewacht,
Weil sie ein Geräusch vernahm,
Welches wohl von unten kam.

 

Angsterfüllt und leichenblaß
Denkt sie: „Himmel was ist das?!
Sollt’s vielleicht ein Räuber sein
Unterm Bett und ich allein?!“
Blitzschnell dachte Tante Jette
Weiter an die Geldkassette,

 

 

Unterm Bett lag die o Graus!
Dennoch sprang die Tante ‘raus.

 

 

Aber Bob im weißen Kleid
Fürcht’t für seine Sicherheit,
Und mit kühnem Satz er sprang
Auf die breite Fensterbank.

 

 

Von dem Mondlicht bleich umflossen
Stand er dort wie angegossen.
Und nach Tante Jettes Meinung
War’s ‘ne richt’ge Spukerscheinung.

 

Starr schaut sie mit wirren Blicken,
Eiskalt läuft’s ihr übern Rücken,
„Hu ein Geist! Gott steh’ mir bei!“
Tönte laut ihr Hilfeschrei,
Du jetzt heult die Spukgestalt
Tante Jette wankt alsbald,

 

 

Kraftlos werden ihre Glieder
Und bewußtlos sinkt sie nieder.

 

Bob, der Hund, voll Seelenpein,
Zog besorgt das Schwänzchen ein,
Heuchelt Mitleid, doch gar bald
Ließ ihn die Geschichte kalt,
Denn herein stürmt Männ’ und Max
An den bösen Geisterplatz,
Lassen Bob ins Treppenhaus.
Nun ist’s mit dem Geiste aus.

 

Max erspäht den Zopf, den langen,
Nur noch wenig Haare hangen
An der einst’gen Haupteszier,
Die benagt’ der Bobby hier.
Männe wieder findet schnell
Auch die Zähn’ an dieser Stell’,

 

 

Und damit ‘s ein Gaudi gibt,
Halb er in den Mund sie schiebt,

 

Während Mäxchen alsobald
Stülpt sich auf den Schopf als Skalp.
Beide zeigen also hier
Ihrer Tante schönste Zier.
Auch der Lehrer Piependreier,
Welcher noch mit Knödelmayer
Eine Flasche Wein geleert
Hatte Jettes Schrei gehört.

 

 

Knödelmayer, Piependreier
Eilen hoch die Trepp’ mit Feuer.
Aber ach nur allzubald
Treffen sie die Spukgestalt,

 

 

Knödelmayer packt zu,
Hebt den Bob ganz hoch im Nu,
Ahnt sofort mit klugem Blicke
Seiner Buben arge Tücke.

 

Gerbt dem Bob zunächst das Fell,
Eilet weiter dann zur Stell’,
Wo die Tante Jette schopflos
Lieget, sozusagen kopflos,
Sieht jetzt Männ’ und Max dabei,

 

 

Wiederholt die „Gerberei“,
Wehgeschrei erfüllt die Luft,
Dazu kommt der Zwiebelduft.

 

Denn mit Schütteln und mit Reiben
Und mit ein’gen Zwiebelscheiben
Piependreier hat’s gemacht,
Das die Tante ist erwacht.
Dankbar schmiegt sie sich dem Retter
An die Brust. „Du süßer, Netter!“
Flötet sie; doch Piependreier
Scheint die Sache nicht geheuer.

 

Da ja bei der „Gerberei“
Ward entdeckt die Mogelei,
Die die Jette auf dem Kopf
Trieb mit Zähnen und mit Schopf,

 

 

Piependreier welcher Jammer!
Schnell entflieht der Arme Klammer,
Denn der Tante eignes Ich
Ist ihm zu veränderlich.

 

 

Unten trifft er Bob, Männ’, Max
Die, vor Reute weich wie Wachs,
Reiben sich die Achterseiten.
Hiebe sind nicht Kleinigkeiten,
Wie ja wohl ein jeder weiß.
Piependreier spricht nun leis’:
„Kinder, dieser Euer Spuk
Hat enthüllt mir ‘nen Betrug.

 

Zähn’ und Schopf von dieser Art
Bleiben jetzo mir erspart.
Gute Nacht und habet Dank!“

 

 

Womit er dem Blick entschwand.

 

 

Tante Jettes Schmerz war groß
Und sie schluchzte fassungslos:
„Morgen reis’ ich aber ab!“,
Schlug die Türe zu dann schwapp!

 

 

Traurig kämmt des Skalpes Reste
Sie nach diesem Geisterfeste,

 

 

Sucht die Zähne auf der Diele,
Ach es waren nicht mehr viele,
Da Herrn Knödelmayers Fuß
Sie zertrat zu Stücker-Mus,

 

 

Dann packt sie den Koffer ein.
Morgen wird zu Haus’ sie sein.

 

Und bei Tante Jettes Qual
Wird uns deutlich die Moral:
Reizet Kinder nicht durch Strenge!
Niemals sei Dein Herz zu enge
Für der Kleinen harmlos Sehnen;
Suche stets sie zu versöhnen,
Denn aus ihren Kinderherzen
Kommen oft Dir eigne Schmerzen!

 

Bob, Männ’, Max, dies Kleeblatt keck,
Jagten so die Tante weg.
Was sie weiter noch getrieben,
Sei im nächsten Band beschrieben.

 

 

 

Verlagswerbung: 

 

 

Illustrationsprobe aus dem 4. Streich.
„Ein Gang zum Photographen“.

 

 

Illustrationsprobe aus dem 4. Streich.
„Ein Gang zum Photographen“.

 

 

Illustrationsprobe aus dem 6. Streich.
„Köchin Line und der Handelsmann“.

 

 

Illustrationsprobe aus dem 6. Streich.
„Köchin Line und der Handelsmann“.

 

 

Illustrationsprobe aus dem 7. Streich.
„Räuber Trald“.

 

 

Illustrationsprobe aus dem 7. Streich.
„Räuber Trald“.